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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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Vorwort

Daß diese von Premerstein nicht abgeschlossene Arbeit erst jetzt er- scheint, kann niemand mehr bedauern als ich. Aber infolge einer beson- deren Verkettung von Abhaltungen und Hemmnissen fand ich erst gegen Ende des vorigen Jahres die Zeit und die Ruhe, die zur Lösung der heiklen und verantwortungsvollen Aufgabe, die mir der beklagenswerte Tod des verehrten Kollegen gestellt hatte, unbedingt notwendig waren. Es galt aus dem von Zusätzen und Berichtigungen wimmelnden Manuskript und un zähligen losen Zetteln überall die letzte Hand des Verfassers zu ermitteln. Für ihn selbst gab es freilich selten ein Letztes, da er unermüdlich weiter- feilte und besserte. So konnte ich ihm mit Recht Ovids Worte in den Mund legen: emend ats, sd licuisset, eram.

Dab Premersteins Umschrift mit seinen Ergänzungen viel Gewagtes und Subjektives enthält, wußte er selbst am besten. Hier zu ändern und zu streichen, konnte ich mich nicht entschließen. Doch erwuchs mir daraus die Pflicht, die von Eberhart herrührende Abschrift sorgfältig nachzuprüfen und so objektiv wie irgend möglich zu gestalten. An ihr und an den Kupfer- tiefdrucktafeln, die freilich oft versagen, mag man Premersteins Leistung messen. Si geid novlstè nectius dstis, candidus imperti; S nil, his utene mecum.

Die Mittel für die Drucklegung und Abbildung gewährten uns der Marburger Universitätsbund auf Fürsprache meines lieben Kollegen Ernst Lommatzsch, die Gießener Hochschulgesellschaft, unser Klassisch-philo logisches Seminar und als Dekan unserer Philosophischen Fakultät Herr Professor Dr. Christian Rauch. Ihnen allen sei auch an dieser Stelle unser wärmster Dank ausgesprochen.

Gießen, im April 1939 8 Karl Kalbfleisch

Al. Märtyrerakten 1