Verständlich. Man kann ruhig sagen, unser ganzes Volk winde ollmählig vollständig politisch vergiftet. Für jeden kleinsten Fehler und Mangel machte man die Neaierung verantwortlich, all das Gute, welches uns unser Vaterland bot, nahm man als selbstverständlich hin imd schließlich in den Jahren hin vor Kriegsausbruch gab es viele Deutsche (nicht allein Geldleute, Fürsten und Junker), die nicht wußten, wie gut es ihnen ging.
All dicker Parteihader und die sprichwörtliche deutsche Uneinigkeit wurde von den aut organisierten und im Solde ihrer Regierungen stehenden Pressen Englands und Frankreichs auf die raffinierteste Weise und zum Schaden unseres Vaterlandes ausgenützt. Es wird wenige Deutsche geben, die sich seit 1914 Nicht schon oft gefragt haben, warum haben wir eiaent- lich so wenig Freunde unter den Völkern der Erde. Ja, jeder Staat ist doch in Wirklichkeit nur eine große Familie. Sind in emer Familie die Kinder unter sich Und diese wieder mit den Eltern und schließlich diese selbst unter sich uneinig und machen sie sich gleichzeitig bei i fiten ? acbbarn oegenseittg schlecht, so wird diese Familre, ja jedes einzelne Familienmitglied, bei den Nachbarn in einen schlechten Ruf geraten, selbst wenn sich kein Mitglied der Familie je etwas wirklich böses zu Schulden bat kommen lasten. Freundschaft wird jedenfalls niemonb einer derartigen Familie enlgeoen- brinoen. Alck die (SRogworte der Gegner, wie Barbaren. preuchscher Militarismus, Junker u. s. w. sind deuts!' en Ursprungs und wir dürfen uns heute nicht wundern, wenn er ste für seine Zwecke gegen uns ausnutzt.
D^e Kurzsichtigkeit b^r Parteipo^itiker und der deutschen Presse trägt o^ne Zweifel mit in erster Linie ^rould an die em Krrege. Ob und wie weit die alte deutsche Regierung und der Kaiser am Ausbruch des Krieges Schuld trifft, kann erst festgestellt werden, wenn auch die Tehermakten Frankreichs, Englands, Italiens. Amerikas.^ Serbiens. Rumänien^. Japans u. s. w. der Oeffentri-Reit zur Kenntnis gelangen. Vorerst ist es Ärgere Pflicht, die Frage der Schuld unserer alten Regierung und des Kaisers mit der äußersten Vorsicht zu behändern, denn durch das Herausreißen »einzelner Mon.e"te und Tatlachen au^ der Eesamthondlung kann leicht f fi falsches Bild entstehen. Die Geaner taten al.es und werden altes ausbieten, die Schuld am Aus- biuch des Krieges auf unsere Regierung abzuwälzen. Gelmgt ihnen d-es. obne daß es den Tatsachen ent- durch unsere Schuld, so sind wir auch moralisch aus Gnade und Ungnade in deren Hand gegeben.
. Die Gegner brauchen in diesem Moment keine weitere moralKche Rüchstcht auf die Neutralen zu nehmen And können ihre Forderungen ins Unermeßliche steigern. Rach alledem, was bis heute über die Schuldfrage bekannt geworden ist. muß der objektive Beobachter zu- geben, daß der Beweis der Schuld unserer alten Regierung lind des Kaisers nicht erbracht ist. Daran andern auch die letzten Veröffentlichungen Kurt Eisners mchts. Die Schuldfrage über die Ursachen und den Ausbruch des Krieges muffen wir späteren Taaen überladen und die Weltgeschichte wird auch hier ihr Urteil fallen.
Anders steht es mit der Schuldfraae über den Zusammenbruch unseres Deutschen Vaterlandes. Die direkte Ursache b'eöt ohne Zweifel, wie schon oben gesagt, der Durchbruch der bulgan chen Front. Will man von der Schuld am Zusammenbruch sprechen, so muß man weit zurückgreifen, wenn man obfekriv bleiben will. In erster Linie ist es wohl die lange Dauer des Krieges. Stellt man sich nun die Frage: hätte die lange Dauer des
Krieges vermieden werden können, fo lehrt uns der Verlauf desselben, daß wir diese Frage heute mit ja beantworten müssen. Die parlamentarisch regierte Republik Frankreich mit 38 Millionen Einwohnern nützte ihre gesamte Volkskraft aus und schuf sich ein stehendes Heer, welches 1914 über 750000 Mann zählte. Man besaß dort die beste Artillerie der Welt und führte kurz vor Autzbruch des Krieges die dreijährige Dienstzeit ein. Längs seiner ganzen Grenze gegen Deutschland, von der Schweiz bis zum Kanal, schuf es stch einen fast unüberwindbaren Festungsgürtel. Wenn außerdem die Republik Frankreich an die absolute Monarchie Rußland rund 20 Milliarden Francs auslieh, so geschah dies etwa nicht aus Liebe zu Rußland, sondern um sich Rußlands Waffenhilfe zu sichern. Wie aus den veröffentlichten russischen Ceheimakten ersichtlich, wurden diese Milliarden Rußland unter der Bedingung geliehen, daß-Rußland einen Teil dieser Gelder zum Ausbau seines strategischen Vahnnetzes gegen Deutschland und Oesterreich verwende. So hat die Republik Frankreich im Frieden alles getan, um ffch für den Krieg vorzubereiten. Seine männliche Bevölkerung mußte bis zum letzten Mann heran. Materiell und finanziell hat man dort rieffae Opfer gebracht, und es war eine wirklich hohe Versicherungsprämie, die Frankreich im Frieden gegen und für den Kriegsfall geahlt hat.
Was tat die konstitutionelle Monarchie Deutschlands mit ihren 70 Millionen Menschen in ihrer gefährdeten zentralen Lage, in der sie infolge des sran. ^üst^ch-ru fischen Bündnisses und des bekannten französischen Revanchegeistes stets mit einem Zweifrontenkrieg rechnen mußte? Deutschlands stehendes Heer be- trug 1914 ungefähr 750000 Mann. In den 60er Jahren hob man die Ausbildung der Ersatzreserve auf und führte die 2jährige Dienstzeit ein. Für den Schutz der Westfront tat man wenig, die Ostfront blieb offen. An Wehrpflichtigen.kamen in den letzten Jahren jährlich rund 700 000 junge Leute zur Ausmusterung, nur knapp &tc Hälfte wurde mit der Waffe ausnebildet, der Rest, darunter nicht das schlechteste Menschenmate- rial-, blieb unausgebildet. Reklamationen, begründete und unbegründete, lagen in Masten vor und wie manch strammer Bursche, der in der Wahl seiner Eltern vor- fichtig gewesen, blieb vom Heeresdienst befreit. So hatte sich zwar im La'ife der Jahrzehnte Deutschland eine Reserve von militärisch-unausgebildetem Menschen- material aufgestapelt, die zahlenmäßig ebenso stark, oder sogar noch stärker war, als.die ausgebildete Mannschaft. Wer erinnert sich nicht der Rededuelle im Reichstage über den Heercsetat zwischen Kanzler und ßriensnrnifter usw. einerseits und Eugen Richter. Bebel usw. anderseits. Wer denkt nicht heute an die stundenlange Debatte über die 6 Kavallerieregimenter kurz vor Ausbruch des Krieges. Ja. wir haben Dank der Tätigkeit der gesamten Reichstags-Fraktionen im Frieden Millionen erspart. Heute nach über 4 Jahren Krieg, hsute in der Zeit des Zusammenbruchs unseres Landes, merken wir, daß der Krieg uns zwang, diese ersparten Millionen durch Milliarden auszuwiegen, mit dem Blute und Leben der Vesten unseres Volkes zu bezahlen, ihnen die Zukunft unseres Volkes auf Generationen zu opfern.
Der Krieg, ja nur er allein, der trotz aller Phrasen und Utopien unserer Berufspolitiker der Linken, kam und kommen mußte, er fegte alle die Dogmas und Hirngespinste mit einem Scklage fort. Wo ist denn heute die so viel gepriesene Internationale und wo war sie bei Ausbruch des Krieges? Alle die schönen Warte, aller .Pathos Hilst nicht über die Tatsachen hinweg! Wo bleibt die Sühne des Mordes Jaur6s
u. s. w., wie war Die Diktatur rn Den parlamentarisch
regierten Republiken Frankreich und Amerika und dem parlamentarisch regierten England möglich, wie konnten unsere Gegner ihren Sozialisten die Püffe nach Kopenhagen verweigern in dem Momentz in dem das monarchische. untek dem preußischen Militarismus schmachtende Deutschland, diese ihren Sozialisten bewil'iate! All' die schönen Worte, all die wirklich lehrreichen und rednerisch vorzüglichen Vorträge der Herren um Paner. Scheidemann. Erzberger u. s. w. waren umsonst, blieben wirkungslos im Ausland, schädigten uns.
Aus Mangel an Ersatz von Soldaten, Wa'ten. Material und Munition ging die Marneschlacht 1914 verloren. Millionen aestrnder, kräftiger deutscher Männer mußten mangels Ausbildung und Ausrüstung von der Heimat aus dem Rückzug an der Marne zuseben, ohne helfen zu können. Dank der Bhrase: ..keinen Mann und keinen Grosck en für dieses System" mußten Deutschlands Söhne 1914 an der'Marne zurück, nein über 4 Jahre lang Gsstrndheit und Leben opfern, mußten stch bei Ppern 1914 unsere Freimütigen, kaum ausgebildet, in die Bresche werfen und verbauten.
Es gab und gibt außer den Ehai vinisten im eigenen Lande aum solche im Ausland und beute bei den Gegnern. Die Gefährlichsten müßten dock logischerweise die iür unser Land sein, auf welche unsere Friedensapostel keinen Einfluß hatten. Die Gefahr, die von dort droht, schätzte und schätzt man auch Heine noch bei uns viel zu gering ein. Eines Eduard VH. unseligen Angedenkens Tätigkeit scheint man hüben wie drüben ganz vergessen zu haben! Vielleicht soll heute sein Reffe für ihn mitbluten?
Es erscheint ganz unglaublich, daß Eduard VII. großzügige Einkreisunaspalitik gegen Deutschland ohne Einfluß auf Belgien blieb. Hatte die Regierung Veth- wann-Hollweg Beweise der Beteiliguna Belgiens am Kriege oder der Duldung englisch-französischer Machenschaften. so war der Einmarsch der deutschen Heere in Belgien Pflicht und eine Entschuldigung derselben ein Fehler, lagen keine Beweise vor. dann mußte der (Sin* und Durchmarsch unterbleiben. Auch hier kann erst in späteren Tagen ein Urteil gefällt werden. Das so e- vannte Völkerrecht ist ein äußerst dehnbarer Begriff, dies lehren uns gerade die Ereignisse dieses Krieges. Hungerblockade, O-Vootkrieg, Beschlagnahme des neutralen Schiffsraumes u. s. w. Zu einem Fetzen Papier, den man im geeigneten Moment vernichtet, darf und kann es nie ohne Schaden für die Völker, die dies tun, erniedrigt werden.
Der verschärfte O-Vootkrieg dürste wohl kaum die Ursache zum Eintritt Amerikas in den Krieg gewesen sein. Durch die riesigen Lieferungen von Kriegsmaterial und Munition Amerikas an die Entente war es 1915 und 1916 unseren Gegnern allein möglich, noch Kriea zu führen. Das erste deutsche Friedensangebot wurde am 12. Dezember 1916 unseren Gegnern England und Frankreich übermittelt und von diesen in schärfster Weise abgelehnt.
p Hätte Amerika den Frieden gewollt, dann wäre es ihm, ohne große Schwierigkeiten, damals möglich gewesen, dies zu erreichen. Die Tätigkeit der amerikanischen Gesandschaft in Berlin 1914 bis 1916 ist zur Genüge bekannt, die Stellungnahme des früheren Gesandten Gerard in Wott und Schrift Deutschland gegenüber beweist uns, daß er alles andere, nur kein Freund unseres Volkes war und ist. Hat man je ein Wott des Tadels Amerikas geaen England oder Frankreich u. s. w. vor seinem Eintritt in den Krieg gegen uns gehört ? Die Stellungnahme Amerikas war von Anfang an für die Entente und gegen Deutschland. Der ver-
Ker§enskampfe.
RoM 2 n von Helene ScbLtky. fleb. VM Tersdorff.
(Copyright‘l!* 5 by C. &tamann*Stutt,iait.) ß4) Nachdruck verboten
„5Tun werden bte neben Laufe in K. wieder etwas zu schwatzen haben", lachte die Gräfin noch zunl Schluß, „da die Leriabünz nuick komplet ist. Adieu, adieu, am Wiedersehen!"
Der Kommerzienrat tat sofort alle Schritt- um dem könifl. krchen Befehl entsprechend die Heirat moalichst zu beschleunigen. Ei teilt- seinem Bruder in wenigen Worten mit. daß auf Wunsch Fhrer Majestät die Verbindung auch ohne väterliche Einwillianng stattsinden werde und forderte thri auf. sobald .als mäolich Hilde's mütterliches Vermoaen und anderes persönliches Eigentum an ihn abzuliefern, da Hilde ihm für alles Vollmacht erteilt habe.
WenRe Tage darauf wurden ihm durch den Sach- 'Halter des Geheimnis alle schriftlichen Belege und Papiere. welche Hilde's Prwatvermögen .'präsentierten, i'betmUtcIr mit der Mitteilung, daß der übrige Besitz Fräulein Antelmann's, ihre Toiletten, Juwelen, Bücher, Musikalien usw. in wenigen Tagen Nachfolgen würden. Das auch richtig geschah. Kein Wott, keine Silbe von ihm, dem Geheimrat selbst.
Dagegen hörte der Kommerzienrat von anderer, ihm befreundeter Seite, daß sein Bruder im Begriff stehe, ein Haus und das Bürgerrecht in der Landeshauptstadt B. zu erwerben, da er nach den dort gültigen Gesetzen seine Tochter auch noch um den nicht unbedeutenden Pflichtteil bringen konnte, welcher ihr nach den rheinischen Gesetzen unter allen Umständen zustand.
Als Hilde davon hörte, sagte sie nur:
„Also so sehr haßt er mich! Armer Vater!"
Aber es sollte anders kommen. Während Hilde und Tante Ella mitten in eifrigen Vorbereitungen für den na h ihren Begriffen bescheidenen Haushalt des lungcn Paares begriffen waren, während auch Rein- hoU- stch ei<ua rn den wichrgen Beratungen und dem
Wohnuncchuchen beteiligte, schritt das Schicksal seinen eigenen Weg und aestaltete Alles anders.
Die Cour im königlichen Schlosse, bei welcher Rein- hold und Hilde sich als Brautpaar vorzustellen hatten, verlief höchst glänzend. Die Königin ließ ihre volle Huld auf die Verlobten und ihre Augehörigen aussprechen, behielt sie so lange in ihrer Nähe und sagte . ihnen so viel Freundliches, daß alle Anwesenden den Eindruck gewannen, sie wolle absichtlich zeigen, wie sehr sie diese Partie beaünstige.
Die ganze Gesellschaft beeilte sich denn auch, dem allerhöchsten Beispiel zu folgen und Eermsdorff und seine Braut, sowie ihre Verwandten, im höchsten Grade zu feiern und zu umschmeicheln.
Frau Ella war wieder ganz in ihrem Element und wolkenlos glücklich. Die letzten Monate mit ihren ernsten Sorgen und Konflikten härten gar nicht zu ihrem heiteren, lebensfrohen Naturell gepaßt.
Am nächsten Tage erschienen die zierlich gestochenen Verlobungsanzeigen in allen der „Gesellschaft" ange- hörigen Familien von K. und nun regnete es Glückwünsche, Besuche, Blumen von allen Seiten, da sich alle Welt beeiferte, den vom Hof so sehr Bevorzugten ihre Huldigung darzubringen.
Tagelang standen Equipagen vor dem Antelman'- schen Hause, und Frau Ella und Hilde empsiingen in schönen geschmackvollen Toiletten und mit lächelnden, strahlenden Mienen alle die sich herzudrängenden, Besucher. die vielleicht manchmal Neid im Herzen, aber äußerlich mit allen Zeichen aufrichtiger Teilnahme ihre Glückwünsche darbrachten.-
Mitten durch das Gewühl von Wagen, Pferden, Kutschern, Dienern drängte sich am dritten Tage eilig ein Postbote, der im Antelmann'schen Hause verschwand.
„Ein Telegramm für Fräulein Antelmann", sagte er zum Portier.
Dieser übergab es einem Diener, welcher sogleich damit die Treppe hinaus au Hilde eilte-
Sie stand eben scherzend und lachend vor einigem Gästen, welche eifrig auf sie einredeten, als der Diener ihr auf einem Tablett das Telegramm hinreichte. Sie hielt es für einen Glückwunsch und öffnete er arglos.
„Vater schwer erkrankt. Schlaganfall. Sofort kommen. Franziska Lehmann", hieß es dott in deutlichen Buchstaben.
Hilde wurde totenblaß. Sie schwankte und wäre umgefallen, wenn nicht hilfbereite Hände sie gestützt und auf einen Seffel niedergelassen hätten.
Frau Ella wurde verständigt und eilte herbei. Sofort änderte sich das Bild. Die glänzende Gesellschaft verschwand in diskreter Weise, sobald sie von der schlimmen Nachricht hörte. Neue Besucher wurden nicht angenommen.
In aller Eile traf man die nötigen Vorbereitungen und schon mit dem nächsten Zuge fuhren Hilde und Reinhold, Onkel Bernhard und Tante Ella, sowie auch Lina und Babette nach G. ab. nachdem sie sich vorher bei Fräulein Lehmann telegraphisch angemeldet hatten.
Auf dem Bahnhof ermattete sie die geschloffene Equipage des Geheimrats und fühtte sie schnell zu einer Villa.
„Wie stet's, Georg?" hatte Hilde den Kutscher geftagt.
„Schlimm, recht schlimm, gnädiges Fräulein", ant- wottete dieser.
Als der Wagen an der Villa vorfuhr, .empfing sie unien im Hausflur Franziska Lehmann im schwarzen Kleide, mit verweinten Augen.
Mit einem Schrei warf ste sich in Hilde's Arme..
„Ist es vorüber?" fragte diese erschütrett.
Franziska nickte.
„Vor einer halben Stunde. Er kam nicht mehl zum Bewußtsein."
»Hat er nicht nach mir gefragt?"
Schluß folgt.
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