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Herzenskiimpfe. /[

Ncm.in von Helene 3 cf» ö i f n, geb. von Gersdorff.

(Copyright 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.)

?o'. Nachdruck verboten.

U'Fiic «ua geschehen? Da war keine Hoffnung, daß ihr SV'. c? je andern Sinnes werden könnte. Niemals würde er feine Einwilligung zu ihrer Verbindung mit Rellrhold geben. Alle/, alles war ans. Und er würde sie auch nie mehr nach K. i.Vcsi lassen, sie würde Reinhold wohl nie, nie wieder sehen. OVa-nt dtttt Seligkeit und heute Verzweiflung, Jammer,

- Nr'.cht und Dinkel? l

,.O, Gtti' Mein Gott?" schrie so: in ihrer Qual,warum? r.v. Was tat ich um lo namenlos unglücklich zu werden?"

lag -ic w hilflos und fassungslos ihrem großen C-.chmcrz-hingegcbcn. Plötzlich aber richtete sie sich auf.

Hildesprach sie mit zuckenden Lippen zu sich selbst, schä ':?st du dich nicht? Ist das dein Mut? ist das dein Gott- rett-nuen? Willst du gleich beim ersten Hindernis verzagen? Was hrst du Roinhold versprochen^ Akut, Geduld. Liebe. Treue und -stnrnueu auf Gott! ... Ja. ja, du Geliebter, Einziger!" rief itt ganz laut. ..ich halte mein Mort! Ich werde ausharren V':* nie, «;»- von dir lassen, ob wir nun vereinigt werden oder r *. So helf mir Gott! Amen!"

Dann stand 'sie auf, legte ihre Neifekleider ab. ohne ihre I'!':gfer zu rufen, kühlte und wusch ihre brennenden, geröteten Augen und setzte sich dann, den Kopf ausgestutzt, in schwerem Sinuc an ihren Schreibtisch. Was sollte sie tun? Sie mußte zunäckit Reinhold und auch Tante Ella benachrichtigen, wie eZ hier stand. Rttnhold durste aus keinen Fall weder kommen noch an ihren Vater schreiben. Wozu ihn dieser nutzlosen De­mütigung aussetzen? Sie mußten sich vorläufig sie lächelte bittrr wahrscheinlich für immer .... auf schriftlichen Ver­kehr beschränken und abwarten, ob ihnen das Schicksal irgend­wie zu Hilfe käme.

Bald flog ihre Feder über das Papier. Sie schilderte aus­führlich die ganze Szene ihres Empfanges bei ihrem Vater, ebenso ihre anfängliche Trostlosigkeit und ihre jetzt wiederer- «angte Fassung, bat Reinhold ebenfalls das Unvermeidliche ge­duldig zu ertragen und versicherte ihn ihrer unwandelbaren Lstbe und Treue. Dann bat sie ihn noch. Tante Ella aus ihrem oorzulojen, was sie und Ör-ktt Bernhard zum Verständnis der Situation, wissen mußten, schloß den Brief in ein großes an die Tante adressiertes Kouvert ein und übergab es ihrer treuen Lina, um es in einen Vrieskasten zu werfen.

Darüber waren mehrere Stunden vergangen. Die Diner- zeit nabte heran. Hilde machte eine sorgfäliiae. wenn auch ein- sache Dbmid'oireire und als Vater in's Eßzimmer trat, fand > r: feine Tochter bereits da, ihn mit ruhiger, freui-dsick-r Miene erwartend, als wäre gar nichts von Bedeutung zwischen ihnen r-crgcfallen.

Ein triumphierendes Lächeln glitt über feine peroament- artigen, blutleeren Züge. Mar nun feine Diagnose nickt voll­kommen richtig gewesen? Da war sie. augenscheinlich schon so gut getröstet über ihre zerstörten Hoffnungen. Vielleicht brauchte er nickt einmal mehrere Tage zu warten, bis er ihr seinen Be­fehl, den Marquis zu heiraten, mitteilte. Run. das wollte er sich noch überlegen.

Bei Tisch unterhielten fle PH von gleichgültigen Dingen, nicht sehr lebhaft, da sie fast gar keine gemeinschaftlichen Be­rührungspunkte hatten. Hilde hätte von Menschen und Erleb­nissen in K. erzählen können, aber sie fürchtete eine gefährliche Wendung des Gesprächs und wußte nicht, ob ihre kauin wieder­errungene Fassung erneuten Angriffen auf ihr Liebstes und Teuerstes standhalten würde. Deshalb bemühte sie sich, von Politik. Tagesneuigkeiten und Büchern zu reden, erfuhr aber auch hierbei, daß ihr Vater, wie von jeher, in allem entgegen­gesetzter Meinung war und allen feinen Entgegnungen einen bitteren, gehässigen und verächtlichen Ton beimischte. Wieder wollte sic eine große Entmutigung ergreifen. So sollte nun ihr Leben immer weiter sich abrollen? Ein Tag nach dem andern in dieser fürchterlichen moralischen Atmosphäre? Und dazu noch das verzehrende Heimweh nach Reinhold im Herzen, das sie wie einen positiven körperttckwn Schmerz auf sich lasten siihlte! Wie­der mußte sie sich mit Gewalt zusammennehmen, um sich nichts anmerken zu lassen. Es war ihre Pflicht, sie mußte stark und mutig sein.

Mit mühsamen: Lächeln wandte sie sich an Fräulein Fran­ziska Lehmann, welch - in rauschender Seide und brillanten­funkelnd die dritte Person am Tische war, und versuchte mit ihr ein nichtssagendes Gespräch über Toiletten, Weiter und Dienstboten anzuknüpsct^ den: der Gehcimrat mit ironischem Lächeln zuhörte.

Die Tafel blitzte von kostbarem Silber, Kristall und Porzel­lan, die lecker zubereiteten, luxuiösen Speisen und Getränke wurden von tadellos geschulten Dienern in eleganter Livree serviert, das große, in alldeutschem Stil eingerichtete Eßzimmer strotzte von prächtigen und wertvollen Dingen. Alles war vor­handen, wonach die Mehrheit der Menschen unter dem Begriff Glück"' strebt. Und doch, wo war das Glück?

15. Kapitel.

Marquis von Reymond befand sich in bester Stimmung. Seine großen und kleinen Angelegenheiten gingen ganz nach Wunsch. Während er auf die bedeutsame Nachricht von Hildes Vater wartete, die ihn zur Verlobung nach G. rufen sollte, amüsierte er sich köstlich mit dem kleinen Backfisch Küthe Tront- heim. Sie waren sckon mehrmals auf der bewußten Bank im Park zusammsngctroffen und hatten dort ein Stündchen unter Lacken und Plaudern verbracht. Zwar konnte er sich bis jetzt keiner weiteren Gunstbezeigung der kleinen Dame rühmen, als daß er ihr beim Kommen und Gehen das zarte Händchen küssen durfte, was auch in jedem Salon unter den Augen von hundert Müttern und Anstandsdamen hätte geschehen können. Aber er wollte das scheue Vögelchen schon nach und nach kirre machen. urS p'nstweilcn war es doch ein herzliches Vergnügen, mit der klcr.i' .* quecksilberigen frischen Person heimlich zusammen zu ! kommen und ihr übermütiges munteres Geplauder anzuhören.

Eben eilte er wieder dem anaenehmen Ziele zu. Als er eben schnellen Schritts über einen Reit- und Fahrweg der An­lagen gehen wellte, und in den Seite,:p:ad. der zu der bewußten Dank führte, einzubiegen, begegnete ihm ein Reller in Uniform den er, als er nöherkam. als den Leutnant von Naundorfs er­kannte. Die Herren grüßte:: sich, wie sie aneinander vorüber­kamen. da sie sich natürlich kannten. Dabei traf den Marquis ein eigentümlicher, forschender Blick des jungen Offiziers, der den Franzosen gar nicht angenehm berührte. Oder war es nur

«knDUvüng, was man soschlechtes Gewissen" ivnnt, gewesen?!'' Er suchte sich damit zu trösten, denn woher hätte Naundorfs' etwas von seinem kleinen Abenteuer wissen sollen? Das wär^ nämlich sehr fatal und könnte unangenehme Folgen haben, die der Marquis absolut vermeiden wollte. Leicht verstimmt langte er an der Bank an, wo ihn Käthe "schon etwas schmollend er­wartete.

Wenn Sie nicht pünktlicher kommen, Herr Marquis, so können Sie das nächstem«»! überhaupt vergebens auf mich war­ten". schalt sie verdrießlich und schlug ihm, als er nach ihrer Hand griff, um dieselbe zu küssen, mit ihren Handschuhen, die sie lose in der Hand hielt, beinahe in's Gesicht.Meinen Sie. ich hätte Lust, hier lange allein zu sitzen? Es ist doch schon schwer genug für mich, immer einen Vorwand zu finde?:, um allein fort zu kommen. Um hier allein zu sitzen und mich zu ärgern, lohnt's all der Anstrengung wahrhaftig nicht. Dafür bedanke ich mich."

Sie sah entzückend aus, als sie ihren Zorn in reichen War­ten hervorsprudslte. dabei heftig gestikulierend und ihn mit ihren dunklen Augen anblitzend.

Zürnen Sie nicht, liebreizende Catherine?" rief er, ne ggrn Verzückt anstarrend, es war nicht meine Schuld, je vous le jure! Im letzten Augenblick, als ick) schon aus Flügeln der Sebnsvcht hierher eilen wollte, kein ein dummer Mensch und hielt mich fest mit seinem Paß. den er durchaus brauchte. Aber nun »eien Sie wieder gut, sonst bin ich l'homme le plus malheureux du monde. Kommen Sie, setzen Sie sich zu mir auf die Bank und lassen Sie uns plaudern! Was haben Sie diese drei Tage ge­tan. wo ich Sie nicht gesehen habe? O. es war lange, schrecklich lange! Haben Sie sich auch ein wenig nach mir gesehnt,'e kleine Catherine?"

Käthe war schnell besänftigt und letzte sich neben ihn aus die Bank. Bei seiner letzten Frage lachte sie hell auf.

Ob ich mich nach Ihnen gesehnt habe? Aber nicht die Spur! Fällt mir gar nicht ein! Gedacht habe ich wohl an Sie aber" sie sah ihn schelmisch von der Seite an,wissen Cie. was und wie?"

Nu,:, nun. was denn? so reden Sie doch!" drängte er ge­spannt und rückje ihr etwas näher.

..Zch habe gedacht," sagte sie, zögerte und sah ihn wieder lächelnd an,daß die Geschichte nun sckon anfängt, mich etwas zu langweilen. Jetzt bin ich schon so oft heimlich hergelaufen, nun macht es mir gar keinen Spaß mehr. Cs ist ja immer vas- selbe!"

Sie kleiner Dämon, Sie machen einen ganz toll?" rief er wirklich aufgeregt.Ich lebe nur von einem Mal zum andern, wo ich Sie sehen, mit Ihnen sprechen darf: ich denke, auch Sie freuen sich, mich zu sehen, mit mir zusammen zu fein, und nun sagen Sie gai^ kühl, daß Sie das langweilt! Nein, Catherine das kann nicht fein, ich liebe Sie so heiß, ich könnte das nicht ertragen! Sagen Sie mir. daß Sie mich auch ein wenig lieb haben, chere petite Catherine!"

Er war ihr ganz nahe gerückt und hatte mit einer plotzlicken Bewegung den Arm um sic gelegt und wollte sie- an sich drücken.

Sie aber stieß ihn heftig von sich, sprang auf und stand zornglübend vor ihm.

Was fällt Ihnen ein? Wie dürfen Sie sich das erlauben?" rief sie außer sich.

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