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K ummer 263 GnMreig ä° Si!» Freitag» den 8. Uovemver ir-18 u. Jahrgang.

Die ,,Pene Taars;ciUmg" erscheint jeden Werttag. Regelmäßige BeilagenA-r Sauer ans Hessen",Die Spimssrnde". K-rngspreis: Bei den Postanitalten vrenelfährlich ML 2.70 hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Aoenten monatlich 1.60 Mk. einschließlich Trägerlo.'in. Anzeigen: Grund^eile 25 Pfg., totale 20 Psg^ Än^eigen von auswärts werden durch Postnachnatzme erhoben. Erfüllungsort Frisdberg. Hchrifttoitung und Usrlaz Friedberg (Hessen), oanaueritrage 12. Hecn'precher 48. Bost',heck-Tsnto Nr. 4859. Amt Frankfurt a. M.

FuukspruchwechseL zwischen der Obersten Heercstcitttng und Marsch all F-s-ch. Die Kaiserkrise; ein

Ultimatum der sozialdemokratischen Marter.

Die Unruhen in Uorddcnt'ch»and. Einmarsch deutscher Truppen in Tiro!.

Der deutsche Generalstak mi c ldet:

W. T. B. Großes Harrptq«artier, den 7* Usvember Amtirch.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Nordöstlich von Oudenaarde stießen Franzosen über die Schelde. Im Gegenangriff warfen wir sie zurück. Zwischen Schelde und Oise suchte der Feind die plangemäße Fortführung unserer am 4. 11 eingeleiteten Bewegungen durch heftige An­griffe zu verhindern. Der Schwerpunkt dieser Angriffe lag nordöstlich ron Dalenciennes. südlich der nach Mons führenden Straße bei Bavai und bei Aulnsye an der Sambre. In schwe­ren wechselvollen Kämpfen hielten unsere Truppen dem feind­lichen Ansturm stand. Der Feind stand am Abend bei Ouiev- rain, am Westrande von Bavai östlich von Aulnoye west­lich von La Capelle. Zwischen der Oise und der Aisne hat der Gegner die Linie BcrvinsRozoy erreicht. Beiderseits von Reihe! hat er die Aisne überschritten und stand am Abend in Linie WasignyNovlonPorcien und nördlich von Tourieron. Zwischen Aisne und Maas folgte er bis Veudresss und Mouzon.

Auf dem Ostufer der Maas setzte der Amerikaner seine hef­tigen Angriffe fort. Es gelang ihm. seinen Brückenkopf östlich ron Dun zu erweitern. Wir brachten den Feind an den Wal­dungen östlich von Murvaux und FontaineZ zum Stehen. Oest- lich von Sivry hat die bewährte brandenburgische 228. Infan­terie-Division ihre Stellungen voll behauptet.

Der Erste Eerrcrakquartierincister: E v 3 n e r.

Aberrdbericht.

Berlin. 7. Nov.. abend?. (WB. AmtlichF

An der Westfront ruhiger Tag.

I'ic WllffellßjßstündsJtrhlNldlNßeN.

Die deutsche Delegation.

Berlin. 8. Nov. Der deutschen Delegation zum Abschluß des Waffenstillstandes und zur Aufnahme der Friedensverhand­lungen die heute nachmittag von Berlin abgereist ist, gehören an: Staatssekretär Erzberger, Graf Oberndorfs, der deutsche

Gesandte in Kopenhagen Eraf Rantzau. General v. Winlerfeldt General v. Eündek! und Kapitän. Wansoloe.

Berlin, 7. Rov. Die Waffenstillstandsabordnung hat zu­nächst nur den Auftrag, über den Waffenstillstand zu ver­handeln. An wohl unterrichteten Berliner Stellen nimmt man aber an. daß sich an den Abschluß des Waffenstillstandes sofort Verhandlungen über den Friedensschluß anschließen dürften.

Berlin, 7. Rov. (WB Amtlich.) Folgender Funkspruch ist diese Nacht von deutscher Seite hinausgegangen:

Dis deutsche Oberste Heeresleitung auf Anordnung der Ne­gierung an Marschall Fach: Nachdem die deutsche Negierung

im Aufträge des Präsidenten der Vereinigten Staaten benach­richtigt ist. datz Marschall Foch ermächtigt ist. beglaubigte Ver­treter der deutschen Regierung zu empfangen, um ihnen die Waffenstillstandsbedingungen mitzuteilen, sind folgende Bevoll­mächtigte ernannt' General d?r Infanterie v. Gündell Staatssekretär Erzberger, Gesandter Traf Oberndorfs General v Winterfeldt und Kapitän z. S. Banselow.

Die Bevollmächtigten bitten unr Mitteilung durch Funk- Spruch, wo sie mit Marschall Foch Zusammentreffen können. Sie werden begleitet fein von Kommissaren und Dolmetschern nebst interpersonal und im Kraftwagen an dem zu bezeichnenden Orte cintrefsen. Die deutsche Regierung würde es im Interesse der Menschlichkeit begrüßen, wenn mit dem Eintreffen der deutschen Delegation an der Front der Alliierten eine vorläufige Waffen­ruhe eintreten könnte.

Marschall Foch hat darauf gefunkt: An das deutsche Ober­kommando von Marschall Foch: Wenn die deutschen Bevoll­

mächtigten mit Marschall Foch wegen des Waffenstillstandes Zu­sammentreffen wollen, «lögen sie sich bei den französischen Vor­posten auf der Straße EhimayFourmiesLa CapelleGuife einfinden. Es sind Befehle erlassen, sie zu empfangen und sie an den für die Zusammenkunft bestimmten Ort zu geleiten.

Ende Uavember?

Zürich. 7. Nov. DerCorriere della Sera" meldet nach den .Times" aus dem Londoner Kriegsamte, datz Neueinbe­rufungen bis auf weiteres nicht mehr stattfinden, und datz die Regierung den Abschluß des Krieges für die letzte Novcmberwoche erhofft.

f,vAt Kraftan streu gung:

Zürich, 7. Nov. DieZürcher Morgenztg." meldet: Unr

dem deutschen Rückzug die Freiwilligkeit zu nehmen und der deutschen Heeresleitung die Entfchlußfreiheit aus der Hand zu nehmen, haben die außerordentlichen Verstärkungen der AiZne- und Maastruppen der Verbündeten den Befehl erhalten, mit Anwendung aller Kräfte nordwärts zu stoßen, um die deutsche'! Rückzugs!inien in Belgien zu gefährden und möglicherweise ab­schneiden zu können. Dieser Heeresbefehl wird seit einigen Ta­gen von mindestens 2b verbündeten Divisionen und einem un­geheuren technischen Gerät durchgeführt und hat zu heftigen Schlachten zwischen Aisne und Maas geführt, ohne bisher zum Abschluß, aber noch weniger zu einem entscheidenden Schlage zu führen. Die Zurücknahme der deutschen Front in Belgien ist der Armee v. Arnim restlos und ohne große Einbuße geglückt.

Svvrnai unter englischem Feuer.

Berlin, 5. Nov. (WB.) Wenn dis Engländer vielleicht früher, wie sie ausposaunten, die Absichten hatten, T o u r n a zu schonen, so sind sie jetzt, wie die Tatsachen beweisen, gründlich davon abgekommen. Seit Tagen ist die systematische Beschießung des Innern dieses alten aicheimelnden Flanderr.städtchens im Gange. Bor allem bietet der Teil westlich der Kathedrale das typische Bild einer unter Granaten sterbenden Stadt. Unmit­telbar um den Belfried herum sind fünf Hauser schwer getroffen. Ueberall, wo man hinsieht, zerbrochene Scheiben und mit Bret­tern vernagelte Fensterhöhlen. Auf dem Place de Lille schlugen Volltreffer ein, deren einer das Haus unmittelbar an der St Margaretenkirchc eirtgerissen hat. Die Rue Vonez und die Rue de Lille haben besonders schwer gelitten; die Rue de Douai ist bereits jetzt fast nur noch eine Trümmerstätte. Am Place du Parc durchschlug am 1. November eine Granate einen Keller und Lötete sieben Frauen. Tags darauf wurden drei Einwohner verwundet, zwei getötet. Besonders in den Vorstädten wohnt das Grauen der Zerstörung.

Gin MLimatum der sv;m!demoirNe,Nsche;t RarieileiUrnz.

Berlin, 7. Nov. Tie Kafferfrage hat plötzlich eine Zu­spitzung erfahren. Wie *rir erfahren, har die Parteileitung der sozialdemokratischen Partei heute dem Reichskanzler in Sonn eines Ultimatum? kokende Forderungen überreicht:

Tie sozialdemokratische Partei fordert, datz die Ab­dankung des Kaisers und der Thronverzicht des Kronprinzen dis Freitag nachmittag bewerkstelligt wird,

2. daß die Versammlungsverbote noch heute aufgehoben werden,

3. daß die Polizei und das Militär zu äußerster Zurück­haltung angehalten wird,

4. daß die preußische Regierung sofort im Sinne der Reichsiagsmehrheit umgestaltet wird und

6., daß der sozialdemokratische Einfluß in der Reichs- regierung verstärkt wird.

Werden diese Forderungen nicht erfüllt, so Tritt die Sozialdemokratie aus der Regierung aus. Gleichzeitig er­ging cjne neue Mahnung an die Arbeiter zur Besonnenheit.

Die Folgen des Ultimatums.

Berlin, 7. Ncv. Durch das sozialdemokratische Ulti­matum, das heute nachmittag dem Reichskanzler überreicht worden ist. hat sich die politische Situation aufs äußerste zu- gespitzt. Cs kann im Augenblick noch nicht übersehen wer­den, welche Wirkungen ein Rücktritt des Kaisers im Laufe des morgigen Tages haben, und ob dadurch eine Klärung der 1 politischen Lago eintreten würde. In maßgebenden politischen

Kreisen nimmt man aber als feststehend an, daß im Falls der Nichtabdankung d»'s Kaisers das Ende der gegenwärtigen Volksregierung einL^et^n würde, sei es dadurch, daß Reichs­kanzler Prinz Mar ''ein Amt niederlegt, oder dadurch, daß die sozialdeniokratischen Mitglieder aus der Regierung aus- scheiden. Wenn das gegenwärtige. a"f einem Programm der Mehrheitsvarteien berußende Kabinett seinen Zusammen­hang verliert, dann ist kein Zweifel mehr darüber möglich.

° daß die zur Zeit im Amte befindliche Volksregierung durch j eine rein sozialdemokratische Regierung abgelöst werden würde. Ob diese neue Regierung sich lediglich aus Mit­gliedern der Mehrbeitssozialisten zusammensetzen oder ob auch Mitglieder der unabhängigen Sozialdemokratie zu ihr gehören würden, läßt sich heute, wo die Ereignisse noch im Flusse sind, nicht Voraussagen.

Die Haltung des Kaisers.

Berlin, 7. Nov. DerVerl. Lokal-Anzeiger" berichtet: Der Kaiser selbst hat sich, wie auf dein Umweg über Vudapester Blät­ter bekannt wird, auf den Standpunkt gestellt, daß er auf seinem Posten, bleiben müsse. Danach hat der Minister des In­nern Dr. Drows dem Kaiser über die Scheide,ncrnnsche Forde­rung nach Abdankung des Kaisers Bericht erstattet, und nach seiner Rückkehr aus dem Großen Hauptquartier teilte Dr. Drews mit. daß seine Mission erfolglos geblieben sei. Der Kaiser er­klärte, daß er mit Rücksicht auf die verworrene Lage freiwillig unter keinen Umständen auf den Thron Verzicht leisten würde. Er könne Deutschland im Augenblick des Friedensschlusses un­möglich der Entente ausliesern Seine Abdankung werde eine völlige Anarchie und ein Ueberhandnehmen des Bolschewismus zur Folge haben. Für solche furchtbaren Zustände wolle er nicht die Verantwortung übernehmen und könne deshalb im gegen­wärtigen Augenblick nicht abdanken.

Die Fortschrittler für den Kaiser.

Derffn, 7. Nov. Auf dem Eroß-Verliner Parteitag der Fortschrittlichen Volkspartei erklärte laut ..Lokalanzeiger" der Abgeordnete Mugdan, die Partei wolle nicht neue Unruhe 'n unser Volk tragen.

fit Writhk!! in UrMeilWlliid.

Berlin, 7. Rov. (MTV. Amtlich.) Von zuständiger Seite wird über die Lage in den nördlichen Provinzen folgendes mit­geteilt:Die Unruhen haben sich auf einige weitere Orte aus­gedehnt. In Bremen wurden auf dem Marktplatz von einem unabhängigen Sozialisten, der vor wenigen Tagen aus dem Ge­fängnis entlassen worden war und von einigen Militärpersonen Reden gehalten, die zur Bildung einer sozialistischen Republik und eines Arbeiter- und Soldateurates aufforderten. Der Be­freiung von Militär gefangenen schloß sich die Oessnung auch der Zivilgefängnisse an. In den großen Werken ist alles ruhig. Auf den Straßen herrscht Ordnung: Zwischenfälle wurden bis­her nicht gemeldet. Für heute abend wurde in einer Versamm­lung Liebknecht als Redner erwartet. In der Sitzung der Bür­gerschaft stand ein sozialdemokratischer Antrag auf Einführung des gleichen und direkten Wahlrechts zur Erörterung. Der Se-' nat soll sich seine Entscheidung Vorbehalten haben.

Aus Hamburg wird genreldet: Das Zentralbureau des Arbeiter- und Soldatenrates teilt folgendes mit: Sämtliche

Amtsgebäude und militärischen Gebäude sind besetzt. Die Nah­rungsmittelmagazine werden bewacht, Plünderer werden mit sofortigem Erschießen bestraft. Zur Zeit finden Verhandlungen mir dem Senat statt. Der Zugverkehr ist bis auf zwei Züge eingestellt. Post- und Telegraphenamt waren bis zur Stunde nicht besetzt. Die Leitung der Bewegung hat einen Aufruf an die Bevölkerung erlassen, die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhallen. Nach vorliegenden Nachrichten ist dies indes nicht gelungen. Es hat Ausschreitungen gegeben. Kleinere Truppen, körper, die sich verteidigten, wurden durch die Massen der Auff ständischen gewaltsam gezwungen, ihnen Gefolgschaft zu leisten. An mehreren Stellen der Stadt sind Mißhandlungen und Mords" vorgekommen. Unter anderem drangen Aufftändisck>e in eine Wohnung in der Lincolnstraße, aus der aus herumziehende Sol-' daten geschossen worden sein sollte und toteren zwei Frauen als angeblich Schuldige, indem sie ihnen die Kehle durchschnitten«, Wahrscheinlich werden alle Theater und Restaurants vom 7. veinber ab geschlossen. Die ganze Nacht vom 6. zum 7. Slovem-. ber sielen in verschiedenen Gegenden der Stadt vereinzelte Schüsse. Das HamburgerEcho", dos jetzt als Oraan der SIuftL