Hoch ansehnliche Versammlung!
Sehr verehrte Herren Kollegen!
Liebe Kommilitonen!
Kuf eine 320 jährige Vergangenheit kann die Universität in diesem Jahre zurückblicken. Wie all jährlich gedenken wir auch jetzt in tiefempkundener Dankbarkeit des hochgesinnten Stifters unserer Ludoviciana und des letzten Rector magnificentissimus. unter dessen Huld und Fürsorge sie sich hoher Blüte erfreuen durfte.
Schwere Stürme sind unterdessen über uns hinweggegangen. Sie kanden ihren Widerhall in den Ansprachen meiner Herren Amtsvorgänger an dieser Stelle. Obwohl heute das wissenschaft- liche Leben an unserer alma mater in ruhigeren Bahnen sich voll- zieht und die Sorge der Stunde etwas gemildert ist, so ist doch die Notlage immer noch groß genug, um uns mit allem Ernst der Zukunft entgegenblicken zu lassen.
Um so mehr und um so dankbarer anerkennen wir die Opferwilligkeit der Volksvertretung und der Staatsregierung, die uns auch im vergangenen Jahre zuteil geworden ist trotz der schweren Lasten, die unser besonders hart bedrängtes, noch immer unter dem Druck der Besatzung leidendes, in seiner freien Entwicklung gehemmtes und kinanziell schwer geschädigtes Hessenland zu tragen hat. Mit unserer Staatsregierung vertrauen auch wir, daß dieser Druck bald von uns genommen oder wenig- stens gemildert werden möge.
Unser wärmster Dank sei ausgesprochen der Stadtverwal- lung unserer Universitätsstadt Gießen, deren Geschick mit dem unserigen so innig verbunden ist, und die uns früher schon öfter, aber ganz besonders reich in diesem Jahre mit Stiftungen pedacht hat; sie werden in der Chronik im einzelnen noch mit- geteilt werden. Möge das Gefühl des innigen Verbundenseins, das in diesen Spenden seinen Xusdruck findet, auch fernerhin


