Einzelbild herunterladen

KriZKge |n vNeuen TageszeitnNN"

| 1 ä* 'mljrtnuu-.

Kummer Ä88

Samstag, den 7. Dezember 1018

Das limdiicke Siedlnngsmesen.

Wir veröffentlichten jüngst einenBericht derNeuen Euro- räi/chen Ztg." über eine Darlegung, die der Staatssekretär Bauer von Veiliandlungen zur Frage der Sozialisierung in der Landwirtschaft gegeben liaben soll. In' diesem Bericht, den auch dieDeutschs Tageszty." unter Vorbehalt wieder­gegeben hatte, schreibt Freiherr von Wangenheim genannter Zeitung:

In der Nr. 601 derDeutschen Tageszeitung" bringen Sie eine Mitteilung derNeuen europäischen Korre­spondenz" über das ländliche Siedlungswesen, deren Inhalt nicht den Tatsachen entspricht. Ich war als Vorsitzender der Abteilung 3 des Reichsausschusses der deutschen Landwirt- sttzaft zu den erwähnten Verhandlungen im Neichsarbeitsamt «Hge-lLden. Der Herr Vorsilzende Erklärte bei der Eröffnung d.ch' es ll-ch nicht darum Handke Beschlüsse zu fassen, sondern gutachtliche Aeußerungen verschiedener Kreise zu hören. Die Verhandlungen wurden durch die Berichte zweier Professoren eingeleitet, welche die Bildung von Landlie­fe: ungsverbänden zur Durchführung einer großzügigen Be­siedlung unter Inanspruchnahme von etwa ein Drittel der Nutzfläche des über 100 Hektar großen Besitzes empfahlen.

Ich habe demgegenüber darauf hingewiesen, daß es zur­zeit sehr gefährlich sei, an den größeren Besitz zu rühren, da dieser nach den unwiderleglichen Erfahrungen dieses Krieges in der Hauptsache die Ernährung der großen Städte und Jn- dustriegebiete ermöglicht. Ie^e Gefährdung unserer Er­nährung aber führe zum blutigen Zusammenbruch; man solle sich deshalb bitten, an die landwirtschaftlichen Betriebe zu rühren, oder die. Landwirte durch die Ankiindigung der­artiger Maßnahmen mißtrauisch zu machen und ihnen die Arbeitsfreudigkeit, auf die jetzt mehr denn je alles ankomme, zu nehmen. Ich habe ferner erklärt, daß wir irgend welche Zwangsmaßnahmen zur Beschaffung von Siedlungsland gar nicht nötig hätten, das freiwillige Angebot sei noch immer ein roßes und werde zweifellos noch zunehmen. Man könne den gemeinnützigen Siedlungsgesellschaiten ein Vorkauitz- recht auf die zum Verkauf kommenden Güter geben. Eine gesunde Mischung der verschiedenen Besitzgrößen und ein ge­wisses Maß von Großgrundbesitz fei unentbehrlich. Jeder Kreis könne sich aber sehr wohl ein Zukunftsbild machen, was bei ihm noch zur Aufteilung- geeignet sei und was nicht. Wenn man jetzt den Kriegsteilnehmern große Versprechungen -mit Siedlungsland mackst. so sei das ein sehr gefährliches Vorgehen. Diele würden sich dazu melden, welche nichts von ter Landwirtschaft verständen und diese würden sehr bald unter den "ns bevorstehenden schweren Verhältnissen Schiff­bruch leiden. Man dürfe nur die geeigneten Leute ansetzen.

Es werde auch ganz unmöglich sein, die Mittel zu einer umfassenden Eigentumsübertragung zu beschaffen. Man müsse deshalb nach baltistkem Vorbild den Weg über das Pachtverhältnis gehen. Die Bildung von neuen Siedlungs- gesess'chvften oder . Landlieserungsverbänden fei nicht zu (mpfehlen. untere alten gemeinnützigen Gesellschaften mit 'bren erfahrenen Beamten wären durchaus genügend. zumal es ganz unmöglich sei im Handumdrehen große Massen von neuen Höten zu schaffen.

Meinen'Ausführungen traten-nickst nur die-anwesenden übrigen landwirtsclaftlichen Vertreter, sondern auch die zu­

gezogenen Gewerkschaftssekretäre vollständig bei. Auch der Her/Vorsitzende warnte in seinem Schlußwort vor irgend einer Ueberstürzung in der Durchführung der Ansiedlung und betonte nochmals, daß die Verhandlung nicht den Zweck gehabt habe. Beschlüsse zu fassen. Seine sachlichen Aus­führungen bewegten sich ungefähr in der Richtung der­jenigen. welche in dem bezeichnten Artikel dem Herrn Land­wirtschaftsminister zugeschrieben werden. Eine Verein­barung iiber die Bildung von Landlieferungtzverbänden kam mithin in der Mittwochskonferenz überhaupt nicht in Frage."

.MykltNallim" fimrti: Wfipunfi

Die neue Regierung hat in ihrem Aufrufe an das preußische Volk vom 13. November sich fürVergesellschaftung der dazu geeigneten industriellen und landwirtschaftlichen Betriebe" erklärt. Das klingt zunächst verhältnismäßig harmlos. Viele Leute werden sich unter dem WorteVer­gesellschaftung" gar nichts rechtes vorstellen können. In Wirklichkeit aber bedeutet das Wort in diesem Sinne doch weiter nichts, alsEnteignung" der betreffenden Betriebe und Uebernabme in den Besitz der Gesellschaft, d. h. des Staates, der Allgemeinheit. Mit solchen Maßnahinen wird aber das Vorgehen gegen den Privatbesitz überhaupt einge­leitel. Es ist doch zweifellos, daß nach den großen Betrieben die kleinen an die Reihe kommen! Ter BerlinerArbeiter­und Soldatenrat" hat ja schon zwei Tage vorher, am 11. November, erklärt, daß dieVergesellschaftung der kapitalistischen Produktionsmittel durchführbar und not­wendig sei." Hier wird also kein Unterschied gemacht zwischen groß und klein. Es liegt ja auch auf der Hand. daß. wenn einmal mit der Abschaffung des privaten Besitzes begonnen worden ist. es dann kein Halten mehr gibt! Wenn sich also dieser oder jener Kleingrundbesitzer durch das WortGroß­betrieb" etwa täuschen lassen will, vielleicht sogar glaubt, daß bei dieser Gelegenheit etwas aus den Großbetrieben für ihn noch zur Vergrößerung seines Besitzes abfallen könnte, so dürfte er sich, wenn es zum Klappen kommt, bitter getäuscht sehen. Anfängen wird man selbstredend mit den Großen, aber wenn der Stein erst einmal ins Rollen gekommen ist, donn gibt es kein Aushalten, und nach den Großen kommen die Kleinen an die Reihe! Man 'lässe sich daher durch alle möglichen Beruhigungspulver nicht betören. Tenn daß die bisherigen Rechtsbegrifsle für die heute bestehende Regierung nicht mehr existieren haben deren Maßnahmen doch zur Ge­nüge gezeigt. Eine Reichsverwaltung, die lediglich ernannt worden ist von in aller Eile zusammengewählten Delegierten von Arbeitern und Soldaten, ausgerechnet nur aus der Reichshauptstadt Berlin, innter Ausschaltung aller übrigen Be­rufe, setzt eine Anzahl von Gesetzen außer Kraft und schafft neue Gesetze, die doch nur von wirklich gesetzgehenden Körper­schaften beschlossen bezw. abgeschafft werden können! Daher auch die in manchen Kreißen der jetzigen Machthaber vor- bandene offene und versteckte Gegnerschaft gegen eine Nationalversammlung, nur weil man sich vor geordneten gesetzgeberischen Verhältnissen scheut. Darum geht man aber auch nicht fehl mit der Annahme, daß sich die jetzigen Macht­faktoren gegebenenfalls auch über die bisher geltenden Gesetze des Privateigentums hinwegsetzen werden. Das soll sich jeder

Herzenskampfe.

Romon von Helene Scbütky. geb. von (^ersbsrfs- (Copyright 1915 by C*Mennonn=£tutt v iart.)

65) Nachdruck verboten.

rief Reinhold erschüttert,dann soll sie meinetwegen die Armut kennen lernen' Das ist mir furchtbar, besonders, da ich ihr nichts als meine Liebe bieten kann."

Nun. nun. nur nicht gleich verzagen!" meinte Onkel Bern­hard ..Ganz so schlimm stehts nicht'"

Und er berichtete, das, Hilde immerhin noch selbständige Be­sitzerin ihres mütterlichen Vermögens bliebe, das ihr der Vater nicht entziehen könne.

..Welch' ein Glück! welch' ein Glück!" jubelte Relnhold. Da wird sie doch niemals erfahren, was Not ist'"

Ja. und das belle ist. ihr könnt heiraten, ohne nach ihm zu fragen!" rief Tante Ella.

..Heiraten ohne die Einwilligung des Vaters?" entgegnete Neinhold zweifelnd. ..Wird lle das wellen? wird es überhaupt möcgich sein? Nach militärischen Vorschriften gehört zu der Heirat eines Offiziös die Einwilligung beider Elternpaare, falls sie noch lebend sind "

Das wäre aber verflixt, wenn sich da wieder neue Hinosr- nisse auftürmten!" sagte Onkel Bernhard kopfschüttelnd.Denn seine Einwilligung, die gibt er nach allem Vorhergeaangenen niemals, ebenso wenig wie der Rhein rückwärts fliegt. And deinen Berns aufgeben das geht doch auch nicht, wo du so mit Lab und Seele Soldat bist und eine so glänzende Karriere vor dir bast. Was tatest du denn auch mit >27 Fahren ohne Beruf, ohne ernste Arbeit^ Nein'das ist unmöglich!"

Ein minutenlanges Schweigen folgte.

Ein solches Opstr würde auch Hilde, niemals annehmen", sagte Tnate Ella ..dazu kenne ich sie zu gut. W tzt ihr", fuhr sie fort, um die beiden, die mit ratlosen, bekümmerten Mienen dasaßen, einigermaßen aufzurichten,kommt Zeit, kommt Rat. Bei komplizierten Umstäirden kommt oft der Zufall auf wunder­bare Art zu Hilfe, wenn man etDas zu warten versteht. Mil

allen wichtigen Ensschließungen müssen wir ja ohnedies warten, bis Hilde selbst mitreden kann und das wird wohl hoffentlich spätestens morgen sein, denke ich."

Das aber werde ick doch wohl gleich tun müssen, meinen Bruder benachrichtigen", meinte der Kommerzienrat,mag es sein, wie es will mag er sich neck so abscheulich benommen ha­ben. er bleibt doch immer Hilde's Barer und so. wie ich sie kenne, wäre sie auch sicher damit einverstanden, denn sie war zwar genötigt, sich vor seiner Gewalttätigkeit zu retten, aber jede Rücksichtslcsigkeit oder gar Rachsucht liegt ihr fern"

..Allerdings, hat sie doch das Engelsgemüt ihrer armen Mutter geerbt glücklicherweise doch mil einer guten Dosis Schneid" vermischt, wenn es darauf ankomml, wie sie eben be­wiesen hat", bestätigte Frau Ella.Also laß nur deine Epistel an den edlen Karl los, aber, bitte, mcht zu milde und sanft!"

Ich werde mich auf d^e rein sachliche Mitteilung beschrän­ken. Aber wissen n' er'tz schon deshalb, bannt er keine über­flüssigen polizeilichen Recherchen anstellt. was nur Hilde's Na­men und die ganze peinliche Famllienassäre unnötigerweise der Oeffentlick'keiL und dem allgemeinen Klatsch preisgeben hieße", erwiderte der Kommerzienrat.

Dem wird sie werden wir alle doch nicht entgehen" meinte Frau Ella achselzuckend,zu viele Leute wissen davon, als daß es nicht durchsickern sollte And was iut's denn auch? Laß die Leute reden, was sie wollen! . Etwas Schlimmes ist ja nicht da­bei. nur romantisch, interessant ist es! Die Geschichte wird sicher manchen Backfisch zu Tranen rühren, und wenn man dei­nen Bruder recht verabscheut und haßt, so geschieht'Z ihm gerade recht. Verdient hat er's reichlich.

Da hast du ja Recht. Frauchen", entaegnete der Kommer­zienrat. über den Grtmm seiner gutherzigen Gattin lächelnd, '..aber ebenso wie er. trotz allem, Hilde's Vater bleibt, ebenso bleibt er mein Bruder, das läßt sich nicht abschütteln. Es ist auch mein Name, der da verunglimpft wird, denn es ist nun einmal derselbe."

Also, schreibe, schreibe, wenn es durchaus sein muß!" er­widerte Frau Ella.

Landmann, jeder Bauer immer vor Augen halten, ob er vom wie vor aus seiner Scholle sitzen will, wenn auch bei r kommendenHungerfrieden" unter wenig glück schon Vc: haltnissen, oder ob er im günstigsten Falle nur noch auftragter Verwalter einer Allgemeinbeit sein will iv Drahtzieher lediglich in den großen Städten sitzen und a»<- deren Wahl man ihm und seinen Berufsgenossen keinen (ä:u fluß gestattet.

Aber auch wenn dem Buchstaben nach keine Enteignup.. der kleinsten Bauern geplant bezw. durchgesiib.1 wird, io bat der sozialistisch^ Zukunftsstaat doch reichlich Mittet, um das­selbe in der tatsächlichen Wirkung zu erreichen. Wir emvii n<?r nur die Beibehaltung des jetzigen Zwangsfristems aus für die kommende Friedenszeit. Beschlagnahme plus V preise für alle landwirtschaftlichen Produkte bedcu-w nu- m" Tauer genau dasselbe wie Enteignung des ganzen - e. gleichgültig, ob der Bauer im Grundbuch de- ?! noch als Besitzer auf dem Papier steht oder nicht. Wenn u«an dem Bauern das Selbstbestimmung^ -e.lst iiüei alle n i- Produkte nimmt, dann ist er tatsächlich überhaupt nicht n u Herr in seinem eigenen Betrieb, sondern nur noch bezahlter Diener der Gesellschaft. Wie würde aber diese willkürliche Bezahlung der bäuerlichen Dienste erst bemessen werden, wenn erst wieder die Möglichkeit gegeben ist. Lebensmitte! in beliebiger Menge vom billig produzierenden Ausland zu beziehen? Das Zwangssystem des Krieges ist eine Ein­richtung rein sozialistischer Art und auf sozialdenwkrari-chen Einfluß hin schon solveit durchgeführt worden, wie wir er heute erleben.

Daher trete man in ländlichen, bäuerlichen Kreisen mit aller Entschiedenheit für die Aufiecksterhaltung des Privat­eigentums ein und arbeite vor allem für die kommenden Wahlen zur Nationalversammlung, die ja nunmehr nach der Verordnung vom 30. November am 16. Februar 1919 statt- linden sollen. Dieser Tag wird von entschiedener Bedeutung für die Existenz des Bauern und Bütgerstandes sein. Wir werden uns die Kandidaten sorgsamer ansehen müssen als re zuvor, und durch ein mutiges Vorgehen des Bauern­standes in starker Organisation werden wir die dringend notwendige Vertretung im Parlament erzielen können. Darum heißt es immer wieder: Schließt die Reitze Astert

Ausstellung der Zaatbar'en.

Nach der Saatguwerkehrsordnung vom 27 Juni 191b muß in allen Fällen, in denen die Ausstellung der Saatkarte von der höheren- Verwaltungsbehörde erfolgt, der Aus- stellungsantrag von der Ortsbehörde zunächst der unteren Verwaltungsbehörde vorgelegt werden, die den Antrag nach Prüfung an die höhere Verwaltungsbehörde weiterzureichen bat. Durch dieses Verfahren kann die Ausstellung der Saat­karten vepzöaert werden, ltni für den Frühjalnssaataut- verkehr jede Gefahr einer Verzögerung in der Saatkarten­ausstellung auszuschlicßen. hat der Staatssekretär de; Reichsernährungsamts die Landeszentralbehörden ermächtigt Anordnung dahin zu treffen, daß die Anträge auf Aus­stellung von Saatkarten von der Ortsbehörde der mit der Ausstellung betrauten Behörde unmittelbar vorzulegen sind.

Ja, Tantchen. Onkel hat entschieden Recht, es muß sein", meinte auch Reinhold.

Onkel Bernhard setzte sich an seinen Schreibtisch, nahm einen Vcgen Papier, über welchen seine Feder in raschen ener­gischen Zügen binflog. Nach einigen Minuten relchte er seiner Frau das Papier hin.

Sie las:

Bruder Karl! Teile dir in Eile mit. daß deine Tock^er Hilde mit ihrer Zofe L:na vor 1-2 Stunden bei mir einaetrof. fen ist. Beide Mädchen waren in erbarmungswürdigem Zu. stand und liegen jetzt tn tiefem Schlaf. Ich brauche dir nicht erst zu sagen, daß ich Hilde jeden Sckwtz und Beistand im wei­testen Sinne zu gewähren fei't entschlossen bin. Sie ist voll­jährig und du weißt, was das bedeutet. Wünschest du eine versöhnliche Aussprache, so wende dich an deinen Bruder Bern­hard Antelmann."

Großartig! Fein!" lobte Fron Ella. ..Kein Wort zu viel oder zu wenig. So fein konntest auch nur du allein diesen wich­tigen Brief abfassen!"

In der Tat, Onkel Bernhard, das ist der richtige Torr, bestimmt und energisch, ohne ein beleidigendes, schmähendes Wort", sprach auch Reinhold zusiimmer.d. nachdem er die Zei­len ebenfalls gelesen.Danach wäre immer noch eine Brücke zur Verständigung vorhanden."

Weißt du. Reinhold. wenn es dienstlich möglich ist. so schlage ich dir vor. heute den ganzen Tag bet uns zu bleiben für den Fall, daß Hilde erwacht und dich sehen möchte", sagte Frau Ella, nachdem sie das Schreiben des Kommerzienrats al, Eilbrief dem Diener zur Besorgung übergeben hatte,wenig­stens bleib zum Lunch und Mittagessen da!"

Gern. Tantchen, du weißt wohl, daß ich doch nirgends anders Ruhe hätte", erwiderte Reinhold dankbar,ich habe nur »roch eine dringende dienstliche Sache selbst zu erledigen, für dar Uebrlge besorge ich einen Vertreter. In einer Stunde bin ich längstens wieder hier. Bis dahin wird Hllde wohl noch nicht erwacht sein."

Fortsetzung folgt.