Herzerrskämpse.
Nom an von Helene Cchü 1 ky, geb. von Eersborfs.
(Oozr^ttgdl 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.)
11) Nachdruck verboten.
..Em. Majestät beglücken meine Gattin und mich aufs Ti siie -urch diese gnädigen Worte", sagte der Kommerzienrat, IlUsaä Uch von dieser Freundlichkeit sehr gerührt. „Es ist ja die grösste Auszeichnung, die meinem bescheidenen Hause widerfahren kann, wenn Ew. Majestät es hie und da mit Dero Besuch beehren."
»Ich komme wieder, komme nächstens wieder", lächelte die Königin gütig, während die Kommerzienrätin vor Wonne über dies vertragliche Gespräch vor der ganzen versammelten Hautevolee, das ihre nahen Beziehungen zu der allerhöchsten Person so deutlich ins Licht setzte, dunkelrot im Gesicht, mit freudestrahlenden Augen und hochklopfendem Herzen dastand. Vielleicht war dies der Höhepunkt ihres Lebens. Sie fühlte sich wolkenlos glücklich und mußte in späteren trüben und dunklen Stunden, die auch diesem bisher verwöhnten Schoßkind des Glücks nicht erspart werden sollten, oft an diesen. — für ihr indioi duelles Gefühl, — großen Moment zurückdenken.
„Und wen haben wir da?" fuhr die Königin fort, welche schon während ihrer Unterhaltung mit Herrn und Frau Antel- mann ihre Blicke prüfend auf der in anmutig sicherer, doch bescheidener Haltung dastehenden Hilde hatte ruhen lasten. „Ah" meinte sie dann, wie sich besinnend, „ich weiß, Ihre Nichte, liebe Kommerzienrätin, von der Sie mir schon erzählt haben? Freut Mich, liebes Kind, Sie kennen zu lernen!"
Hilde war herangetrelen und verneigte sich mit heißen Wangen tief über die ihr zum Küste dargereichte Hand der kö niglichen Frau.
„Nun. hoffentlich wird die Heimat Sie jetzt länger festeln. vielleicht gelingt es einem unserer Kavaliere, Eie dauernd fest zu halten! Daß würde uns sehr freuen. Seine Majestät und mich, denn wir verlieren nur ungern so viel Schönheit und Anmut an das Ausland."
Alle hörten diese außerordentlich schmeichelhaften Worte. Es gab indesten Skeptiker darunter, welche ironisch lächelnd meinten, die Schönheit und Anmut hätte man vielleicht leichter von hinnen ziehen lasten, als die unerwähnt gebliebenen Millionen.
Freundlich nickend schritt die Königin weiter, richtete noch hie und da ein Wort an andere Begünstigte, um sich dann in einem etwas erhöht gestellten Armsessel niederzulasten, wo sie. umgeben von ihrem Hofstaat, die Gesellschaft beobachtete und sich hie und da eine bevorzugte Persönlichkeit zu kurzer Konversation heranbefahl, während Hoflakeien Erfrischungen herumreichten. die stehend verzehrt wurden.
Auf einem Mink des Hofmarschalls Irai Leutnant von Germshoff vor und verkündete:
»Ihre Majestät die Königin Littet die Herrschaften, sich nach Belieben zwanglos im Park ergehen oder auch hier im Saal bleiben zu wollen. In einer halben Stunde wird der Tanz mit einer Polonaise beginnen, wozu ich die verehrten Gäste ergebenst ersuche, sich wieder hier einzufinden."
Nach diesen Worten ein allgemeines erleichtertes Aufatmen, da nun der steifste. nur allein der konventionellen Etikette gewidmete Teil des Hoffestes vorüber war. Eine sanfte Musik, von dem trefflich eingeschulten Militär-Orchester ausgeführt. ertönte aus den geöffneten Türen des in einem andern Flügel des Schlostes gelegenen TanzfaaleZ. Der größte Teil der Ein- geladcnen beeilte sich, der Aufforderung ihrer hohen Wirtin geinäß, draußen im Park frische Luft und womöglich etwas amüsanten Flirt oder auch ernstere zwanglose Unterhaltung zu suchen. Nur diejenigen, meist ältere Gäste, welche keinen Moment der allerhöchsten Gegenwart und damit vielleicht eine llhance, bemerkt zu werden, verlieren mochten, blieben standhaft im Saal: es waren vorwiegend solche, die unter dem Namen „Streber" bekannt sind, oder auch die harmlose Spezies derjenigen, welche nur von dem neugierigen Verlangen beherrscht wurden, diese ihnen sonst verschlostene Welt des königlichen Hofes einmal in der Nähe beobachten zu können.
„Germshoff, auf ein Wort!" wandte sich Gräfin Plesten an den eben davoneilenden Neinhold, welcher gerade im Begriff war, diese kleine Pause zum Begrüßen seiner nächsten Freunde draußen hu Park zu benutzen. „Majestät hat mich beauftragt. Ibnen einen kleinen Wunsch auszufprechen. Cie möchte, daß ! Sie die Polonaise mit Fräulein Antelmann eröffnen, — sie ist ganz entzückt von der jungen Dame und will sie durchaus so auszeichnen, daß sie nicht wieder „durchbrennt."
Gnädigste Gräfin, der allerhöchste Wunsch ist mir selbstverständlich Befehl," erwiderte Neinhold, „aber ob die Ausführung desselben den gehofften Effekt haben wird, wage ich nicht zu behaupten, denn Fräulein Antelmann ist durchaus anders, wie unsere durchschnittlichen jungen Mädchen."
„Nun. tun Sie immerhin Ihr Möglichstes. Gerrnshöffchen!" meinte die Gräfin lachend, „es wäre doch der Kuckuck", setzte sie in ihrer drastischen Sprechweise hinzu, „wenn unser schneidiger Kavalier das nicht zu Stande bringen sollte. Aber Sie machen wirklich ein Gesicht, als hätte man Ihnen eine unangenehme Zumutung gemacht. Ist es denn so schlimm, mit der hervorragendsten Schönheit des Tages tanzen zu sollen? Das ist mal eine verschrobene Jugend heutzutage!"
Reinholds Herz klopfte zum Zerspringen, halb vor Jubel, halb vor Bangigkeit. Nun gab es kein Ausweichen, — er mußte. Er sollte sie, die Herrliche, so heiß und hoffnungslos Geliebte. während der Dauer dieses schicksalsschweren Tanzes an seiner Seite haben, als zu ihm gehörig, er sollte ihre Hand halten. er sollte mit ihr allein reden, er sollte sie beim Schlußwalzer umfangen und einzige selige Sekunden lang ihr Herz an seinem
pochen hören! Troß dieses Taumels, der ihn ergriff, sagke'M sich: „Vorsicht! «ergiß deine Vorsätze nicht!"
Schnell eilte er hinaus, um die versäumte Zeit dnsn&rfeC Konnte ihm nicht schon ein anderer, der Marquis z. L. fam* gekommen sein? Eigentlich hatte er Frieda Tronthei» «efto* lern wollen. Aber für sie hatte er jetzt nicht einmal eine» tißen Gedanken. Arme Frieda, die vergebens auf ^ a*«* men wartete und deren Herz immer schwerer und schwerer warvef
Nach einigem Suchen entdeckte er Antelmanns in einem ab* gelegenen Parkwege, wo Tante Ella und Hilde auf einer saßen, während der Kommerzienrat und selbstverständlich der Marquis vor ihnen standen, damit beschäftigt. Hilde eine große Anzahl junger Herren vorzustellen, die sich beeilten, der eben am Gesellschaftshimmel aufgehenden neuen Sonne ihre Hub« digungen darzubringen.
Nachdem Reinhold Onkel und Tante begrüßt hatte, wandt« er sich ohne weiteres an Hilde.
„Mein gnädigstes Fräulein, darf ich um die Ehre zur Polo, naise bitten?"
Hilde sah ihn erstaunt an. Was fiel ihm ein? Nachdem er sie bis jetzt kaum jemals direkt angeredet hatte, nachdem sie* bisher so zu sagen, Luft für ihn gewesen, jetzt plötzlich diese Aufforderung, welche von ihm. als Vortänzer, die größte Auszeichnung bedeutete! Sie zögerte einen Momnt, sie war faktisch ver. blufft.
Dieses Zögern war ein gewisser Triumph für den Marquis. Er glaubte daraus zu erkennen, daß sie nur ungern dem jungen Offizier ihre Zusage geben und lieber mit ihm den wichtigen Tanz ausführen wollte.
„Gestatten Sie, Herr von Germshoff", fand er sich daher befugt, zu Neinhold zu sagen, „ich hatte bereits die Ehre . .
„Sie irren. Herr Marquis", erklang aber da Hildes ruhiae Stimme, „es ist die erste Francaise, welche ich Ihnen versprach, nickt die Polonaise, Herr von Germshoff, da ich noch frei bin. nehme ich Ihre Aufforderung mit Vergnügen an."
In den Augen des Marquis blitzte es zornig auf; dunkle Glut schoß in fein sonst bleiches Gesicht und ein finsterer Blick traf Neinhold. Doch verneigte er sich schweigend.
Hilde aber hätte nicht anders handeln können und wenn es ihr Leben gekostet hätte. Von ihm gewählt zu sein, mit ihm tanzen zu dürfen? Ein Freudenstrom durchrauschte sie. Und ihn gar zurückweisen um des Marquis willen? Unmöglich! Welch ein Glück, daß sie die Polonaise wirklich noch frei hatte! Aber wäre sie auch versagt gewesen, sie hätte ihm doch nie av- zusagen vermocht.
Nachdem Reinhold sich die Polonaise gesichert hatte, trat er mit zeremonieller Verbeugung zurück und begrüßte in liebenswürdiger Art den Kommerzienrat und feine Frau. Hilde wieder den sich eifrig um sie bemühenden Herren überlassend. Sie aber war. trotz ihrer gesellschaftlichen Gewandtheit, kaum im Stande, ihre Zerstreutheit zu verbergen. (Fortsetzung folgt.?
Danksagung.
Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem schweren Verluste meines knnlgstge liebten unvergeßlichen Satten, unseres lieben Sohnes, Bruders, Schwiegersohnes, Schwagers und Onkels
Herrn
Leutnant d. Nes. und Komp.-Führer im Leibg.-2nf.-Reg. Nr. 115 sagen innigsten Dank
Dorheim, den 9. Oktober 1918
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^railnstüikgütcr werden ain 10^ 11. und 12 . Oktober 1918 von Elationen des Direklionsbezirks Frankfurt lMainj zur Beförderung nicht angenommen.
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