Herzenskämpfe.
Roman von Helene Cck> ü 1 ky. geb. von Gersdorff. ((^op^rigbt 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.)
42) Nachdruck verboten.
18. Kapitel
Die Nacht vereng schlaflos für Hilde. Nachdem sie etwa elne Stunde in ihrem Zimmer gewesen, schlich sie an die Tür und versuchte, sie leise aufzuklinken. Vergebens. Sie war wieder eingeschlossen. Also traute man ihr noch nicht ganz: man hielt sie eine? Fluchtversuchs fähig. Aus dem Fenster hätte sie allenfalls steigen können, wenn auch ihre Zimmer im eisten Stock lagen, denn unter ihr war das Dach einer Veranda so daß sie wohl unbeschädigt in den Garten gelangen konnte. Liber das wäre doch aus anderen Gründen unausführbar, denn sie zweifelte nicht, daß ihr Vater sie auch von hier ans bewachen lieft. Man würde sie also sogleich bemerken und hindern. Dies konnte nur als allerletztes Rettungsniittel in Frage kommen.
Endlich legte sie sich ins Bett löschte ihr Licht und starrte mir großen. brennenden Augen in di-e Höhe Was würde der m^raige Tag bringen? Würde der Marquis sie sreigeben? Wenn das geschah — und er konnte als Kavalier doch kaum anders —. so war das Acrgste verbütet. Ihr Vater würde toben, ober er halte keine Mittel, ihn zu zwingen, wie er sie zn ong. Verzichtete der Marquis auf ihre Hand, so hörte selbst für den Eehchmret die Möglichkeit auf. seinen Willen durchzu seften. Er muhte sich nach und nach beruhigen, und seinen Zorn wollte sie geduldig ertragen. Wenn es aber anders kam. wenn der Marquis sie nicht aufgab, dann blieb ihr noch ein letztes verzweifeltes Mittel- Flucht um jeden Preis. Auch dazu war der Plan in ihrem Kopf schon fertig, ein fast unmöglicher Plan wie sie sich selbst sagte, ober er muhte im äußersten Falle versucht werden. D. uwd sie bossle doch trotz allem, daß es gelingen doft Gott ihr beistehen würde, so oder jo! Er konnte nicht wol len, daß diese große Sünde geschehe!
Erst geaen Morgen schloß ein schwerer, unruhiger Schlummer mit ängstlichen Träumen ihre Augen.
Als sie aukwachte, stand Lina an ihrem Bett und betrachtete sie mit teilnahmsvollem rreucm Blick.
..Es ist schon spät, gnädiges Fräulein. Sie schliefen so un- rrchig. stöhnten und sahen so bleich aus. daß ich Angst bekam Ci-: könnten krank fein" sagte sie liebevoll.
Hilde schoflen bei diesen Worten die Tränen in die Augen. Es war nur eine Dienerin, die zu ibr sprach, aber sie war so verlassen und unglücklich, daß es ihr bis ins innerste Herz Wohltat, überhaupt einen Menschen freundlich zu ihr reden zu hören
„Du bist ein gutes Mädchen. Lina, ich danke dir", sagte sie, ibr die Hand aebeud.
Lina beugte sich über diese und küßte sie innig
„Gnädiges Fraulein, das vergefle ich nie. daß Cie mich ein autes Mädchen nennen, trotzdem ich .... trotzdem ich" sie schluchzte laut. „Gnädiges Fräulein, ich muß, ich muß . ." pc swluchzle io stark, daß sie nickst werter reden konnte.
„Sei ruhig, Lina, ich verstehe .... verstehe alles und zürne dir nickst", erwiderte Hilde sanft.
»A gnädiges Früul^n, Sie find ein Engel! das habe ich ,mmer gewußt! Aber jetzt sind Sie noch mehr als ein Engel. Eie find eine Heilige!" rief Lina in Begeisterung. „Und ich tue Ihnen auch sicher nichts zu Leide, und wenn sie mir eine Million anbieten!"
Hilde verstand. Man hatte dies gute Geschöpf bestechen wollen, um sie zu verraten, aber ihre Anhänglichkeit und Treue hatten gesiegt.
.Lina", sagte sie und blickte sie mit ihren schönen tiefen Augen prüfend an „Lina, bist du mir wirklich treu, kann ich mich auf dich verlassen?"
„Bis in den Tod getreu, gnädiges Fräulein!" erwiderte Lina und sah sie mit ihren in Tränen schimmernden Augen offen und ehrlich an.
„Ich glaube dir. Lina, und es ist möglich, daß du deine Treue sehr bald durch Tat bewe'stn kannst. Für jetzt nur soviel. daß kein Mensch .... veiflehst du? ... keine lebende Seele ahnen darf, daß du meine Freundin bist, daß wir im Einvernehmen sind. Tue alles, was man dir befiehlt, schließe mich ein. gib dir den Anschein, daß du mich bedauerst, daß du jede meiner Mienen bewachst und ihnen als Spionin dienst. Nur auf diese Art kannst du mir hellen, wenns nötig wird. Kannst du, willst du das tun, Kind? Es ist schwer, ich weiß es wohl."
„Alles, alles will ich für Sie tun. gnädiges Fräulein! Auch sterben, wenns fe^n muß."
..So schlimm wirds hoffentlich nicht kommen!" erwiderte Hilde. »>Aber sehr, sehr ernst ist meine Lage und wenn du wirk lich zu mir halst, wirst du manches Gefahrvolle durchmachen müflen. Aber jetzt kleide mich geschwind an. und währenddem werde ich dir sagen, um was es sich handelt, denn du hast dir dos Recht auf mein Vertrauen erworben, und du wirst dann auch diese seltsamen Voraänge verstehen."
Und während Lina mit geschickten Händen ihrer jungen Her rin behilflich war. erzählte diese ihr in raschen Worten von ihrer Liebe, ihrer Verlobung mit Herrn Leutnant von Germsdorf, wobei ihre Zofe verschmitzt lächelte, denn sie hatte das schon so ziemlich aus eigener Beobachtung gemerkt.
„Der liebe schöne Herr Leutnant! Wir alle in K. hatten -hn gern und hofften, daß er und das gnädige Fräulein ein Paar werden möchten" erwiderte sie schmunzelnd.
Dies spontane Lob ihres geliebten Neinhold tat Hildes wundem Herzen unendlich wohl Jedermann, der ihn kannte lieble ihn. mußte ihn lieben, und sie wurde wegen ihrer Liebe zu ihm angefeindet. als wenn dieselbe ein großes Verbrechen wäre? Ganz sinnlos erschien ihr das plötzlich. Wie war er geliebt, geachtet, geehrt in allen Kreisen, von den höchsten bis zu den geringsten, und hier allein wollte man ohne irgend einen stichhaltigen Grund, nur aus Laune und Vorurteil nichts vcn ihm wiflen?
Cie lächelte Lina freundlich, fast dankbar an und fuhr dann in ihrer Erklärung fort, wie chr Vater nicht nur feine Einwilligung zu ihrer Vereinigung mit Herrn von Eermshoff verweigerte.. sondern sie zwingen wollte, den Herrn Marquis von Repmond zu heiraten.
„Du wirst verstehen, daß ich bas nicht kann", Lina nickte eifrig, „und daß mein Vatrs glaubt, mich durch Härte dazu bringen zu können. Daher alle diese strengen Maßregeln."
„O. gnädiges Fräulein, ich habe keinen Augenblick geglaubt daß Eie sich unehrerbietig gegen den Herrn Papa betragen haben und die Andern", „und die Andern", sie meinte die übrige Dienerschaft, „glauben das auch nicht. Wir kennen ja alle den Herrn Eeheimrat. halten zu Gnaden, gnädiges Fräulein! Aber wir müflen gehorchen."
„Ich weiß, ich weiß", antwortete Hilde gequält. Ihrem vornehmen Sinn war diese Verhandlungen über ihre Familien- rerhöltuifle überaus peinlich.
„Nun habe ich scheinbar nachgegeben", fuhr sie fort, „aber nur, um mit dem Herrn Marquis, der noch heute zur Verlobung eintrifft, selber offen reden zu können. Wenn er hört, wie es um mich steht, wird er, denke ich, von selber zurücktreten."
„Verzeihen Sie, gnädiges Fräulein, aber das glaube ich ka>um", versetzte Lina.
„Warum glaubst du das nicht? Er kann doch eigentlich nicht darauf bestehen, wenn er hört, daß ich einen andern liebe einem andern mein Wort gab."
„Aber, gnädiges Fräulein, mir scheint, gerade, nachdem er gemerkt hat. wie es zwischen Ihnen und Herrn Leutnant stand . . . und das konnte man zuletzt ganz gut merken", setzte sie lächelnd hinzu, „gerade dann ist er hierher zum Herrn Geheimrat gefahren und hat ihm alles gesagt"
„Wa—s? was sagst du?" fuhr Hilde auf. „er war hier M Papa?"
„3a wohl, gnädiges Fräulein, den Tag. ehe Cie das Teke, oramm bekamen, das Sie nach Haufe zurückrief, war er von LNittags bis spät Abends hier und hat immer mit dem Herrn Gebeimrat viel und laut gesprochen. Die andern haben mir« erzählt."
„O, Simmel wie abscheulich' Ist es möglich? Von ihm kommt mir also das ganze Unglück!" rief Hilde entsetzt. „Es schien mir doch gleich, als müsse Papa schon etwas erfahren haben. Es war alles so sonderbar, so absichtlich. Nun kann rchs mir leichter erklären, daß Papa gleich so zornig auf Herrn von Eermshoff wurde. Aber das ist schlimm, noch viel sckckim. mer, als ich dachte. Nun sinkt meine Hoffnung, durch den Marquis selbst gerettet zu werden, fast in nichts zusammen. Aber rersuchen muß tchs doch, vielleicht zeiat er sich trotz allem willig wenn ich ihn selbst bitte. Aber ich furchte, ich werde doch zum Aeußersten schreiten müssen, .zur Flucht, und zwar heute noch, heute Nacht. Denn Lina, wenn ich scheinbar nachgebe und ein willige. bin ich von morgen an vor aller Welt die Braut des Marquis, und das könnte ich nicht ertragen, o nein, das könnte ick nicht!" rief sie verzweifelt, „oder wenn ich mich weigere, sperrt man mich ein und braucht allerlei schlimme Mittel, um mich zu zwingen Darum muß ick fort. Lina, beute noch wenn der Marquis wirklich nicht auf mich hört, heimlich fort, und da mußt du mir helfen, mrr mit deiner Hilfe kann mir es gelingen!-
Fortsetzung folgt.
Betr.: Fleiichoer orgung.
Krkrnttntmnchrmg
Ich br'nge hierdurch zur öffenl- lichen Kenntnis, daß der Verlaus von Rind- und ftalbflevrt), lowie Wurst jür diese Woche am - reiiag. ten 22. Nov. 191 J , von nachmittags 1 bis 6 Uhr in den sämtlichen hiesigen Metzgerläden stattfindet.
Die Veriaufszeit ist genau ein- zuhal'en.
Fricdderg. den 20. Nov. l n lS.
Ter Bürgermeister
I. V.: Damm.
Montag den 25. Nov. 1918. nachm.Hais I Uhr anfangend. iommen aus der kiesigen Schä erei
68 Sriick Zuchtschafe und Lämmer
zur Versteigerung.
Bemerkt w.rd. daß die Versteigerung hinter der Psarrhosraite »tat.finden
Kirch-Göns, d. 16. Nov. 1918. 2. A.: H a n a ck, Vürnerm erster.
Tüchtiger
stitdet daiternd Ve chäftigung bei Echuhmachermri tee Wilh. Klein,. ,Nreee - öllstadt iOber'esfeni.
Zuuerrästwes
Mädchen,
roelches kochen kann, wird gegen Oulcn Lohn oe.ucht.
Zu erjla en in der Geschäfts- Delle der ..'Neuen Taiesreuung".
Junges tuchilges
Mädchen
vom Lande ofort gesucht.
«•ierll’lMl lilHll.
bei Carl Ulrich . Fricdbero.
Sägemehl
-um räuchern zu haben bei
Wilh. Epa/enberg, Echzell.
Bekanntmachung
des Be;irkskommandos gricdberg i. H.
Bett. Auszahlung noch rückständiacr Gebührnisse und scs Entlassun^sgelves («5 Mk.) an Ent- lafferre.
Eme Auszahlung der Gebührniffe an die betreffenden Entlassenen kann erst erfolgen, na hdem die Papiere vo?h Truppenteil beim Bezirkskommando eingegangen sind. Diese Papiere werden sosort nach Eingang vom Be- zirkskommando in Ordnung gebracht und jeder Entlassene wird zur Anerkennung der Stammrolle zumBezirkskommand o beordert. Sobald jeder Einzelne die S'.ammrolle anerkennt. kann er gleichzeitig aus Zimmer Nr. 2 des Be- zirkskommandos das Entlassungsgeld gegen Ouittung erhalten. Solche, die die Stammrolle beim Truppenteil anerkannt haben, können das Geld ab 5. 12. erhalten.
2m Aufträge des Arbeiter- und Soldatenrates:
Bezirkskoinnlarido: Witt, Oberstleutnant.
Stempel und Petschafte
für Soldaten-, Bürger-, Bauern- u. Arbeiterräte.
Friedr. Streckfuß, mebumiz.
Der verehrlichen Einwohnerschaft von Heldenbergen und den umliegenden Ortschaften teile hierdurch mit, daß ich in llel«leni»er^en ein
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eröffnet habe.
Indem ich rasche und gute Bedienung zusichere, bitte ich um geneigten Zuspruch.
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^ Hermann Beutler. Heidenbergen.
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