t. L »
Beilage zur „Ncucn Tageszeitung
I __Freitag, den 30. Januar 1014.
4 t
Viedcnklaye.
7\ )aisrgung
). !■ nr.r. I<>IH Friede zu Munster (öüjähriger Krieg
r>..u>r>et.t 1815, i*orI (Hcrof, Liederdichter, geb. — 1817 V Edikt über die Preßfreiheit. — 1832 Staats- .minister o. Thielen geb. 18515, (lieh. .Kominerzienrat Herinan» Grnson f.
A«» aUer ivelt.
Missetat neitischer Kinter. Aus Lemans im französischen - :p. ;.mcnt Sailhe meldet man dem .berliner Lok-Anz." el. :cn Fall von schaueilicher Rohheit in Kindergemütern. Ein tjahrigcr und «in Zjahiigcr Knabe haben aus Eifersucht da- >ub:r, dag dem 18 Monat« alten Schwesterchen von der Mutter m:br Leckerbissen zugcstcilt wurden, das Kind mit glühender Kohle überschüttet. Als die Mutter heimlehite, fand sie das Kind in hoffnungslosem Zustand.
D:r Polizeihund. Aus Leipzig wird geschrieben: Was «in Polizeihund zu leisten vermag zeigt folgende, Vorkommnis, tas si>t> in dein Vororte Wahren bei Leipzig zutrug: Als man am Donnerstag in einer Wahren«! Fabrik bei einer Streiterei »olizeiliche Hilfe hcrbeirusen wollte, fand man di« Fernsprech- l-.üung von der Fabrik »ach dem Postamt böswillig durchschnitten. An der Stelle, wo der Leitungsdraht durchtrennt war, uiibolle man anscheinend noch fris<t>e Fußspuren. Das Pat-zei- ant wrde um Zusendung eines Polizeihunde» ersucht. Dieser nnhm unter Führung eines Kriminalbeamten an den hinter, lussencn Spuren Witterung, verfolgt« di« Spur nach dem Garten und von dort aus weiter über den Fabrikhof noch einem Keller. Von hier aus führt« der Hund den Beamten nach dem Maichineuhause nebenan, wo er schließlich den Maschinisten durch Aiibellen stellte. Der huiK, versaht« di« Spur »in zwei- tesmal mit derselben Sicherheit wie beim eisten Mate. Ria» nahm infolgedessen den Maschinisten ins Verhör, der nach kurzer Zeit auch zugab, di« Leitung zerschnitten zu haben.
Ei» vermegenee Bandit. Zn der Nähe von Zalson hielt «ln Bandit den Mnhigan-Zentralschnellzug an, raubt« mit vorge. lalienem Revolver di« Passagier« au» und zwang den Wetchen- rever, die Beute einzusammeln »nd zusammenzupacken.
Mord an eine« »eutlch«, Metzgersseau in China. Zn Schanghai, der gröszten Handelsstadt Chinas, ist, einer Drahtmeldung zusolg«, die Gattin des deutschen Flerschermeister» Richard Staumann ermordet ausgesunden worden. Der Mord, der in rüher Morgenstunde begangen wrude, hat ln Schanghai graste Auslegung verursacht Die Frau war schrecklich verstümmelt. Der Kopf war beinah« vom Rumps« abgetrennt, «in Arm nahe- pi abgehackt; ferner hatte der Mörder ihr mehrere Finger ab- zcschnitten, offenbar, um sich in den Besitz der Ringe »u setzen. Der Wert de» entwendeten Gelbe» und der gestohlenen Juwelen wird aus annähernd 4000 Pfuick, geschätzt Der Mann der Getöteten. der ein grostes Geschäft in Schanghai befitzt, befand sich zur Zeit de, Mordes tm Hospital. Di« Frau war mit einem chinesischen Diener allein zu Hause, der jedoch der Tat nicht verdächtig ist
Znsammenstost zwischen Irajektbooten aus dem Bodens»«.
Am 27. Januar stiest da» Trajektboot Konstanz Bregen, mit bayerischen Irajektkähnen Lindau » Romanshorn auf der höhe von Schachen zusammen. Di« bayerischen Trajektkähne rannten in das Heck de» österreichischen Dampfschiffes „Austria" d:, s erheblich beschädigt wurde, doch schwimmfähig blieb Nach and.rthalbstllndigem Aufenthalt konnte» di« Fahrten nach None nshorn und Bregenz fortgesetzt werden_
Zur Erinnerung an den Deuhc/t -üärmdte/t Ür/ea
Am 1. Februar 1864 überschritten die Preußen die deutsche Grenze, womit der Krieg seinen Anfang nahm. Wir
bringen zum 80. Gedenktage die Bilder zwei ,»m Gedächtnis errichteter Denkmäler.
Vergiftung. Der Arbeiter Ntchard DSbler in Reinickendorf versuchte sich da» Leben zu nehmen, indem »r Lysot trank. Seine Fra« enteist ihm das Gift, lief auf dt« Strast« und trank ebenfalls. Man bracht« die Unglückliche in ihre Wohnung, wo mon auch den Mann schwer verletzt oorsand. Di« Frau erlag nach kurzer Zeit ihre« Verletzungen. Der Man» wurde in lebensgefährlichem Zustand« ins Krankenhaus gebracht.
Verurteilung «Ms Defraudanten Der Rentmeister Köhler, der Berwalter de» Grasen Lynar-Ltndenou wurde vom Gör. litzer Landgericht woge» Veruntreuung »an einer halben Mil- ltvn Mark zu drei Zähren Gefängnis verurteilt.
Todesfahrt aus Skier». Au» Fretburg wird gemeldet: Der Student der Medizin Han» Ehrhardt rannte auf einer Skitour an ein« Tann«. Ein Ast drang dem jungen Mann« in den Unterleib und der Unglückliche erlag nach kurzer Zeit seiner schwere« Verletzung
2» Zuchthau, gestorben. Zn der Ebcrbacher Strafanstalt starb der Mörbe- Beuitel, der Pfingsten 1012 auf dem Katzenbuckel den Stuoenten Hilmar Arje» erschossen hatte und vom Mannheimer Schwurgericht zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe verurteilt worden war.
Verhaft»»«. Zn Bologna wurde ein Mann überrascht, als er in einem Hotel wertvoll« Schmucklachen stehlen wollte. Er wurde verhaftet, weigert« sich aber, seinen Namen anzugeben. Durch di« Veröffentlichung seiner Photographie im internationalen Fahndungsblatt stellt« es sich heraus, dost man «inen langgesuchten internationalen Hoteldieb namens Eittig aus Frankfurt a. M. festgenommen halt«, der von zehn Staatsan. waltfchasten Deutschand» gesucht wird.
Gasvergiftung. Zm Zentrum der Stadt Breslau bewohnt
In der Weitzgerbechraße di« Familie des Doch und Schiefer- deckermeisier, Ncinhold Mer, die «ist, Etage de» Haufe, »I» 04. Al, sich gestern früh im Haus« Gasgeruch bemerkbar mach!,, orrfuchten Hausbewohner, sich Eingang zu verschaffen. Ds nicht geöffnet wurde, erbrach man die Borplatzlüt. Zn einem Zimmer fand mon die ganze Familie tot auf. und zwar den 00jährige« Reinhold Merz, feinen lkjährigen Sohn, sein« >4 jährig« Tochter Martha, seinen 8jährig«n Sohn Paul, die 48 jährig« Schwester de. Merz, Frau Helder und die 20jährige E. Ferenz, ein« Nicht« de. Merz. Polizeilich wurde sestgestellt. dost Merz den Abend vorher mit einem Mädchen, mit dem er ein Liebesverhältnis unterhielt, noch Haufe kam Als sie fein« Bitte, mit ihm htnaufzukommen, ablehnte, soll er erwidert hoben: „Dann fehen wir uns nicht wieder " Zn feiner Wohnung hat dann Merz den Berschluh der Gasleitung gewaltsam «nt- ser«t.
Unglücklicher Ausgang «ine, Boxtampsc,. Ei» in der Geschichte der Boxkämpfe beifpiellojer Match hat sich in einem Pariser Variete abgespielt. Der inoffizielle Weltmeister San, Langsord war einem besonderen Boxkämpfer 0. Curran gegen, iibergest«llt worden. Alan hat dem Molch mit groster Span nung entgegengesehen. Wenn auch dt« Ueberlcgenhrit Lang, fords nicht angezwetfelt werden konnte, so war doch der Eng. länder bisher noch nicht geschlagen worden. Da» Maichend« brach!« grohe Ueberrafchung, denn es gelang Langford leinen Gegner in 6 vier Fünftel Sekunden kampfunfähig zu machen. Zn dem Moment, als die belden Gegner einander gegenübcr- Iraten, gab Langforb Curran zwei heftige Schläge, den einen gegen das Kinn, den anderen gegen di« Schläfe: sodost letzterer umficl und etwa 10 Minuten 5 ' "ininaslos liegen blieb
Znm Pflngeisen.
Roman von M. Prigge-Brook.
11 (Forffetzung).
Tante Luise nahm die Nachricht ihrer Verlobung besser ans. Aber auch sie zeigte sich nicht beglückt. Zwar um- arinte sie in der ersten Niihrnng die Pflegetochter und meinte, was wobl die Eltern dazu gesagt hätten. Nachdem sie zu sich kam, sprach sic sich anders auS.
„Wenns nur kein Fremder wäre, Roscmoriechcn, ein '."'iinn. den keiner ooiijnS kennt."
„Aber Tante, vergißt Du denn, daß Walter zwanzig Ire im Dienste der Firma stand?"
,.?» selber hast cs ansgcsprochen. Er stand im Dienst". >:! rbrach Luise das Mädchen. „Die Sebalds haben nie • N.;4. Und auch Dir. geliebtes Herz, wird cs recht schwer i p. von Deiner Höbe bcrabzustcigen."
„Wie soll ich dar verstehen?" fragte nun Roscmarie j empört.
Tein künftiger Mann wird doch zweifellos eine Stel- 1 auaehmen. Hier ist nicht Platz für ihn, der Ohm . -ft genug davon gesprochen. Was wird dann ans Euch
i.nj Galt willen", seufzte die junge Braut recht >.! Ihr bräutliches Emplinden litt unter der Er- dieler praktischen Fragen, an die f • am liebsten gar . <> b> tüftle. Blieb ibr doch kein enn der
■ blttlich blieb, mußte sie doch 7 inr Schwur sie. Und ffioltcr? Unmutig 'tt den Gedanken • . Der Cfim mußte nochgeben, et . iufl nicht anders.
je Luise überwand ibr Mischet en. Im Grunde l r Schmidt nur zu gut. Daß sie für Rosemarie an glü hendere Partie gedacht halte, mußle sie zu verweisen suchen.
Schließlich entschied das Mädchen allein. Sie war lchan i.ner selbständig. Rosemarie an sich ziehend, vertiefte sie sich in Aiisslencrbesprcchungcn.
«Kisten »nd Kasten sind gefüllt aenna. »m zwei 5 '*4er
auSzustatten", erklärte sie stolz. „Selbst wenn Heinz den Teil bekommt, den ihm Dein Mütterck>en bestimmt hat, für den Fall, daß er einmal eine Frau nimmt, daß alles zum Alten paßt, sagte sie mir als ich die reichen Silberschatze bewunderte. Dein Teil geht aus dem Hause."
„Tante", Rosemarie richtete sich auf, „vergißt Du, daß ich hier bleiben muß: ich daif doch Heinz nicht verlassen."
„So hat Rose das doch nicht gemeixit", antwortete die Gute unbehaglich. Allerhand Möglichkeiten gingen ihr plötzlich auf. „An Deine Heirat wird Mama im Augenblick nicht gedacht haben", tröstete sie ohn» Bedenken. „Natürlich bebt ein Versprechen das andere auf, das ist doch selbswcrständlich. Tas Weib bängt d«m Manne an."
„Aber ich bitte Dich, Tante, denkst Du im Ernst daran, daß ich meinen einzigen Bruder verlassen könnte?"
„Dann muß Dein Mann die zweite Geige ipielen, als Mann seiner Frau. Ob sich Herr Schmidt zu der Rolle eignet?"
Rosemarie stöbnte laut.
Wo blieb ibr Glück, ihr strahlendes, beraulchendes. auf das sie ihre Zukunft erbaut l Sie verpflichtete die Tante znm Schlvcigen, cb sie sich zu Ehlers beaab. Unterwegs faßte sie all' ihren Mut zusanimen. Der Alle wußte bereits, was sie wollte. Luhn hafte ihn kommen lassen, »nd ibn gebeten, ans Rosemarie einzuwirken, daß sie nicht die Beute des Fremden werde.
„Mir mißfällt der Kerl", batte der Alte hinzngefügt. „Der ist am Ende eigens aus China gekommen, um sich das Mädel zu holen."
„Eher bat cr'S auf den Alten abgesehen", antwortete Ehlers. „Don Rosemarie wutzje er nichts. Er wird ihre Existenz vergessen hoben, dafür war er über die sonstig"» Verhältnisse hier orientiert und bat gewußt, daß ineine achtzig Jahre nicht lange mehr ftandbaltcn. Daraus baute er
,;- p. wenn alle: ander? wäre, ich gea"ii den Mrnn an nichts zu sagen batte. Er versiebt seinen Kram, bat Mut und Zuversicht, die mir unter den jetzigen unaünsiiaea
Verhältnissen allmählich abgchen. Hätte er sich nur nicht in unsere Roscmarie verliebt I
Das ist ihm nicht ernst. Ach beobachte ihn auch, wo er inich nicht sieht, und muß gestehen, mein Mißtrauen steigt. Es ist ihm weniger »m das Mädcktcn, als um ibr Geld z» tun. Dazu ist sie zu sch'de allein Kf»n wider-
sticbe ich ihrem Plan, mich kurzerband aus- Altenteil z» setzen. Warten wir's ruhig ab, einstweilen ist keine Gefahr. Wir wollen Rosemarie hinbalten, ibr tagen, daß sic sich prüfen soll. Tic Zeit benutze ich. Erkundigungen einzu- ziehen. Geht alles gut, so kann ich in vier Wochen Nachricht geben: wenn bis dahin nur keiner davon erfährt."
So hatte Jakob Ehlers gesprochen, sein Freund ihn zugestimmt. Der Alte empfing das Mädchen freundlich und bot ibr den Platz neben seinem Pult.
„Ich weiß. waS Du mir sagen willst. Kind", begann er, ehe sie sprechen konnte. „Tu bast Dich mit Schmidt verlobt. Ich will nicht sagen, daß Tu damit bättest warten kbnnen. bis wir ihn näher kennen gelernt, auch nicht, daß er bester daran getan, sich vorher eine Stellimg zu s»a>». ebc er um Tick- warb. ES ist geschehen. Ich weiß. T» willst ich soll ihm meinen Platz cinränmcn "
„Ni mm's nicht so. Obm". bat das Mödck-en weich. Di, alte Liebe zu Jakob Ehlers erwachte, nun sie ihm gegen- iiber stand und leine Treue empfand. „N'n'ws nicht to. T» sollst nickst weichen, nur Walters Hilfe Dir gelallen lassen, weil Tir's doch auch schon sauer fällt."
„Ich babe vertproeben, Heinz s Erbe zu bäten, ich muß mein Wort hotten. Was Schn'idt fordert, kann ich »'?> tun. Nicht neben, nur unter mir chöa.ite lein Platz l.'iu, den nimmt er nicht. Bleib« ihm nur übrig. d"n Dir, 'Nor. Posten der Vommertckien Landesbank in Posen, den ich ibn vkrschafte. anzuncl : icn."
„Davon bat er mir gar nicht gesagt", unterbrach Nase Marie ibn verwirrt.
„Glaub'S wobt. K'-nd. Ta» ist nickst, was er will -> rrn Schmidts Sinn strebt > "'er. der möchte H-.rr im Pflngeisen


