2. Beilage zur „Neuen Tageszeitung".
Vt. 20
Sam» ag, den 81. )an»»ar l'Jl l.
7. latsrgnnq
Wochenschau.
Regierungswechsel in Elsaß Lothringen. — ‘Wodimnl» Zaber« im Rrichstog. — Die Laste aus dem Balkan. — Dos englische Ministerium.
Wir eine Lawine, alles mit sich reisten!», rollt nork, immer die Assärs Zabern. und sie hat, wie man nach dem Gang der Dinge kaum anders erwarten konnte, auch die Gesamtrcgie- rnng von Elsast-Lothrivgen in ihren Stur» verwickelt. Am Mittrvoch l>at gelegentlich einer Kommissionsheratung in, Landtage Staatssekretär Zorn von Bulach die Erklärung ab- gegeben, die Gcsamtregierung von Elsaß-Lothringen habe ihre Konsequenzen aus dem Vorfälle von Zabern gczoge». Nach den freisprechenden Erkenntnissen der Strastbnrger Kriegsgerichte kann das nicht weiter wundernehme», denn damit war dem Standpunkte Ausdruck gegeben, daß in Zabern die Zivilverwaltung versagt habe. Nachdem sich euch der Reichskanzler dem Freispruch anschlost und in einem osfiziösen Kominuniquä veröffentlichen liest, dast die Reichsregierung weitere Instanzen nicht anrufen wolle, war das Schicksal der Strastbnrger Regierung entschiede». Angesichts der »och inuner verworrenen Situation konnte es kaum einen anderen Ausweg geben, denn das jetzige Ministerium hatte nach feinem Verhalten bei der Zaberner Assäre wohl sckwcr- lich noch die genügende Autorität, nin mit Erfolg die Regie- rungsgcschäfte weiter zu fuhren. Gewiß ist dadurch die Lage in den Reichslanden nicht gebessert, aber auf der anderen Seite wird es gut sein, wenn neue und entschiedene Männer aut der Bildfläche erscheinen, die geeignet sind, eine Konso- lidierung der Verhältnisse hcrbeizusiibren. Es steht fest, dast das bisherige Ministeriuin nicht immer eine geschickte Hand g> habt bat und dast cs es nicht verstanden hat, Tinge zu »eibindern. die eine Hemmung für die weitere EntN'lckcluug der Reichslande mit sich bringen muhte». Haben doch schtiestlich die Tinge einen Gang grnomine», der die Bedenken mancher Kreise gegenüber der Elsast-Lothringen gewährte» Verfassung noch vergrösterte und bei diesen den Gedanken wachricken, bei passender Gelegenheit eine Revision berbei- »usühren. Wer das Erbe der Herren Zorn von Bulach und Mandel nntritt, ist noch nicht bestimmt, ebensowenig wie eine Entscheidung über den Nachfolger des Grafe» Wedel auf dein Statthalterposlcn getroffen worden ist. Man spricht da t-om Fürsten Biilow, dessen ungesck>»vächte Tatkraft man gern wieder im Interesse des Reiches ausnutzen möchte, des wci- teren nennt man den jetzigen prenßischen Landwirtschasts- miniiter Freiherr von Schorlcmer-Licjer und schtiestlich auch den koinmandicrcnden General des 14. Armcelorps. Frei- Herrn von Hoiningcn Hncnc. ES ist an der Zeit, dast die Verhältnisse in den Rejchslanden eine Klärung erfahren.
wenn liicht die Arbeit mehrerer Jahrzehnte spurlos verwischt sei» soll.
Ter Temijsion der reichsländi'chen Regierung vorange- gangen sind wenige Tage zuvor im Reichstage die Interpellationen über die Verwendung des Militärs. Die Erwartungen aus eine groste und leideni'chastliche Debatte wurden aber kiittäuscht, abgesehen von einem durch den Genosse» Frank hervorgerusenen Zwischenfall, veranlaßt durch die Kritik an der Haltung des Kronprinzen, t»erlief die Erörterung ruhig und sachlich, »nd die bürgerlichen Partei '» zeigten im großen und gauzen eine wesentlich andere Haltung, als in jener Dezemberdebatte, die zu einen» Mißtrauensvotmu gegen den Kanzler führte. Veranlaßt wurde dies durch das diesmalige Austcrtcn des Herrn v. Betbniann-Hollweg. das seine Unklarheiten übrig liest und ankiindete, dast man ans den Vorkommnissen die Konsequenzen ziehen wolle.
Ziemlich unverändert ist noch immer die Lage aus dem Balkan. Die Diplomaten schreiben sich die Fingcr wund an Noten, etwas Wirkliches geschieht aber nicht, eS bleibt im wesentlichen alles beim alten. Welchen Ausgeng die Inscl- frage uock> nehme» wird, läßt sich nickt voraussehen, und es is» erklärlich, wenn man in Koustantinopel bereits die Geduld zu verlieren beginnt. Man drängt dort zu einer Entscheidung und auch von Athen aus wünscht man eine Verständigung. am liebsten auf direktem Wege durch Verhandlungen in Koiistantinopel. Gelegentlich des mehrtägigen Aufenthaltes des griechischen Ministerpräsidenten Venizelo? in Berlin dürste die Inselsrage zu eingehender Erörterung gelangt sein, nachdem der griechische Ttaatsuiann auch die Ansichten der Pariser und Londoner maßgebenden Stellen zu Gehör bckominen beit. In Berlin hat VcuizcloS auch Gelegenheit genomnien, den Prinzen zu Wied zu besuchen, ein Schritt, der angesichts der Nachbarlcksrft Albanien? und G- ie- chcnlauds nur begrüßt werden kann. Die albanische Frage selbst ist ebenfalls noch imnier nicht gänzlich geklärt und der Prinz verzögert seine Abreise von Wache zu Woche.
Die in der vorigen Wochenschau geschilderten Differenzen im Sckoste der englischen Regierung sind behoben, Lloyd George hat wohl im Hinblick ans die Landesverteidigung seine große» Bedenken ausgcgeben und man hat sich auf einer mittleren Linie geeinigt. Ein solches Resultat war mit ziemlicher Sicherheit vorauSzusoben. zu mindestens inußlc man sich darauf gefaßt sein, daß die Mehrheit des Kabinetts sich für keinen Stillstand im Ausbau der Flotte entscheiden würde. In Einzelsragen tchcint man sich aber noch nicht ganz schlüssig zu sein, wobei auch finanzielle Fragen mitspielen, da nian nicht minder bofroi in Deutschland jenseits des Kanals sehr genau rechnen muß und gezlvnngen ist. neue Duellen zu erschließen, da dir alten versiegt sind.
^ns der iiriiiint.
Friedberg, 31 Jan. Jum Oberstleutnant befördert: der Major i„,d Ba,ai»a»»Iommand.ur Fischer im 5>. Großh. Hess. Ins -Regt. Ri. HX — Fixe», C»M. an der UnIeiossiZIerschuie in Jülich unter Versetzung in da, Ins Regt. Nr 16S all Ins». STfTi»i«r zur Kriegsschule ;n Danzig kommandiert. — o,um Oberleutnant befördert: Li. Ouade im Inf Nrg, Nr. ltK.'
* dutzbach. 31. Jan. Dar. I BataiNo» s. «roßh. Hess. Inj.. Negiincnt» Nr. HK (Butzbaibs d.'adsichiigt von» l0>. di» 2t Fe. druar d. I. aus den, großen Erersierplotz Zwischen Butzbach und lkspo. Schußrichtung Forsthau». gegen den Heidelbeeiderg ge. secht,mäßige, Schießen mit scharser Munition adzuhalten. Da» Schießen beginn, täglich UNI halb !> Uhr vormittag, und endet um 4 Uhr nachmittag» Für d«» Berlehr gesperrt ist da» Ge. lande zwischen Straße be,w. Weg «rauere«, Butzbach. Wasser- hau». Eber» «Sn». Foistdau» Butzbach (Weg einschließlich, und l-er Straße bezw Weg Brauerei Taunu»straße. Fußweg Hausen, Faisihas,» ssveg ausschlseßlichj.
' Gießen, ,!I Jan Unter den Auszeichnungen, die d«l Kaiser verliehen hat, ist »vr eine im hiesige» Regiment zu verzeich „en: Hauptmann Ri-ck erbiet den roten Adleroiden 4. Klasse mi, der Krone süi die ausgezeichneten Schieß«,gebniss«. die e, im vergangenen Jahre mi, der 8. Kompagnie erzielt hat
* Weickartshain, 81. Ja». Beim Auslauen von Aufbcrei. tungsapoainten im hiesige» Bergwerk erlitt der Bergmann K»öß durch eine Explosion der Lumpe schwer« Brandwunden, denen er nach qualvollem Leiden erlag.
* Alsjeid, 81. Jan. Im denachdarten Seibelsdorf wütet« in der Ro.chr von Somstag zu Sonntag eine hestlge Feuer», brunst, durch die j,n Augenblick vier Anwesen bl» aus di« Grundmauern in Asch- gelegt ward:» Die Holzhauer Eduard Selzer und Hcinr. Dürr kamen gerade vom Astrid« heim und sahen beim Abendessen, nl» ihnen die Häuser über dem Kops zu» sainmenblachen. Da» Feuer srpang dnnn aus di« Anwesen de, Schmiede» Andr. Mohr und de» Schneider» Andr. Selzer. die Posthilsssielle über »nd äschert« sie ein Da» Ganze geschah mii solcher Schnelligkeit, daß die Abgebrannten — die auch nur teil- weise ganz versichert waren — da» nackte Leben retten konnten.
* Franks»,t 0 . M, 3l Ja». Zur Gesundung de» heimische» Baugewerbe» Hai da» hiesige Handwerlsami «in« schwarze Liste .fauler" Bauunlernehmer zusaininengestcliii da, Verzeichnis enthält eine stattliche Anzahl sol<t>er Unieinehmer. an denen die Handwerker schon Geld verloren haben, die volbestrasi sind und aus seilen» der Behörde» bereit» seil längere, Zeit besonder» geachtet wird. — Bon de» historischen Vereiucn der Stadt sind verscksiedene wisienschastlich« Verüsseirtltchungrn ulet die Stadl Franks irrt in Vorbereitung. Die historische Kommission gab bcreil» mit Unterstützung der Jakob S. Stern-Stistung di« ..Frankfurter Ami», und Zunsisurkunden bis zum Jahre IKIB
* heraus, ein« Arbeit, die Dr. Karl Bücher nb Benno Schmidt
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