Herzenskampfe.
Roman von Helene Echutky, geb. von Eersdorff. ' (Copyright 1915 by C- Ackermann-Stuttgart.)
2) Nachdruck verboten
Um der Unterhaltung eine andere Wendung zu geben, wandte er sich mit einer Frage an die Dame des Hauses:
„Werden wir bald das Vergnügen haben, Ihr Fräulein Nichte mit dem Herrn Vater hier zu begrüßen?" sagte er, sich Verbeugend. „Ich traf die Herrschaften öfters auf ihren Reisen, zuletzt in Paris, und denke mit großem Vergnügen an die mit ihnen verlebten Stunden zurück."
„Ach, Sie meinen Hilde Antelmann und meinen Schwager Karl, den Geheimrat?" erwiderte die Kommerzienrätin, deren Gedanken schnell in einen anderen Kanal einliefen. „Allerdings erwarte ich sie sehr bald, d. h. Hilde allein, denn der gestrenge Papa wird sie nicht hierherbegleiten, sondern in einer Sommervilla am Ufer des Rheins bleiben. Wer dann warne ich Sie Alle, meine Herren! Passen Sie auf. wahren Sie Ihre Herzen und Sinne! Meine Nichte Hilde ist ein gefährliches Geschöpf, eine blendende Schönheit und dazu Besitzerin mehrerer Millionen!"
Wieder entstand allgemeines ftöhliches Gelächter. Jeder der anwesenden jungen Herren, meistens Offiziere des hier gar- nisonierenden Garde-Regiments, junge adelige Gutsbesitzer, auch Mitglieder der „haute finance", versicherte mit lustiger Bestimmtheit, er werde nicht ruhen und rasten, bis er diese wunderbare Jungfrau für sich erobert habe. Nur Reinhold von Eermshoff und Marquis Reymond nahmen nicht teil an diesen halb ernsten, halb scherzhaften Beteuerungen. *
Bald darauf erfolgte der allgemeine Aufbruch. Die Gäste verabschiedeten sich von dem Herrn und der Dame des Hauses unter den üblichen Dankesbezeugungen und höflichen Redensarten.
2. Kapitel.
Die jungen Herren befanden sich auch unterwegs noch immer in einer gewissen Aufregung über die Nachricht von dem bevorstehenden Eintreffen der schönen jungen Erbin. Obgleich keiner von ihnen so gänzlich mittellos, ja geraden arm war, «pne Leutnant von Germshoff, so mußten sie doch bei der Wahl einer Lebensgefährtin mehr oder minder auf Vermögen von ihrer Seite rechnen.
„Du, Reim," sagte Leutnant Gustav von Raundorff, der intimste Freund Reinholds, sich vertraulich an seinen Arm hängend, „weißt, waß mir gleich in den Sinn kam, als ich von diesem Goldfisch hörte? Das wäre etwas für dich, unsern Adonis s Dir würden wir alle, zunächst ich selbst, dies große Los in der Schicksalslotterie mit Freuden überlassen. Denk nur, ein schönes Mädchen, schwer reich, aus guter Familie, wenn
auch nicht von Adel! Alle Detter! Ist Las eine Tchancef And **tm du willst, so sicht sie natürlich keinen Andern an, — das tst bombensicher!"
„Gustav, mein Sohn, beruhige dich!" entgegnete Reinhokd vollkommen kaltblütig, „du phantasierst! Fällt mir nicht im Traum ein, mich um die Märchenprinzeß, — pardou, wollte sogen, um die Millionenprinzeh zu bewerben. Wäre sie dazu schön wie Venus, klug wie Minerva, gut wie die Güte selbst, — nein, für mich existiert sie nicht. Was? ich ein Mitgiftjäger? Pfui, diese Sorte kam mir von jeher zu erbärmlich vor! Nein, das gibts nicht. Eustävchen, von mir aus ist die Bahn für dich und jeden Anderen frei! Doch würde ich dir auch lieber raten, deine Manneswürde zu wahren und den Tanz um das „goldne Kalb" nicht mitzumachen."
Gustav sah seinen Freund erstaunt und bewundernd an. Wahrhaftig, dieser ideale Stolz hatte etwas Hinreißendes! Es war fein, bei aller Armut, die ihm bester bekannt war als den übrigen Kameraden, den edelnden Mammon so großartig zu verachten! Das imponierte ihm riesig, auf Ehre!
„Höre", erwiderte er nachdenklich, „du hast eigentlich Recht: es ist wahrhaftig erbärmlich, auch nur in Gedanken auf ein Mädel Jagd zu machen, das man gar nicht kennt, nur weil man hört, daß sie klotzig reich ist. Nee, hübsch ist das nicht."
„Also, da wären wir mal wieder einig, — famos! Lasten wir die Andern machen, was sie wollen. Wir könnens ja doch nicht ändern! Mir tut eigentlich die junge Dame leid. Wer weiß, in was für Hände sie fällt! Nun, vielleicht ist sie klug genug, den Humbug zu durchschauen."
In den nächsten Tagen vermied es Reinhold, sofort, wie es sonst seine Gewohnheit als Hausfreund mit sich brachte, die Antelmannsche Familie zu besuchen, indem er Dienstangelegenheiten vorschützte. Er wollte während der bevorstehenden Anwesenheit der vielbesprochenen Nichte, die immer noch das Hauptgesprächsthema seiner Kameraden bildete, möglichst wenig dort verkehren, und um diese Absicht seiner scharfsichtigen, mütterlichen Freundin möglichst zu verbergen, fing er schon vorher an, sich zurückzuziehen.
Doch konnte er es nicht umgehen, — wollte er nicht undankbar und unhöflich erscheinen, — die Einladung zum Mittagesten zum nächsten Sonntag, ganz ,.en famille", wie es in dem liebenswürdigen Briefchen der Kommerzienrätin hieß, anzunehmen. Fräulein Hilde Antelmann mußte wohl unterdesten an- g^kommen sein' er würde nicht vermeidn können, sie kennen zu lernen, wollte ihr aber sogleich durch zurückhaltendes Benehmen zeigen, daß er keineswegs gesommen sei, sich vor ihren Triumphwagen spannen zu lasten.
Nachdem er sich durch den Diener hatte anmelden lasten, trat er in das ihm wohlbekannte Boudoir der Kommerzienrätin. Aus dem nebenan gelegenen Salon tönte ihm meisterhaftes
Todes-Anzeige.
Allen Freunden und Bekannten die ttauttqe Mitteilung, daß heute morgen mein innigstgeliebter unvergeßlicher Mann, mein lieber Sohn, unser guter Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel
Bureau-Beamter auf Grotzh. Rentamt Vav-Nauheim
»ach kurzem, schwerem Leiden im 39. Lebensjahre enischlasen ist.
Keichelsheirri/ Burg-Gräfenrode, den 26. September 1918.
Mathilde Opificius geb. Vetter August Opificius
Hermann Opificrus, z. Zt. im Felde, u. Familie Otto Opificius und Familie Karl Opificius und Familie und Hochstein Wwe.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 29. September, nachmittags 2 Uhr, in Reichelsheim statt.
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imiitags von 121/2 bis i 1 /^ abends mit 6 Uhr und Sonntags ganz geschlossen.
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Klcrvierspiel entgegen, sein feines musikalisch geübtes Ohr er* kannte mit Vergnügen eins der duftige», zarten Chopinschen Nocturnes, die er besonders liebte.
„Ach, was!" dachte er trotzdem gleich darauf halb ärgerlich, „nun hat sie auch noch dazu echte Musik in sich! Muß denn „Ein Menschenkind Alles auf einmal haben?"
„Nun, Germshoff, was sagen Sie zu dieser fismoll-Noc- turne?" fragte die eintretende Kommerzienrätin den eiftig Lauschenden lächelnd. „Nicht wahr, mehr Technik und poetische Empfindung, als wir oft im Konzertfaal zu hören bekommen? UebrigenZ, wenn sie wüßte, daß Jemand zuhört, noch dazu Jemand mit so kritischen Ohren, dann hätte sie längst aufgehört. Sie hat nämlich die Eigenheit, mit ihrem hervorragenden musikalischen Talent nicht glänzen zu wollen, sondern es nur für sich und ihre Allernächsten auszuüben. Sie sagt, die Musik sei ihr heilig, sie wolle sie nicht profanieren. Komisches Mädel, nicht wahr? Ein bißchen hochgeschraubt! Du lieber Gott, wozu hat man denn ein Talent, wenn man es verstecken will, als wäre es eine Sünde?"
Reinhold zuckte nur die Achsel. Er verriet mit keiner Silbe, wie sehr sympathisch ihn dieser kleine vornehme Zug berührte.
Eben verklang nebenan der letzte leise Ton, und die Spielerin erschien in der geöffneten Porttere. Also so sah sie aus? Eine schlanke mittelgroße Figur von vollkommenem Ebenmaß, ein feines Köpfchen mit reichem dunkelglänzendem Haar, das in natürlichen Wellen das zarte blaste. nicht regelmäßige Gesicht umrahmte. Und diese Augen! Groß, aber nicht übergroß, mit einem strahlenden, tiefen Blick, von langen Wimpern umschattet, zuweilen blaugrau, zuweilen tiefschwarz erscheinend. Ja, sie war schön, wahrhaft edel schön, viel schöner, als er sie sich vorgestellt hatte.
„Gnädiges Fräulein werden uns längere Zeit hier mit Ihrer Gegenwart beglücken?" sagte er nach erfolgter Vorstellung absichtlich in dem banalen Salonton, den er sonst nicht leiden konnte.
„Das kommt ganz darauf cm, wie lange mein Papa mir Urlaub gibt und — wie lange Tantchen mich hier haben mag" sagte sie, mit einem frohen Lächeln zu der sie ganz entzückt be- ttachtenden Kommerzienrätin hinüberblickend.
„O du Schelm! du weißt wohl, daß ich dich am liebsten immer um mich hätte! Warum bist du nicht meine Tochter? Das wäre herrlich!"
„Ja freilich, dann hätte die weltfrohe Frau Kommerziell- rattn doch noch mehr Veranlastung, ein großes Haus mit Bällen, Gesellschaften usw. zu machen. Das wäre allerdings sehr schön!" lachte Hilde harmlos ftöhlich, der leise Spott, mit dem sie die Vergnügungslust ihrer Tante ironisierte, klang gar nicht bitter, sondern sogar liebenswürdig.
Fortsetzung folgt.
Theater in Wilberg.
(Saalbau.)
GaNspiel b. fra«hf«rt. Operetten!Kraters. Direktion: Matthäus Hentz (14 Personen)
Samstag, den 28. «nd Sonntag, den 29. Sept., abends 8 Uhr: Der neueste Operettenschlager! 17 Eejangsnummern! 2n Berlin bereits über 100 Mal mit großem Erfolg aufgeführt!
Das Drei-Büöerl-Haus.
Operette in drei Akten.
Karten dazu im Barverkauf in der Buchhandlung C. Bindernagel und im Zig.- Geschäft I. Stern zu haben: Rum. Platz 3.- Mk.. 1. Platz 2 — Mk. 2. Platz und Gallerte l.—Ml. Abendkasse 3,30. 2.20. 1,10 Mk. Programm 10 Pfennig. Bitte ptite ablegen. Rauchen polizeilich verb.
Einlah 7 Uhr. Ende nach 10 Uhr.
An beiden Tagen nachmittags 4 Uhr Kindervorstellung.
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Eine lustige Vubcngeschlchte in sieben Akten.
Bitte nicht mit bisherigen Aufführungen zu verwechseln! Alle Rollen einzeln besetzt. 14 Personen!
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