Herzenskampfe.
Rom.in von Helene Scbütly, geb. von Gersdorff.
CCopvri^ht 1915 by C- Alkermann.Stuttgart.)
551 Nachdruck verboten.
Eilig sprangen sie vor dem Portal des kommerzienrätlichen Hauses von den Pferden, die dann von Johann in den Stall geführt wurden. Als sie die Treppe hinauf um Eßzimmer gingen, wo sie Hildes Verwandte Leim Gabelfrühstück vermuteten, kam ihnen Babette, die Kammerzofe der Kommerzienrätin entgegen.
„Gottlob, daß Sie kommen, gnädiges Fräulein!" rief sie schon von weitem, „die Herrschaften sind sehr besorgt und aufgeregt, aus Angst, es könnte dem gnädigen Fräulein etwas Schlimmes passiert sein."
„Dann laufen Sie nur schnell wieder Zurück, Babette, und melden Sie, es sei mir gar nichts Schlimmes, sondern etwas sthr Gutes passiert", befahl Hildo lachend.
Babette kehrte tatsächlich eiligst uni und verschwand im Eßzimmer.
„Aber. Lieb, auf diese Art wird unser Geheimnis nicht lange Geheimnis bleiben", meinte Neinhold lächelnd.
„Nun, was tut 3 denn? Um diese Tageszeit find ja doch meistens nur Familienmitglieder anwesend", erwiderte Hilde, und die Werdens ja ohnedies sogleich erfahren."
Aber sie fanden doch noch jemand anwesend, als sie ein- tro.ten, und zwar den Marquis, welcher einen Besuch gemacht hatte, um zu fragen, wann Hilde mit ihm zu musizieren wünsche und da letztere unerwartet lange ausblieb, von der gastfreien Kommerzienrätin zum Lunch eingeladen worden.
Gr war bei Babettes Botschaft, die sie pünktlich ausgerichtet hatte, zufammengefahren. Was sollte das heißen? War etwas von Bedeutung geschehen, oder handelte es sich nur um einen Scherz Hildes?
Gleich darauf traten die beiden jungen Leute herein, zwar etwas bestäubt und erhitzt, aber mit strahlend glücklichen Gesichtern. Als sie ihn am Tische sahen, stutzten sie, sahen einander verständnisvoll an und beantworteten mit allerlei Scherzen und Ausflüchten den Sturm von Fragen und Vorwürfen, die ihnen entgegenschallten, denn auch Vetter Hans und seine Braut waren anwesen.
^ Der Marquis warf Ihnen einen finsteren Blick zu. Er wußte, die Zeit zum Handeln war mm gekommen, er durfte nicht läN'-er zögern, wollte er sich das Spie! noch retten. Und das wollte er mehr als je.
Dann Beteiligte er sich scheinbar unbefangen und heiter an der allgemeinen Konversation. Niemand durfte seine Mißstimmung bemerken. Bald empfahl er sich, trotz der liebenswür
digen Aufforderungen dckr Hauswirte M noch Klügerem Bleiben, unter den, Vorwand dringender Geschäfte.
Kaum war er aus dem Zimmer, als die Kommerzienrätin, -rennend vor Neugier, ausrief:
„Nun, sagt doch, ums Himmelswlllsn. was ist geschehen? Erst bleibt ihr eine Ewigkeit fort, dann stürzt Babette mit einer unverständlichen Botschaft herein und nun lacht und redet ihr allerlei, aus dem kein vernünftiger Mensch klug werden kann. Was gibts denn nun eigentlich?"
Reinhold war aufgesprungen und hatte Hildes Hand ergriffen.
„Was es gibt, Tantchen? Eine Verlobung! Ihr Adoptiv- neffe Reinhold und Ihre echte Nichte Hilde bitten um Ihren und Onkels Segen!"
„Kinder, Kinder, ists wahr? ists wirklich wahr? Gottlob, daß es so gekommen ist!" rief Tante Ella in großer Rührung und drückte bald Hilde, bald Neinhold an ihr Herz. Auch der Kommerzienrat, sowie Hans und feine Braut drückten laut und herzlich ihre Freude aus. Es gab ein allgemeines Glückwünschen und Umarmen, und der Kommerzienrat ließ sogleich einige Flaschen Sekt aus dem Keller holen, um das frohe Ereignis würdig zu feiern.
„Siehst du. Mutier," so nannte der Kommerzienrat gern seine Gattin, wenn er in sehr gemütlicher Stimmung und sie ganz en samille waren, „wie unnötig deine Sorgen waren. Nun hat Gott Amor alles aufs Schönste deinen Wünschen entsprechend gefügt? Hoffentlich wird auch Bruder Karl einverstanden sein un5 eurem Glück kein Hindernis in den Weg legen!"
„Ja, das wird die Hauptsache sein, ihn dafür günstig zu stimmen!" meinte Tante Ella. Weißt du. was ich glaube? Es wird am besten sein, wenn Neinhold allein nach G. fährt und deinen Vater mit der Werbung überrascht"
„Dasselbe, genau dasselbe habe ich mir schon gedacht," bestätigte Hilde. Wenn er Reinhold sieht und kennen lernt, wird er schon halb gewonnen sein, das glaube ich sicher," setzte sie zuversichtlich hinzu.
„Und was er sonst an Vorurteilen gegen den militärischen Stand hegt", meinte der Kommerzienrat, „das wird vergehen, wenn er sich nach Eermshoff Leumund erkundigt, denn da wird er wohl nirgends etwas Ungünstiges hören."
„Nein, das hoffe ich wirklich, Onkel Bernhard," lachte Neinhold froh, „denn ohne zu prahlen kann ich sagen, daß ich mich bis jetzt dienstlich und menschlich immer anständig betragen habe. Aber das ist schade, daß der Eeheimrat meinen Stand, der doch der herrlichste in der Welt ist, nicht liebt. Das wird ihm dann immer, auch wenn er mich als Schwiegersohn annimmt, eine unangenehme Beigabe sein."
KekauuiMachnttg
Die hiesigen Landwitte und sonsttaen
Kkrtoffeler^euger
we den darauf aufmerk am gemacht, daß die Abaabe von Kar- tiffe.n nur an Aufkäufer des ommunaloerbandes oder gegen 5szug cheine oder Kartoffelkar en erfolgen darr. Jeweils am Monatsende sind die abgegebenen D-encen au, Zimmer "iit. 4 des Stadthauses imUr Vorlage der Bezugicheine a;w. zu meiden. Znedberq, den 28. Oktober 1918.
Der Bürgermeister 2. V»' Damm.
'„Ach. daran wird er stcy gewöhnen, wenn er einmal Ja gesagt hat", ermutigte Tante Ella, und wer weiß, vielleicht gelingt es Ihnen gar noch, ihn von der Grundlosigkeit seines Vorurteils zu überzeugen. Sie find ja nun doch einmal ein folck'er Tausendsassa, Eermshoff!"
„Ja, wenn mich jedermann mit so gütigen Augen ansähe, wie Sie, Tantchen, dann hätte ich es leicht?" sagte Reinhold Tante Ellas Hand dankbar an dis Lippen führend. „Aber es. ist merkwürdig! Was ich als- die größte Schwierigkeit anger sehen hätte, meine Armut, das wird hier gar nicht als ein etwai, ges Hindernis erwähnt. Wird denn der Herr Gehermrat daran keinen Anstoß nehmen?"
„Nein, das glaube ich kaum", erwiderte der Kommerzienrat „das fallt wenig in die Wagschale, wenn Sie im übrigen Gnade vor seinen Augen finden."
„Dann wird es wohl am besten sein, ich nehme gleich mor- ' gen Urlaub und fahre hin", meinte Neinhold fragend. „Bis unser Glück von der maßgebenden Stelle bestätigt wird, habe wir ja doch keine richtige Freude daran, nicht wahr, Lieb?" wandte er sich an Hilde.
„Ach. muß es denn schon, morgen sein?" «ntgegnete Hilde zagend. „Wer weiß, wie es kommt? U,rd einen einzigen-Tag möchte ich dich doch so gern noch ganz für mich allein haben." *
"Nun, auf einen Tag kommt es schließlich nicht an", gab Reinhold nach, „obgleich meinem Empfinden noch, wo etwas geschehen muß, es lieber gleich ohne Aufschub getan werden sollte. Ich bin immer für klare Situationen."
..Ich eigentlich auch. Neinhold", antwortete Hilde, „aber wenn es sich um meinen Vater handelt, überfällt mich immer bange Furcht. Ich habe noch so wenig Etttes von ihm erfahren. Er ist so unberechenbar und dann", setzte sie zögernd, mit leiser schmerzlicher Stimme hinzu, „liebt er mich eben nicht."
Neinhold streichelte ihr mitleidig und tröstend die Hand.
„Meine arme Hilde! Aber ist es denn denkbar, wandte er sich an die anderen, „daß sie Recht hat? Kann e§ möglich fein, daß ein Vater fein einziges'Kind, und noch dazu ein solches Kind nicht liebt?"
..Ja, es scheint ein psychologisches Rätsel", .erwiderte die Kommerzienrätin seufzend, „nur gibt uns Schwager Karl noch mehr solche auf. so daß man aushört, sich darüber zu wundern. Cs ist ein sehr kurioser Mensch, den wohl niemand jemals ga"- ergründen wird."
„Also werde ich übermorgen mein Heil versuchen", sagte Neinhold zum Schluß, „gebe Gott, daß es gelingt! Heute abend aber geht noch ein langer Brief an Mama und Lotte und Lilly ab! O. werden sich die drei Lieben über mein Glück freuen! Willst du selbst nicht auch einen Gruß an den Rand schreiben. Liebling? Das wäre hübsch und würde sie doppelt freuen."
,_ Fortsetzung folgt.
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letzte Winlerfällung, hat waggon- vei.e abzugeben
öolzhaiidluug Rudolf Alt,
Eichelsdorf, Ober-Hessen.
Kekmntttmachung.
k ^ Die ^nachstehende Bekanntmachung des Kommunalverbandeß
Bewirtschaftung der Kartoffeln
im Erntejahr 1918, bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntnis.
Friedberg, den 28. Oktober 1918.
Der Bürgermeister.
2.93.: Damm.
Anzutraalichkeiten, die sich ber der Versorgung der Verbraucher mit Kartoffeln auf Bezugsscheine ergeben Habens insbesondere die vielfach vouommenden Fälle, daß mehr Karioffeln geliefert werden, als nach dem Bezugschein zustehen und daß bei dem Verkauf auf solche Scheine die Höchstpreise überichritten werden, veranlassen uns, den Bürgermeistereien des Kommunalserbandes die Ausstellung von Bezugscheinen vom 1. November If. Js. ad zu untersagen. 2n besonders Lerucksichtigenswerten Ausnahme,allen tönnen Bezugscheine nur noch von un erer Kartoffelvetteilungsstelle in Offenvach ausgeftellr werden. Aus den gleichen Gründen erklären wir bereits ausgestellte Bezugscheine, die noch nicht beliefert sind, für ungültig und verfallen, wenn sie nicht noch bis zum 15. 'November tf. Js. be- tiefeir sind. Sie dürfen al !0 bei Meldung von Sirafen wegen unberechtigter Kartoffelab,abe nach dem 15. Novemrer n cht mehr beliefert werden. Die etwa trotzdem belieferten Scheine werden auch den Erzeugern bei Bemeffung ihrer Abl.efelungspstichl nicht in Anrechnung gebracht.
Wir weisen die Kartoffelerzeuger nochmals nachdrücklichst daran' hin, daß nach der Verbrauchsregelung ihre ge,amte Ern e für den Kommunalverband sichergestellt ist und daß sie verpflichtet sind, diese nach Abzug ihres eigenen Bedarfs und der auf Bezugscheine abgegebenen sengen restlos an die Aufkäu er des Kommunaioerbandes abzutiefern. Wer bei ihm sichergestellte Karioffeln verbraucht oder bei eite schafft, wird nach der Bundesratsverordnung über Kartoffeln mit Gefängnis bestraft. Wir haben eine scharfe Kontrolle der Gr zeuger emgeführt und werden Zuwiderhandlungen unnachsichllich zur Anzeige bringen.
Außerdem haben sie zu gewärtigen, daß ihnen die zum Eigenbedarf überlaffenen Kartoffeln gekürzt werden.
Verbraucher, die sich über ihren zugelaffenen Bedarf eingedeckt haben, machen sich gleichfalls strafbar. Außerdem werden ihnen die überschießenden Mengen eingezogen werden.
Offenbach, den 23. Oktober 1918.
Zn KonMMlmbiiiliiWübch für MchlmferWg.
6pamer.
S rachtstückqüter werden am 30. und 31. Oktober sowie am 1. November zur Beförderung nicht angenommen.
Frankfurt (Main), den 28. Oktober 1918.
Königliche Eisenbahndirektion.
Holzverstsigenmg.
'-November !f. Js., kommt auf einem Grundstück der Gemeinde Ober-Rosbach folgendes Holz zur Versteigerung:
22 Rm. Hlesern-Scheiler, 70 Rm. Kiefern Knüppel, 5000 Kiefern Wellen. 28 Rm. Stöcke
Die Zusammenkunft und Anfang der Versteigerung ist vormittags 97a llhr bei der Grube Nosbach.
Ober-Nosbach, den 28. Okiober 1918.
Gr. Bürgermeisterei Over Nosbach.
_ Dieffenbach.
Der Kauf von Uhren ist Vertrauens ache! Wenden Sie sich an Wilh. ^©hrey, Alrrurnchcr i.si:e1kr-51orl!M. da erhalt. Eie noch eine fein abge og., genau regulierte (TafifjtnHjr. Äutz £ flnU na -i JUrditr, Mgnd- unö f Staudrihrrn dort fn haben. •
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GroD«?* Lager alle*
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tkamttmachrmg. Weißkraut.
Diejenigen Besteller, welche ihr Kraut noch nicht bei uns abgeholt haben, werden hierdurch ersucht, solches spätestens Mittwoch Vormittag von 8 bis 10 Uhr in der alten Post in Empfang zu nehmen, andernfalls sie nicht mehr beliefert weiden.
Friedberg, den 29. Oktober 1918.
Der Bürgermeister
2. V.: Damm.
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