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M.
Mahltermin 10. Januar.
Die Wahlen zur Nationalversammlung.
Berlin, 19. Dez. (AZ. B.) In der heutigen Sitzung des Neichskongreffes der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands wurde der Antrag Eohen-Reutz, wonach die Wahlen zur Nationalversammlung am am 19. Januar jtattfinden sollen, mit großer Mehrheit unter dein Beifall des Hauses und dem Widerspruch der Minderheit angenommen.
Mismr iu Landau.
London, 19. Dez. (W. V.) Das Reutersihe Büro erfühlt, daß Wilson wahrscheinlich am 26. Dezember in London eintrifft. Der König wird Wilson entweder im Palast Sandringham, wo er die Weihnachten zu- bringt oder in London empfangen. Wahrscheinlich kommt er eigens zu diesem Zweck nach London.
London, 19 . Dez. (W. B.) Gestern am späten Abend hat Lord George mit Rücksicht auf den bevorstehenden Besuch Wilsons seine Abreise nach Paris entgültig aufgehoben. Loid George wird die Vorbesprechungen, die ursprünglich in Paris stattfinden sollten, in London abhalten.
Ktichsklluftreiiz der Ackäler- ü. KMtkn-Wk.
Die Mittwochstagung verlief ruhig und ging in geordneten Bahnen vor sich. Es wurde zunächst über oie Anträge der Berliner Ersatz-Formationen beraten. Bemerkenswert waren die Ausführungen des Soldaten Sahm (Ostfront). Er sagte u. a.'. Die Soldaten gestern sind zu einer Demonstration mißbraucht worden. Wenn das so weitergeht, dann werden noch Maschinengewehre gegen uns auffahren. (Unruhe). Wir lassen uns aber in unfern Arbeiten nicht stören. Was die Berliner wollen, haben wir an der Front längst durch- geiührt! Wir haben scharf aufgepaßt. Die Berliner stellen uns ein Armutszeugnis aus, wenn sie nicht auch ohne den Rat der Volksbeaustragten das durchsetzen, was wir längst haben. Rur erheben wir Widerspruch gegen die Beseitigung der Obersten Heeresleitung und ihre Ersetzung durch einen Zentmlsoloatenrat. (Starker Beifall.)
Der Delegierte Günther (Berlin) meinte, in der Provinz handele man, aber in Berlin vergesse man über das Reden das Handeln. Ec sagte weiter, die gestrige Veranstaltung habe doch zu sehr den Eindruck )er künstlichen Mache gemacht; sie ist nicht impulsiv )em Willen der Berliner Soldaten entsprungen! Auch Dir sind gegen die Beseitigung der Obersten Heeresleitung mit ihren reichen Erfahrungen, ganz abgesehen von den Schwierigkeiten, die uns . die Entente dann nachte. So einfach liegen die Dinge doch nicht, daß nan sie hier in einem theatralischen Aufzug entscheiden könnte. Mit demselben Recht, wie gestern die Soldaten, könnten heute die Berliner Dienstmänner hier erscheinen. Da ist jedes Verhandeln unmöglich.
Der Vorsitzende ßeinert teilte bann mit, daß wieder einige Deputationen draußen stünden. (Heiterkeit). 2m Anschluß hierauf berichtete er: Die eine Delegation erklärt, falls sie nicht vorgelassen werde, würden 250609 Arbeiter Berlins am Donnerstag die Arbeit niederlegen. (Hört, hört!) Wenn in dieser Weise auch weiterhin arte Arbeitergruppen, die irgendwie glauben benachteiligt zu sein, sofort die Arbeit niederlegen würden, gehen wir ja netten Zuständen entgegen. (Zustimmung.) Zu welcher: Folgen das führt, rrhelit aus einer etwaigen Arbeitsniederlegung der Eisenbahner.
Sogleich - erscheint die 59 Mann starke Arbeiter- Delegation im Saal. Sie führt rote Fahnen mit sich und Schilder, auf denen die Namen der Großberriebe der Berliner Metallindustrie verzeichnet stehen. Ihr Erscheinen int Saat wird von den zehn Delegierten, die gegen Leinert gestimmt haben, und von einigen Tribünenbesuchern durch Händeklatschen begrüßt. Der Vorsitzende Leinert teilt ihnen den Beschluß des Kon- Treffes mit und bittet sie, sich nach dem Minister- Ktzungssaal zu verfügen. Trotzdem redet ihr Führer Änd ruft: Nieder mit der Nationalversammlung! (Lärm -und Lachen). Es bedarf wiederholter eindringlicher Versuche Leinerts, um die Delegation zum Verlassen '.des Saales zu bewegen. Einzelne ihrer Mitglieder ergehen sich in Verwünschungen gegen den Kongreß, andere sprechen ihm in Zurufen jedes Vertrauen der Berliner Arbeiterschaft ab.
Hieraus erstattet Richard Müller das Schluß- Wort zu seinem Bericht über die Tätigkeit des Bo.i- - zvgsrais. Er führt darin noch einmal die Entstehung fielet Gerichte über den Vollzugsrat gerade, auf die
Volksbeaustragten zurück, insbesondere die Entstehung des Gerüchtes von Geldverschwendung. Das „Berliner Tageblatt" hat ausdrücklich erklärt, daß all diese Behauptungen bürgerlicher Blatter sozialistische Quellen hätten. (Hört! Hört!) Falsch sei auch die Behauptung, daß das M. T. V. von Unabhängigen geleitet werde. Wohl aber habe der Vollzugsrot eine Kontrolle über das W. T. B. eingesetzt. (Scheidemann: 30000 Mk. hobt Ihr in einem Monat vertelegraphiert!) (Hört! Hört!) Von uns wurden täglich Kundgebungen und Anweisungen verlangt. Rechtssozialistische Blätter haben sich an der Hetze gegen den Vollzugsrat beteiligt. allen voran Scheidemann. (Scheide mann: Sie sind nicht recht gescheit!) (Heiterkeit).
Relativ gemäßigt spricht D i t t m a n n: Die Masse ist, sa sagt er, für die Nationalversammlung. Darüber kann gar kein Zwei-el bestehen. Die Führer müssen die Werkzeuge der Massen sein. (Verfall). Gewiß haben sie das Recht, die Voltsmassen für ihre Meinung zu gewinnen. Aber eine Politik gegen den Willen der Massen ist unmöglich (Sehr richtig).
Zu den dringlichsten Aufgaben gehören die bevorstehenden Wahlen zur Nationalversammlung. Sie können nur dann zu einern Erfolg führen, wenn das gesamte- Proletariat eine geschlossene Kamp,front bildet. (Beifall.) Man ist sich ja vielfach gar nicht klar über den Zweck der Nationalversammlung. Es bandelt sich bei ihr um das Parlament, das zu dem einzigen Zweck gewählt werden soll, die Grundgesetze für das Deutsche Reich festzulegen.
Es folgte sodann eine sehr ausgedehnte Abstimmung über die vorliegenden Anträge. Der wichtigste Antrag ist der der Mehrheitssozialisten. Der Antrag lautet:
Die Neichskonferenz der Arbeiter- und Soldaten- m e Deutschlands, die die gesamte politische Macht darstellt, überträgt bis zur anderweitigen Regelung durch die Nationalversammlung die gesetzgebende und vollziehende Gewalt im Reiche an die Volksbeauftragten. Der Kongreß bestellt ferner einen Zenttal- rat der Arbeiter- und Soldenrnte der die Uebenva- chung des deutschen und preußischen Kabinetts übernimmt. Ihm steht das Recht der Berufung und der Abberufung der Volksbeaustragten des deutschen Reiches und bis zur endgültigen Regelung der staatlichen Verhältnisse, auch der preußischen Vollsbeauf- tragten zu. Zur Ueberrvachung der Geschäftsführung in den Reichsämtern werden vom Rat der Volks- beauftragtsn Veigeordyete der Staatssekretäre bestellt. In jedes gsamt werden zwei Beigeordnete entsandt, die ctuo den beiden sozialdemokratischen Parteien zu entnehmen sind. Bor Berufung der Fach- minister und der Beigeordneten ist der Zentralrat zu hören.
Dieser Antrag wurde mir überwiegender Mehrheit
angenommen.
' Inzwischen war der Ausschuß der Beratung der Soldatenaniräge mit seinen Arbeiten fertig geworden. Bolksbeauftragter Haase erstattete den Bericht. Die Anträge wollen die oberste politische Gewalt über Heer, Marine und Schutztruppen den Volksbeaustragten unter der Kontrolle des Vollzuosrates geben, verlangen die Entfernung aller Rangabzeichen, ein Verbot des außer- orden Uchen Waffentragens, dis Abschaffung aller Orden und Ehrenzeichen und des Adels, die Abschaffung des stehenden Heeres und die beschleunigte Errichtung einer Volkswehr.
Diese Anträge wurden fast einstimmig angenommen.
grr MMiNenbruch des intrntaifonaüönuifl.
Wir haben schon mehrfach hervorgehoben. daß die Führer der Mehrheitssozialdemokratcn einem eigenartigen Schicksal verfallen sind. Sie sind ihres eigenen Anhangs nicht rnchr sicher, müssen ihre mühsam errungene Stellung andauernd gegen Angriffe von links her verteidigen, zu ihnen steht aber in selbstloser Treue, um die Ordnung aufrecht zu erhalten, Bürger- und Bauernschaft, Beamtentum und das überwiegend bürgerliche Heer. Die Folge ist die, daß die Führer der Mehrheitsdemokraten Reden halten und Anschauungen vertreten, die man durchaus billigen kann, so sprach dieser Tage der Bolksbeaujtragte Dr. Landsberg u. a. folgendes:
Die Unabhängigen haben unsere Kriegspolitik durch die Begründung verurteilt, daß die Proletarier aller Länder sich erheben und einen Verständigungs- frieden herbeiführen werden. Sie bauten auf die Worte Lloyd Georges, der nur den deutschen Militarismus, nicht das deutsche Volk zerschmettern wollte. Sie haben nicht glauben wollen, daß die Franzosen das linke Rheinuser beanspruchen würden, daß der Engländer unsere Handelsschiffe die Kolonien Verlanaen würde.
daß unsere Ostprovinzen uns geraubt werden würden. Sie härten es sich nicht träumen lassen, daß England Schleswig an Dänemark aÜiietcn und die Hungerblockade auch weiter auf unser zusammen gebr ochenes, kriegsunfähiges Volk ausdehnen würde. (Psui-Rufe) Entrüstung ist kein 'politischer Faktor! Heute erleben wir, daß Frankreich das urdeutsche Landau beansprucht und die Zurückzahlung der Kriegsentschädigung von 1870 verlangt. Wo bleiben nun die englischen und französischen Arbeiter, auf die die Unabhängigen gehofft, als sie unsere Kriegspolitik verdammten? Durch diese Menschen ist nach dem Siege nationalistischer Geist gegangen und so haben sie das Gefühl der Brüderlich- leit verloren. Wir haben den deutschen Imperialismus verdammt, aber glauben Sie, daß die Poincare, Lloyd George oder Sonnino deshalb ihre imperialistischen Gefühle ausgeben werden? Ein Teil der Unabhängigen Unter Bernstein und Kautski ist dem alten.demokra^ tischen Prinzip treu geblieben. Einer aber bat gefaselt, daß nur über seine Leiche der Weg zur Nationalversammlung gehe. Und da sage ich: Es ist nicht nötig, daß Herr Richard Müller lebt, aber das deutsche Volk muß leben! Adolf Hoffmann. der Kultusminister, hat erkiärt, daß man die Nationalversammlung davonjagen müsse, wenn sie 'eine sozialistische Mehrheitsregierung brächte. Es ist eines Demokraten unwürdig-, an die' Gewalt der Bajonette zu appellieren. Mir können mit der Sozialisierung keine Experimente machen. Wi. müssen Rohstoffe einführen und Waren ausführen, wir müssen die Arbeitslust der Produzenten stärken, sonst sind wir verloren. Die Unabhängigen verlangen die Erfassung der Vermögen und eine andere Steuerver^ teilung. Auch wir wollen das Letztere. Wir wollen nicht die kleinen, mühsam eckwarten Notgroschen erfassen, sondern die Riesen-KrieWgewinne. Ich habe es durch meine Arbeit im Kabinett durchgesetzt, daß ein«- Erfassung dieser unmoralischen Gewinne in den nächste:. Tagen schon erfolgt. Es wird auch eine Vermögensabgabe notwendig sein, aber das ist Sache der Nationalversammlung. Fehrenbach will, angeblich auf Verlangen der Entente, den Reichstag noch einmal galvanisch beleben. Das erscheint mir zwar unnötig.. Sollte es aber notwendig sein, so fügen wir uns auch in diese Maßnahme um des deutschen Voltes willen. Wir hoffen, daß die Nationalversammlung, deren Wahlen am 19. oder 26. Januar stattfinden werden, uns den vollen Sieg bringen wird.
Dr. Landsberg verkündet mit diesen Worten den Bankerott des Internationalismus und damit den Zusammenbruch der Ideen seiner Partei, nachdem seine Freunde zuvor schon die Unmöglichkeit der Sozialisierung nachgewiesen haben. Was bleibt denn nun eigentlich, so fragen wir, von der weltbewegenden Sozialdemokratie übrig? Unseres Erachtens hat dieses Verhalten, dessen wir uns ja sonst freuen könnten, nrur den Fehler, daß zahlreiche Vürgerkrerse, bereu Ruhe die höchste Bürgerpflicht ist, durch solche Reden, die der Vernunft durchaus Raum geben, veranlaßt werden, den Sozialdemokraten ihre Stimmen zu geben aus Angst vor den Unabhängigen und Spartakusbund.
Verschiedenes.
Eine Republik Thüringen.
Erfurt, 11. Dez. Die Vertreter der A.- und S.* Räte sowie die Vertreterder thüringischen Staaten und Preußen haben in ihrer Tagung im Stadtverordneten« Sitzungssaal zu Erfurt am Dienstag mit 68 gegen eint Stimme folgende Entschließung gefaßt: 2m Rahmen der ungeschmälerten Einheit des Reichsgebietes soll auch das Ziel des Strebens von Generationen nach einheib licher staatlicher Gestaltung Thüringens Wirklichkeit werden. Die Vertreter der A.- und S.- Räte des 36. Wahlbezirks zur deutschen Nationalversammlung, der Thüringer Staaten, des Regierungsbezirks Erfurt und des Kreises Schmalkalden schlagen deshalb vor, das von ihnen vertretene Gebiet zu einem Staate Thüringen als Teil der Einheitsrepublik Deutschland zusammen« zufassen. Alles weitere soll ein von Vertretern der thüringischen Staaten und Preußens zu bildender Ausschuß so bald als möglich vorbereiten. Die Obliegenheiten der Uebergangszeit sind schon vordem verfassungsmäßigen Ausbau von dem vorgenannten Ausschuß in Angriff zu nehmen.
Zum Nachdenken.
Zu gleicher Zeit, wo Spekulanten. Schieber mrti> Kriegsgewinnler, die Wut des betrogenen Volkes auj die „Krautjunker" abzutreten bestrebt sind, finden piK in einem konservativen preußischen Blatte die Anzeige,^ daß von einem einzigen Juntergeschlecht, deren ooitj Wedel, 24 Familienmitglieder in diesem Kriege den, Heldentod Lrs^Vaterland erlitten baden.


