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In derselben Zeitspanne hat die Bevölkerung Europas eine zahlenmäßige
Zunahme von 175 Millionen auf 300 Millionen erfahren. Die Bevölkerungs⸗ zunahme in Europa steht zweifellos nicht im Verhältnis zu der zahlenmäßigen Zunahme der Gesamtmenschheit.
Oder mit anderen Worten: Die Entwicklung der europäischen Bevölke⸗ rung im letzten Jahrhundert hat nicht Schritt gehalten mit der zahlenmäßigen Entwicklung der Erdbevölkerung.
Dies ist wohl hauptsächlich auf drei Ursachen zurückzuführen:
1. Die Auswanderung aus Europa. Nicht weniger als 32 Millionen Europäer sind vor allem aus England, Deutschland, Skandinavien und Italien seit dem Jahre 1820 nach den Vereinigten Staaten von Amerika ausgewandert. Sie haben auf der einen Seite einen Abbruch in der zahlenmäßigen Größe der europäischen Bevölkerung hervorgerufen und zum anderen Teile ganz wesentlich zum Aufbau der Bevölkerung in USA. beigetragen.
Verluste durch den Weltkrieg 1914— 1918.
Wir müssen damit rechnen, daß Deutschland allein im Weltkriege 6½ Mill. Menschen eingebüßt hat, die sich aufteilen in 2 Millionen Männer, die vor dem Feind geblieben sind, ferner in 1 Mill. Opfer unter der Zivilbevölkerung infolge der durch die Blockade bedingten Ernährungs— schwierigkeiten und schließlich in 3½ Mill. Kinder, die normalerweise, d. h. in normalen Zeiten geboren wären und in den Kriegsjahren ungeboren blieben.(Hinzu kommen weitere 6½ Mill. Menschen, die infolge der
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Gebietsabtretung durch das Versailler Diktat dem Reich verloren gingen.)
Rechnen wir alle Verluste an Kriegstoten und Ungeborenen des Welt⸗ krieges bei den am Kriege beteiligten Völkern zusammen, so ergibt die biologische Bilanz des Krieges 1914—19 1s ungefähr 10 Millionen Kriegs⸗ todesfälle und einen Gesamtverlust von ungefähr 30 Mill. Menschen. Ich will in diesem Zusammenhang nur erwähnen, daß diese biologische Bilanz des Weltkrieges noch katastrophaler zu werten ist, wenn wir be—⸗ denken, daß die Kriegstoten auf beiden Seiten in erster Linie die quali⸗ tativ und rassisch wertvollsten Menschen gewesen sind.
Der Geburtenrückgang.
Ganz wesentlich hat selbstverständlich für die Verlangsamung des Völker⸗
wachstums in Europa gegenüber der anderen Welt der Geburtenrückgang
eine Rolle gespielt, der bereits ungefähr um das Jahr 18oo in Frank⸗ reich langsam einsetzte und im Verlauf bzw. bei Abschluß des letzten Jahr⸗ hunderts auf fast alle Völker des westlichen, mittleren und nördlichen Europas und schließlich auch auf Osteuropa übergegriffen hat.
So ist es erklärlich, daß sich die Bevölkerungspolitiker in allen Län⸗ dern, besonders aber im deutschen Volke darüber Sorge gemacht haben, wie die Bevölkerungsentwicklung sich in der Zukunft weitergestalten wird, denn es ist klar, daß die volle Auswirkung des europäischen Geburten⸗ schwundes, wie er sich vor allem in den letzten Jahrzehnten und Jahren gezeigt hat, erst im Laufe der kommenden Jahre und Jahrzehnte in Er⸗ scheinung treten und sich auswirken wird. So wird sich z. B. der kata⸗
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