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Kummer 252^

Samstag, den 26. Oktober 1018

11. Zahrynuy.

In schwerer Stünde.

So ist es Tatsache geworden, was Kundige längst ahnte«', unsere neue Negierung hat unseren Gegnern ein weitgehendes Friedensangebot gemacht, einen Waffenstillstand vorgeschlagen. Wir wollen nicht die Gründe untersuchen, warum es so gekom­men ist. denn seit Bismarcks Abgang ist unserer Diplomatie kein Zug gelungen. Warum hatten wir Bundesgenossen, die uns die Haare vom Kopf fraßen, die wir kleiden und finanzieren mußten? Warum war unser Staatsschlff an dem Untergang geweihte Wracks gekettet? So könnte man weiter fragen, aber was hilfts, wir stehen vor, ja wir stehen i n der Schicksalsstunde unseres Volkes und hier heißts nicht klagen, jammern, sondern handeln, für uns muß maßgebend sein, daß unsere oberste Hee­resleitu,rg bei dem Friedensangebot zugezogen war, daß sie Zugestrmmt hat und daß es schwerwiegende Gründe sind, die da mitbestimmend waren. Seien, wir ehrlich: unsere Heere gehen täglich zurück und nähern sich mehr und unehr unseren Grenzen. Selbstverständlich begreift man nur schwer nach der glänzenden Frühjehrsoffensive den furchtbaren Rückschlag, aber wir müssen mit der Tatsack-e rechnen, daß es so ist. Leider ist der Geist in der Heimat mcht so, daß er dieser Belastungsprobe gewachsen 5« sein scheint. Wir müssen uns fragen, was wird, wenn uns der Sachwalter unserer Gegner. Herr Wilson, hinhält und der Kampf kommt auf deutsches Gebiet. Habt Ihr deutschen Män­ner und Frauen auch schon einmal an die Katastrophe gedacht, die eintreten muß, wenn deutsches Gebiet geräumt werden muß. wenn Hunderttausende ins Inland befördert werden müssen und wenn unser künstlich aufrecht gehaltenes Ernährungssystem zusammenbricht? Habt ihr schon daran gedacht, daß dann der Hunger größere Opfer fordern kann als bis jetzt der Krieg? Seid ihr euch darüber klar geworden, daß es schon etwas furcht­bares ist, wenn die Truppen eines zivilisierten Staates in das Land des Besiegten einrücken. Wie würde es aber um uns stehen, wenn alle Nassen uttb Farben unserer Gegner über un­sere Grenzen dringen, da würde es Tage geben, von denen es heißt, die gefallen uns nicht. Weder der Pinsel des gottbe­gabten Malers, noch die Feder des berühmtesten Schriftstellers wäre in der Lage, die Szenen festzuhalten, die sich dann ereig­nen würden. Man Hort leider selbst von Soldaten die Frage aufwerfen, für was kämpfen wir noch? Die Aniwort ist leicht: nicht mehr für ein großes Deutschland, nickt einmal mehr für unser Weltgeltung, sondern für dos Leben, für die Unversehrt­heit unseres Landes, für Ehre und Eigentum. Und wenn jetzt nicht der Furor Teutonicus flammerkd heroorbricht, wenn nicht der Geist in der Front uni> Heimat stählern wird, stehen wir vor einem katastrophalen Zusammenbruch. So lange uns un­sere Gegner vernichten wollen, so lange sie keine Verständigung wollen, müssen wir kämpfen, um zu retten, was zu retten ist. Es muß Nahrung an die Front, damit unsere Truppen den Strapazen gewachsen find und die Stimmung gehoben wird: lieber unseren Soldaten zugeführt. als daß es der Feind requi­rieren wird. So lange wir kämpfen müssen, brauchen wir Geld, darum Zeichnet und seid nicht bange, denn wenn der Himmel herunterfällt, sind die Spatzen all' gefangen, und wem, der Kampf im Westen schlecht ausaeht, siebts auch mit dem Papiergeld schlecht aus. Wir sind alle so auf Gedeih und Verderb mit dem Vaterland verbunden, daß. wenn dies unier- gebt. auch unser Besitz, verloren ist. Wenn wir aber daheim unsere Schuldigkeit tun durch Zeichnen der Kriegsan­leihe. so beweisen wir der Welt, daß wir Deutsche nicht ver­zagen, daß wir im Unglück desto fester zusammeirstehen. Und besonders ihr Berufsgenossen, macht eurem oft bewiesenen

Opfermut Ehret Wie vor hundert Jahren der Bauer sein letz­tes Pferd forttrieb, um die Franzosen aus dem Land zu wer­fen, so tut jetzt Eure Pflicht durch Zeichnung der neunten Kriegsanleihe. Ihr hättet bei einer feindlichen Invasion am meisten zu leiden, durch Einquartierung, durch Vtehwegnahme. durch die Verwüstung der Aecker und ihr würdet am schwersten fiihlen, was Mittionenheere vermögen und was der Krieg im Land bedeutet. Es ist bitterer furchtbarer Ern st! Bringt Opfer fürs Vaterland, ihr lut's letzten Endes für Euch selbst und Eure Kinder? Wenn wir den Wuchergeist bekämpfen, wenn wir durch eine feste Heimatfront der Front im Westen den Rücken stärken, dann ist noch nicht alles verloren und das Blut, das noch vergossen wird, fällt auf die zurück, die keine Verständigung, sondern unsere Vernichtung wollen.

Landtagsabg. Dorsch. Wölfersheim.

W\t Vttleinndnnttn miitns Amts.

Der Bericht der neutralen Untecsuchungskommissisn.

In seiner Antwortnote an Deutschland hat sich der Präsi­dent Wilson die feindlichen Verleumdungen unseres Heeres zu eigen gemacht und die deutschen Soldaten unerhörter Grausam- tett beschuldigt. Die deutsche Negierung hat, statt im Bewußt­sein ihres guten Rechte? diese auf nichts begründeten Beschul­digungen mit ruhiger Würde zurückzuweisen, sich beeilt, eine neutrale Untersuchungs-Kommission zu berufen, um die feind­lichen Behauptungen über die angeblichen Greueltaten der deutschen Soldaten zu untersuchen Der Bericht dieser Unter- suchüngskommission. die aus dem spanischen Gesandten und dem holländischen Geschäftsträger in Belgien sowie dem Dele­gierten des belgischen Ernäbrungswerks bestau.d. liegt nunmehr vor. Die Urrtersuchuttqskoninttssioir hat die Evakulerungsgebiete namentlich in der Gegend von Cambrai. Douai und Dalencien- nes besucht und über ihre Erfahrungen einen ausführlichen Berlcki erstattet. Zusammenfassend heißt es in dem Bericht:

Die Gesandten Spaniens und Hollands sind, nachdem sie Gelegenheit hatten, die Lage der nickt evakuierten Bevölke­rung mit dem Los derjenigen Unglücklichen zu vergleichen, die ihre Behausungen verlassen haben, der Ansicht, daß es unter allen Umständen besser sei, dem Wunsche der Bevölkerung, die sich weigert, ihre Wohnstätten zu verlassen, nachzukommen. Die in Tournai durchgefr'ihrten Maßnahmen, d. h. rechtzeittge amt­liche Kundmachung der der Vevölkcrung drohenden Gefahr. Er­laubnis, die gefährdete Stadt zu verlassen, und möglichst weit­gehende Erleichterung bet der Räumung, insbesondere durch Stellmrq von Sonderzügen, ist nach Ansicht der Gesandten die beste Lösung der Frage. Diejenigen Personen, die auch unter diesen Umständen daheim bleiben, tragen für die ihnen drohende Erfahr selbst die Derantwortung. Die Gesandten können nicht ohne weiteres voraussehen, wie sich hinsichtlich der Beschießung die Lage derjenigen Städte gestalten würde, die sich im Be­reich der Verteidigung^ oder Angriffslinie der kriegführenden Armeen befinden. Nichtsdestoweniger muß man bei allem Ver­ständnis für dis Bevölkerung, die ihre Wohnstätten nicht zu verlassen wünscht, besonders bei der gegenwärtigen Lage Bel­giens. anerkennen, daß für diejenigen Städte, die sich ln der Verteidigungslinie selbst befinden, eine vollständige Evakuie­rung als ein Vergehen der Menschlichkeit betrachtet werden muß. Zweifellos kann die Bevölkerung, die die Wirkungen und Notwendiqkeiten des Krieges nicht kennt, die ihr bei einer fortgesetzten heftigen Beschießung drohende Gefahr, besonders wenn es zur Flucht zu spät ist, nickt voraussthen. Die Ge­sandten erkennen gern an, daß die Maßnahmen, die von den

deutschen Behörden in den Städten, denen die Beschießung drohte, ergriffen worden sind, stets von der Sorge um die Lagi der Bevölkerung getragen waren, deren tranrigcZ Los sie. ^ gut es ihnen möglich war, zu mildern bemüht gewesen Zum Schluß glauben die Gesandten betonen zu müssen, daß dt deutschen Behörden mtt dem größten Entgegenkommen be^-üP waren, für ihre Reise die bestmöglichen Bedingungen zu schaß fen. und daß die deutschen militärischen Stellen alle Disposit-o. nen getroffen hatten, sowohl um die Fahrt zu erleichtern, al, auch um den Gesandten Gelegenheit zu geben, sich ungestört sei es mit Vertretern der Zivilbevölkerung, sei es mit Vertre­tern der Behörden zu unterhaltem Die Gesandten sind des- deutschen Behörden für die Aufmerksamkeit, mit der sie iit Verlauf ihrer Reise bedacht worden sind, dankbar.

Das Ergebnis der Untersuchung konnte für keinen De- scheu zweifelhaft sein. Wir wissen alle, daß gerade unser». Soldaten mit der größtmöglichen Milde überall gegen dt. feindliche Zivilbevölkerung verfahren sind, und daß die Leid -: denen die Bevölkerung"ausgesetzt war, in erster Linie unserem Feinden zuzuschreiben sind und nicht unserem Heere, das irr Gegenteil alles getan hat, die Leiden der feindlichen Bevöu'-> rung zu mildern. Ob aber dieser Bericht auf Wilson und bk übrigen Ententegenossen irgendwelchen Eindruck machen »Ufc möchten wir bezweifeln. Die feindliche Presse wird nach mH vor mtt der Lüge von den deutschen Greueln krebsen gehe und mit ihr die Rachestimmung in den Ententelandern wettö- aufpeitschen. soweit das überhaupt noch möglich ist.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

22. Sonntag nach Trtn. 27. Oktober 191«.

Erntedankfest.

Gottesdien st in der Stadtkirche.

Vormittags 9K Uhr: Herr Pfarrer D i e h l.

Anschließend Feier des Hk. Abendmahls.

Nachm. 5y 2 Uhr: Herr Pfarrer Ritter..

Kollekte für die Stadtkirche.

Gottesdien st im Stadtteil Fauerbach.

10 Uhr: Gottesdienst.

Kriegsandacht fällt wegen Beerdigung aus.

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Evang. Stadtmiffion Friedbcrg, Ludwigsstrafie 24i

Sonntag, den 27 Ott.: Sonntagsschule fällt au»

Nachnr. 3 Uhr: Ernt^dankfe^

Abends 8 y t Uhr: Nachfeier.

Dienstag, den 29. Okt.: abends 8 3 A Uhr: FlguenfturÜbL.

Donnerstag, abends 8X Uhr: Bibelbssprech- uteb gebet stunde.

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Katholische Gemeinde.

Sonntag, den 27. Okj 23. Sonntag nach Pfingsten.

Beichtgelegenheit am Samstag, von 6 Wie an Sonntags früh von 6 Uhr an.

y 2 7 Uhr Frühmesse.

8 Uhr: hl. Messe. Gemeinsame hl. Kommunion der Jm-^ flauen.

^10 Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachm. 2y 2 Uhr: Rosenkranzandacht mit Segen, ba-t&ck Versammlung des Jungfrauen Vereins.

Um 4 Uhr: Versammlung des Jünglings-Vereins.

Während der Wock>e um y 2 7 und 7 Uhr hl. Messe.

Werktags abends 6*4 Uhr: Rosenkranz-Andacht.

dkßehi *>enn heute usch elfte Notwendigkeit/ Kriegsanleihe gtt zeichnen?

Darauf gibt es nur eine Antwort:

Wer will, daß es zum Frieden kommt, der zeichne nach seinem besten Vermögen. Und wer will, daß der Frieden möglichst gut wird, der zeichne erst recht Kriegsanleihe.

Cm großer Ei folg der Kriegsanleihe wird im Innern des Nantes das Verbauen befestigen/ nach außen unser An- Men erhöhen/ und die Hoffnungen der Feinde auf einen Manziellen Zusammenbruch Deutschlands widerlegen.

HemReich dieMillelzurForLführung desKampfes, falls es uoiwendig werden sollis, gewähren, und für den Fall, daß ss zum Frieden kommt, die lieberführung unserer wirb fchaftlichen Verhältnisse auf den Friedensfuß erleichtern.