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Herzenskömpfe:

Roman von Helene Schütkq. geb. von Gersborsf.^1 (Oop^rigbt 1915 by C. 2lckermann^Stuttgart.)

14) Rachdruck verboten.

Er war bleich geworben, beherrschte sich aber vollkommen. Diese Zurückweisung war deutlich.

Gnädiges Fräulein. Sie betrüben mich aufs Tiefste. Ich glaubte allerdings, als Ihr ältester und treuester Freund, der auch zugleich die Auszeichnung genießt, mit Ihres Herrn Vaters Vertrauen beehrt zu werden, nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, zu haben, über Sie zu wachen, und Ihnen alles Un­angenehme fern zu halten", sagte er in schmerzlichem Tone, als sei ihm das größte Unrecht geschehen.

Hildes mildes Herz bereute auch sofort, sie war wohl zu streng gewesen, er meinte es ja doch gut.

Nun gut. Herr Marquis, regen Sie sich nicht unnötig auf!" sagte sie daher wieder ganz freundlich.Wir wollen uns durch diesen diimmen Streich nicht die Stimmung verderben lassen. Denn dies ist wirklich ein sehr gelungenes Fest. Ich gestehe, daß ich mich noch selten bei solchen Gelegenheiten so gut amü­siert habe, wie heute. Ich halte das garnicht erwartet."

In ihm tobte die Eifersucht mit verdoppelter Gewalt. Was machte sie so besonders vergnügt^ Die ihr erwiesenen Hul­digungen. die Auszeichnungen von seiten der Königin? Un­

möglich! An all das war sie von jeher, überall, wo sie erschien, gewöhnt. Cr war zu oft Zeuge 'hrer Triumphe gewesen, die sie übrigens immer vollständig kühl aufnahm, um diese als Grund ihrer frohen Laune annehmen zu können. Blieb nur der Tanz und Freundschaftsbeschluß mit Germsheff, diesem ihm ohnehin scbon vorher verhaßten und widerwärtigen Menschen. Wie konnte er ihn wohl *n ihren Augen herabsetzen? wie ihm einen Hieb versetzen, der ihn vor ihr verächtlich machen muhte? Ah. so gings, er kannte ja chre Besorgnis, nur ihres Geldes wegen bevorzugt und umworben zu fein, daran mußte er an- .knüpfen.

Ich bin wahrhaft erstaunt, daß Sie. gnädiges Fräulein, dieser immerhin einfachen, fall pakriarchaftschen Festlichkeit so riel Geschmack abgewinnen, da Sie doch in Paris. London. Rom viel großartigere, glänzendere derartige Felle mitgemacht haben", meinte er etwas zögernd, da er eine paffende Verbindung für sein eigentliches Tbema suchte.

..Das könnte allerdings verwunderlich erscheinen", erwiderte sic selbll frappiert über seine Bemerkung."

Es ist vielleicht der Heimatzauber, der mich gepackt hat." sichte sie sinnend hinzu. ..Mag die Fremde einem noch so viel Schönes bieten. glücklich sein, wahrhaft wohl fühlen kann man sich nur daheim, im eigenen Vaterlande."

£ web' das klang noch schlimmer! Dem Marquis wurde es ganz schwül.

..Es ist gewiß ein schönes und anerkennenswertes Gefühl, die Vaterlandsliebe", überwand er sich, ibr beizustimmen. ..Aber trotzdem macht doch ein längerer Aufenthalt im Auslande den gcilligen Horizont meistens so weit, daß ein Leben in der alten Heimat auf die Dauer unerträglich wird. Die Kleinlichkeit, die Engherzigkeit der immer im selben Winkel sitz - Gebliebe- nen, die oft philiströsen, von lausend Vorurteilen gebundenen Anschauungen und Einrichtungen werden einem kosmopolitisch geschulten Geist auf die Länge zur Qual."

*!Da CJmwt Sie vielleicht nicht ganz Unrecht haben," er­widerte Hilde nachdenklich.

Wenn man z. B. Gele-gneheit hat. etwas hinter die Ku­lissen zu gucken, wie ich, wenn ich mich in zwangloser Herren­gesellschaft befinde, so ist man oft erstaunt über die geäußerten Ansichten " fuhr der Marquis in ganz ruhigem Tone fort, als sei es ihm nur um allgemeine Beobachtungen zu tun.Z. V. die jungen Offiziere hier. Welch ein roher, häßlicher Ton herrscht zuweilen unter ihnen, wenn sie unter sich sind! Nichts, wie Weiber. Pferde. Schulden hört man da. Und Schulden haben sie ja alle, die Neichen so gut wie die Armen. Die ersteren bringen ihr Geld mit Spielen und anderen leichtsinnigen Dingen durch, die letzteren sind überhaupt auf das Schuldenmachen an­gewiesen. Für alle miteinander gibts nur einen einzigen Aus­weg: eine reiche Frau! Alle reden davon, streben danach, alles dreht sich nur darum: eine reiche Frau! Da sollen Sie einmal hören, wie höflich, wie zynisch gewitzelt und geredet wird, gnä­diges Fraulein' ach. das ist einfach abscheulich und selbst einem alten Praktikus wie mir zuviel."

Hilde senkte betreten den Kovf. Sie wußte, daß er nicht übertrieb. Sie batte das. schon öfters gehört. Das war wirk­lich widerlich. Aber alle? Nein, das war sicher nicht richtig! Er. Neinbold, hotte eine reine, hohe Gesinnung, darauf wollte sie schwören. Und gewiß gab es noch viele gute, ehrenhafte Charaktere außer ihm, die so etwas verschmähten, unter seinen Kameraden.

Ihr Urteil ist doch wohl etwas zu hart. Herr Marquis." sagte sie nach kurzem Schweigen, während er sie scharf beobach­tete.

Saß sein Pfeil wohl? Oder muffte er noch deutlicher reden? Es war schon ein Gewinn, wenn ihr Mißtrauen geweckt war. Er entschloß sich aber doch zu einem direkten Angriff, denn wer konnte wissen, wenn sich einmal wieder eine so günstige Gelegen­heit dazu bot. wie eben jetzt?

Kaum", erwiderte er bestimmt. ..Da ist z. B. gerade Herr von Germsboff. Seine Verhältnisse sind gänzlich derangiert Er bat mehr Schulden, als Haare auf dem Kopf. Jedermann weiß, daß eine reiche Frau das einzige Rettungsmittel für ihn ist. Und daß er krampfhaft darnach sucht, ist ebenso bekannt."

^Hilde fühlte diese bösen Wofte wie ebensoviele Keulen- schläge auf ihrem Kopie. Sollte das wahr sein? Sollte ihr bohe? Männerideal, d^s Neinbold verkörpert, dem sie in ihrem .Herzen einen Altar erbaut batte, in Trümmer stürzen und alles darunter begraben, was Schönes in ibr lebte? Aber. nein, nein, es war nicht wahr? Hätte er nicht bei ihr die beste Ee^ leocnbeit gehabt. ..die reiche Frau", wenn er sie wirklich suchte, zu finden^ Weshalb denn sein bisheriges gänzliches Fernhal- teü, das sogar fast beleidigend war?

Ncin. nein, das glaube ich nicht' das ill ganz unmöglich!" r,ef sie förmlich erleichtert, als sie zu dieser Schlußfolgerung ge­kommen war.

Der Marquis lächelte kein, überlegen, fast satanisch.

Sie meinen, weil er llch Ihnen gegenüber bis jetzt so zu­rückhaltend gezeigt bat. gnädiges Fräulein?"

Hilde nickte eifrig.

Das war nichts anderes, als schlaueste Berechnung", be­teuerte er in überzeugtem Tone, wobei er sogar ganz aufrichtig war, denn er glaubte fest, daß es sich so verhielt, da es ganz fei-

ßetr.: Fleischver ocgunq.

Kcüattntmachnng

Ich b'inqe hierdurch zur öffent­lichen Kenntnis. daß die mir vom Kommunalverba d ,,r e berg zur Verteilung an die Schweift- und Schwerarbei er der Siadt Fried- berz iiberwief.'ne Wur-t tue die Woche vom 21 . b s 27 Okiober am Samstag,den l . Ok ober 1 h 18. nacrml tags von 2 dis 5 Uhr in dem Geicbä is öden des Metzger- meisters Adolf En el, £ai erftt 8, mm Verlaus .ommt. Die Abgabe der Wurst er olft nur unier Vor­lage der für die Schwer- und Schwerstarbeiter ausgegebenen Fledch- usatztarten.

Der Verkaur des Fleisches für Kranke f.i die Woche vom 2'. bis 2 . Ottober 1 :> 1 8 findet am Frei­tag den 18. Ottober nachmittags von 2 bis 3 Uhr in den Metz- perläden der Nmdsmetzger, wie sei «her stak:

Die Verlaufsteiter sind genau e'n uha! en. Nach Ablauf d e er ge n das Anrecht auf die '.ustehen- dcn Mengen Flei ch oder Wurst verlo en.

Friedberg, den 17. Okt. 1918. Der Bürgermeister 2. B.: Dam m.

Krirann mnchnug

Nächsten Freitag, den 18. d. M., findet

keine Dutterausgaüs

statt.

Friedberg, den 16. Okiober 191". Der Bürgermeister. 2. V.: Dam m.

Kcünnntmachttug.

Für kleinen Haushalt bei gutem Lohn und Familienan'chluß ein dtteres, im Kochen und allen häus­lich n Arbei en selbständiges, zu­verlässiges

Mädchen

für so,oft gesucht.

Frau Ostheim,

Dampsmolkerei Wallernhauser bei Nidda.

Gemäß § 5 der Bekanntmachung über die Verb'-anchsregelunq der in die öffentliche Bewirt chanung genomm.-nen Nährmittel vom 23 Märt 1917 wird für die Sta)t Fiiedberg joigen.es bestimm!: Es sollen ausgegeben werden:

L für bro getreideoer orgungsberechligte Kinder bis zu 12 wahren (io e Karten)

am Marke 51 der Nälrmittellarte H (rot) Grarpcn n. Supven. II. für die übrige ver'orqun'swrechtig?e Bevölkerung (blaue Kar en) auf Marke 60 der Nährmitlelkatte C (b au) Grieß.

... kie auf ihn en fallende Ware die aena >e Menge wird spater fe.gesetzt u beziehen wün cht, hat unier Vorlage sci-'er Karle bei einem frefigen Klein! ündler bis zum 21. Oktober eine Bestellung auftngeben. Dabei it da auf *u achten, daß der Klein­händler nur die beireffende Bestellmatte abtteniu und auf der gleich- ttffrigen Quittunqs- und Benwsmntle die Bestellung beiläligt. Wer die vorgesehene Frist für die Bestellung nicht-einhält, ver.iert den Anpr-ch aus die lbm mstehen^e Ware.

Die Kleinhandels'ei te hr.'en de B.'stell marken auf die in Betracht kommenden Bestellbaren getrennt auttukleben und an dem dem Ablauf der Bestellfrist folgenden Wett age. al o am 22. Ok- o^er an uns einzu'end.n. Nich'einhaltuna die er ^rist zieht den Ausschluß des betreffenden Kleinhanottsgesch if es von der Betei­ligung an dem Vertrieb oer Nähimitiel naß sich.

Friedberg. den 16. Ottober 1918.

Der Bürgermeister

2. V.: Dam m.

Die StadtOberrrrfel^Taunus) suchkeinen ü.hti v n.zuverläffigen

Fütteret und Melker

lledig) Kost und Wohnung kann nicht gewährt werden. Angebote mit Zeugnisab chrifren und Be oldungsaiifprüchen so ott einreichen.

Oberur, el, den 11. Oktober 1918.

Der Magistrat r Füller.

Smiüs Biiit t friifi i.N.i.hM 8.1).

toeichcittsitelie Frankfurt a. M.. Kronprinzenstratze 41.

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rter eigenen Denk- und Handlungsweise entsprach.Durch diese ug« Zurückhaltung wollte er Sie ^ganz sicher machen, wollte seine uneigennützige Gesinnung ins rechte Licht setzen,' um Sie nachher desto leichter ins Garn zu locken. Und dieser feine Plan ift ihm ja wohl auch bis zu einem gewissen Grade geglückt, nicht wahr? setzte er mit leichtem Hohne hinzu.

. erwiderte nichts. Ihre ganze frohe Stimmung war

dahin. Wie verdunkelt erschien ihr das lichte, freudige Bild um sie her. wie ein Stein so schwer lag plötzlich ihr Herz in der Brust. O. nur wissen, was die Wahrheit war! Reinhold konnte es möglich sein? Er ein berechnender Intrigant? Nein, nein, nein! schrie es in ihr. Und doch! Wenn es doch so wäre?. O. dieser schreckliche Reichtum, welch ein Fluch war cr! Konnte sie ihn doch von sich schleudern und frei, nur als Mensch und Individuum d-astehen, wie andere Mädchen!

Der Marquis beobachtete sie ängstlich. Wie würde dle scharfe Medizin wirken, die er ihr verabreicht hatte? Würde sein Zweck erreicht und sie dem Einfluß, der sie zu bestricken an. gefangen hatte, entzogen'werden? Einen tiefen Eindruck hat- ten ferne Anschuldigungen gemacht, das war sicher, denn sie war plötzlich bleich geworden und ihre Lippen zitterten.

Nun galt es. sic wieder zu trösten, damit sie in ihm, dem Marquis, den sicheren Hort bei allen Gefahren, die sthr durch die Habsucht anderer drohten, finden konnte.

Es ist ein Glück, daß Sic Herrn von Germshoff sowohl, wie andern seinesgleichen. gang fern stehen, gnädiges Fräulein", sagte er in ganz selbstverständlichem Tone, da kann Sie fa das von mir Gesagte gar nicht berühren. Aber es ist immerhin gut. wenn Sie gewarnt sind. Wahrscheinlich hält Herr von Germs-' hoff den Zeitpunkt für gekommen, wo er beginnen darf, sich ^hnen zu nähern, ohne als Mitgiftjäger zu erscheinen. Das schließe ich aus seinem heutigen Benehmen. Sie werden ja selbst sehen, wie es weiter acht. Bleibt er wie bisher Ihnen fern, so habe ich mich getauscht, so war sein heutiges Vorgehen seine Aufforderung zur Polonaise nur eine Höflichkeit, die er der Verwandten der ihm so nahestehenden Familie schuldig zu sein glaubte. Tritt er aber hervor und sucht mehr Berührungen mit Ihnen, so habe ich Neckt mit meiner Vermutung"

Diese Wendung war eine fast teuflische Bosheit. Da er wußte, daß sie Freundschaft ae^chloffen haften, so wußte er auch, daß dadurch ein regerer Verkehr zwischen den jungen Leuten selbstverständlich bedingt war. Hilde diesen Verkehr zu vergab len und zu verderben, war seine wohlüberlegte Absicht.

Sie schwieg noch immer. Ihr Herz krampfte sich schmerz­haft zummmen. so daß sie fürchtete, sckreien zu muffen oder in Tränen auszubrechen, wenn sie ein Wort spräche. Und sie

wollte auf keinen Fall zeigen, wie sehr sie litt, nein, nur das nicht!

Wie fühle ich mich glücklich, verehrtestes. liebes Fraulein", hob nun der Marouis in feinen süßesten Tönen wieder an" daß ich in Ihrer Robe sein und'Sie vor allem, was Ihnen drobt. warnen und Sie behüten darf! Nichts Schöneres' kann es für mich geben, als Ihnen dienen. o. dürfte ich es mein ganzes Leben lang tun!"

Er reichte ihr den Arm. denn eben erklangen die ersten Töne der Musik, welche zur Aufftellung der -evorstehenden Fran. carse aufforderte.

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