über den dringendsten Eigenbedarf hinaus oder vielleicht nicht ausschließlich für den eigenen Vorteil getan haben. Die Unvollständige Bebauung des Landes wäre aber an sich kein aus» reichender Grund dafür gewesen, daß Rußland schon unmittelbar nach einer befriedigenden Ernte hungern sollte. Der Hunger pflegte in Rußland früher nur in einzelnen Landstrichen, und dann auch selten früher als etwa drei bis vier Monate vor der neuen Ernte aufzutrelen.
Vaterlandsliebe im mittel- und westeuropäischen Sinne kennt der russische Mushik nicht. Darum ist es so schwer, daß Volk für den Krieg oder seine Folgeerscheinungen zu organisieren. d. h. die Bürger zur Mitarbeit an der Rationierung der Verbranchsguter zu bewegen. Man wird nicht behaupten können, daß^irgendein Volk die Versorgungsfragen im Kriege voll oder annähernd voll gelöst habe; aber so kläglich mißlungen wie in Rußland ist die Lösung der ErnahrnngZfrage in keinem anderen Lande. Aber das regierungstreue Element: die Arbeiter :n den Städten und die roten Soldaten, wollen leben. Freiwillig liefert der Bauer nichts, der Warenaustausch zwischen Stadt und Land stockt infolge Beschlagnahme der Waren in den Städten, und die von Moskau dekretierten Zwangslieferungen von Getreide entbehren jeden gerechten Schlüssels und werden nicht einheitlich durchgefuhrt. Da zieht denn der Truppenteil, der grade nichts zu essen hat. auf eigene Faust los. um zu requirieren. Sie ziehen aus mit Gewehren. Maschinengewehren, hau- f!g m Kraftwagen, nicht selten sogar mit Panzerkraftwagen, nach einem wohlbaöenden Dorfe. Das Herannahen der privi-' legierten Plünderer wird meist schon vorher bekannt, spätestens aber von den ausgestellten bäuerlichen Posten bemerkt und gemeldet. Run wird alarmiert: alle Wehrfähigen versammeln fick mit Gewehren. Maschinengewehren, ja Geschützen und empfangen das Sowjetmilitar mit blauen Bohnen. In zahlreichen Fällen haben die durch Ortskenntnis unterstützten Bauern mit Hilfe von Rachbardorfcrn die requirierenden Soldaten mit blutigen Köpfen abgewiefsn, ja. ganz aufgerieben. Bleibt das Militär siegreich, so ist es immer noch zweifelhaft, ob es in den Besitz der ersehnten Beute gelangt. Häufig haben die weichenden Bauern den roten Hahn auf die Strohdächer gesetzt und ihre Häuser samt den Vorräten vernichtet, zuweilen auch werden in dem verlassenen Dorfe nur ganz geringe Bestände gefunden: das meiste ist an nur Eingeweihten bekannten Stellen vergraben. Je starker de- bäuerliche Widerstand gegen die versorgungßbesttebungen der roten Soldaten, desto rücksichtsloser werden die Requisitionsmethoden; je rücksichtsloser die Requisitionsmethoden. desto zäher der bäuerliche Widerstand gegen den privilegierten Raub.- es ist eine Kette ohne Ende. .Lieber alles zugrunde richten, als ein Pud Brot den rottn Soldaten geben?" sagte mir ein Dauer aus dem Smolensker Gouvernement.
Die Lebensnnttelpreise haben sich — vorübergehend — nur damals etwas ermäßigt, als ein deutscher Vormarsch möglich schien. In vielen Städten Mittel- und Nordrußlands kostet minderwertiges Schwarzbrot heute 5. 8 und mehr Rubel. Zucker 12 dis Rubel. Fett etwa ebensoviel das russische Pfund (408 Er.) Die Tagesration für Petersburger Bürger der ..vierten Klasse" betragt % Pfund (50 Gramm). Die vierte Klasse bilden all-
früheren Beamte« und Offizier«, die Gutsbesitzer, Industriellen und Angehörigen freier Berufe, die tm Sowjetrußland mit dem Sammelnamen „Vourfhui" (vom französischen bourgeois) be. zeichnet werden. Die dritte und zweite Klasse erhalten etwas mehr. Die erste Klasse bilden die roten Soldaten und die Arbeiter in Sowjetbetrieben. Als Grund für diese Differenzierung wurde in einem Moskauer Dekret offen zugegeben, daß man die Bourgeoisie durch Unterernährung daran hindern wolle, sich gegen die Sowjetherrschaft zu erheben. „Der russische Intellektuelle ttachtet nur, wie er satt werde, jeder andere Gedanke tritt zurück", sagte mir neulich ein ehemaliger russischer Oberst aus Moskau.
Ein großer Entscheidungskampf hat begonnen: zwischen den Bolschnvisten und ihren ländlichen Widersachern. Es schien der alte Kampf zwischen Stadt und Land zu sein, den die mittel- und westeuropäischen Länder vor Jahrhunderten Überstanden haben. Da haben die Bolschewisten mit Geschick Bresche ln die Phalanx ihrer Feinde gelegt' Sie haben die „Vereine der Armut" gegründet. Diese Vereine umfassen die landlosen Bauern und überhaupt ave Elemente, die mit der Besitzvertetlung auf dem Lande unzufrieden sind. Die Vereine der Armut haben dos Recht, eine Verteilung der vorhandenen Lebensmittel zu verlangen und den „Kulak" (zu deutsch „Faust") — so wird der Besitzer eines Bauernhofes genannt — zu enteignen. Co ist der Bürgerkrieg in die Dörfer getragen und das städtische Proletariat ist der tertius gauden«. Häufig ist die .bäuerliche Armut" — das ist der Fachausdruck — nicht mehr als eine Versammlung des arbeits- und lichtscheuen Gesindels. Doch haben die Zustände auf dem Lande nicht zu allgemeinen Vauernaui- ständen geführt: größere Erhebungen fanden bisher mir in Teilen der Gouvernements Nowgorod. Mtebsk und Smolensk statt. Fraglos droht aber die schwerste Gefahr für die Sowjettegierung aus dem ständig sich verschärfenden Gegensatz zwischen städtischen! und ländlichem Proletariat einerseits und den eigentlichen Bauern anderseits.
AusstrordllilMt'r $t\\u im MM dkuMn Bridf.
Das Großherzogliche Oberkonsistorium hat angeordnet'.
In dieser schweren Notlage unseres Vaterlandes empfinden mehr als je alle Ernstgesinnten im Volke das Bedürfnis, in stiller Sammlung um Gottes Wort und in gemeinsamem Gebet zu dem Gott alles Heiles und aller Hilfe die inneren Kräfte zu suchen, die nötig find, um die gegenwärtige Prüfung zu be- stehen und zum Wohle unseres Volkes zu gestalten.
Wir ordnen daher mit Genehmigung 'Seiner Königlichen Hoheit des Eroßherzogs und im Einklang mit den anderen deutschen Landeskirchen an, daß am Sonntag, den 20. Oktober in unserer Landeskirche ein außerordentlicher Landesbet- 1 a g abgehalten werde, welcher der demütigen, bußfertigen Beugung unter Gottes Hand, dem innigen Gebet um seine gnädige Bewahrung und Führung, und dem mutigen Gottvertrauen, das in keiner schweren Stunde bis hierher unserem deutschen Volke gefehlt hat, Ausdruck verleihen soll.
Wo Nun in größeren Orlen Veranlassung und Gelegener dazu vorhanden ist, geben wir der Erwägung anheim, aufeee. bem am Nachmittag oder Abend in den Kirchen freier gestattetr vaterländische Gemeindeversammlungen zu veranstalten. I« nach den Verhältnissen kann dabei auf gottesdienstliche Gepränge verzichtet und auch die Mitwirkung von Laien vorgesehe« werden. -4
_ rtf _ 1 »
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
21. Sonntag noch Tnn.. 20 Oktober 1918. Landesbettag.
Gottesdienst in der Stadtkirche. Vormittags 9% Uhr: Herr Direktor Schoell. Nachmittags Uhr: Herr Pfarrer KlebergeA
Am 27. Oktober wird mit dem Erntefest das hl. AbenW mahl gefeiert.
Gottesdien st in der Burgkirche.
Vornnttags 8 Uhr: Militärgottesdienst. Herr Psar-rcr Kleberger.
Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst. Herr Pj..rrcr D i e h l.
Gottesdien st im Stadtteil Fauerbach.
10 Uhr Gottesdienst. 11% Uhr Jugendgottesdienft.
»
Evang. Stadtmission Fricdbcra, Ludwigsstraße 24: Sonntag: 1% Uhr nachm. Sonntagschule, 8% aben-H öffentliche Versammlung.
Dienstag- 8% Uhr abends Jugendstunde.
Donnerstag- 8% Uhr abends Vibelbesprech- und KriegG nebelst unde.
»
Katholische Gemeinde.
Sonntag, den 20. Okt. 19i8. 22 Sonntag nach Pfingsten.
Beichtgelegenheit am Samstag von 5 Uhr an unG Sonntags früh von 6 Uhr cm.
%7 Uhr Frühmesse.
8 Uhr Militärgottesdienst mit Rosenkranz.
%!0 Uhr Hochamt mit Segen und Predigt. Nachmittags 2% Uhr Sakramental:sche-Brudcrschafts-» Andacht mit Segen.
Um 4 Uhr Versammlung des Jünglingsvereins. Während der Woche um M>7 und 7 Uhr hl. Messe. Werktags abends 6% Uhr: Rosenkranz-Andacht.
Nach dem Hochamt Ausgabe von Büchern aus der Vorromäus-Bücherei.
' IJl _ÜL"HL—'..HI. IMS™ ■ !.■ ».'S.
Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otta Hirsche!. Friedberg: für den Anzeigenteil: R. Heyner. Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung"» A- G. Friedbero i tz
Herzen Strümpfe.
Roman von Helene E ck ütky. geb. von Gersdorff.
(Copyright 1915 by C. Aäermann-Stuttgarr.)
*b) Nachdruck verboten
Auch gemeinschaftliche Spazierritte wurden unternommen, denn Hilde war eine vorzügliche Reiterin. Das war dann für Neinhold immer ein besonderes Vergnügen, und er wurde nicht müde, ihre herrliche Gestalt, die auf dem Pferde besonders schön zur Geltung kam, sowie ihre anmutige, kraftvolle Haltung zu bewundern.
Tante Ella sah der veränderten Situatton still beobachtend zu. Sollten sich ihre früher gehegten Hoffnungen doch noch erfüllen? Anfangs glaubte sie es, aber nach und nach wurde sie wieder zweifelhaft.
„Weißt du. Bernhard", sagte sie zu ihrem Gatten: „Ich werde nicht daraus klug. Sie sind doch wie für einander geschaffen. Gott und Menschen müßten'eine Freude daran haben, wenn sie zusammen kämen. Und sie sind ja auch beständig beieinander. seit einmal daß Eis gebrochen ist. Sie werden nie fertig mit Auseinandersetzungen über die verschiedensten Dinge, sie fahren, sie reiten zusammen, gehen zusammen spazieren, sie find immer vergnügt und glücklich, aber ... das ist alles! Keine Spur von Verliebtheit, keine Koketterie, keine Heimlichkeiten. kein Erröten, kein Erblassen! Kurz, wenn sie zwei alte schon im Pensionat lebende Leute waren, so könnten sie nicht einfacher und natürlicher verkehren. Gß ist wirklich merkwürdig!"
„Beruhige dich nur, Schatz", meinte der Kommerzienrat gleichmütig, „es führen bekanntlich verschiedene Wege nach Rom cd er auch zum Traualtar. Auf die eine oder andere Art wird die Sacke schon in Ordnung kommen. Warum soll es übrigens nicht auch einmal eine ehrliche aufrichtige Freundschaft zwischen Mann und Weib geben? Bei zwei solchen Elite-Menschen, wie Oermshoff und Hilde könnte ich mir so etwas allenfalls als möglich vorstellen."
„Schon recht. Bernhard, ich fange wahrhaftig auch schon an. oet unserer absonderlichen Hilde die unmöglichsten Dinge für möglich zu halten", erwiderte Tante Ella, „aber was' glaubst du. was die Welt dazu sagt? Sie erscheinen überall zusammen, fteillch immer in meiner schützenden Gegenwart, so weit das tunlich rst. — beim Reiten z. V. kann ich sie ja nicht begleiten!
* * * * mad ^ das alles so selbstverständlich, als gehören ste
EStaÄSxf- i5ne " offen5at Ba " 3 aa *
ic*u T ihr re!« r l ^ 5,ei% bas ift °"ch ganz gleicharmig" sagt« ihr Katt- beruhigt. „Laß doch beit Leuten dag Vergnügen. zu schwatzen und p. klatschen, soviel sie wollen! Was können sie denn viel reden? Ob das wohl -in- Partie gibt
1 erif ‘ b0 * B[IeSl Diese tiessinnige Frage wird!
Vf*«
gegnete die Kommerzienratin erleichtert. „Es ist wirklich unnötig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Aber was der Mar- guis dentt, möchte ich wirklich wissen. Er scheint äußerlich so platt und süß wie immer, aber ob es ihm wirklich so gleichgültig ist, daran zweifle ich doch sehr."
Ja, der Marquis! Er befand sich in einer mehr als unbehaglichen Stimmung. Als er nach dem Ball sehen mußte, daß seine woh-lgezielten vergifteten Pfeile alle wirkungslos abge- prallt waren, erfaßte thn ein stummer Grimm. Er erkannte seine Machtlosigkeit, direkt ttennend zwischen das junge Paar zu treten. Mit beinahe heroischer Selbstbeherrschung zwang er sich, äußerlich ruhig zu erscheinen, während er innerlich vor Wut kochte. Es ist nicht zuviel gesagt, daß er Neinhold mit Vergnügen ermordet hätte, wenn das in diesen nordischen Kulturländern überhaupt denkbar gewesen wäre. Ja, in einem Süd- frankreich, wo das Blut heißer in den Adern rollt, da könnte man vielleicht Mittel und Wege finden, einen unbeguemen Nebenbuhler aus dem Wege zu räumen. Aber hier, pah! Hier !st alles korrekt, sauber und kühl: hier bewacht die Polizei Schritt und Tritt, hier ist das Risiko zu groß. Nein, hier gilts auf Umwegen, durch List und Schlauheit an das Ziel zu kommen. Zu diesem Zweck durfte er vor allen Dingen seine wahren Gefühle nicht verraten. Seinen Haupttrumpf, den er für ganz zweifellos erfolgreich hielt, wollte er erst, wenn durchaus unvermeidlich, ausspielen. Zunächst wollte er sich überzeugen, ob wirklich die Sache ganz so schlimm stünde, wie er fürchtete. Er beobachtete scharf und war überzeugt, daß bis jetzt tatsächlich nur ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den Beiden herrschte. Ihm war das freilich, von seinem Standpunkt aus, unbegreiflich.
„Mille tonnereZ!" meinte er eiu wenig wegwerfend in seinen Selbstgesprächen. „Mtt einem so schönen jungen Geschöpf täglich stundenlang zusammen sein und mit ihr immer nur philosophische, geistreiche Gespräche führen, anstatt von Liebe zu reden, dazu gehört wirklich ein solcher deutscher Tropf ohne Schneid und Schick! . . . Aber mir kann's schon recht so sein. Ich bin Unterdessen wachsam wie Argus, begegne ihr mit der gewohnten Ergebenheit und ihm mit der gewohnten Höflichkeit, d-amit sie nicht mißtrauisch werden. Um mir diesen eigentlich unerträglichen Zustand einigermaßen zu mildern, habe ich ja meinen kleinen Flitt mit dem reifenden jungen Ding, der Oberstentochter!"
Und wirklich brachte er fast alle seine Zeit, die nicht dem gewidmet war, was er als seine Hauptaufgabe betrachtete, nämlich dem Aufpassen und Spionieren jedes Schrittes, jeder Miene der beiden Belauerten, damit zu, der hübschen Käthe Trontheim den Kopf zu verdrehen. Sie brauchte ihre Schwester nicht mehr um die ihr verehrten Rosen zu beneiden. Gleich den Tag nach dem Ball kam ein vracktvoller Strauß nebst Karte von Herrn
< . v „ I Marquis Louis von Reymond. worin er die Hoffnung auslprach. f
.Wahrhasifg. km Vak etnmal wieder Recht. Bernhard", ent. > daß dem ü-rädigeu Lräulem da- Feit gnt bekomme- lei; er [
werde sich erlauben, sich selbst danach zu erkundigen und Herr und Frau Oberst seine Aufwartung zu machen. Dies geschah denn auch, und er wurde liebenswürdig in dem gastlichen Haufe ausgenommen, in welchem der Stellung des Herrn entsprechend, ei» lebhafter geselliger Verkehr stattfand.
Seitdem verging selten ein Tag, an dem nicht ein Blumengruß von ihm für Fräulein Käthe eintraf, und die Kleine war nicht wenig stolz auf ihren ansehnlichen Verehrer. Eie amüsierte sich köstlich über seine Aufmerksamkeiten und sein Bestreben, ihr möglichst oft zu begegnen, einen Blick oder gar ei« Wort von ihr zu erhaschen. Schon morgens ging er öfters a» ihrer Wohnung vorbei, spähte nach ihren Fenstern in die Höhe und schien sehr beglückt, wenn er sie erblickte.
Als sie das erst bemerkt hatte, paßte sie natürlich verstohle« auf, ob er wohl wieder kommen würde, war sehr befriedigt, wenn er erschien und ein klein wenig enttäuscht, wenn er aus« blieb. Valid erfuhr sie durch mütterliche Ermahnungen, daß si« „in solchen Dingen" sehr vorsichtig sein und Herren, welche sich ihr zu nähern suchten, kühl und abweisend gegenübertreten müsse. Das kam ihr übertrieben pedantisch vor; die gute Mama hatt« wohl vergessen, wie lustig so ein kleines Techtelmechtel war, hatte überhaupt vergessen, wie es ist, jung zu sein. Was konnts es denn schaden, mit dem netten, interessanten Marquis ein wenig zu kokettieren? Das war doch ein harmloser Spaß! Wozu war sie denn mm endlich erwachsen und aus der langweiligen Schule erlöst? Sie konnte doch nickt ewig weiter nur Vokabeln lernen, Stickereien machen oder so fades Zeug tteiben! Sie» wollte sich amüsieren und dazu bot sich durch die offene und verstohlene Huldigung des Marquis die beste Gelegenheit.
Aber auch Frieda warnte. Ja. die! Die war auch fs furchtbar ernst, arbeitete immer etwas, gewöhnlich für Arme, lachte kaum und nahm alles so schwer. Als sie damals, ehe sie noch in die „Gesellschaft" eingeführt war, für Reinhold Germs- hoff geschwärmt hatte, war Frieda auch erschrocken und hatte ge-> warnt. Lieber Himmel, das wäre ja sterbenslangweilig, wen« ste denen wirklich folgen wollte. Rein, nein, sie wollte aller-» dings vorsichtig sein, aber nur insofern, daß die Ihrigen nichts von diesen kleinen harmlosen Scherzen merkten.
Damit war das arme Kind schon auf der schiefen Ebe»«; Anstatt wie anfangs lachend und scherzend von den HuldigungeU des Marquis daheim zu erzählen, begann sie seine Fensterpar»« den, die Begegnungen mit ihm zu verschweigen, ihm, wenn stL ihn in Begleitung der Ihrigen ttaf, ungesehen von letzter««, leuchtende, bedeutungsvolle Blicke zuzuwerfen, und sich am Fr»s ster nur noch schnell und verstohlen zu zeigen.
Der Marquis verstand. Er stellte seine Vlu mensend ungeA^ ein, reduzierte seine Spaziergänge vor ihrem Fenster und suchte nur ihr allein verständlich zu machen, daß seine Gefühle urrtmf ändert seien. Dadurch war ein gewisses Dersteckspielen. etw«^ Geheimnisvolles in lbre Dezlebungen gekommen, was denjclbeL einen neuen Retz, dev Reiz der verbotenen Frucht htn-ujugtU. ßctileftima folgt.


