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zu fürchten hat, denn die Schlinge ist nicht rtur gelockert, sondern abgeschnitten, er wird es uns einstens dankenI im Osten haben wir uns kümmerlich einige Reste der blut- erkausten Sieg^sbeute zugetan, noch gar nicht sicher, ob wir sie nicht nochmals verteidigen müssen und mit ihnen unser eigenes Land, unseren eigenen heimatlichen Boden. Aber auch das Wenige soll es nicht sein, so ist es beschlossen im Rat derjenigen, die allezeit ein warmes Herz bekundet haben für unsere Feinde, die Englands zusainmengeraubtes Riesenweltreich als etwas Selbstverständliches betrachten, dein eigenen Vaterlande aber jede neue Ackerkrume neiden. Und gerade diese Kreise drängen jetzt mit aller Macht, mit der ganzen ihnen eigenen Bedenkenlsfigkeit nach weiterem politischen Einfluß, einmal um die Heimatfront vollends zu zermürben, sodann aber, um den Feinden augenfällig zu machen, daß sie den Krieg ruhig weiter führen können, da sie keinerlei Buße dafür zu gewärtigen haben werden, ob sie uns noch Hunderttausende hinschür ..en und nock) weitere Millionen an den Bettelstab bringen. Man heißt das das Mittel, umzum Frieden zu kommen", in Wirklichkeit be­deutet es die Verlängerung des Krieges ins Endlose.

Schon als der Kampf um das preußische Wahlrecht ein­fetzte, haben wir offen und vorbehaltlos erklärt, daß wir der Arbeiterschaft, der sozialdemokratischen Arbeiterschaft ihre politischen Rechte ohne Einschränkung zugestehen. Ebenso­wenig haben wir auch nur die geringste Einwendung gegen das sozialdemokrattsckM Verlangen, an der Regierung teilzu- nehmen, denn die S^ialdemokratie ist nun einmal ein maß­geblicher Faktor im ganzen Volksleben, und wenn es so weit ist, daß das Parlamnet oder die Parteien selbst zur Regie­rung werden sollen, eine Frage, iiber deren Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit an sich man allerdings sehr verschiedener Auffassung sein kann, wir sagen nur, wenn es so weit ist, dann soll auch die Sozialdemokratie an der Regierung teil­haben, soll mit die Verantwortung tragen für das, was dem Volke' ausgebürdet wird. Aber auch in diesem Falle Haben wir wieder, wie in allen anderen, den vorgängigen Eigen­nutz, den Parteiegoismns in schärfster Ausprägung. Es wrrd nicht danach gefragt, wie die Mitarbeit in der Regierung am gedeihlichsten zum Besten des Allgemeinwohls betätigt werden kann, sondern diese Mitarbeit wird von vornherein an Bedingungen und Voraussetzungen geknüpft, die wohl auf das Parteiinteresse zugeschnitten sind, deren Erprobung für die Praris ober doch erst in der Regierung selbst gewonnen werden könnte- sonst ist und bleibt das Ganze eben Partei- Schablone, parteiliche Einseitigkeit, die dem Ganzen nie urw nimmer 'förderlich sein kann. Wie die Sozialdemcckratie aber schon die Bewilligung der Kriegskredite, also eine ab­solute vaterländische Notwendigkeit, von Zugeständnissen an ihre parteipolitischen Begehrlichkeiten abhängig gemacht hat, genau so verfährt sie jetzt bei dem von ihr selbst ausge­gangenen Verlangen, an der Regierung teilzunehmen. Sie stellt einMindestprogramm" aus, von dem sie die Gnade ihrer Teilhaberschaft an der Regierung abhängig macht, ein Mindestprogramm, das schlankweg eine Sozialisierung der Regierung, eine Sozialisierung der ganzen Kriegführung und eine Sozialisierung der kommenden Friedensschlüsse be­deutet. ,

Wir haben dieMindest"-Forderungen der Sozialdemo­kratie bereits mitgeteilt.

Die Regierung hat jetzt nicht rmr Gelegenheit, sondern direkt gezwungen, Farbe zu bekennen, das ganze Volk wis. sen zu lassen, welchen Kurs sie zu steuern gedenkt, zu zeigen, ob sie überhaupt noch in der Lage und Willens ist, wirkliche Führerin des Volkes zu sein, oder ob sie sich von den Strömungen einfach treiben läßt und das Höchste, was es für sie in der jetzigen Zeit geben kann, ihr Programm der nationalen Verteidigung, rücksichtsloser parteiegoistischer Ziel­strebigkeit preisgibt. Von der Regierung wird erwartet, muß erwartet und kann erwartet werden, daß sie Führerin des Volkes ist, nicht sich ans Gängelband nehmen und die Führung solchen überläßt, die die nationale Verteidigung von selbststreberischen Schachergeschäften abhängig machen, Strick um Stück hat sich die Regierung aus ihrer festen Haltung verdrängen lassen, jetzt mag sie beweisen, ob sie die strate­gischen Fähigkeiten besitzt, die Siegsriedfront zu behaupten, die ihr als Obrigkeit, als Schätzerin der Heimatfront über­antwortet ist.

An allen Fronten!

Nicht nur im Westen, sondern auch in Italien, Mazedonien und Palästina sehen wir in diesen Tagen gewaltige Anstrengun­gen der Entente in groß angelegten Ofsen-srohandlungen im Gange. Hauptfroitt bleibt natürlich stets die Westfront, wo wir die Anstürme der Heere Frankreichs, Englands und Ameri­kas auszuhalten und abzuwehren haben. Die letzten Tage brachten uns dort auch vollen Erfolg. Ob sich der Engländer auf Grund dieses letzten schweren Mißerfolges, den er in fei­nem Heeresbericht vom 21. 9. abends lediglich alskleineZ Unternehmen" hinstellt - man sieht, wie lügenhaft die feind­liche Berichterstattung arbeitet, immer noch auf den Durch­bruch unserer Siegsriedfronb versteift, oder ob er weiter nörd­lich sein Heil versucht, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls hat er nach dem Stande seiner Reserven und seines bisherigen Truppeneinsatzes noch Kräfte genug, um in seiner Offensive, so­gar noch unter Steigerung des Einsatzes, fortzufahren. .

Eine Fortsetzung haben wir also unter allen Umständen zu erwarten, sowohl an der englischen Front, als auch an der fran­zösischen stehen uns sicherlich bis tief in den Herbst hinein vielleicht noch länger große und schwere Kampfe bevor.

Ob der Franzose seinen Nachdruck mehr in die Gegend zwi­schen Atlettr und Aisne legen wird oder zum einheitlichen Vor­gehen mit den Amerikanern zwischen Verdun und Toul neigt, ist ja neulich schon besprochen worden. Der Schwerpunkt scheint mehr in letzterer Gegend zu liegen, wo mit einer gesteigerten Fortsetzung der Großangriffe gerechnet werden kann.

Trotzdem haben wir keinen Grund, die strategische Lage als gefährdet anzufeheu. Wir stehen in gut ausgebauten geeigne­ten Stellungen, haben unsere Kräfte nach Möglichkeit gespart und werden auch jeden weiteren Ansturm brechen. Zuversicht­lich können wir also die kommenden Ereignisie abwarten.

Zn Italien sind die Anstürme des Feindes im Gebirge zwi­schen Brenta und Piave völlig gescheitert; verräterischen Tscheche-Slowaken ward bei einem gelungenen Stoßunterneh- men unseres Bundesgenossen der verdiente Lohn.

Zn Mazedonien, wo die ganzen letzten Monate die Kampf- Handlung auf Erkundungen und Teilangriffe beschränkt geblie­ben war, hatte der Feind bei Beginn der günstigeren Witte­rung nunmehr zu starker, numerisch überlegener Offensive zwi­schen Cerna und Wardar angesetzt. Bei Dobropolje hatte diese Offensive Erfolg, beiderseits des Do'ran siegte die Abwehr. Im­merhin erschien in Anbetracht der Lage im Einbruchsraum zwi­schen Cerna und Wardar eine Frontzurücknahnre geboten. Mag diese auch ein beträchtliches Geländestück freigeben, so erscheint letzteres doch unwesentlich im Verhältnis zur Gesamtlage. die trotz zu erwartender weiterer Kämpfe sich in neuen Stellungen wohl wieder festigen wird. Große Frontausdehnung, ungünstige Geländeverhältnisie sprachen dagegen, den Erfolg der Entente- truppen, die aus Serben, Franzosen, Engländern und Griechen bestanden, etwa durch Gegenangriff wieder wettzumachen. Die ganze Eigenart des Kampfplatzes mit seinen Gebirgen, wenigen Verbindungen bringt es mit sich, daß die Lage sich erst langsam klären wird, daß ein Ueberblick erst allmählich gewonnen wer­den kann; dies geht aber beiden Parteien so.

Zn Palästina haben die Engländer, ebenfalls zu Beginn der günstigen Jahreszeit, nach anscheinend langen Vorberei­tungen zu starker Offensive zwischen der Küste und dem Zordan- tale angesetzt, in allgemein nördlicher Richtung. Aufrührerische Banden scheinen ihnen gegen die linke Flanke der Türken in der Gegend der Hedschasbahn Judasdienste zu leisten. Aehnlich wie vor Monaten bei Gaza, hat der Feind einen Erfolg er­rungen. die türkische Front mußte dort nach Norden zurückge­nommen werden. Klar läßt sich die Lage auch dort noch nicht übersehen, auf jeden Fall ist die Lage der türkischen Verbände in ihrer Rückwärtsbewegung nach Norden nicht ganz einfach; ein Fortgang der Kämpfe steht also auch dort zu erwarten.

So sehen wir an allen Fronten gewaltige Anstrengungen der Entente, militärische Entscheidungen zu erzwingen, um sie politisch auszunutzen.

Um so größere Bedeutung hat unsere Hauptfront im Westen. Sie wird halten, trotz des Kampfes an allen Fronten.

Der Kämpfer.

Von Hildegard Gemmecker.

Vorwärts!" tönte der Befehl an sein Ohr,vor­wärts!" In rasendem Tempo gings weiter. Kanonen donnerten, Granaten sausten, Schrapnells platzten, Gewehr­feuer knatterte. In all dem Lärmen und Toben konnte er nicht denken. Er fühlte nur, fühlte, daß ihm in dieser Schlacht die Erfüllung ward, die er seit seinen Knabenjahren herbei­gesehnt hatte. Er ward von dem Geist beseelt, der ihn einst beim Lesen der Helden geschickten getragen und in der Ge- schichtsstunde erfüllt hatte. Und die vielen stummen Kämpfe, die er allein in seinem Innern siegreich durchsuchten, belebten Zeine Seele. Rechts und links von ihm fehlte bald, dieser,

bald jener Kamerad, sie waren dahinten geblieben. Ein keines Häuflein nur noch, das sich dem Ziele näherte. T?. auf einmal riß ihn ein dumpfer Schmerz zu Boden, er sah noch die Sonne im Mittag stehen, dann ward es vor seinen

Augen dunkel.-Silbern und golden glitzerten die

Sterne am nächtlichen Himmel, als er die Augen wieder auf­schlug. Lautlose Stille lag in der Luft. Wildes Pochen und Schmerzen der rechten Hüfte hatten ihn erweckt. Warmes Blut quoll aus der Wunde und durchnäßte ihm die Kleider.

. Sein Kopf brannte in fiebernder Glut. Kühle. Nachtlus!, umstrich ihm sanft die Schläfen. Ob sis ihn wohl noch reck-tzeitig finden würden? Er wollte schreien vor Schmerzen dann würden sie ihn vielleicht finden und könnten ihn: helfen. Aber er konnte keinen Laut hervorbringen. Und es war Nacht und man konnte ihn leicht übersehen, zumal er in einem Graben lag. Er wollte jetzt nicht kleinmütig T^tu, er hatte als Held gekämpft, er wollte als Held sterben. In seinen Gedanken tastete er langsam zurück nach den letzten Geschehnissen. Ob die andern wohl noch das Dorf genommen.^ hatten? Ob er das je erfahren würde? Unweit von ihm fing jemand zu singen an, andre fielen ein:Nun

danket alle GottDas waren wohl leichter Verwundete, die wußten vom Sieg. Stolz erfüllte seine Brust. Das Bewußtsein zum Sieg beigetragen zu haben, ließ ihn einen Augenblick seine Sckpnerzen vergessen. Als die Kameraden das Lie>d zu Ende gesrmgen hatten, war. die Seele aus dein Körper des Kämpfers entflohen. . Sie hatte sich aufge- fchwungen, und die Morgenwinde, die zu wehen anfingen, trugen sie in eine reine, lichte Welt.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

18. Sonntag nach Trin., 29. Sept. 1918. Gottesdienst in der Stadtkirche.

Vormittags 9% Uhr: Herr Etappenvfarrer Keller Abends £P A Uhr: Herr Direktor Schoell.

Abends 8*4 Uhr: Herr Pfarrer Kleberger.

Gottesdienst in der Burgkirche. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst. Herr Pfarrer Ritter.

Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach.

Vormittags 10 Uhr Goftesdienst. Nachmittags 2 Uo; Kriegsandacht. ^

Katholische Gemeinde.

Sonntag, den 29. Sept. 1918, 19. Sonntag nach Pfingsten.

Beichtgelegenheit am Samstag von 5 Uhr an und Sonntags früh von 6 Uhr an. i/ 2 7 Uhr Frühmesse.

8 Uhr hl. Messe. y 2 10 Uhr Hochamt mit Predigt.

Nacknnittags 2% Uhr Andacht; darnach V - v ' ' 1 - -

des Mutter-Vereins.

Während der Woche: Um 7 Uhr hl. Messe.

Freitag, abends 8 Uhr: Kriegsandacht.

Nach dem Hochamt Ausgabe von Büchern aus* der Boc- romäus-Bücherei.