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Nummer 348 ffiiychreis &

Dienstag, den 22. Oktaler 1918 _ u. Jahrgang.

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erhoben.

Zcfiige Kümpfe «m den Fys-Äbschnitt. Gin deutscher Gegenangriff an der Aisne in gutem Fortschreiten.

Der deutsche Generaistav meidet: = ===== ?,

M. D. (Trotzes Hauptquartier, den 2t. Oktober Amtlich.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht

In Flandern wurde vor und um den Lys-Abschnitt zwischen Urfd und Kortriff heftig gekämpft. Zn Lomergen vorübergehend eingedrungeren Feind warfen wir im Gegenstoß wieder zurück. Beiderseits von Veynze setzte sich der Gegner auf dem Westtifer der Lys fest. Teile, die südlich der Stadt über den Fluß vor­drangen, wurden zum großen Teil gefangen genommen: ein

Franzosennest blieb auf dem östlichen Ufer zurück. Oestlich von Kortrik stieß der Feind über Deerlijk und Zwevegem vor. Auf den Höhen westlich und südwestlich von Vichte brachten wir seine Angriffe zum Stehen. Nördlich der Schelde wiesen wir den Feind vor unseren Linien ab. Nördlich von Tournai hat der Gegner die Schelde erreicht, südlich von Tournai standen wir mit ihm ln der Linie St. Amand. östlich von Denain und auf den Höhen östlich und nordöstlich von Hcvspres in Gefechtsfüh­rung.

Beiderseits von Solesmes und Le Eateau griff der Englän­der gestern in Ausdehnung seiner am 17. und 18. 10. -wischen Le Eateau und Oise geführten Angriffe mit starken Kräften an. Zwischen Sommaing Und Vertain blieben seine Angriffe auf den Höhen westlich der Lacpies-Ricderung in unserer Abwehr­wirkung liegen. Beiderseits von SolesmeZ brachten wir den über unsere rorderen Linien vordringenden Feind auf den Höhen östlich und südöstlich der Stadt zum Stehen. Romertes und Amerval gingen verloren und wurden im Gegenstoß wie­der genommen. Beiderseits von Le Eateau haben wir unsere Stellungen nach hartem wechselvollem Kamvfe im allgenieinen behauptet Die brandenburgische 44. Neservedivisicn unter Füh­rung des Generalmajors Haas hat sich hier besonders bewährt. Der mlt großen Mitteln unternommene Angriff des Feindes ist somit auf der ganzen 20 Kilometer breiten Front bis auf örtlich beschrankten Bodengewinn des Gegners an der Fähigkeit unserer durch Artillerie wirksam unterstützten Infanterie gescheitert.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Nördlich der Serre wurden erneute Angriffe des Feindes aögewiefen Beiderseits der Strafe Laon-Marle säuberten wir im Gegenangriff Teile unserer noch in Feindeshand verbliebe­nen Linien und wiesen starke Gegenangriffe ab. Westlich der Aisne nahmen ostpreußksche Bataillone und das in den letzten Kämpfen besonders bewährte Infanterieregiment Nr. 281 im Gegenangriff ibre Stellung wieder und schlugen feindliche An­griffe ab. Oestlich von Voüziers suchte der Feind seine am 19. Oktober errungenen örtlichen Erfolge durch Fortsetzung seiner Angriffe zu erweitern. Vornehmlich sind sie im Gegenangriff des Infantesie-Re-ffments Nr. 411 und an der zähen Abwehr der 7. Kompagnie bayerischen Infanterie-Rogiments Nr. 24 ge­scheitert.

Abendberichl.

Berlin. 21. Okt., abends. (WTB. Amtlich.) Der Feind beschränkte sich an den Kampffronten auf Teilangrifse. die von UNS abgewiesen wurden. Unser Gegenangriff ge^en die vom Feinde besetzten Höhen auf dem östlichen AiZne-Ufer bei­derseits Vouziers ist in gutem Fortschreiten.

Der österreichische Generalstab j == === meidet: -

Wien, 21. Okt. (WB.) Amtlich wird verlautbart:

Auf dem italienischen Kriegsschauplatz keine größeren Kampfhandlungen. Beiderseits der südlichen Morawa wurden serbische Tcilangriffe abgewiesen.

Im Gebirge westlich Zajecar macht sich serbischer Druck star­ker fühlbar.

Der Ehes deS Grneralstabe».

DieDefreier" melden «ich.

Berlin, 21. Okt. Am Comrtag abend wurde Gent von sie­ben Flugzeugen angegriffen. 61 Personen wurden gelötet und viele verwundet. Die Erregung ist ungeheuer. Man nimmt an, daß die bürgerliche Veoölkerng die Stadt verkästen wird.

(fta rulfüßrr Erlglß geu» die KriMn^r.

Moskau. 19. Okt. Der Kommissar der Novdfront sandte rrach einem Telegramm der Russistben Telegraphen-Agentur eine Depesche an den Vorsitzenden des Petersburger Sowjets, Sinow- jew, in der e§ heißt:

Am 14. Oktober, nach dreitägigem harten Kampfe, haben unsere Truppen mrtcr der geschickten Führung des Brigadiers Uborowiffch durch eine großzügig angelegte Umfastungsbewegung das stark befestigte Dorf Solzy auf dem linken Ufer der Nord­düna genommen. Dank der Einnahme von Selzy fiel eine äußerst stark befestigte, von den Engländern für uneinnehmbar gehaltene Stellung auf dem rechten Dünaufcr in unsere Hand, die von den englisch-amerikanischen Truppen panikartig geräumt wurde. Wir erbeuteten sieben Geschütze, acht Maschinengewehre, ein großes Bekleidungslager. viele Lebensmittel und Munition. Besonders ausgezeichnet haben sich dabei die kommunistische Kom­pagnie. die Matrosen der Ostseeftotle und die mohammedanische Freischar Ehadschi Murats.

Nußiand.

Ein Sieg der Tfchecho-Stowaken.

21. Okt. Aus Schanghai wird gemeldet: 8000 Bol­schewik! aus dem Ural, die nach Iekatcrrnburg oufrückten. wur­den von den Tschecho-Slowaken und britischen Truppen ange­griffen. schlagen und zurückgeworsen. Es sind 1000 Bolsche­wik; gefallen. 30 Panzerzüge. 11 Lokomotiven, 6 Maschinenge­wehre erbeutet.

Heeresgruppe Gallwitz.

Oestlich von Vantbeville wurden Teilangriffe der Amerika­ner abgewiesen. Im übrigen blieb die Eefechtstätigkeit beider­seits der Maas in mäßigen Grenzen.

Südöstlicher Kriegsschauplag.

An der Movava schlugen wir erneute Tcilangriffe der Ser­ien ab.

Der erste Eeneralquartiermeister: Ludendorff.

dkg klkmmlchkn Kabinkitt.

Kiew, 20. Okt. (WB.) Das ukrainische Gefamtministerium ist zurückgetreten. Der Hetman hat den bisherigen Minister- präsiden-ten Lysogub mit der Neubildung des Kabinetts beauf­tragt.

Italien und Griechenland.

Staaissekretär Scheidemann über die Kriegsanleihe: Seid pflichtbewußt! Helst unserem Lande! Eedenket der Soldaten und ihrer Familien! Wer Geld hat, der zeichne! Es ist kein Opfer, sein Geld uründel-- sicher zu fünf Prozent anzulegen.

Basel. 21. Okt. Nach einer Baseler Meldung der Athener Agentur ist die Spannung -wischen Italien und Griechenland im Wachsen begriffen. Das griechische RegierungsblattHestia" erhebt gegen die Begehrlichkeit Italiens, das fordert, daß ihm das Wilajet Smyrna zerfallen müste. scharfen Einspruch, da dies von den Verbandsmächten doch schon längst Griechenland zuqe- sprochen worden sei. Eine Abtretung von Smyrna an Italien könne mir auf Grund geheimer Abmachungen statffinden, die nach den Wilsonschen Grundsätzen nicht mehr stichhaltig sind und auf dem Friedensräte erchgültig geklärt werden müßten.

Ltndünge der rnlfifififit Revolulion nai) DciiWiuid?

Petersburg. 17. Okt.Praivda" schreibt in einem Leitartikel LberschrtebenRußland und Europa": Die russische Kommu­

nistenpartei der Bolschewisten verstand es. indem sie sich als Teil des internationalen Proletariats fühlte und sich den Intereste« der internationalen Revolution unrerordnete, beim Brester Frie­den nationalen Erwägungen zu entsagen, um als Fackel der Ar­beiter- utib Weltrevolution zu dienen und als unausbleibliche, Ergebnis des Weltkrieges den Krach des Kapitalismus herbei, zu führen. Jetzt von Worten zu Taten ubergehend, will die Sow­jetregierung ungeachtet der härtesten Verpflichtungskrisis dem deutschen Proletariat mit Brot und Waffen und ihren Revolu­tionserfahrungen zil Hilfe kommen. Zu diesem Zwecke wird das sozialistische Rußland seine besten Mitarbeiter nach den Län­dern des Westens schicken, wo sie einen fruchtbaren Boden vor- ffnden werden.

Die hniWk Die mi Wim.

Die deutsche Antwort auf die amerikanische Note vom 14. d. M lautet wie folgt:

Berlin. 21. Okt. 1918 (MTB Amtlich.) Die deutsche Ne­gierung ist bei der Annahme des Vorschlages zur Räumung der besetzten Gebiete davon ausgegangen, daß das Verfahren bei dieser Räumung und die Bedingungen des Waffenstillstandes der Beurteilung militärischer Ratgeber zu überlasten seien und daß das gegenwärtige Kräfteverhältnis an den Fronten den Abmachungeen zugrunde zu legen ist, die etz stchern und verbür­gen. Dre deutsche Regierung gibt dem Präsidenten anheim, zur Regelung der Einzelheiten eine Gelegenheit zu schaffen. Sie vertraut darauf, daß der Präsident der Vereinigten Staaten ke'ne Forderung gutheifen wird, die mit der Ehre des deut­schen Volkes und mit der Anbahnung eines Friedens der Gerechtigkeit unvereinbar fein würde.

Die deutsche Regierung legt Verwahrung ein gegen den Vorwurf ungofetzlicker und unmenschlicher Handlungen, der gegen die deutschen Land- und Seestreitkräste und damit gegen das deutsche Volk erhoben wird.

Zerstörungen werden zur Deckung eines Rückzuges immer notwendig sein und sind insoweit völkerrechtlich ge­stattet. Die deutschen Trupven buben die strengste Weisung, das Privateigentum zu schonen und für die Bevölkerung nach Kräften zu sorgen. Wo trotzdem Ausschreitungen Vorkommen, werden die Schuldigen bestraft.

Die deutsche Regierung bestreitet auch, daß die deutsche Marine bei Versenkung von Schiffen Rettungsboote nebst ihren Anfällen absichtlich vernicklet bat.

Die deutsche Refferung schlägt vor. in allen diesen Punkten den Sachverbalt durch neutrale Kommissionen auf­klären zu lasten.

ilm alles zu verhüten, was da? Friedenswerk erschweren könnte, sind auf Veranlassung der deutschen Regierung an sämt­liche U-Bootko-rrmandanten Befehle ergangen, die eine Torpe­dierung von Pastagiersckiffen ausschließen, wobei jedoch aus tech­nischen Gründen eine Gewähr dafür nicht übernommen werden kann, daß dieser Befehl jedes in See befindliche U-Boot vor seiner Rückkehr erreicht.

Als grundlegende Bedingung für der, Frieden bezeichnet der Präsident die Beseiffgung jeder auf Willkür berubenden Macht, die für sich, unkontrolliert und aus eigenem Belieben dm Frieden der Welt stören kann. Darauf antwortet di» deutsche Negierung: Im Deutschen Reiche stand der Volksver­

tretung ein Einfluß auf die Bildung der Regierung bisher nicht zu. Die Verfastung sah bei der Entscheidung Über Krieg un>d Frieden tfrt« Mitwirkung der Volksvertretung nicht vor. In diesen Verhältnissen ist ein grundlegen, der Wandel eingetreten. Die neue Regierung ist in völliger Hebere! nstimmung mit den Wünschen der aus dem gleichen, allgemeinen, geheimen und direkten Wahlrecht hervor­gegangenen Volksvertretung gebildet. Die Fübrer der großen Parteien des Reichstags gehören zu ihren Mitgliedern. Auch künftig kann keine Regierung für ibr Amt antreten oder weiter­führen, ohne das Vertrauen der Mehrheit des Reichstags zu besitzen. Die Verantwortung des Reichskanzlers gegenüber de* Volksvertretung wird gesetzlich ausgebaut und sichergestellt.

Die erste Tat der neuen Negierung ist gewesen, dem Reichstage ein Gesetz vorMlegen, durch das die Verfastung des Reichs dahin geändert wird, daß zur Entscheidung Über Krieg und Friedeil die Zustimmung der Volksvertre- t u n g erforderlich ist.

Die Geavähr für die Dauer des neuen Cysterns ruht aber nicht nur in den gesetzlichen Bürgschaften, sondern auch in dem unerschütterlichen Willen des deutschen Volkes, das in seiner großen Mehrheit hinter diesen Reformen steht und deren euer-, gische Fortführung fordert.