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Die Antwort an Mttson

ist immer noch nicfct fertig gestellt, auch gestern fanden wieder eingehende Beratungen statt, an denen sich auch Ludendorff, der inzwischen wieder an die Front abgereist ist und v. Scheer hervorragend beteiligt haben. Der Inhalt der Antwort ist 'oweit zustande gekommen. Sie soll sich, was die deutsche Ehre anbelangt in sehr bestimmten Ausdrücken bewegen, insbesondere Verwahrung gegen die Beschuldigung der barbarischen Kriegführung entlegen. Im übrigen soll sie abermals den unleugsamen Friedenswillen der deutschen Negierung kund tun und dieser Bziehung das größte Ent­gegenkommen bieten.

Daß die Lage sehr ernst ist, hat ja der gestrige Tages­bericht wieder bewiesen. Lille, Douai, Tourcoing und Ostende sind sicherlich nicht ohne Not geräumt worden, daran nutzt alles Beschönigen' nichts. Die Siegfriedsstellungen bieten dem Feinde kein Hindernis mehr und der heutige Morgenbericht laßt erkennen, daß die Feinde bereits die Kraft gefunden haben, gegen die neuen Stellungen anzu. rennen.

% Auch sonst läßt sich die Lage nicht gut an. Die Türken scheinen in den letzten Zuckungen zu liegen, es sollen sich neue Angriffe auf ihr europäisches Gebiet anbahnen und die arabischen Stämme scheinen sich in hellem Aufruhr zu be­finden. Das Manifest des Kaisers Karl hat in Oesterreich- Ungarn nicht die gehoffte ^ftkung gezeigt. Der Völker- w.lschmo.sch aus den' die Donaumonarchie besteht, hat centri- fugale Bestrebungen und so betonen nicht tMr die Tschechen, Serbokroaten und Rumänen, sondern auch die Deutschen daß sie i'.ber ihre Geschicke selbständig verfügen würden. Auch in Ungarn, das noch am tr ugen zum Bunde gehal­ten hat. machten sich mehr und mehr Bestrebungen geltend, an sich selbst zu denken.

Die meisten Zeitungen enthalten ganze Spalten von Schilderungen der siegberauschten feindlichen Presse, von neuen Meinungen und Forderungen, die aufgestellt werden. Wir wollen es uns versagen, darauf einztigehen, da sie nur geetgnet sind, das Bild zu verwischen. Wir müssen darauf vertrauen, daß unsere Front noch nicht durchbrochen ist, daß wir immer noch aus Kindlichem Boden kämpfen und daß je näher unsere Heere der heimischen Grenzen kommen,

)e starker und unbeugsamer der Widerstand wird. Heute herßt die Losung: Vertrauen und innere Ewigkeit!

Die Gewerkschaften gegen den Frieden um jeden Preis.

Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands nimmt zu der ersten parlamentarischen Regierung in Deutschland und zu dem mm ihr getanen Friedensschritt eingehend Stellung und sagt hierzu: Roch wie vor find wir zum entschiedensten Widerstand bereit, wenn die Feinde unser weitgehendes Angebot zuruckweisen. Wir denken nicht daran, Frieden um jeden Preis ftu schließen, ein solcher Friede müßte uns erst aufgezwungen werden. Denn nur jemand, der nicht weiter kann, ergibt sich widerspruchslos dem Feind. Wir muffen vom Standpunkt der deutschen Arbeiterklasse entschie­den einen Frieden ablehnen, wie ihn die Imperialisten Frank­reichs und Englands uns diktieren möchten. Von einem solchen Frieden kann keine Rede sein. Vielmehr muß das deutsche Volk einmütig »rfammenstehen. um die uns zugedochte Nieder­lage abzuwehren. Daß deutsche Volk trü ^ftt den schleu­nigen Fm eben. weil es kein anders Kriegsziel hat. als die Verteidigung seiner Heimat, seiner Existenz und seiner Freiheit. Es glaubt dieses Kriegsziel im Wege der Verständigung erreichen zu können, und nur in diesem Sinn können wir uns grundsätzlich mit dem Programm Wilsons ein­verstanden erklären. Was die französischen Imperialisten aus diesem Programm gemacht haben, ist für uns nach wie vor un­annehmbar, und wir können nur wiederholen. daß wir einen Frieden um jeden Preis ablebnen und entschloffen find, die Vernichtungspläne der feindlichen Imperialisten abzu- wehren.

Weg zum Vertrauens- und Dertragsfrleden frei werde. Wir harren ihrer Erklärungen!*'

Man fieht, die ..Volksstirmne" glaubt selbst nach den schrof. fen Forderungen Wilsons und nach dem beifälligen Wutgeheul unserer Feinde noch an einen Vertrauenssrieden und ist darum bereit, dem amerikanischen Präsident ohne weiteres zu Willen zu sein. Doch das wundert uns nicht. Wir wollen heute nur die Tragik hervorheben, die darin liegt, daß der Kaiser stets von denen, deren Ziele er, wenn auch ungewollt, gefördert hat. am unerbittlichsten gehasst wird. Wir erinnern an seine ehe­malige Neigung zu eitglischer Art, an die amerikanischen Aus- taufchprofefforen. an das Geschick des Standbilds Friedrichs des Großen, an die Empfänge der amerikanischen Milliardäre und jetzt das Endel Wir erinnern ferner daran, wie oft sein erster Kanzler nach der Entfernung Bismarcks unterBeifall links" vornehmlich der Sozialdemokraten, im Reichstag gesprochen hat:

Wer Wind säet, wird Sturm ernten!!

IhrH-Mlt Idicrf MmM" f aihlrr.

Nicht überall in der Demokratie scheint man dem Prinzen Max seine ehemaligen Ansichten über den Parlamentarismus Nachsehen zu wollen. So findet der ..Berliner Börsencourier" daßein starker Schuß Dilettantismus in der politischen Seele des Prinzenkanzlers" lebe und da dasnatürlich auch die radikalen Mitglieder seines Reichskabinetts" wiffen. so sind sie entschloffen, ..die Tätigkeit ihres Führers doppelt scharf zu überwachen". Immerbn wird er auf die Dauer nickt ausreichen, sondern nur als Notbehelf dienen,bis die Zeit für die schöpfe­rische Arbeit im Aufbau der Demokratie gekommen sein wird." Man wird den Kanzler um diese Mörosgefolasckast, die schon jetzt den Dolch für Ihn geschliffen hält, nicht beneiden.

Kriegswirtschaftlicher Unfug.

Wir gehen mit den Sozialdemokraten vollständig einig, wenn sie die sckärffte Bekämpfung des Wuchers fordert, aber eben so entschieden wenden wir uns dagegen, wenn sie es so hin- zustcllen belieben, als wenn die Landwirte in erster Reihe sich im Kriege bereichern würden. Gewiß, wie es unter den Arbeitern solche gibt, denen der Krieg Gold in den Schoß ge­worfen hat. so gibt es auch unter den Landwirten Leute, die die Konjunktur auszunutzen verstehen. Dafür sind wir ave Rkenschen und auch die Sozialdemokraten werden das nicht än­dern. Wenn es der Sozialdemokratie ernst ist mit der Be­kämpfung des Wuchers, so möge sie sich mit den Landwirten vereinigen und vor allen Dingen dafür ffdrgen, daß in unserer Zwangswirtschaft der Geist der Vernunft und des gesunden Menschenverstandes einziehe. Was soll man dazu sagen, wenn die Hessisch« Landesqemüsestelle im Einverständnis mit der ent­sprechenden Stelle in Wiesbaden folgend« Höchstpreise für Erd­kohlraben (Kohlrüben) fefisetzt:

für gelbe: Erzeuger 2.25, Großhandel 3.75. Kleinhandel 7 Mk. für weiße: Erzeuger 1.75, Großhandel 3.25, Kleinhandel 6 Mk. für den Zentner.

Der Erzeuger, der Landwirt, muß das Feld bearbeiten und dünzen, er muß säen, verpflanzen oder verziehen, hacken, ab­ernten und einfahren. dafür erhalt er 2 25 Mk. Der Großhänd­ler, der in der heutigen Zeit nicht viel mehr zu tun hat, als einen Frachtbrief zu schreiben, bekommt dafür 1.50 Mk.. allo ein Waggon 3V0 Mark! und der Kleinhändler erhält 3.25 Mark.

Also auf dem Wege zwischen dem Landwirt und dem Ver­braucher bleiben bei den gelben Kohlrüben von Staatswegen 4.75 Mk. bänaen, während der Erzeuger selbst nur 5L25 Mark erhält! Ist denn so etwas nicht haarsträubend und schlägt einer jeden gesunden Vernunft in's Eesiäft. Ist es zu solchen Regierungsweisbeiten nötig, daß zwei Regierungs rate, der 5>err Rogierungsrat Werner und der Herr Geh. Negierungsrat Droege Mitwirken?! Mögen uns die Sozialdemokraten bei­steben in dem Kampfe gegen solche Maßnahmen und der städ- tlscken Bevölkerung zeigen, auf welche Art die Verteuerung der Lebensmittel zustande kommt.

5ik fernm ncht ürn ssrust brr Stank!

. Darmftödter Tageblatt" vom 8. Oktober d. Is. be­findet sich folgende Anzeige:

f'\t ZsMkst'ßlMi'n iinb dir MrnMna.

Soweit sich erkennen laßt, hat die Forderung Wilson, k sich gegen das persönliche Regiment richtet und letzten Eir auf eine Beseitiguna der Kaisergewalt zielt, bei den Sozio 'demokraten volles Verständnis gefunden. Die Frankfurt Volksstimme" widmet dieser Forderung einen Leitaufsatz, )em betont wird, daß es iür die Sozialdemokra'ie zum härtest> gehört habe, sich einer Phalanx unter Führung Wilhelm I einordnen zu müssen. Aber die Rot schafft seltsame Schla gesellen. Es wird gerade herousgefagt:ein Deutschland, dc denkt wie Wilhelm II.. kann sich unmöglich in die Gesell'scha der Nationen, wie Wilson sie vorschlögt, einfüaen. Das Fran furter Blatt bringt dann eine Reihe von Aussprüchen des Ka fers bei verschiedentlichen Gelegenheiten, die diesen Standpun erhärten sollen. Er habe sich stets geaen ein parlamntarisch, Regiment ausgesprochen. Aber auch der Kronprinz hat eL m den Sozialdemokraten verschüttet. In ihm lebe derselbe Gei wie in seinem Vater, nur noch vergröbert und ohne die Schwurt, kraft romantffcken Denkens.Von dcm Kronprinzen", so hsij es. ..Ließe es Uebermenfchlich.es fordern, es Ließe geradezu ib eine Vergewaltigung seines inneren Selbst zumuten, woll man von ihm verlangen, er sollte vorbehaltlos mitmacben, wo jetzt im Werke ist. Eine solche Vergewaltigung wollen w auch keinem Fürsten und keinem Thronenwärter zumuten". T< Auffatz fordert dann den Kaiser auf. sich die Worte von i* Opferbereitschaft. die er jedem Deutschen in der Kriegszeit zr mutete ins Gedächtnis zu rufen.Jetzt ist es Zeit." daß c elbst diese Opferbereitschaft betätigt. Zeit aber nicht nur fl ihn. Zeit auch für den Kronprinzen!" Der Aufsatz schließ! .Der Kaiser und der Kronprinz können viel dazu tun. daß dc

Großherzogliches Hoftheater.

Das Großberzogliche Hoftheater eröffnet am 14. Ok­tober eine Bavetfchule, in der Kinder und junge Mäd­chen von 1416 Jahren unentgeltlich Unterricht er­halten.

Anmeldungen ab 8. Oktober, nachm, von 67 Uhr, im Hoftheater bet der Bavettmeisterin Fernande Robertine. Darmstadt hat ja schon manches Mal von sich reden gemacht wir nennen nur dte Isidore Duncanscke Tanzschule, aber die ebcge Leistung fetzt allem die Krone auf. Hat man denn in den Krecsen des Großherzoglichen Hoftheaters gar kein Verständnis für den Ernst der Zeit; fühlt man denn nicht, daß es nichts ab- gackmackteres geben kann, als zu einer Zeit, wo das Deutsche Reich und Volk seine schwersten Stunden erleben muß, ausge­rechnet eine Ballettschule zv eröffnen?

Emanuel Ecibel hat dereinst gesungen:

Sie haben Augen und sehen's nicht Sie praffen fort und lachen.

Sie hören'? nicht, wie zum Gericht Schon Back' und Säule krachen;

Und lauter rauscht der Geige Ton;

Männer und Frauen vsn Babylon:

Mene tekel Upharsin!

Die Grippe.

Zu der Rot des Krieges gesellt sich auch noch eine Seuche. Die Grippe, die schon in diesem Sommer unter der Bezeich­nung die spanische Krankheit ihren Einzug gehalten, damals aber einen verhältnismäßig gutartigen Verlauf genommen hatte, hat abermals weite Kreise befallen. Aus allen Gegenden des

Reiches, aber auch aus dem Ausland, trafen die RackrichteS von der Verbreitung der Krankheit ein, die dieses Mal öfterU unter Hinzutrttt von Lungenentzündung' einen tötlichen Vev» lauf nimmt. In den schlesischen Krankenkaffen wurden btr Sonntag rund 50 000 Erkrankungen festgestellt, darunter viele tätlich Verlaufene In Köln werden täglich.400 Erkrankung» gemeldet. In München ist die Zahl der erkrankten Volk: chüler auf 700 angewachsen, in Stuttgart erkranken täglich über POÖ neu daran. In Mannheim, Nürnberg. Straßburg und a. Ort » mußten Schulen und Theater geschloffen werden. Handel und Wandel leiden darunter und die Aemter beschränken ihre Tätig, keit. da es an Personal fehlt. Auch bei uns in Friedberg mußten die Schulen geschloffen werden, jedoch tritt die Krank, heit im allgemeinen nicht so bösartig auf, wenn auch schon ein« ganze Zahl von Todesfällen vorgekommen ;st.

Von ärztlicher Seite wird zum Verholten bei der Grippe darauf hingewiesen, daß jeder Grippekranke zunächst vor aller Dingen ins Veit gehört. Dadurch wird die Her?,kraft geschont, auf die es ja bei etwa sich anschließender Lungenemzündung irtf wesentlichen ankommt. Kuhle Umschläge werden bis zur Am kunft des Arztes die oft rasenden Kopffchmerzen lindern. Fleft ßige Mundpflege, insbesondere wftderbolles Gurgeln, wird vor» beugend wirken. Bei Schüttelftost. Kopfschmerz. Hals- und Brust, sckmerz, Fieber sofort ins Bett, nicht zum Esten zwingen, nur kühlen Tee trinken, kalte Umschläge gegebenenfalls auf de«! Kopf, und den Arzt bestellen.

Haag, 12. Okt. Reuter meldet aus Bombay: Hier herrscht eine furchtbare Epidemie in Gestalt der spanischen Grippe. An 27. September starben 547 Personen, am 28. September 58* gegen 82 Personen an den gleichen Tagen des Vorjahres. Fort, gesetzt kommen Leichen an, die verbrannt werden muffen, da; die größte Verwirrung verursacht Es mangelt an Feuer,mqs stoffen. Die Leichen bleiben 34 Tage liegen, ehe sie verbrannt werden können Man bahnt Maßnahmen art* um eine schnellen Verbrennung herbeizuführen.

Nachruf!

Eine erschütternde Kunde ist uns geworden: Aus Utoh

kommt die Trauerbotschaft, daß der Pächter des dorftaen Hof guts, Hugo Iacobi, gestern mittag der tückischen Kraut heit, die eben unser Land durchzieht, zum Opfer gefallen fff In der Blüte seiner Jahre, im voller Manneskraft. mitten ft? eifrigsten Schaffen und Wirken wurde er von dem uuerbittlickei Tode gefällt Am Sonntag noch wohlauf und rüstig, am Frei tag auf der Todesbahre! Wie hat er geschafft und gerunqe- Jahre lang und jetzt, da er seine Wirtschaft auf stolzer Hoh gebracht hatte und er die Fruchte seines Strebsns zu genieße sich anfchickte, da entgleiten die Zügel seinen Händen und da/ Grab umfängt ihn. Ewiges, unverrückbares Menfchenfchicksal!

Wir beftauern den Heimgang unseres liebln Freundes tir und aufrichtig. Als Landwirt hat er kein Gut zu einer Muster Wirtschaft für weft und breit in die Höhe gebracht, unermüdlich rastlos, arbeitsfam war er vom frühen Morgen bis zum spater Abend. Dabei fand er aber die Zeit, für seinen Stand m4 eller Ueberzeugung einzutreten. Zwar war es fernem Wes« fremd, sich mit Ehrenämtern beftauen zu lasten, dafür hat t aber für sein Vaterland und seinen Vervfsstand mehr gewirt als irgend einer; das wiffen seine Freunde:Zu den höchste

Vergesforften, da die freien Adler horsten, hat sich früh leir Blick gewandt, nur dem Höchsten galt fein Streben!" Rich zuletzt betrauern wir den Mann, den treuen Freund. Keine war treuer und bester wie er. Manchmal schien seine Schal, rauh, aber sein Inneres war rein wie Gold, aufrichtig nrr ehrlich. Er hat die Seinigen, die ihm über alles lieb waren er hat seine Freunde verlaffen zu einer Zeit, da alles zu wanke scheint, aber er hat sich in unseren Herzen ein Denkmal gesch das dauernder ist als Stein und Erz:

Heil'ger Frieden lohn' Dich Müd-»

Rach des Tages heißer Glut!

ln prieäderx zu haben bei: Fr. Elektrotechnisches Büro; ^%aKH. Ad. Alett, Schlosserei^ und Installationsgeschäft; HarJ JLüdke, InstallationsgeschätL