Nummer 288 Einzelpreis LLL Samstag, den 7. De;emver 1918 _ 11. Ja hrgang.
Die .,11 eile Ganes^eitnutz" eildjemt icöen Werktag. Regelmäßige Beilagen ,.§er L'-auer ans Hellen", „die Spirrnltube". Serngspreia: Bel den VoitanNalten merreliahrlich NLt. 2.7t) hinzu tritt noch das Bestellgeld: dei den Anenten monatlich 1.00 Mk. einschließlich Tragerlodn. Anrergen: Grundierte 2b Big., totale 2ü i$Tq., Anzeigen von auswans werden durch Bo>lnachnat,me erhoben. ErfüUnnasori ^riedbera. Hchriftleituna nttb Uerlm neöberq sfressen!, ^anauerlratze 12. ^ern'vrechsr 4S. Poti reck-Lotto ^ir. 13>9, J imt Irantsurt a. M.
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Düren, 6. D'-'zbr. (WB.) Tie amtliche Kundgebung der biitifchen Befatznngsbehörde enthält u. a. folgende Punkte:
An der Jnnnenseite der Haustüren sämtlicher Häuser muß eine Liste der Hausbewohner angebracht werden. Ohne Ausweis eines Führers der Besetzungstruppen darf niemand tas von den Truppen besetzte Gebiet verlassen. Jeder kann sich frei bem-egen. jedock ist Radfahren und Reiten verboten außer für Aerzte. Hebamnien und Priester in Ausübung ihres Berufs. Von 6 Uhr abends bis 7 Uhr morgens deutscher Zeit darf niemand seine Wohnung verlassen. Nach 9 y 2 Uhr ab«nds darf in Privathäusern kein Licht mehr brennen, außer ttl den behördlichen Bureaus und in den Räumen der Einquartierung. Alle Wirtschaften müssen um 7y 2 Uhr abends geschlossen werden, bestimmte Wirtschasten sind zum Besuch ^ür Militärpersonen bis 91/2 Uhr geöffnet. Auf Verlangen b»r Militärbehörde muß Papier nach Bedarf zur Verfügung gestellt werden. Fernspreck-ei und Telegraph werden von den Besatzungstruppen übernommen; die Benutzung durch die Bevölkerung ist untersagt. Jeder Verkauf von Spirituosen ist verboten. Deutsche Militärpersonen ohne vorgeschriebenen Entlassungsschein werden interniert. Beamte haben in Ausübung ihres Dienstes Uniform zu tragen. Waffen und Munition sind abzugeben. Für feindselige Handlungen gegen die Besatzungstruppen wird der Bürgermeister verantwortlich gemacht. Schriften politischen Inhalts dürfen nicht verbreitet werden. Zeitungen dürfen ohne schriftliche Erlaubnis der Militärbehörden nicht gedruckt und ausgegeben werden. Tie Benutzung von drahtloser Telegraphie, sowie der Verkehr mit Brieftauben ist untersagt. Tie Achtung vor den britischen Offizieren haben alle deutschen Männer durch Aehen der Kopfbedeckung zu bezeigen, desgleichen beim Absingen der Nationalhymne.
Befehle des Feldmarscknlls Haig an die Bevölkerung der von britischen Truppen besetzter! Städte und Ortschaften ordnen an. daß jedes Vergehen, das das Leben oder die Sicherheit der britischen Truppen gefährdet, als feindselige Handlung anzusehen ist. Allen Einwohnern wird persönliche Sicherheit garantiert, wenn sie sich friedlich verhalten. Bei jeder Beschädigung oder Unbrauchbarmachung von Telegraphen. Fernsprechern ufw. wird die betreffende Person vor ein Kriegsgericht gestellt und bei Schuldigerklärung mit dem Tod« bestraft.
Beginn der Anarchie in Berlin.
Gestern nachmittag erschien vor dem Neichstagspalcns mehrere Truppen bewaffneter Matrosen und Soldaten, die Eberl zum Präsidenten der deutschen Republik ausriefen. Auf die Frage, ob er das Amt annehme, antwortete Ebert, er , muffe darüber erst mit seinen Freunden in der Negierung sprechen. Ungefähr zur selben Zeit erschienen plötzlich Soldaten im Zimmer des Vollzugsrates im Abgeordnetenhaus und erklärten ibn im Namen der Regierung für verhaftet.
Amtlich wird dariiber gemeldet:
Berlin, 6 Dez. (WB.) Der Vollzugsausschuß der Arbeiter- und Soldatenräte teilt mit: Ein Putschversuch. Kurz nach Beginn der Sitzung um 4 Uhr 30 Minuten wird milgeteilt, daß eine größere Truppenmacht, bestehend aus den Franzern. Garde-Pionieren, Flammenwerfern. Marine-Infanterie und Feldfliegern, sämtliche Ausgänge des Hauses besetzt hat und im Begriff sei, einzudnngen, um den Vollzugsrat zu verhaften. Die bereits begonnene Beratung über den ersten Punkt der Tagesordnung wird fortgesetzt und nur ein Mitglied abgeordnet, um den Tatbestand festzustellen. Kurz darauf drang ein Feldwebel der Gardepioniere mit etwa 80 Mann (Pioniere und Marine, meist sehr junge Leute) ein und erklärte den Vollzuas- rat für verhaftet, und zwar im Namen der Reichsregierung. Auf das Ersuchen des Vorsitzenden, einen schriftlichen Befehl vorzulegen, erklärte er. daß er einen solchen nicht habe und nur den Befehl seines Vorgesetzten befolge. Auf die Fraae. wer sein Vorgesetzter sei, lehnte er die Antwort ab. Er ließ die Türen zum Sitzungssaal besetzen. Ein Offizierstellvertreter von den „Franzern" gab seinen Leuten den Befehl, zunächst sechs Mann des Vollzugsrates und sodann weitere Trupps von je sechs Mann abzuführen. Da die Mitglieder des Vollzugsrotes energisch protestierten und die Mannschaften sich unentschloffen zeig-
zog sich die Ausführung de? Befehls hin. Inzwischen er. schien der Lolksbeauftragte Barth und erteilte im Namen des Notes der Volksbeauftragten dem Feldwebel den Befehl, mit den Mannschaften sofort den Saal zu räumen. Nach anfänglichem Sträuben führte dieser den wiederholten Befehl aus. In- ifchcn hatte sich da§ Abgeordnetenhaus mit einigen hundert ann Verhaftungstruppen gefüllt. Gleichzeitig waren auch im obrere tausend Mann Matrosen zum Schutze des Vollzugsrates erschienen, ebenso größere Massen von Arbeiter».
\ Berlin. 6. Dez. (WB.) Die Volksbeauftragten Ebert. Schcidemann und Landsberg teilen mit: Die Reichsregierunz Aeht der Verhaftung des Lollzugsrates vollkommen fern. Die
Truppen sind dabei mißbraucht worden. Die Mitglieder des Vollzugsretes sind sofort freizulasien. Die Truppen fordern wir auf, in Ruhe die Kasernen aufzusuchen.
GiiiiildlHiifl kr (frppitg vsni Dffrrekhrf.
Laut Bekanntmachung des Demobilmachungskommiffars für den Regierungsbezirk Wiesbaden ist in den gemischten Muni- tionsbetrieben die Erzeugung. Bearbeitung und Vollendung aller Gegenstände, die lediglich Kriegszwecken dienen, spätestens am 6. Dezember 1918 völlig einzustellen.
Wilhelm II.
Washington, 5. Dez. (WB.) Vom Staatsdepartement ver. lautet, daß die Frage der Auslieferung des früheren deutschen Kaisers aufgeschoben wird, biß man Wilsen gehört hat. Nach Aeußerungen amtlicher Kreise in Waihingten äußerte Wilson über diesen Gegenstand noch niemals feine Meinung.
AuMmliMnr fukn in Wistren.
Brünn. 5. Dez. (WB.) Der „Tagesbote" berichtet: Die Stadt Holleschau wir in der Nacht aus gestern Schauplatz wüster Ausschreitungen. Gegen 10^ Uhr drangen tscheche-slowakische Soldaten in die Iudengaffe ein, nachdem sie vorher in einem Gasthaus gezeckt batten Dort plünderten sie sämtliche Ge- schäftslokale und Magazine gänzlich aus- Die Wachmannschaft wurde nach kurzem Handgemenge entwaffnet. Ein jüdischer Kaufmann, der vor kurzem als Invalide aus dem Felde beim gekehrt war. wurde durch Bajonnettstiche und einen Bauchschuß getötet. En Likörfnbrikant wurde erschaffen. Die Plünderungen dauerten die ganze Nackt an. Morgens griffen die Plünderungen auf den übrigen Teil der Stadt über. In der Frühe traf militärische Hilfe aus Koietrin ein. um die Ordnung herzustellen. Diese Abteilung soll sich fedoch an den Vlnnderunacn beteiligt haben Die bekannte Kletderfnbrik von Peer wurde vollständig verwüstet und ausaeplündert. Der hier anaencktcte Schaden beträgt allein 60tt 000 Kronen. Insgesamt dürste sich der Schaden auf mehrere Millionen Kronen belaufen. Beinahe der größte Teil der Juden Holleschaus verließ, ihrer Habseligkeilen beraubt gestern die Stadt.
Zurück auf's Fand!
Berlin. 6. Dez (WB.) An die vom Krieg heimkehrenden Landarbeiter und an alle, die vor dem Kriea auf dem Lande tätig waren ergebt erneut der dringende Ruf nickt in die Städte und Industriebezirke zu gehen, wo es an Wohnungen fehlt und die Arbeitsgelegenheit knapp ist. sondern aufs Land wo eine durchgreifende Umgestaltung der Besitzverhältniffe im Gange ist. wo hunderttausend«» selbständige Bauernstellen geschaffen werden sollen. Die Ausnahmegesetze gegen die Landarbeiter sind aufgehoben. Für die Herstellung der nötigen Wohnungen und für Vacktland wird durch Gesetz gesorgt. Wer sich auf Landwirtschaft versteht, oder willens ist. sie zu erlernen, sollte aufs Land gehen. Wer Arbeit auf dem Lande sucht, wende sich 1. an seine alte Stelle oder 2. an den Arbeitsnachweis seines Heimakbeckrks — ein solcher Arbeitsnachweis befindet sich in jeder größeren Stadt — oder endlich, an seine Gewerkschaft. und zwar a) an dem Landarbeiterverband Berlin SO. 16. Mickaelkirchplatz 1: d) an den Zentralverbind der Forst-, Land- und Weinbergarbeiter in Bielefeld. Gütersloherstraße 45. Wer sich als selbständiger Besitzer- oder ländlicher Handwerker ansiedeln will, wende sich unter Angabe seiner Wünsche und Ver- wögensverhaltnisie an eine der nachgenannten gemeinnützigen Siedlungsgesellschcrften: für Hessen-Nassau' Hessische Siedlnnos- gescllschast in Kaffel, Kurfürstenstraße 12 und die Naffauische Siedlungsgesellschmst in Wiesbaden, für das frühere Großherzogtum Hessen- Siedlungsgesellschaft in Darmstadt (Ernst Ludwig- Verein). Wilhelminenstraße 3.
Der Staatssekretär des NeichZarbeitsamts: Dauer.
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Prr FinanMllrt kr A.- 11 . K.-Wc.
Berlin. 4. Dez. (WB.) Gegenüber der durch eine Korre- fpondeirz verbreiteten Nachricht, daß der Finanzbedarf der Arbeiter- und Soldatenräte bisher 800 Millionen betragen habe, schreibt die „Freiheit": Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß diele Angabe schon deshalb den stärksten Zweifeln begegnen muß. weil es ja bisher gar keine Möglichkeit geben konnte, halbwegs zuverlässige Berechnungen der von den Arbeiter- und Soldatenraten in Anspruch genommene^ Beträge vorzunehmen. Die allerverschiedensten Stellen, Dutzende, vielleicht sogar Hunderte wären da zu befragen. 800 Millionen find eine völlig haltlose Vehauprung.
Nachschrift der Schriftl.: Im Interesse der Arbeiter- und Soldatenräte hätten wir eine bestimmtere und unzweideutigere Erklärung für geboten erachtet. *
Der Stand der Ernährung.
Berlin, 5. Tezbr. Eine sehr ernste Schilderung unserer Ernähr ungslage entwirft eine Note, die laut „Voisiicher Zeitung "das Reichsernährungsamt an das Auswärtige Aint gerichtet hat und in der es heißt:
„Das Rückgrat unserer ganzen Ernährungswirtschaft bildete bisher die Versorgung mit Brotgetreide und Kartoffeln. Infolge der Grippe, der Unruhen und der Arbeitseinstellung der Kriegsgefangenen usw. ist ein erheblicher Teil unserer Kartoffelernte in der Erde geblieben und durch den frühen Frost vernichtet worden. Hinzu kommt die ungeheure Transportkrise, die ebenfalls dazu beigetragen hat daß unsere Kartofftlvorräte nicht ordnungsmäßig haben ein- gewintert werden können. Die Folge davon ist. daß die Hauptwohnbezirke nur noch für wenige Wochen mit Vorräten versorgt sind und nennenswerte Zufuhren nicht mehren warten können. Ein Durchhalten der vorgeiehenen Km- toffelraiton erscheint daher schon heute als vollkommen w' geschlossen und höchstens die Hälfte der Ration wird alle- niein ausgefetzt werden können. Tie Getreideversorgum. war nach der verfrühten Inanspruchnahme der diesjährige,. einheimischen Ernte in erheblichem Maße auf Zufuhren au;> dem Osten eingestellt. Infolge des Fortfallens dieser Zufuhren hat nch die Lage der Reichsgetreidestelle derart ungünstig gestaltet, daß ihre Lagerbestände nur noch bis zum 7. Februar 1919 reichen, und auch dann nur. wenn die täglichen Zufuhren in gleicher Höhe wie im Vorjahr erfolgen. Dies erscheint aber nach Lage der Transportverhältnisse völlig ausgeschlossen. Nach dem 7. Februar würde sich also günstigenfalls nur eine Tageskopfration von 80 Gramm Mehl, d h. ein Drittel der gegenwärtigen Nation verteilen lassen. Tiefe Lage bessert sich auch dann nickt wesentlich, wenn die feit dem 1. Dezember zugestandene Erhöhung der Brotration wieder riickgängig gemacht wird, was aus tech- rrieften Gründen kaum vor dem 1. Januar möglich sein würde Hierbei ist Zu bemerken, daß die Erhöhung der Brotration seinerzeit ausschließlich aus politischen Gründen erfolgt ist.
Sehr trübe sieht es auch rrm die Aussichten unserer Fett- und Fleischoersorgung aus. da bekanntlich das Durchhalten der Fettwirtschaft aus die Zufuhren der in Rußland ange- fauften Oetsaaten eingestellt war. Diese Vorräte sind naturgemäß nickt mehr abtransportiert worden. Tie einheimische Volkswirtschaft gestattet deshalb nach dern völligen Zusammenbruch dei Milchwirtschaft nur noch einen Wirtschafts- Plan bis zum 1. April. Vis zu diesem Tage steht aas der möglichen Aufbringung von Milchfett und air§ der Margarineerzeugung nur noch ein Tageskopfguantum von 3.3 Gramm zur Verfügung. Die Fleischration, die für den größten Teil der versorgungsberechtigten Bevölkerung nur noch eine Wockenkopfmenge von 100 Gramm vorsieht. konn auch nur unter Zuhilfenahme ganz beträchtlicher Zufuhren aufrechterhalten werden. Ohne solche Zufuhren ist jedenfalls mit einer starken Herabsetzung aller Lebensmittelrationssätze spätestens zu Anfang Februar zu rechnen. Was das bedeuten würde geht daraus hervor, daß alsdann der Nährwert, der heute schon nur noch ein Drittel des normalen Durchschnittsnährwertes darstellt, auf etwa die Hälfte des gegenwärtigen Nährwertes herabsinken würde. Diese Tatsache würde ein langsames, aber sichreres Verhungern bedeuten."
Die Note schließt mit dem Hinweis, daß die Sterblichkeit in Deutschland in der Kriegszeit und insbesondere in den letzten Jahren in erschreckendem Umfange zugenommen hat. Bereits im Jahr« 1917 sind in Deutschland infolge des Hungerkrieges von je 1000 Lebenden gleichen Alters mehr als vor dm Kriege gestorben: im ersten Lebensjahr 9.7. im Alter von 2 bis 5 Jahren 19,6 und im Alter von 70 Jahren und darüber 33,4 Prozent. Noch beunruhigender gestaltete sich die Sterblichkeit an Tuberkulose. Sie ist bei je 10 000 Einwohnern von 15,7 auf 31,7 gestiegen. Allein in den 380 deutschen Orten mit mehr als 15 000 Einwohnern sind im Jahre 1918 43 390 Personen mehr an Tuberkulose gestorben als im Jahre 1913. Noch eindrucksvoller prägt sich die Erhöhung der Sterblichkeitsziffer in den Hauptwohnbezirken aus, und zwar gaitz besonders in den Ziffern für die weibliche Bevölkerung. In Berlin ist die absolute monatliche Anzahl der weiblichen Todesfälle seit Oktober 1915 von 1097 auf 8136 gestiegen. Die Zahl der Todesfälle an Längen- krankheiten, also hauptsächlich an Schwindsucht, weist eine) Erhöhung von 205 auf 1752 auf.
Das Nkrnichtnngc.pragramm.
Die von einer britischen Zeitung mitgeteilten Pläne, irflT Deutschland wirtschaftlich zu vernichten, bilden nur einen Tei^ der dem Deutschen Reiche aufzulegcnden Friedensbedingungen.^ Dabei würden diese „Entschädigungs"forderungen allein ge-^ nügen, um dem deutschen Volke die Lebensmöglichkeiten zu neh«> CuetL Sie werdet sich in notroen->ka-r ^olaericktiakelt ***'


