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gesprochen als ich jetzt handle. Jetzt stellt man es so hin, als hatte ich lauter Schwindel geredet. (Heiterkeit.) Abg. Eoehmc hätte hier etwas gegen die Güterschlächterei, diese grohe Gefahr für Bauern, sagen sollen. (Zustimmung rechts.) Aber er hat kein Wort dagegen gesagt. Er hat auch kein Wart gegen die Linke gefunden, nur gegen die Rechte, die doch inimer die Interessen des Bauernstandes vertreten bat. (Sehr richtig! rechts, Lachen links.) Wenn die Land­wirtschaft ihre Freunde auf der linken Seite sucht, dann würde es bald Ade! Landwirtschaft! heißen. (Sehr richtig! rechts, Unruhe und Lachen links.) Als der Bauernbund immer weiter nach links ging, bin ich ausgetreten (Unruhe links), da ein Zusammengehen mit der Linken unvereinbar mit den Interessen der Landwirtschaft ist. (Sehr richtig! rechts.)

Vizepräsident l)r. Pansche: Das hat doch alles mit dem Gehalt des Staatssekretärs nichts zu tun.

Abg. Hcstcrmann (fortfahrend): Der Zwiespalt der bür­gerlichen Parteien tut mir weh, denn es kommt doch alles darauf an, den Kampf gegen drn inneren Feind zu führen. (Unruhe der Soz.) und müssen wir »ns zu einer gemein­samen bürgerlichen Schlachtlüiie zujammcnfinden. (Zustiin- innng rechts, Lachen links.)

Abg. Bruhu (Rspt.): Es ist hohe Zeit, daß der Mittel- stand tatkräftige Unterstützung findet und der Vergrößerung der Warenhäuser Einhalt getan wird. Or. Werner bat kürzlich hier eine Anfrage wegen des Wolff'schen Bureaus grstcllt. Das Bureau hat darauf durch die Presse erklären lassen, daß es Depeschen vor der Veröffentlichung dem Bank- ause Bleichrödor nicht mitcilt. Das Entgegengesetzte ist aber i einer Gerichtsverhandlung im Jahre 1900 festgestellt wor- n! Das ergibt, daß das Bureau nicht unparteiisch ocr- hrt. Darum sollte ein amtliches, wirklich unparteiisches achrichtcnbureau gegründet werden.

Abg. Dr. Erdmann (Soz.): Wir verstehen nicht, warum as Zentrum seine sozialpolitischen Wünsche nicht mit der­selben Energie vertritt wie die für Beseitigung des Jcsuiten- gcsetzes. Herr Giesberts hätte auch etwas gegen den Terro­rismus der Kirche, gegen das Koalitionsrecht der katholischen Arbeiter sagen sollen. Diese wollen jetzt anscheinend ihre Firma ändern und sich unter preußische Obhut begeben. Ob sie dadurch gewinnen würden, ist zweifelhaft. Es naht das 25jährige Jubiläum der Nichterfüllung der kaiserlichen Bot­schaft von 1891. Wir haben kein Vertrauen zum Staats­sekretär. Auf der Berner Konferenz hat die Regierung ver­sagt.

Abg. Giesberts (Zentr.): Don einem Terrorismus der Bischöfe gegen die katholischen Arbeiter kann keine Rede sein. (Beifall im Zentr. Widerspruch b. d. Soz.) Die katholischen Arbeiter haben volle Freiheit, sich derjenigen gewerkschaft­lichen Organisation anzuschließen, die sic für die beste halten, die ihre wirtschaftlichen Interessen vertritt und dabei ihre religiösen und sittlichen Ausfassnngen respektiert. Die christ­lichen Gewerkschaften sollen die Einigkeit der Arbeiterschaft gestört und eine Spaltung in ihre Bewegung hineingebracht haben. (Lärmendes Sehr richtig! bei den Soz. Unruhe im Zentr.)) Das Gegenteil ist der Fall, die sozialdemokra­tische Partei, die die Gewerkschaften in ihre besondere Partei­schablone hincinpressen wollte, hat zersetzend gewirkt und trägt die Verantwortung dafür. (Unruhe b. d. Soz.) Es gäbe keine Zersplitterung, wenn sie nicht die Gewerkschaften von jeher für ihre eigenen Zwecke mißbraucht hätte. (Unruhe und Widerspruch b. d. Soz.) Das Urteil darüber müssen Sie uns überlassen. Ich weise den Vorwurf, wir hätten freventlich an der Arbeiterschaft gehandelt, mit aller Ent­schiedenheit zurück. Die Arbeiter sollen sich allen Organisa- tione anschließen können, nicht bloß den Ihrigen. In Eng- land und Amerika halten sich die Trade Unions unabhängig und neutral. Auch Sie niüfsen die sittlichen und religiösen Auffassungen anderer schonen. Die christlichen Gewerkschaf­ten werden ihr Firmenschild nicht ändern. Es ist rein und glänzend. (Großer Lärm bei den Soz.) Nach Ihrem Rein­fall im Kölner Prozeß sollten Sie endlich das Einsehen haben, daß Ihre Angriffe auf die christlichen Gewerkschafts­führer total gescheitert sind. (Lebhafte Zustimmung in der Mitte. Lärm bei den Soz.) Es ist bezeichnend, daß diese Angriffe aus die christlichen Gewerkschaften erhoben werden zu einem Zeitpunkte, da die Arbeiter alle Uneinigkeit ver­meiden sollten mit Rücksicht auf die Gefahren, die dem Koa- litiontzrecht drohen. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum.)

Abg. Schwabach (natl.): Eine allgemeine Regelung der Rechts- und Arbeitsverhältnisse des Staatsarbeitcrs ist not­wendig. Im übrigen-haben die Staatsarbeiter keinen beson­deren Grund zur Klage. In einer Resolution bitten wird um eine Denkschrift über das Arbeits- und Rechtsverhältnis der außerhalb des Beamtenverhältnisses in Reichs- und Staatsbetrieben beschäftigten Personen. Die preußische Eisenbahnverwaltung plant eine einheitliche Regelung der Einkommenverhöltnisse aller Arbeiterkategoric». Selbstver­ständlich werden daun die Reichseiscnbahnen diesem Beispiel folgen müssen. Das Koalitionsrecht ist den Eis-nbahnarbei- tern gewährt, soweit cs nicht mit den Interessen des Staates in Widerspruch konrmt. Ein Strcikrccht aber kann ihnen unter keinen Unrständen eingeräumt werden.

Staatssekretär I)r. Delbrück: Die Wünsche der in den Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter haben sich zu dem verlangen nach einem Staatsarbeiterrecht verdichtet. Die bereits in, Vorjahre gestellte Forderung eines Gesetzentwurfs hat von, Bundesrat eine mehr oder minder motivierte Ab­lehnung erfahren. Ich bin bereit, eine Denkschrift aus- arbeiten zu lassen. (Beifall.)

Abg. Vogl-Hall <w. Vg.): Die Ausführungen Gotheins über landwirtschaftliche Verhältnisse sind sehr anfechtbar und verraten wenig Sachkenntnis. Wir müssen eine Ausrechier- Haltung unserer bisherigen Wirtschaftspolitik fordern. Sie liegt im Interesse von Landwirtschaft und Industrie. Auch bai Sviteui der Einffibrlckunne ijiuFi bestehen bleiben. Es

Neue Tageszeitung. Freitag, oen 3U. Januar 1914.

ist nützlich auch für Süddeutschland, für dessen Kleinbauern.

Freitag: Fortsetzung. Schluß nach 6 Uhr.

Nachschrift: Noch am selben Tage ist die nationalliberale Fraktion des Reichstages zusaninicngetreten und hat be­schlossen, das Hospitantenverhältnis des Abg. Hestccmanu zur Fraktion als g c l ö st zu betrachten. Die Ursache ist die heutige Rede des Abg. Hestermann im Reichstag

Prenstikcher ^andtttA.

Abgeordnetenhaus.

Das Abgeordnetenhaus setzte am Donnerstag di« Bera. tung des Eestütsetats fort.

Abg. Hofer (Soz.) behauptete, daß bei Remonteantäufen Rücksicht auf die politische Gesinnung genommen würde und Latz die kleinen Besitzer geschädigt würden.

Ihm trat Abg. v. Pappenhrim (kons.) entgegen; seine Borwürse enthielten «in« schwere, durch nichts begründet« Be­leidigung der Remontekommission. Auch gegen den Abg. Wach­horst de Wente sprach er, der es als seine Lebensaufgabe be­trachte, Zwietracht zu säen zwischen Groß- und Kleinbesitzer.

Im ähnlichn Sinne sprachen sich di« Abgg. Johannsen und R ehren (srkons.) aus.

Abg. Frhr. v. Marenholtz (konf.) wünscht«, daß in je. dem Jahre möglichst frühzeitig der Pserdebedarf bekanntgegeben werden möchte.

Abg. v. B o n i n - Stormarn (jrlons.) erbat größer« Be­rücksichtigung bei den Ankäufen der kleinen Besitzer an Slell« der Händler.

Der Landwirtschastsministex Frhr. v. Schorlemer be­merkte, daß der Kriegsminister nach Kräften bemüht sei, direkt rom Züchter zu kaufen, doch gang sei der Händler nicht zu ent­behren. Di« Vorwürfe der Herren Hofer und Wachhorst o« Wente seien in jeder Beziehung ungerechtfertigt nud können nicht durch Tatsachen belegt werden.

Demgegenüber blieb Abg. Hofer (Soz.) bei seinen Be. hauptungen.

Abg. Wachhorst de Wente (nl.) führt« ebenfalls er­neut aus, daß die kleinen Besitzer sich zurückgefetzt fühlen und bemerkt«, daß der Abg. v. Pappenheim unrecht Hab« mit seinen Angriffen.

Namens der Nationalliieralen nahm Abg. Dr. Loh­mann den Abg. Wachhorst d- Wente in Schutz, der sich in kei­nerlei Gegensätze zu seiner Fraktion befinde.

Abg. Hossmann (Soz.) stellte sich auf den Standpunkt der Abg. Hofer.

Abg. Dr. Hahn (kons.) wies es als unerhörten Borwurf zurück, daß die Offizier« der Remontekommission sich von ande­ren als sachlichen Gründen leiten lassen. Di« Behauptung de» Abg. Wachhorst de Wente, daß wohl dt« hannoverschen Jungen, nicht aber die Pferde gut genug seien für die Armee, sei falsch. Davon habe er sich erst heut« in einer Berliner Kaserne über, zeugen können. Herr Wachhorst de Wente betrachte die han­noverschen Verhältnisie vom parteipolitischen Standpunkt aus, daraus ergebe sich der Versuch, die Erotz- und Kleinbesitzer in Gegensatz zu bringen.

Abg. Wachhorst de Wente verwahrte sich gegen die Anschauung, als ob er dem ehrenwerten Offizierskorps Vor­würfe machen wollte. Herr v. Zedlitz habe Herrn Dr. Hahn schon früher einen politischen Klopffechter genannt, das unter, schreibe er.

Abg. Dr. Hahn erwidert«: Herr v. Zedlitz habe die natio­nalliberal« Partei Fraktion Drehscheibe genannt, di« Borwürse heben sich also auf. Im übrigen müsi« Abg. Wachhorst de Wente ein sehr schlechtes Gewissen haben, daß er so lebhaft geworden sei.

Nach weiterer unwesentlicher Debatte wurde die Genehmig­ung zum Ankauf des Gutes Altenfelde erteilt, das einen Teil vom Gestüt Eraditz ausnehmen soll und der Gestüts-Etat geneh­migt.

Beim Domänen.EIat verwahrte Abg. von der Osten sich dagegen, datz di« Einnahmen des Domänen-Etats für andere Zweck« verwertet würden, dies widerspreche dem Dudgetrecht des Landtags.

Abg. Weitzermel (kons.) warnte vor einer zu hohen Pachtgebuhr der Domänen. Die Lage der Pächter sei durchaus nicht glänzend.

Die Abgg. Elattfelter und Dahlem (Ztr.) wünsch­ten eine Hilfsaktion für die notleidenden Winzer.

Ihnen antwortete der Minister, datz leider dazu aus dem Domänen-Etat nicht die Mittel genommen werden könnten und verwies dann auf sein« kürzlich gemachten Ausführungen über die Bekämpfung der Weinbergschädlinge.

Wunsche über Verbesserungen der Nordseebades Norderney brachten die Abgg. Schulze - Pckkum (kons), Fürbringer und Dr. A r n i n g (nl.) vor.

Frhr. v. S cho r l r m e r erklärt«, datz das Bad «lektristert werden würde und stellte eine Ermäßigung der Kurtaxe in Aus. sicht. Norderney lolle aber nicht Lurusbad werden, sondern das alt« vornehme Familienbad bleiben.

Nach weiterer unwesentlicher Debatte vertagt sich das Haus auf Freitag: Fortsetzung. Schluß 4K Uhr.

Ans dem tzefl. Kandlaa-

Zweite Kammer.

Die Fraktion de» Bauernbundes tagt« am Mittwoch unter dem Vorsitzenden Abg. Brauer und bcschästigte sich u. a. auch eingehend nochmals mit der Frage der Besotdungsord- nung, dis bekanntlich wegen der ablehnenden Haltung der Er­sten Kanimer in der Lehrerbesoldungssragc jetzt erneut in den Vordergrund tritt. Trotz der von einer Seit« geltend gemach­ten Bedenken wurde beschlossen, tm Prinzip aus dem bisherigen Standpunkt zu beharren.

Zu dem Hauptvoranschlag 1914 wurden folgend« Anträge gestellt: Antrag der Abg. Brauer und Gen. in Kap. 75 a Staatsbeiträge zur Verfügung der Landwiiffchaftskammer nach Maßgabe der hierüber bestehenden aeletzlichrn Bsltimmun-

__ Sei«, 2

8«n zu bewilligen: statt der vorgesehenen Mk. 144,190, den ST-? - trag von Mk. 197,290.

Die Abg. Korell und Gen. beantragen zu Kap. 74.4 betreff, die Melioration der Hutweidcn im Vogclsberg statt Mk 19 ovo den Betrag von Mk. 15 009 «inzusetzen. In der Begrün düng wird darauf hingewiesen, daß im vorigen Jahre beide Kammern einstimmig ein diesbezügliches Ersuchen an die Re­gierung beschlossen und damit anerkannt haben, datz diese große Kulturarbeit besser zu fördern ist.

Di« Abg. Leun und Fenchel haben beantragt, die Er. Re­gierung zu ersuchen, in der Stadt Gießen ein« Dampslessel-Jn, spcktion (die zweite im Erotzherzogtum) zu errichten.

Di- Abg. Böhr und Een. haben bei der Regierung folgende Anfrage eingerejcht: Wir fragen bei der Erotzh. Regierung an, ob und ev. wann die angekündigt« Regierungsvorlage über der Bau der Nebenbahn von Hanau nach Büdingen zu erwarten ist

^ayesüberszchl.

Deutschen Ueich.

:: Der Rücktritt des Grafen Wedel. Nach langem sperren sieht sich die Regierung jetzt veranlaßt. halbamtlich zuzugebcn, daß der Statthalter in Elsaß-Lotbringen, Graf Wedel, sein Abschiedsgesuch cingereicht habe. Der offiziellen Mitteilung zufolge hat der Gras bereits im Dezember sein Abschiedsgesuch cingereicht und jetzt erneuert. DieNord­deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt weiter:Wie wir er­fahren, haben auch der Staatssekretär Freiherr Zorn von Bulach und die Unterstaatssekretär vr. Petri, Mandel uird Köhler erneut um ihre Entlassung gebeten. Die kaiserliche Entscheidung wird voraussichtlich in den nächsten Tagen er­folgen."

:: Eine Erklärung de« Ministers des Inner» über drn Ostmarke»verein. In der Budgetkommission des Abgeord- »etenhauses erklärte heute der Minister des Innern v. Dall­witz auf eine Anfrage eines polnischen Kommissionsmitglie- des. daß es unrichtig sei. daß der österreichisch-ungarische Bot- schafter bei dem Auswärtigen Amte Vorstellungen über das Zusammenwirken zwischen dem Ostmarkcnverein und den Ruthenen in Galizien erhoben habe. Er könne sich nicht wei­ter über diese Angelegenheit äußern, mit der er dienstlich nichts zu tun habe und die nur durch Entwendung von Doku- menten bekannt geworden sei.

:: Die Einschleppung der Maul- und Klancnseuche aus Rußland, DieDeutsch Par'anients-Correspocdenz schreibt' Die amtlichen Ermittelungen über das neuerliche Auftreten der Maul- und Klauenseuche in den östlichen Gebieten haben diesmal ergeben, daß die Seuche, wie bei früheren Seuchcn- auftreten, aus Rußland eingeschleppt worden ist; vcrschie- dontlich hat sich die Einffihr lebender russischer Schweine in die Schlachthöfe als llrsache der ersten Seuchenausbriiche ergeben. Die Maul- und Klauenseuche herrschte in Rußland in großer Ausdehnung und der Auffricb seuchenkranker Viere auf den russischen Vichmärkten bildet eine ernste Ge- fahr für die deutsche Landwirtschaft. Die Königliche Stoats- regierung hat deshalb im veterinärpolizeilichen Interesse ein- schneidende Maßnahmen treffen müssen.

Schweden.

:: Weineiiifuhrverbot Wie der Deuffchen Weinzeitnng bekannt sein wird, plant die schwedische Regierung ein Ge­setz gegen die Einfuhr berauschender Getränke, worunter auch Meine aufgefllhrt sind. Weine sollen ferner in Schweden aus dem Auslande von Privatpersonen nicht mehr bezogen wer- den, sondern nur durch öffentliche Gesellschaften, denen die Weinlieferung übertragen wird. Die Weinzeitnng lenkt schon jetzt die Aufmerksamkeit der Interessenten auf dieses neue Gesetz.

Der Ankauf der Putilo Werke.

Paris, 30. Jan. Die französische Presse fährt fort, die Angelegenheit Krupp-Putilow in ausführlicher Weise zu besprechen. Jedoch hat sich die erste Aufregung etwas gelegt. Ter Abgeordnete Cochem hatte bekanntlich den Minister­präsidenten mitteilen lassen, daß er ihn in dieser Angelegen- heit zu intervenieren gedenke. Doiunergue hat erwidert, daß er in der Kammer alle notwendigen Aufklärungen geben werde, sobald er die notwendigen Informationen von dem französischen Botschafter in Petersburg erhalten habe.

Ein bulgarisch türkisches Geheiinabkominen.

London, 30 Jan. DerDaily Telegraph" bestätigt in einer Athener Depesche die Tatsache eines Geheimabkom- niens zwischen der Türkei und Bulgarien. Weiterhin meldet das Blatt, daß in Athen beunruhigende Nachrichten aus Eastelorizo cingetroffen sind. Tie Türken haben auf der dieser Insel gegenüberliegenden Küste starke Truppenmaisen zusammengezogen. Diese türkischen Soldaten haben in ver­schiedenen Dörfern unerhörte Grausamkeiten an der grie­chischen Bevölkerung verübt.

Athen, 30. Jan. Die ersten Mitteilungen über da? Offensiv- und Defensiv-Bündnis begegneten zuerst wenig Glauben in hiesigen maßgebenden Kreisen. Jetzt will man genauere Einzelheiten Uber den Vertrag in Händen haben und man nennt den 12. Januar als Datum der Vertrags- Unterzeichnung. Es soll sich in ihm eine Klausel befinden, wonach Bulgarien der Türkei ganz Thrazien abtritt. wo­gegen Bulgarien die gesamten mazedonischen Gebiete erhält, die Griechenland und Serbien zugefallen sind, mit Ausnahme von Ochrida, Dibra, Prizrendt und Pristina.

Vom Balkan.

:: Di« Dreibundmiichte und die englische Note. Der Zusatz zur englischen Not« über die Jnselsrage, daß di« Mächte gegebe­nenfalls Schritt« unternehmen sollen, um ihrem Willen Gel­tung zu verschaffen, hat die Dreibundmächte veranlaßt, sich über di« Art dieser Schritte erst Gewißheit zu verschassen, bevor sie der Mitteilm^ der Rote in Konstantinopel und Athen zustim­men. Die Dreibundmächte haben di« Zuteilung von Chios und Mytilene an Griechenland vor allen Dingen deshalb bewilligt, weil fi« nichts tarn wollten, was sie in einem Konklilt rwiichen