Ans der Heimat.
Fricdbcrg, 7. Dez. FrieLberg hat seit einigen Tagen sein friedliches Aussehen verloren und bietet ein lebhaft bewegtes, kriegerisches Bild. Ununterbrochen gehen die Truppendurchmärsche: Fußsoldaten und Reiterei, Pioniere und Train.
Brückenparks und Lastwagen in unübersehbarer Reihe. Auf der Kaiferstraße und Ln der Mainzertoranlage stehen gestaffelte lange Reihe von militärischen Autos und Wagen jeder Art und dazwischen herrscht das regste Leben und Treiben. Die in geschlossenen Verbänden einzrehenden Truppen bewahren eine vorzügliche Haltung, es ist dieselbe Erscheinung, die wir auch beim Einzug der 213. Division in Frankfurt gesehen haben. Das Herz krampst sich bei dem Gedanken, dag b j e s e Soldaten aus einem verlorenen Kriege Heimkehreu. Alle Wagen und Pferde find mit den deutschen Farben oder mit denen eines Bundesstaates geschmückt, öfters wird den Kompagnien demonstrativ eine deutsche Fabne vorausgetragen, auch viele Soldaten sind mit fchwcn^weiß-roten Schleifen geschmückt. Zn den nächsten Tagen sind weitere Durckmorsche angesagt, auch wird eine starke Besatzung als Grenzschutz rn Friedberq Zurückbleiben Neben dem Sitze einer Armeefeidpoststation wird Friedbcrg auch der Sitz
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eines stellvertretenden Generalkommandos werden, während bekanntlich das Generalkommando des 18. Armeekorps nach dem benachbarten Bad-Nauheim gekommen ist.
Fricdbcrg. 7. Dez. Was gibt es die kommende TVcche? Montag, den 9. Dezember: Kalkeier für Bezirk II. Kunsthonig, rote Rüben; Dienstag, den 10. Dezember: Bezug bestellter Nährmittel. Weißkraut Käse nur für nicht Belieferte des Bezirks Hl Mittwoch, den 11 Dezember: weiße Rüben.' Donnerstag, den 12. Dezember: Käse' Freitag, den 13. Dezemb.'r: Butter. Näheres über Zeiteinteilung. Menge und Preis siehe Bekanntmachung
Nässe und .Kälte zuringen uns. unferm Schuhwerk g^nz besondere Sorgfalt zuzuwenden. Ledersoblen gibt «-s so c f wie garnicht mehr. Wir sind gezwungen, alles im Inland nad im besetzten Gebiet erzeugte Leder in erster Linie für unser H"er zu verwenden. Da ist es dann nicht schwer, einzusehsn. daß für die Zivilbevölkerung nickt mehr viel Leder übrig bleiben kann Viel zu wenig bedacht wird aber, daß die Lederknappheit immer mehr zunehmen und auch Jahre nach Friedensschluß noch nicht behoben sein wird Womit sollen wir Ulrser Schuhwerk besohlen, wenn es kein Leder gibt? Wir müsien uns ganz einfach mit Ersatffohlen befreunden. Di- Reichsregierung hat das fett langem vorousgeseben und Vorsorge getroffen. Sie gründete eine eigene Kriegsorganstatron. die unter Aufsicht des Reichs- Wirtschaftsamtes dafür zu Zargen hat. daß nur brauchbare Sohlen in den Verkehr kommen. Ihr ist es im Verein mit der deutschen Technik gelungen, der Sohlennot Herr zu werden. Gerade gegen Nässe und Kälte bieten die Ersatzsohlen. besonders die Sperrbolzfehlen (leichtes besonders wasserdicht gemachtes Holz mrt Lederabsöllen) und die Holzhalbsohl m mindestens so guten Sckvtz wie Leder Nur kommt es darauf an. daß die Stiefels,'sbefferung auch von einem wirklich sachverständigen Sckubmacher ausgekübrl wird Holz umd die andere Ersatzstoffe sind etwas anderes als Leder, ste verlangen deswegen auch eine besondere Verorbeitungsweise. Sie wird in einer aus Reichsmit- leln in Berlin unterhaltenen Lehrwerkstätte in besonderen Lehrkursen kür Schuhmacher unentgeltlich gezeigt. Nun kann ja
nicht jeder Schuhmacher nach Berlin gehen. aber.viele hundert« sind dort schon gewesen und haben das Erlernte auch in ihrer Heimat weiterverbreitet. An solche mit der Verarbeitung?, weise der Ersatzsohlen bekannt gewordenen Schuhmacher muß man sich wenden, dann hat man die Sicherheit, zu wasierdichten. warmen und dauerhaften Sohlen zu kommen und braucht Näsie und Kälte nicht zu fürchten.
Pfcrdeverfteigerungen. Infolge des Ausbruches der Mauk- und Klauenseuche auf dem städtischen Schlachtviehhof in Gießen werden die Pferdeversteigcrungen in Zukunft auf dem Trieb (Exerzierplatz) in Gießen abgehalten.
Gießen, 5. Dez. In kommender Woche werden in Gießen am Schlachtviehhof je 100 Pferde und zwar gm Montag. Mittwoch und Freitag versteigert. Die Versteigerungen beginnen vormittags 9 Uhr. Bescheinigungen, daß die Pferde im eigenen Betrieb benötigt werden, sind mitzubringen. Händler sind ausgeschlossen. (Vergleiche Bekanntmachung.)
Frankfurt a. 6. Dez. (Raubmord), Der am Niederräder Nadelwehr aufgefunoene Tote ist der frühere Portefeuiller Georg Perrot und es ist unzweifelhaft anzunehmen, daß Raubmord vorliegt. Perrot ist am 6. Juli in Neu Psenburg geboren und wohnte zuletzt Taunusstrsße 26. Der Oberkörper der Leiche steckte in einem Sack, die großen Halsschlagadern waren mit großer Wucht durchschnitten. An der linken Kopfseite ist ein Dleigeschoß von 6 Ztm. Durchmesser und 12 Ztm. Länge eingedrungen. Es wurden verschiedene Wertsachen geraubt und jedenfalls eine größere Geldsumme. Perrot trieb zuletzt kaufmännische Geschäfte und wohnte vielen Versteigerungen von Hand.ncttcrml bei. — Der Raubmord aab Veranlassung zur Bildung einer besowderen Mcidlommiffion. an deren Spitze Polizei- asiessor Dr. Neuber und die Kriminalkommissare Howe und Schneider stehen. Die Kommission setzt sich aus zwei Gruppen von je fünf der bewährtesten KriminaNchutzlcuten unter Führung der Kriwinalwachtmeister Jung und Wezener zusammen Sie tritt unverzüglich nach Velanntwerden eines Mordes in Tätigkeit
Frankfurt a. M.. 5. Dez. Heute vormittag wurde an der Niederräder Schleuse eine männliche Lerche gelandet. Es Ixeat offenbar Raubmord vor. Für Ermittelung des Täters ist Belohnung in Aussicht gestellt. Sachdienliche Mitteilungen auf Zimmer 410 im Polizei-Präsidium.
Frankfurt a. M.. 5. Dez. In seiner gestriacn Sitzung beriet das Lebensmittelamt u. a. über die Fleisch- und Wurstpreiie Die Verkaufspreise für Fleisch und Wurst stehen nicht mehr im Einklang mit den Einstandspreisen. Um eine allgemeine Erhöhung der Fleisch- und Wurstpreise zu vermeiden, wurde beschlossen. den Preis für Kalbfleisch zu erhöhen und den Großverbrauchern für Fllisck, einen Aufschlag zu berechnen: ferner wurde eine Verordnung, die die Derdienstspanne der Milchhändler in den Vororten regelt, zugestimmt.
Ans Starkrnburg
Darmstodt. 5. Dez. Unter dem Titel: Schafft Arbeit herteil bringt Dipl-Ina Vogel-Dormstadt in einer Schrift das ..Kanalprofekt vom Rhein noch Darmstadt" von neuem zur Sprache, wobei er u. a. anführt, daß der Ruf der jetzt nach Hause Gekehrten nach Arbeit nicht so leicht zu erfüllen sei. wenn auch Staar. Kreise und Gemeinden mit allen Mitteln bestrebt stnd. die Dalksgenosien zu beschäftigen. Es fehlt vorerst noch
an Rohmaterial. Vorerst kämen in erst« Linie nur ErdarL^ len in Frage, Das Projekt des. Stichkanals vom Rhe-t» n«# Darmstadt wurde vor nicht langer Zeit wieder oufgenoaxm^, neu bearbeitet, aber durch die politijch.'n Ereignisie in ba i G tergrund gedrängt. Jetzt müsie das Projekt durch Fachp-rem-; jo festgestellt werden, daß die Inangriffnahme in all« erfolgen kann. In den öffentlichen Körperschaften pulsiert U* sckes Blut, ernstliche Schwierigkeiten werden dem Plane nutzt mehr entgegenstehen. Die neuen Männer werden jeden Wider, stand, woher er auch kommen mag. zu beseitigen wisien. Tau. sende von Arbeitern können beschäftigt, alle in Frage kommen, den Berufszweige. Geometer, Techniker, Ingenieure und Bau. Unternehmer in Tätigkeit gesetzt werden. Während der Aus. führung der Erdarbeiten kann die Ausarbeitung der Pläne für die Ingenieur-, Spezial- und Hochbauten erfolgen. Zwischen, durch wird für die Bereitstellung der notwendigen Baumaleria- lien und Eisenteile. Herstellung der Maschinen und Krahne zu sorgen sein. An der Kostenfrage darf das Projekt nicht schei. tern. wenn es gilt, Verdienst und Brot zu schaffen und den Aus. bruch von Unruhen zu verhindern. Hoffentl'ch verfehlt der Ausruf seinen Zweck nicht. — Ein großer Teil der für die Ver- teilung in dieser Woche für die Stadt Darmstodt vorgesehe' nen Margarine ist nach einer Mitteilung des Lebensmittel- amts während des Bahntransportes in Verlust geraten, ohn« daß Ersatz dafür zu beschaffen war. Da die Stadl in diese, Woche auch keine Butter erhält, wird die Fettnot immer stärker
Arhejlgen, 5. Dez Durch Gasvergiftung verunglückt unk gestorben sind zwei Soldaten eines nach seiner Heimat hie, durchmarsckierenden Truppenteiles, das jene Nacht in Arheilgen einquartiert war. Sie wurden bewußtlos in ihrem Quartier aufgefunden und konnten trotz aller Versuche mit Sauerstoffarten der Rettungswache nicht mehr zum Leben zurückgerufen werden.
Dcnsheim, 6. Dez. Vorgestern abend wurde in Vensheim ein Pferd von der Straße wegaestohlen.
Anß Hegen.Nasiau.
Nied a. M>, 5. Dez In der Krimstraße in Nied mackte sich Mittwoch früh an einem Sammelschacht ein überaus lästiger Gasgeruch bemerkbar Als ein Arbeiter mit Gasmaske den Schacht untersuchte, fand er auf dem Vooen einen 17fäbriaen Burschon aus Höchst tot vor. Der Lebensmüde hatte den Deckel des Schockte? aewaltfom geöffnet und dann in der Tiefe das Ventil eines Gasrohres aufgffchraubt. Der Grsarbeiter wurde bei der mühsamen Bergung der Leick>e trotz Gasmaske selbst besinnungslos und konnte nur mit größter Anstrengung geretrel werden.
Wallcrtherm. 6. Dez. Am Mont.rg fuhr ein Auto in de, Nähe der Station Wallertheim in den abends um 9 Uhr von Bingen in Alzen eintreffenden Personenzug Das Auto, das eine kurze Strecke vom Zuge mllgesckleifi wurde, ging vollständig in Trümmer. Die beiden Injasien wurden herausgeschleu dert und erlitten schwere Verletzungen. Sie wurden in das dortige Krankenhaus verbracht
FC. Dom Unterwestelwakd, 2 Dez. Auf der Bahnstrecke Wirges -Siershahn wurde gestern früh ein Kanonier von dem Personenzug. der nack Montabaur fuhr, überfahren Er war soicrt tot. Eine Abteilung Artillerie war im Begriff, das Greife zu überschreiten, um auf dre Straße Obernhahn—Wirges zu gelangen, dabei ereignete sich dos Unglück
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