Parlamentarisches ans Hessen.
Ucber die Fettversorgung der größeren Städte des Sandes hat der Nbg. Henrich, dem u. a. auch die Fett- und Bullerversorgung der Residenz unterstellt ist, eine Anfrage an die Re- gicrung gerichtet, in der er anfragt, ob es ihr bekannt ist. daß die Versorgung der größeren Städte des Landes, namentlich auch der Stadt Darmstadt, mit Butter und Speisefett zurzeit eine völlig ungenügende ist und daß die Belieferung der Be- völkerung vollständig eingestellt werden müßte? Ist die Großh. Regierung bereit, jede M i l ch l j e f e r u n g au- dem Großh. Hessen heraus solange einzustellen, als die Fettversorgung der hessischen Versorgungsberechtlgten nicht in gleichem Umfange gesichert t[i, als sie im Durchschnitt in den übrigen Teilen des Ret, ches stattfrndet? Ist die Großh. Regierung bereit, die Lieferung von Kartoffeln an andere Bundesstaaten solange zu unterlassen. als die ihrer Verpflichtung zur Lieferung anderer Lebensmittel. insbesondere von Fett und Fleisch nicht Nachkommen.
In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß namentlich der württembergtsche Staat mit der Fett- usw. -Lieferung seit längerer Zeit im Rückstand ist, während es aus Hessen größere Mengen Kartoffeln bezieht, auch aus Hessen täglich mindestens 40 000 Liter Vollmilch außer Landes geliefert werden.
Tatsache ist, daß Darmstadt auch in dieser Woche keine Butter erhält, obwohl es auch in der vorigen fleischfreien Woche keinerlei Fett und Butter bekam.
entweder nicht gesund oder taub. Die Kartoffelernte ist dann
aber zum größten Teil erledigt. Außerdem ist es eine bekannte Tatsache, daß die Gegenden mit starkem Kartoffelbau im allgemeinen nur geringe Vuchenbestände aufweisen und daher die Gefahr der Kollision keineswegs stark ist Wo aber wirklich einmal die Kartoffelernte und die Ducheckernfammlung nebeneinander stehen, können die Bucheckern immer liegen bleiben, da es genügt, wenn sie vor der festen Schneedecke gesammelt und ihrer Bestimmung zugeführl werden.
Großes ist vollbracht
in eisernen Jahren. Unsterbliches haben nnsereheer- führer mit ihren Helcken- fcharen erreicht, /iber auch wir müssen unser v eutfchtum
durch Taten beweisen!
L>as ist unsere Losung. Der Erfolg cker Nrtegr- Knleihe ist ein Schritt näher zumEncifteg.
wir müssen opfern können!
ßnMehnntz Drr flfHildi'fiOU'ftufltiüfir.
Der Weitere Vorstand der Deutsch-Konservativen Partei h'.clt am Mittwoch rm Herreuhause zu Berlin eine aus allen deutschen Bundesstaaten und allen preußischen Provinzen äußerst zahlreich besuchte Versammlung ab. die der Besprechung der politischen Lage gewidmet war.
Es gelangte einstimmig die nachfolgende Entschließung zur
Annahme:
„Deutsche Männer und Frauen!
Das Vaterland ist in Gefahr. Mit unerhörter Wucht stürmt feindliche Uebermacht gegen unsere Mauer im Westen.
Was unseren Vätern und uns heilig und teuer gewesen ist, steht auf dem Spiele: Preußen, der Staat Friedrichs des Großen, für den unsere Väter in den Befreiungskriegen geblutet haben, das Werk der Hohenzollern. das neue Deutschland Wilhelms I. und Bismarcks mit allen feinen Bundesstaaten.
Das alles kann und darf nicht untergshen!
Wenn der Präsident Wilson für den Eintritt in Friedens- Verhandlungen oder bei ihnen Bedingungen stellt, deren Annahme Deutschlands Ehre und Unversehrtheit, unser nationales Dasein und die wirtschaftliche Zukunft aller Volktzkreise vernichten würde, dann muß das deutsche Volk mit Einsatz seiner äußersten Kraft den Kampf forHetzen, bis ein ehrenvoller Friede errungen fein wird.
Diesem Ziele, diesem einen Gedanken alles unterzuocdnen, ist unsere erste und dringendste Pflicht. Deshalb wollen und müssen wir. dem Aufrufe unseres Kaisers folgend, unser Bestes einsetzen, jeden Muskel, jeden Nerv anspannen und in alle Volkskreise das Bewußtsein tragen, daß es jetzt um unser Höchstes geht.
Von Anbeginn an ist unsere Partei für die starke Wehr des Vaterlandes eingetreten. Auch in diesem furchtbaren Kriege steht sie voll unerschütterlichem Vertrauen hinter unserem tapferen Heere, fest entschlossen, alles zu tun, was dessen Widerstandskraft stärken kann.
Hierzu gehört, daß wir in der Heimat weiter jedes Opfer willig tragen, daß wir alles zurückstellen, was uns daheim menschlich oder wirtschaftlich trennen könnte.
So schwer auch die Bedenken gegenüber der neuen Steuerung unserer innerpolitischen Zustände sein mögen, sie müssen zurücktreten. solange es gilt, daß das deutsche Volk wie ein Mann im entscheidenden Kampfe zusammensteht.
Nichts anderes gibt es fetzt, als den Kopf oben behalten, wicht kleinmütig werden, nicht zweifeln an unserer gewaltigen deutschen Kraft. Jetzt heißt es. dem Helfer im Himmel vertrauen. der unser Volk auch in diesem Kriege bisher sschtbarlich beschützt hat. und der, wie wir zuversichtlich hoffen, nicht zulassen wird, daß die unendlichen Opfer für die Wahrung unseres Daseins und unserer nationalen Ehre umsonst gebracht worden seien.
Für diele unsere heiligen Guter wollen wir weiterkämpfen, wenn es sein muß, b i s z u^n letzten Mann.
Gott schütze Deutschland!"
.Jabsnürnii-" der ZpasiMküt.
* -- v
Man schreibt uns:
„Wenn alles „rationiert" wird, muß auch die Sparsamkeit rationiert werden. Bekanntlich dienen Sohlennägel dazu, die Lebensdauer der Sohlen erheblich zu verlängern. Zurzeit sind Sohlennägel „rationiert". Dank dem Moloch Kriegszwangß- wirtschaft. der alles erfaßt, sind auch die Sohlennägel erfaßt, d. h. vom Markte verschwunden, obgleich wir Eisen ..eigentlich" ausreichend haben sollten. Sohlennägel werden den Schuhmachern zugeteilt, damit nicht zu viel Sohlenmaterial gespart »eerde. Die Gcheimräte der Kriegsgesellschaften, die derartiges zu verantworten haben, reisen im Lande umher und erzählen der staunenden Menge, daß der — freie Handel im Kriege versagt habe/
Die pitdifritfrn und die Hackfrucht.
Vielfach ist man darüber in Sorge, daß die Kartoffelernte Mit der Bucheckernsammlung zusammen fällt. Für die Ernährung bleibt die Kartoffel wichtiger und darum muß das Kartoffelbuddeln vorgehen. Die Sachlage ist aber folgende:
Die für die Oelgewinnung brauchbaren Bucheckern fallen gleichzeitig mit dem Laub, alles was früher fallt, ist zumeist
Wir die Laudw'rie „reich" werden.
Die denlok-atischon Blätter sind fortgesetzt bestrebt, die über die hoke Nahrungsmittel klagenden Städter gegen die Landleule dadurch aufzuwiegeln, daß sie behaupten, diese Agrarier, denen alles nur so zuwüchse, würden jetzt mühelos reich auf Kosten der bedrängten Verbraucher. Bei dieser Agitation wird nur immer zweierlei geflissentlich rm Dunkel gelassen. Einmal, daß die Agrarier nur einen Bruchteil der heben Nahrungsmittetpreise allsgezahlt bekommen, unter denen die städtischen Verbraucher seufzen; zum anderen, daß au-ch die Agrarier nicht bloß Produzenten. Verkäufer von Erzeugnissen sind, sondern daß sie fortwährend auch als Kon. sumenten, als Käufer von Waren und Arbeitskraft auitreten müssen und hierbei unter einer meistens sehr, sehr viel stärkeren Preiserhöhung zu leiden haben, als sie ihnen bei ihren Verkäufen zugute kommt. Hierfür einige Beispiele aus Zuschriften, die uns gerade jetzt wieder aus Mitglieder- kreisen zugohen.
Ein alter Freund schrieb uns:
„Um den Rest meiner kinst blühenden Schweinezucht und -mast (120 St.). 10 Zuchtsauen, durchzuhalten, mußte ich Futter kaufen (das Selbstgebaute mußte abgeliefert werden) und den Zentner davon mit 54 Mark bezahlen, sogar für den Sack wurden mir noch 8 Mark berechnet. Für meinen zu derselben Zeit abgelieferten Roggen erhielt ich nur 8.50 Mark per Zentner, ich mußte also über 6 Zentner von dem guten Roggen für 1 Zentner Ersatzfutter hergeben. Spater erhielt ich billigeres „Mischfutter" zugewiesen für 21 Mark je Zentner, aber woraus bestand dasselbe: Etwas Kleiebestand
teile von Roggen und Weizen. Fischgräten, Muscheln, Fleisch- abfälle, Rückstände von der Weinbereitung, Heidekraut, Stroh- und andere Stcngelteile, dazu zahlreiche Milben, Schimmel, Brandsporen u. a. m. Dieses immerhin noch teure Futtergemisch mußte für das Gedeihen der Zucht- und Jungtiere so bedenklich erscheinen, daß ernstlich zu erwägen war, ob man die Tiere nicht lieber durch Hunger als durch Verabreichung dieses Fifckfutters eingehen lassen und wenig- stens die Ausgabe für das Futter sparen sollte.
Ein Pfund bester Butter bringt uns hier 3 Mark, für das gleiche Gewicht schlechter Wagenschmiere müssen wir 6,50 Mark bezahlen.
Um meine Milchablieferung einigermaßen aufrecht erhalten (und den notwendigsten Dünger für den Acker zu gewinnen) wollte ich Kühe Ankäufen als Ersatz für zwangsweise abgeforderte. Tie Händler forderten aber für geringe alte Mittelware 1800—2000. zuletzt sogar 2300 Mark je Haupt. Mein Viehstand war früher so hervorragend, daß ein Geh. Oekonomierat beim Betreten des Stalles äußerte: Vor
solcher Zuchlleistung nehme ich meine Mütze ab. Jetzt wurde mir dieses mühevoll und kostspielig herangezüchtete Vieh zu Schlachtzwecken abqefordert und ich erhielt für fünfviertel Jahr altes Jungvieh. 550 Pfund schwer, nur das Doppelte des Wertes der kleinen Kälher. An zugeführten Kalben im reellen Zuchtwerte von 1500 bis 1600 Mark verlor ich hierbei 6—800 Mark für jedes Stück, bei Kühen je 6—700, an einer Kuh sogar 900 Mark. Wenn man solche Verluste nicht länger ertragen will und kann, bleibt nichts weiter übrig, als zur vieblosen Wirtsrlxift überzugehen und einen Teil der Felder aus Mangel an natürlichem und teurem Kunstdünger in schwarzer Brache liegen zu lassen. Wo bleibt dann aber z.usammentun und einen gemeinsamen Antrag auf Rücklieferung von Textilwaren einreichen.
Auf dem Formular findet sich auf der Rückseite eine Aufstellung, wieviel bei entsprechender Lieferung von Strohflachs an Textilwaren zurückvergütet wird.
Nom Felde
der Ehre.
Echzcll . Wegen hervorragender Tapferkeit bei einem erfolgreich durchgeführten Patroullienunternehmen erhielt Musketier Hermann Köhler, Sohn der Philipp Köhler Witwe, das Eijerne Kreuz zioeiter Klaffe. Wtr gratulieren!
Ans der Heimat.
Mer Aahr' ssnd's, daß wir ohne Dach Im Regen und Frost, bei Nacht und Tag,
In heißem Ringen, unbezwungen Um jeden Bodenzoll gerungen,
Heimat!
Sie kamen zehn gegen eins geflutet;
Wir schlugen sie; doch wir haben geblutet.
Kaum einer von uns ward nicht schon unmfe.
Und stand doch wieder, kaum gesund,
Heimat!
Die Helme verbeult, den Nack zerrissen.
In Fetzen die Sohlen unter den Füßen.
Die Rohre verleiert von tausend Feuern ....
Heimat. Du muht uns're Wehr erneuern!
Heimat!
Wir wehren das Groun von Deinen Landen!
Drum die Du sammeltest, weil wir standen.
Die Batzen aus der Tasche krampf'.
Und zeig', daß unser Kampf dein Kampf,
Heimat!
Ruß Stnrkrnburg.
Darmstadl. 9. Okt. Auf Grund einer falschen Auskunft rm vorigen Jahre der Kaufmann A. Beck aus Ottenbach, d im Besitz entsprechender Mittel einen kaufmännisch tüchtige Teilhaber suchte, um das Lebensmittelenqrosgeschaft von Ko bus dahier zu übernehmen, bereingefallen. indem er über de 45 Jahre alten Kaufmann Philipp Lappas aus Frankfurt vw. der "Firma, bei der er über 20 Jahre beschäftiat mar. eine vor zügliche Auskunft erhielt. B. nahm den L als gleichbere-'tt. len Teilhaber auf. dieser führte die Bücher und leitete dw ganze Geschäft und da sich B. um den Betrieb anscheinend h'w lich wenig kümmerte, wurde jenem das Schwindeln leick gemacht. Er hob einfach die Gelder bei der Bank nach und vrd ab, kassierte die bei dem Militär und anderen Behörden a - stehenden Beträge ein und lebte in Frankfurt, wo er mos - - und täglich nach Hause fuhr, herrlich und in Freuden, bis pl"'- lich eines Tages B. zu seinem Schrecken erfahren mußte, das das Bankkonto bedeutend überboben war. B"ld stellte ssch de-- ganze Schwindel heraus. L. gab an. daß er Schulden gehabt uni bezahlt und größere Beträge im Spiele und bei Sv^kulatione^ verloren stabe. Er betrog auch eine Frankfurter Dame, die e als Gefchäftsteilhaberin mit 5000 Mark aufnahm, wogegen r. ihr die im Geschäft befindlichen Maschinen, an die er absolw keinen Anspruch hatte, verpfändete. Im ganzen hat er in de? kurzen Zeit von einigen Monaten nahezu 100 000 Mk. aus. d^n Geschäft gezogen, von dem ein kleiner Teil gerettet wurde. E ist im allgemeinen geständig und wird beute von der biesi'?r Strafkammer zu drei Jahren Gchänanis verurteilt, abzugttck vier Monate Haft und fünf Iabre Ehrverlust.
Darmstadl. 9. Okt. Der Provinzralausschuß der Provim Starkenburg verhandelte heute wiederholt da? Gesuch der Kalb Kappes geb. Schröder dahier, um Erlaubnis zum Betrieb ei"e: Schankwirtschaft im Hause Ernst-Ludwigstraße 5 dahier Dc ihr mehrfach wegen Kuppelei bestrafter Sohn in dem gleicher Lokale eine nicht konzessionspslichtigen sog. Eispalast betreibt, scheint das Manöver der Beiden zu durchsichtig und wird da/ Gesuch kestenfällig abgewiesen. — Auch die wiederholt verhom delte Berufung der Gemeinden Berkach Dornheim und Leesteim gegen die Heranziehung zu einem kleinen Teil dar zu et'"« 160 000 Mark veranschlagten Kosten für die Entwässerung de? Schwarzbachgebietes durch Aufstellung eines Pumvwarkes. wird nachdem sich alle Instanzen schon mit der Frage beschaftiot hoben endgültig als unberechtigt erkannt und ihnen die Kosten auf geladen.
An? Rheinbcsscn.
FC. Mainz, 7. Okt. Der 17jährige Sohn eines im Feld- stehenden Elstnbnhnjchaffners von hier stahl seiner Mutter 5fr Mark, die für Kartoffeln, Kohlen und Steuern bestimmt warer und brannte damit vorgestern durch.
FC. Mainz. 7. Okt. Das vierjährige Töchtcrchen des Schutzmanns Klug dahier, das am vergangenen Freitag an seinem Geburtstag in einen Topf mit heißem Wasser gestürzt ist, ist seine, Verletzungen erlegen.
FC. Kozthcim, 7. Okt. Bier Gänse wurden dem Ortsvor- steher Franz in einer der letzten Nächte aus dem Stalle gestohlen.
FC. Worn-s, 8. Okt. Die Diebereien nehmen in erschreckender Weise überhand. In den letzten Tagen wurden gestohlen: Aus einer Dampfziegelei Lederriemen im Werte von 1000 Mark^ im Handelshafen ein Nachen, aas einer Schreibwarenhandlun- Gegenstände ron 300 Mark; auz einem Haufe der Grenzstraht Weißzeug für etwa 2200 Mark; in der Frankfutterstraße zeh« Stallhasen und eine Partie Strumpfe, aus einem Haufe an^ Lutherplatz aus einem im Erdgeschoß gelegenen Schlafzimmer, in dem das Fenster offen stand. Deckbetten und 5Cwden im Werte vcn 2200 Mark. Von den Tätern fehlt jede Spur.
Offene Stellen:
8 Knechte. 1 Schäfer- und 1 Hosmei 'eriamilie. 1 Jungen für leichte Arbeit, 3 Tagelöhner. 1 Fabrik,chlosser. 14 Dienstmägde,
1 Melkerin. 2 Melkerinnen in einen Stall. 11 Hausmädchen, 1 Kellnerin. 1 Köchin für Gut, 1 Mädchen oder Frau zur Aushilfe für hiesigen Haushalt Für die Etappe: Männer. Frane« und Mädchen, letztere nicht unter 20 Jahren. 10 Bautechniker, 1 Leiter für Heim jugendlicher Helfer, mehrere Milchrevijoren.
Stellensuchende:
Mehrere Melkerjamilien und ledige Melker, 1 Bürofräulein, 1 tüchtige Melkerin.
Verantwortlich für den politischen und lokalen Leit: CtM Hjrfche!. Fliedberg; für den Anzeigenteil: 31 Heiner. Fliedberg» Truck und Verlag der „Neuen Tageszeitung^ A- G., Friedberg i, H.


