rinmmer 5 Willwom. den 7 . Januar 1914 . 7 . Jatjr^any
L,c „elruc Lag«»,»'-:»«»- crichcint ,eden Werltag. Regelmätztge Beilagen „Der Hauer au, Helsen", „Die Spinnkol,»". Heiugoprei»: Bei den Postanstalle» vicrleliahrUch L(t. 1,'J5 bei den Agenten monailich 50 Pi'- f>in,u tritt Postgebühr oder TrSgertohn. Au,eigen : Grund,eile 20 Psg. totale 15 Pig, An,eigen von auswaris werde» durch Po lnachnahine erhoben Erfüll,mgsorl ssriedberg. Zchriftieitnng und Verlag Friedberg (Hessen), hanauerstratze 12. Fernsprecher 48. Postscheck>i5onto Nr. 4859. Amt Frontsurt a. AI.
Dcbersicht.
— Infolge der lehte» Niederschlage und der starken Schneeschmelze führen alle pommerschen Flüsie Hochwasser und treten vielfach über die User. Die Stadt Lauenburg ist |i,m Teil überschwemmt.
— In den letzten Tagen wurden in der Umgebung von kissa drei Männer, darunter zwei Landwirte, erfroren auf- »efnnden.
- Gestern sind der Fischer Unruh und seine beiden erwachsenen Söhne, als sie bei Zimmerbude das Eis de? KeckanalS mit Schlitten überschreiten wollten, durch das norsche Eis gebrochen und ertrunken.
— In dem Petrolkumdepot der Firma Potthos brach in Lberhause» ein gewaltiges Feuer aus, das großen Schaden anrichtete. Mehrere Feuerwehrleute wurden schwer verlebt.
— Die Meldungen von einem im lausenden Jahre bevorstehenden Besuch des Präsidenten Poinrari? werden in Vct--rSb»rg bestätigt. Es gilt für nicht ausgeschlossen- daß der Besuch des Präsidenten mit der Anwesenheit der eng- liulk'ii Königsfamilie zusammenfallen wird, die im Laufe dieses Sommers die Höfe der Grobmächte aufzusuchen ge- denkt.
— In Lido» wurde ein russischer Stndent unter dem Verdacht der Spionage verhaftet. Man fand bei ihm 50
Ausnahmen von den Festungen des Wilnaer Militärbezirks.
— In türkischen diplomatischen Kreisen wird versichert, oasi die Vollmachten der deutschen iMitlärmission nicht beschränkt werden und daß die heutige Stellung der deutschen Instrukteure bestehen bleibt.
Gustav Rrchland -j-.
In dem bäuerische» Bade Tölz ist an, Montag morgen Biofelsor 1>r. Gustav Ruhland nach schwerem Leiden aus dem Leben geschieden. Seit langem wußten seine Freunde, datz die tüikische Krankheit, an tvelcher er hinsicchte, Unheil- bar, dnb scde Hoffnung auf Wiederherstellung ausgeschlossen war: ein so frühe? Ende war aber doch kainn zu erwarten. Mit tiefer Erschütterung steh-n wir an der Bahre des hochbegabten Mannes, vor dem endgültigen, den, viel zu frühen Abschlüsse eines in rastloser Arbeit aufgebauten Lebens- Werkes, dessen einziges Ziel es war, die deutsche Landwirtschaft. als die Grundlage unserer gesamten Volkswirtschaft, zu dauernder Sicherheit, Gesundheit und Blüte zu führen. Dir behalten uns eine ausführlich« Würdigung des Lebens und der Gedanken des Dahingeschiedenen vor: an dieser Stelle können wir nur mit kurzen Worten auf sein Wirken und seine Bedeutung eingeben.
Gustav Ruhland wurde am 11 . Juni 1860 in Hessental im bayerischen Spessart als Sohn eines Landwirts und Post- balterS geboren. Er absolvierte die Realschule in Mainz, Füchte nach Beendigung des Militärdienstes kürzere Zeit V- Technikum Langensalza und betätigte sich dann als Volontär ans verschiedenen größeren Gütern Norddeutschlands, bis dir Tod seine? Vaters, den noch kaum Zwanzigjährigen ar die Aiisgabe stellte, selber die Bewirtschaftrnig des elter. 6’ ,ii Gutes zu übernehmen. Schon die Erbteilung mochte ihn aus schillere Männek und Fehler in den herrschenden An» schgliungen über ländliche Dinge aufmerksam. Ilnd alsbald verkitte der früh gereifte, reichbegabte Mann, sowohl auf dem Wege der praktischen Politik wie der theoretischen Arbeit richtigeren agrarischen Anschauungen zum Siegen zu verhelfen: dort als Mitkämpfer des Freiherr» von Tbünaen- Roßbach. hier unter der Anleitung des großen Volkswirt- schaftssehrcrs Albert Schacffle. Bereits in den Jobren 1882 bis 1881 erschienen, recht eigentlich hinter dem Pilug und der Sense entstanden, seine ersten agrarwissenschaftlichen -iten. Von der Generalversammlung der bayerischen L ->-dwirte in Töl, ivurde er zuin Referenten über das land- ■ irtich'stliche Kreditwesen und dann zum Mitglieds einer Kommission zur weitere» tlntersnchung dieser Frage bestellt: fsifi- Tätigkeit nab ihm Gelegenheit, in München und später in Tühinge» seine theoretischen Kenntnisse auf volkswirt- lil östlichen, Gehlste zu vervollständigen. Im Aultrage d"4 Isi'iten Bismarch unternahm er dann in den Jahren 1888 hi" lf<¥) eine ousaedebnte Studienreise durch Rußland. Eng- land, Indien. Australien, Nordamerika und die Donaiilön- der, ans welcher er die hauptsächlichsten Getreideproduktions- !änd-i- der Erde auf das Genaneste kennen lernte. Als er d'e'en Reisen -nrüchkehrte. war Fürst Bismarch bereits - ,. . r , jrinle gplchieden und der wirtichostlicbe Ca"rivi--- ,-ln.z yolli-ji, Anzüge. Unter diesen Uinständen wandt' sich "vu-ii-s '»nächst wieder der praktischen Landwirtschaft zu! ‘ • 'l'.'nschgstlichirn Ertrag seiner Studienreise legte er in
: Vn:» S -> sste» nieder. Nach wenigen Jahren kehrte
- z„r Wilienschakt zurück, indem er sich an der llni- Zürich als Dezent für Nationalökonomie habilitierte. ~ ■ .g--r t, 1 1 mnrde Ruhland auf Rat und Empsebsung .'"egne'? vom Bunde der Landwirte als volkwirtschast- ' nach B -lin berufen.
' n d>i Wende seines Lebens und sein weiteres wil'sen- ? Wirken bat sich bekanntlich eine Reibe schwerer i - ' sie gegen den Verstorbene» anocschlollen. an denen auch
hier nicht völlig vorübergegangen werden kann. Wie haltlos die Behauptung war, daß Ruhland mit dieser Aenderung seiner äußeren Lcbensverhältnisse auch einen Wechsel in seinen agrarpolitischen Ansichten vollzogen habe, hätten seine Gegner schon daraus ersehen müssen, daß eine volkswirt- schastlichc Autorität von dem Range Adolf WaanerS doch ge. rade auf Grund der bis dahin veröffentlichten Arbeiten Ruh- lands, die die Angreifer als im Widerspruche mit seinen beim Bunde der Landwirte vertretenen Anschamingen stehend erklärten, ihn dem Bunde der Landwirte als den einzigen Gelehrten empfohlen batte, dessen Grundanschanuilgen damals mit denen des Bundes im wesentliche» übereinstimmten. Jeder, der Rnhlands erste Arbeiten wirklich kannte und seine wisscnschgstliche Entwickelung unbefangen verfolgte, mußte sehen, daß Ruhland zwar eine dane.-ndc Gesundung der deutschen Landwirtschaft nur von grundlegenden Aenderungen unserer Landwirtschafts- wie unserer gesamten Volkswirtschaftspolitik erwartete, und deshalb auch Mitteln von der Bedeutung des Schutzzolles, als nicht „organischen" Maßnahmen, nur einen bedinaten Wert beiinaß, daß er sich aber nicht im geringsten in Widerspruch mit seinen vorher vertretenen Auffassunaen setzte, wenn er zugleich für die Mittel eintrat, die zum Schuhe der Landwirtschaft notwendig er- schienen, so lange an eine völlige Neuordnung unserer Volks- wirtschast, wie sie ihm vorschwebte, tatsächlich nicht zu denken war. Jeder »»befangene Beurteiler mußt« auch erkennen, daß da? Verhältnis zwischen Rnbland und dem Bunde der Landwirte in einer gegenseitigen Anregung und Befruchtung bestgnd, bei welcher beide Teile ihre Anschamingen und Erkenntnisse erweiterten und vertieften. Er mußte schließlich auch sehen, dnß ein Mann von dem Temperament und dem praktischen Willen Rnhlands, dessen ganze wissenschaftliche Arbeit darauf eingestellt war, der Landwirtschaft so schnell als möglich vraktilch« Hisse zu bringen, in besonderem Maße aus der BrariS, ans der tatsächlickien Entwickelung der Dinge lernen mußte. Und wer die Angrisse gegen Ruhlonds wissenschaftliche Persönlichkeit unter diesen einfachen und ksoren Gesichtspunkten betrachtet, der kann nur zu dein Schlüsse kommen, daß jene Angrisse einem tief bedauerlichen Mangel an wissenschaftlichem Verständnisse wie an Ge- wissenbastigkeit entsprangen, und daß sie ebenso bedauerlich wie haltlos gewesen sind.
Ans di« zahlreichen Arbeiten und die uni'ungreickle praktisch-wissenschaftliche Tätigkeit Ruhlands kann hier und heute nicht naher cingegangen werde». Wer seine Leistungen unbefangen würdigt, wird dem Dahingeschiedenen das Zeugnis nicht persaaen können, daß kne Wi>-tfchastSwilseiiilhait in ihm einen Gelehrten von nngewöhnsicher Energie de? Denkens, von besonderen! praktischen Sckiarfblick und von einer kan- su llktiven Schöpferkraft verloren hat, wie sie nur einer genialen Anlage verliehen zu sein vkl-.gt. Noch mehr aber liegt uns am Herzen, an seiner Bahre von anderem zu zeugen: Van seinem warinkerziaen Idealismus und seiner unbestechlichen Ueherzeugiinastr.'lle, die sich auch dann nicht beirren li-'ß. wenn sein? Freunde nick't in allen Konsegnenzen seine» Theorien folgen konnten: einer Ueberzeugunastreue, die ihn zugleich trieb, für da?, was er als wahr erkenlstc, Ulster Einsetzung seiner tollen Perlönlichreit zu kämpfen. Wie v'ii wenigen gilt von ihm das Warst , O.-ra ich hin ein Mensch gewesen, >»id das heißt ein Kämpfer lein." Kannst und Arbeit waren der Inhalt diele? so triaisib abgeschlossenen Lebens, das unter dem Uebermaß an Arbeiten und Kämpfen viel zu früh ziisainnien- brach. Wer es heule riickülicke.ch »beiüd ut, der empfindet, daß noch ein anderes Dichtertvoet über u n gestanden und gewaltet hat: „Noch ist es Tag, da rühre sich der Mann, es komnlt die Nacht, da.e niemand wirken kann!" Einer der besten Sestne d s denE-k Bauer,,l> >ns, tut G»stav Rn li
la nd gezeigt, was deutsche Bai ernkräli »e> mag. Wir werden mit der gesamten deutschen Landwirlschast das 5sngedenken des verdienten, iiberze>ignngstrcue», tapferen Mannes in i hren hgltenl
Sri! Lniow ii»h die Honaldkmkrlltik.
In der Münchener „Allgemeinen Zeitung" bespricht der lnkannte konservative Schriftsteller Wolsgang Eisenhart davon »ns mehrfach erwähnte Buch Hermann Hofmanns über den Fürsten Bismarck 1890—1S::S. Dabei ccwähnlc er einige Aussprüche des Fürsten, die zwar bekannt sind, aber immer wieder in den Mittelpunkt der Erörterung gestellt zu werden verdienen. So sagte Fürst Bismarck einmal zu dein Herausgeber des Buches Hermann Hofmann:
„Keine Regierung ist für das Land lintercfse so sei >d- lich wie eine scklwache. Eine Regierung muh vor allen Dingen fest und energisch sein, nötigenfalls sogar mit Härte Vorgehen. TaS ist zur Erhaltung des Staates nach außen wie nach innen nötig. Eine Regierung, die an de, Neigung krankt, ttonflikten auS, »weichen, notwendig« Kämpfe zu unterlassen »nd sogar ausländischen Wünschen immerfort nachzugcben, verfällt unrettbar dem Unter- gang. Sie gelangt sehr bald dahin, sich überhaupt nur noch durch Zugeständniise erhalten zu können, von denen das eine das andere nach sich zieht, bis von der Staats
gewalt überhaupt nichts mehr übrig ist."
Daß diese Bemerk,ingen für alle Zeiten passen, bedarf wohl jetzt gerade besonderer Hervorhebung nicht, lieber die Sozialdemokratie äußerte sich Fürst DiSinarck gelegentlich folgendermaßen:
„Die Sozialdemakratic rüstet sich im stillen so lange, bis sie die Kraft in sich fühlt, dem Staat »nd der bürgerlichen Gescllsck>aft den Hals abznschneiden, >vas sie sosos tun wird, sobald sie es kann, Sache des Staate? ist es sie nicht dazu die Macht erlangen zu lassen. Dies? Aufgabe kann nicht im Wege des Paktiere»? und durch Kompromisse mit der Sozialdemokratie gelöst werden, sondern nur durch Kampf. Je eher dieser Kamps gufgenommen wird, um so größer sind die Chance» eines baldigen und nicht zu teuer erkauften Sieges," — „Die Sozialdems kratic stellt sich überhaupt außerhalb der staatlichen Oid- nung und der Gesetze, Deshalb ist es nur logisch »nd bc. rechtigt, daß man zu ihrer Bekämpsinig Ausnahmegesetze anwendet, die nicht für alle Staatsbürger gültig sind, die ihrerseits die StaatSgesetze respektieren. In einer solchen Spezialgesetzgebung besteht die „Repression", die nach der kaiserlichen Botschaft vom November 1881 gleichzeitig mit der sozialen Fürsorge zu ersolgen hat. Wenn man die eine Hälfte der Botschaft ausführt, die andere aber ignoriert, so muß da« zum Unheil stihren."
Irgend welcher erklärenden Znsatzbemerknng bedürfen diese treffenden und schlagenden Worte nicht.
Der Gipfel.
Daß die meisten Margarinchändler Meister der Reklame sind, ist wohl bekannt. Den Gipfel aber hat ein Herr Wa!d- hcim in Hildesheim erreicht. Er läßt Briese »mhertragen, die genau so gefaltet sind wie amtliche Schriftstücke, Die Briefe sind mit einem blauen Siegel geschlossen, daS den preußischen Adler und die Umschrift: „Kanzlei für Erbau- gclegnheiten" trägt. Auf der Vorderseite des Schreibens befindet sich die Herkiinftsbezeichnung: „Zentral-Kanzlei lür Erbangelegenheiten". Ocstnct inan dar Schreiben, so findet man eine Aufmachung, wie sie amtlichen Schriftstücken eigen ist, so daß der nicht besonders vorsichtige Leser tatsächlich in den Glauben versetzt wird, ein amtliches Schriftstück vor sich zu haben. In dem Schriftstücke beißt es nun, dnß der Empfänger als alleiniger Erbe des Vermögens eines vor zwanzig Jahren ans Deutschland nach Porto Santa Maria ansgewanderten Mannes in Betracht komme: er werde da- her aufgcfordert, eine Erklärung abzugeben, ob er gewillt sei, die Erbschaft anzutreten. Er müsse aber weiter z» Protokoll geben, daß er bereit sei, die einzige im Testament enthaltene Bedingung des Verstorbenen zu erfüllen, Daniit ist die erste Seite beendet. Ans der zweiten Seite befindet sich nun die Bedingung, Der Empfänger soll sich verpslichten, inir gewisse Margarinemarken statt der teueren Netnrhlltter zn verwciidcn.
Ans der dritten Seite liest man dann die weiter Mittelung, daß besonders „große AnSnnlinietagc" iu Margarine lei Herrn Waldheim stattsinden sollen und daß jeder, der ein Pfund Margarine für 80 oder 00 Pfennig kauft, außer den wertvollen Gutscheinen, nach denen er sich beliebige Zugabe- gegenstände aus dem Zugabevcrzeichnisse wählen kann, noch außerdem ein ff, Bilderbuch und einen ff. Bierbecher „vollständig gratis" erhält.
Ob diese einerseits gerissene, andererseits doch unendlich plumpe Reklame unter da? Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb sällt, mögen die zuständigen Stellen prüfen, 11,12 interessiert vor allen Dingen, daß der Käufer von einem Pfunde Margarine für 80 Pfennig außer sonstige^ wertvollen Zugaben auch noch ein Bilderbuch und einen'Bier- beckier erhält. War muß doch diese Margarine für ein kostbares Zeug sein, wenn man ihren Käufern derartiges Bieter kann!
(Oiifrlt p. l’r.itfr «or iw« KmMmchl.
S,<?cH. Straßburg, 6, Jan.
In der fortgesetzten Beweisausnabme bekundete Ge- richtsassessor Kroß mann, der Vertreter de? Krcisdirek- tors Mahl, daß er er nach der Verhaftung dcs Landgci-ichts- rats Kalisch dem betresfeiia-n Ossizier Vorhaltungen machte, der sich aber auf civen Befehl des Obersten v, Reuter berieß Der Oberst habe ihm erklärt, die Zivilbehörden fiiutui versagst seine Offiziere würden in der unflätigsten Weise bc- ichimpst, wenn sich das nicht bald ändere, werde er scln-ßen lassen, denn er sei es der deutschen Armee schuldig, der Uni- ferm Achtung zu verschaffen. Auf den E-nwiirs. daß es dnnr ein großes Ilng'nck - b.-n wü.öe. i abe der Oberst erwidert er halte es für rin Glück an , dt Blut fließe.
Oberst v. Reuter gibt hierzu an, d h er i y< ,y nii'g nur getan ' ,br. >»» die i'vil»en alinng m s die Kn* darmcrie zu cnergiiä m !l cgi '» '» r-ra i 11 übrigen sei er bei dcu Borsiillen - an er - O-" >:n> -
gewesen und hätte letzten Endes allein c den, w, tu» war.
Zeuge Staatsanwalt Krause l ,! t-on m- i>r n . Leuten gehört, daß lick Offiziere und -> -> '


