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liebten Aufklärungshetze, das Gewicht dieses Wortes abzu- schwächen, als solle damit die menschliche Ratio, als welche in Dingen des Glaubens nicht mitzureden hat, über diesen zur Richterin bestellt werden, während es doch auch in Lessings Sinn, der Sprache seiner Zeit gemäß, nichts anderes besagen soll als: Gebt der Geschichte, was der Geschichte, und Gott, was Gottes ist. Der berechtigte Anspruch des Historismus kann gar nicht klarer, treffender, überzeugender, abschließender zum Ausdruck gebracht werden. Der Historismus ist, um ein schönes, mir kürzlich im Gespräch entgegengebrachtes Bild zu brauchen, der Wagen, auf dem Gott durch die Menschheit fährt.

Seinen Anspruch zu hüten, sind die th eologischen Fakultäten berufen. Sie arbeiten durchweg mit Maßstäben, die in der Sphäre des Historismus gewonnen sind. Die Kirche hat dadurch, daß sie den Unterricht an den Fakultäten als Vor- bedingung für die Anstellung ihrer Geistlichen anerkannte, auch den Historismus anerkannt. Es muß ihr unbenommen sein, diesen Standpunkt aufzugeben, wenn sie zu der Uberzeugung kommen sollte, daß der Ewigkeitsgehalt der Offenbarung durch die Arbeit der Fakultäten gefährdet sei. Sie kann deren Unter- richtsbetrieb unter ihre Aufsicht nehmen, sie kann auch ihre künftigen Geistlichen diesem Einfluß völlig entziehen. Und ich will den Fall setzen, sie täte es. Was wird die Folge sein? Die Fakultäten werden zu Seminaren werden, als solche nicht mehr Stätten freier Wissenschaft sein und auf Beachtung durch den Staat und die nicht durch Bibel und Bekenntnis gebundene Menschheit keinen Anspruch erheben können. Der Historismus aber ist damit nicht totgemacht: er wird sich in die philoso- phische Fakultät zurückziehen, dort wird er sein sezierendes Geschäft verrichten, denn den lebendigen Organismus wird er als Leichnam behandeln, und die Kirche wird davon den Scha den haben.

Ich habe diesen Standpunkt während meiner akademischen Laufbahn stets bekämpft.es) Heute, wo ich dem Ende dieser Laufbahn in naher Zukunft entgegensehe, kann ich nicht anders urteilen. Ich sehe in der Ausschließlichkeit, mit der man sich auf die Bibel als die alleinige Urkunde unseres religiösen Lebens zurückzieht, eine Gefahr für dieses Leben selbst und bekenne mich zu den Sätzen, die Wilhelm Dilthey an seinen Freund, den Grafen Paul Vorck von Wartenburg richtete:Christliche