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November werde eine allen LereWgten Klagen entsprechende Aenderung in die Wege geleitet sein.

mt Sfiiit das Dückarat des hknes.

Dauzig, 25. Sept. (WV.) Auf eine von den Vertretern der ostdeutschen Presse gelegentlich einer Pressebesprechung an Generalfeldmarschall v. Htndenburg gerichtete Drahtung traf folgende Antwort ein:

Der Gruß der Männer aus der Ostmark hat mich und Ge­neral Ludendorff sehr erfreut. Möge die Mitarbeit der deut- scheu Presse an der bedeutungsvollen Pflicht, die Zuversicht und den Siegeswillen zu erhalten und zu pflegen, von vollem Erfolg gekrönt sein. Die Heimat ist das Rückgrat des Heeres. Die Heimat und das Heer wird Ihnen für Ihr Wirken danken. Die Friedenshand will der Feind nicht und darum steht Deutschland um so fester zusammen. Der Gegner Ansturm wird an diesem Fels zerschellen.

'Ttv fjttilct* in Kiel.

Kiel, 25. Sept. (WB.) Der Kaiser ist hiev-heute vor­mittag eingetroffen. Mittags begab er sich nach dem Exerzierplatz in der Wik. wo Abordnungen aller Truppen­teile der Garnison Aufstellung genommen hatten. In einer Ansprache erinnerte der Kaiser daran, wie er in früheren Jahren oftmals hier in Kiel geweilt vnd bei zahlreichen Vereidigungen Gelegenheit gehabt habe, die jungen Mann­schaften an ihre Pflicht gegen das Vaterland zu erinnern. Coronet, Skagerrak sowie die tapferen Vorstöße unserer Torpedoboote gegen die feindliche Küste hätten bewiesen welcher Geist in der Flotte bernd-ie. Die Ruhmestaten der Flotte seien denen der Armee gleichwertig. Der Kaiser überbrachte sodann die Grüße der an der Westfront kämpfen­den Kameraden und forderte zum Schluß auf, dafür zu sorgen den U-Bootkrieg in voller Wirksameit zu erhalten, damit den Truppen an Land auch weiterhin geholfen und ermög­licht werde, den schweren Kampf mit Erfolg durckzufübren > Der Nachmittag war Besichtigungen auf der Kaiserlichen Werft gewidmet. Auch hier wandte sich der Kaiser mehr­fach an Arbeiter und Arbeiterinnen zu eingehendem Ge­spräch. Auch beim Besuch der Torpedowerkstatt in Friedrichs­ort sprach der Kaiser mehrfach Beamte, Angestellte, Arbeiter i*nb Arbeiterinnen an.

Kiel, 25. Sept. (WB.) Der Kaiser begibt sich heute von Kiel nach Eckernsörde. wo Hebungen der il-Bootschule stattfinden werden. Die Rückkehr nach Kiel ist für heute abend 6 Uhr vorgesehen.

Kn GdanlUim-AnstaM.

Berlin, 24. Sept. (WB.) Die französisch« Regierung halt« wie erimrerlich, den in Bern vereinbarten großen Austausch Kriegsgefangener und Zivilinternierter willkürlich eingestellt, als erst wenige Austauschzüge in Deutschland einqetroffen wa-ien. Im Interesse der schwergeprüften deutschen Kriegsgefangenen und Zivilinternierten und ihrer Angehörigen wurden von der ; deutschen Regierung sofort alle Schritte unternommen, um eine baldige Wiederaufnahme des Austausches durchzusetzen. Das Ziel ist erfreulicherweise bereits zumteil erreicht. Ein Aus- taufchzug mit Kriegsgefangenen aus Frankreich wird am 26. d. M. an der deutschen Grenze eintreffen. Vom 8. Oktober ab sollen wieder von deutscher und französischer Seite wöchentlich . je zwei Züge mit Kriegsgefangenen abgelassen werden. Es ist zu hoffen, daß in Zukunft erneute Störungen des segensreichen Liebsswerks nicht Vorkommen werden und daß auch der Aus- iausch von Zivilinternierten baldigst wieder ausgenommen wer­den wird.

Eegkn dss Mn " rwn ^r^fin^atlanrn!

Eine Knndgebvng des Hanfabnndes.

Berlin, 24. Sept. (WB.) Eine Kundgebung für den so- ' fortigen Abbau der Kriegswirtschaft nach dem Frieden und für J die Freiheit der Wirtschaft veranstaltete am Dienstag abend in der Philharmonie auf Veranlassung und pnter Mitwirkung ; von 94 wirtschaftlichen Verbänden der Hansabund für Gewerbe, Handel und Industrie.

Geh. Iustizrat Prof. Rießer wies auf den Ernst und das Gebot der Stunde hin. Es sei des deutschen Volkes nicht wür­dig, nach vier Jahren unerhörter Leistungen unserer Kamns-'c bei einem vorübergehenden Rückschlag an der Front die zuver­sichtliche Stimmung zu verlieren. Die neunte deutsche Kriegs­anleihe müsse darum den überwältigenden Beweis liefern, daß die Heimat mehr denn je unerschütterlich vertraue auf Deutsch- j lands siegreiche Verteidigung und die Behauptung seiner freien Wirtschaft nach dem Kriege Das deutsche Volk müsse aber ver- .langen, daß sein harter Kampf nicht dauernd und in immer größerem Maße durch unzählige Verordnungen und Zwangs­vorschriften unnötig erschwert werbe.

Iustizrat Dr. Waldfchmidt (Berlin) wies auf die Gefahr hin, die dem wirtschaftlichen Liberalismus daraus erwachse, baß sich die Forderungen der Sozialdemokratie, die Lehren der Staatssozialisten und gewisse Traditionen des allpreußischen Antertanenstaates zusammengefunden haben, um auch nach dem Kriege Zwangsorganisationen für die Beschaffung und die Ver­teilung von Robstosten, die Erzeugung und den Vertrieb von Fabrikaten zu schaffen. Er empfahl dringend, die Beschaffung und den Vertrieb von Rohstoffen sofort nach Friedensschluß dem freien Handel zu überlassen, da von den meisten genügende Mengen auf dem Weltmärkte vorhanden sein würden und die deutsche Währung nur durch Besserung der Handelsbilanz, durch Schiffahrt für ausländische Rechnung, durch Ausländsanleihen vnd private Kreditbeschaffung gebessert werden könne.

Reichstagsabgeordneter Kommerzienrat Stoeve führte aus: An Stelle der gefesselten Kriegswirtschaft muß so bald wie mög­lich die Freiheit treten, deren der Kaufmann bedarf. Wir kön­

net und werden den schweren Kamps, den wir nach dem Kriege durchkämpfen müssen, nur dann bestehen, wenn Gewerbe, Han­del und Industrie die notwendige Lebenslust wieder erhalten. Diese Lebenslust heißt Freiheit!

In dem gleichen Sinn äußerte sich Reichstagsabgeordneter Stubmann als Wortführer der freien Hansastädte und ihres Handels. Die Nöte des Handwerks schilderte Reichstagsabge- ordneter Bartschat.

Reichstagsabgeordneter Böhme (Berlin) betonte, daß in keiner Bevölkerungschicht die heutige Zwangswirtschaft so ver­urteilt werde wie in der Landwirtschaft, in der die Unlust zur Produktion zunehme. Die Freiheit der Betätigung werde nach dem Kriege um so nötiger fein, da der vielfach ausgesogene Bo­den und die ihres Inventars beraubten Wirtschaften wieder hergestellt werden müßten.

Im Namen der Arbeitsgemeinschaft der kaufmännischen Ver­bände betonte Dr. Enke (Hamburg), daß auch die Angestellten die freiheitliche Entwicklung des deutschen Handels als Vorbe­dingung zum Wiederaufbau unserer Weltgeltung wünschten. Auf die Dauer hindere die Kriegsorganisation den Aufstieg der Angestellten zur Selbständigkeit.

Schließlich erhob die Versammlung in einer Entschließung Einspruch gegen die Richtung dnd Häufung von Regierungsmaß­nahmen zur Regelung der Uebergangswirtschaft. insbesondere gegen das Ueöermaß von Organisationen, wie sie z. B für d'e Textilbewirtschaftung vorgesehen sind, und gegen die Ermäch­tigung des Vundesrais zur Regelung der Ueberaangswirtschaft. Jeder einzelne staatliche Eingrist dürfe nur im Einvernehmen mit dem Reichstag und nach Anhörung der beteiligten Kreise getrosten werden. Die Entschließung widerspricht auch der Bil­dung neuer Gesellschaften für wirtschaftliche Maßnahmen, da die bestehenden ausreichten siir die möglichst kurre Uebergangszeit. Die bei Friedensschluß im Besitz der Kriegsgcsellschasten befind­lichen Rohstoffe würden für kleine, mittlere und still gelegte Be­triebe ausreichen. Die Entschließung erhebt Einspruch gegen die Gewährung von ausschließlichen Rechten an Personen oder Gesellschaften und gegen die staatlich a.e^eitete Wirtschaft mit Verteilungsmaßskäben Sie fordert Wiedecberstellung der un­gehinderten Individualwirtschaft und erwartet daher die Be­freiung des deutschen Seeverkehrs und der Einfuhr von allen Fesseln, abgesehen von den Maßregeln der notwendigen Ver­geltungspolitik

"as fmli der Weih

Alle Welt ist hungrig nach Kalisalzen. Aus allen Gegen­den werden verminderte Ernten gemeldet, weil dieses vielbe­gehrte Salz fehlt. Deutschland besitzt ein Monopol in der Er­zeugung von Kalisalzen. Wie oft schon wurde von unseren Feinden freudestrahlend verkündet, daß in diesem oder jenem Lande erst kürzlich wieder in Amerika das Vorkommen von Kali entdeckt worden, sei. Immer wieder erwies sich die Hoffnung als trügerisch und obne das deutsche Kali knnn man das Magenknurren der Ackerkrume der feindlichen Länder nicht beschwichtigen.

Es dürfte wissenswert sein, die Zahlen über den Verbrauch von Kali in Friedenszeiten-kennen zu lernen. Danach ver­brauchte die Landwirtschaft im Jahre 1913 in Europa 7K Mil­lionen Doppelzentner Kali. Am größten war der Verbrauch natürlich in Deutschland, wo 5,3 Millionen Doppelzentner ver­wendet wurden, ein Beweis für das Verständnis, das die deutsche Landwirtschaft allen Mitteln zur Verbesserung des Bodenge­halts entgegenbringt. Der nächstgrößte Verbraucher war Hol­land mit 435 000 Doppelzentnern, Frankreich mit 331 000 Dop­pelzentnern folgte. Es schlossen sich an: Rußland mit 227 000 Doppelzentnern. Oesterreich mit 210 000. Schweden mit 195 000. Belgien mit 132 000. England mit 130 000. Spanien mit 83 000. Dänemark mit 75 000 Schottland mit 71 000, Italien mit 64 000. Ungarn mit 40 000. Norwegen mit 36 000, Irland und die Schweiz mit je 33 000, Finnland mit 16 000, Portugal mit 12 000. Luxemburg mit 4000 und die Balkanländer mit 2000 Doppelzentnern.

Asiens Landwirtschaft verbrauchte 57 000 Doppelzentner. Es ist bemerkenswert, festzustellen, wie das deutsche Erzeugnis sich selbst in diesen fernen Weltstrichen durchgesetzt hat. Der beste Abnehmer war die Insel Ceylon mit 26 000 Doppelzent­nern. Dann kamen Japan mit 12 000, Ostindien mit 11 000. Sumatra mit 4000. Java mit 1500, die Philippinen mit 750. China mit 634. Kleinasien mit 540, Tonkin und Kochinchina mit 248. die Malaiische Halbinsel mit 156 und Celebes mit 3 Doppelzentnern Kali

Die Landwirtschaft Afrikas lvurde mit 44 000 Doppekzeitt- nern gespeist. Davon bezogen Aegypten 15 000 Doppelzentner. Algier 14 600. die Canarischen Inseln 11 000, die deutschen Ko­lonien Aftikas 10 000. Angola 3000. San Thoms. Madeira und Mauritius je 1200. Kapland 725, Tunis 381, die Azoren 124 und Franzofisch-Kongo zwei Doppelzentner.

Deträchtllch war der Verbrauch der amerikanischen Land­wirtschaft. Er belief sich auf 2 l A Millionen Doppelzentner. Da­von nahmen die Vereinigten Staaten von Nordamerika 2,3 Mil­lionen Doppelzentner an. Hawai beteiligte sich mit 38 000 Dcppelzentner. Westirrdien mit 25 000. Eanada mit 14 000, Bra­silien mit 12 000. Peru mit 10 000, Zentralamerika mit 2000. Chile mit 2000. Mexiko mit 900. Argentinien mit 333, Uruguay mit 201. Britisch-Guyana mit 128 und Columbien mit 43 Dop­pelzentnern. Je einen Doppelzentner bezogen Niederländisch- Euayana und Ekuador.

Die Landwirtschaft Australiens forderte 25 000 Doppelzent­ner an. die der Südfeeinstln 565. Also kein Fleckchen der Wett, wo das Kali nicht geschätzt wird.

Die steftchloleii Wochen.

Berlin, 25. Sept. Die verschiedentlich verbreitete Nachricht, daß auch in den Monaten November. Dezember und Januar mit fleischlosen Wochen zu rechnen sein werde, wird jetzt vom Kriegs, ernährungsamt bestätigt

Uom Felde

der Ehre.

Friedüerg, 27. Sept. Dem städtischen Vorarbeiter Philipp Stein aus Dorheim, Landsturmmann im Landsturm-Bataillon Friedberg, wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen. Unseren herzlichen Glückwunsch!

Ans der Heimat.

Friedberg, 27. Sept . (Theater im Saalbau.) Wie bereits schon hingewiesen, bringt Direktor Henß den neuesten OperettenschlagerDas Drei-Büberl-Haus" diesen Samsto, und Sonntag Abends 8 Uhr hier zur Aufführung. Die Ankün­digung allein dürfte schon genügen, um das Theater an den beiden Tagen bis auf den letzten Platz zu füllen. Die neue Operette enthält 17 Gesangsnummern, wovon die meisten wohl bald als Schlager bekannt sein werden. Es dürfte wohl aanz selbstverständlich sein, daß alle diejenigen, welche dasDrei- Mäderlhaus" gesehen, sich auch dasDrei-Büberl-Haus" nicht entgehen lasten. Um einen Andrang am Sonntag zu oermei. den, dürfte es geraten fein, daß ave Theaterbesucher, welche am Samstag Zeit haben, die Vorstellung an diesem Tage besuchen Das Gleiche gilt auch für die Kindervorstellung, wo an beiden Tagen nachmittags 4 UhrMax und Moritz, die bösen Buben" gegeben wird. Näheres siehe heutige Anzeige.

Ans Hkssen-Nassau.

FC. Wiesbaden, 25. Sept. Am 29. Mai, Pfingstdienstax v. I. fand in Oesterich eine Weinverfteigerung von Josef Huf. nage! aus derKrone" in Aßmannshausen von 1915er und 16er Weinen statt. Die Ankündigung der Firma Hufnagel für die Weinversteigerung erregte schon Aufsehen: Der Weinkontrol­

leur stellte an den Probetagen für die Weinkommissionäre fest, daß die Weine nicht der Bezeichnung rm Katalog entsprachen und es sich teilweise um gezuckerte Berschnittwekne der Firma han­delte. Er begab sich dieserhalb zu Josef Hufnagel, einen der drei Brüder des Geschäfts und stellte auch hier einige unlautere Machenschaften fest, ferner, daß die imSchwanen" zu Oestrich zur Versteigerung lagernden Meine nicht nur aus der Kellerei Hufnagel stammten, sondern teilweise, besonders die Weiß- weme der Firma Ueberle & Oberhaupt in Heidelberg waren. Dieser Umstand wurde kurz vor der Versteigerung bekannt ge- geben. Die Meine erzielten alle die heutigen hohen Preise, die oft eine fabelhafte Höhe erreichten. Der der Versteigerung beiwohnende Weinkontrolleur erstattete nunmehr gegen Josef Hufnagel in Aßmannshcmsen und den unter der gleichen Flagge versteigernden Inhaber der Firma Ueberle & Oberhaupt in Heidelberg, weil dies nicht erlaubt und der anderen Unregel­mäßigkeiten wegen Sttafanzeige wegen Kriegswucher. Die F^rma Hufnagel, die das erstemal eine derartige Versteigerung abhatten ließ, verkaufte ihre Weine, deren Eesamtpreis nebst Unkosten 28 447,47 betrug für 83120.00 Mark, erzielte somit einen Gewinn von 50 000 Mark gleich 200 Prozent. Die der Hufnagelschen Versteigerung angehängte Versteigerung der Hei- delberger Firma, deren Gesamtpreis nebst Unkosten 20 858.52 Mk. betrug, erzielte eine Einnahme von 75 580.00 Mark. Auch hier bleibt ein Gewinn von über 56 000 Mark für die Firma. Heute hatten sich Josef Hufnagel und Herr Ueberle von Heidel­berg. der dortselbst Mitglied der Handelskammer, Gründer und Vorstand des dortigen Kaufmännischen Vereins, Beirat der Eisenbahn ist und andere Ehrenämter bekleidet, wegen Kriegs­wucher vor der hiesigen Sttaftammer zu verantworten. Ein umfangreicher Zeugenapparat von Weinkommissionären und Konttolleuren. sowie Weinhändlern aus Rheinheffen, Baden, der Moselgegend usw. waren geladen. Sie bekunden, daß die Preise nicht zu hoch gewesen, der damaligen Marktlage entsprechend, die durch den Krieg hohe Preise zeitige und daß ein Gewinn von 200 Prozent selbst in Frie-denszeiten vorgekommen ist. Es ist dies der erste Fall der Weinversteigerungen, der öffentlich verhandelt wird Der eine vernommene Sachverständige hält den Gewinn zu b - ' ^ährend der beim Nahrungsmittel-Unter­suchungsamt in 5 nz angestellte Kontrolleur aussagt. daß maßgebend für die Höhe des Preises die Summe sei. die der Versteigerer brauche, um sich denselben Wein wieder erstehen zu können, dies fei üblich, doch müsse die Marktlage maßgebend für die Preise im allgemeinen sein. Das Reichsgericht ist in seinen verschiedenen Urteilen der Ansicht, daß jeder Gewinn für über- mäßig anzusehen sei, der den Friedensgewinn übersteigt, zumal der Wein als ein Gegenstand des täglichen Bedarfs anzusehen ist. bei der zunehmenden Knappheit anderer Sachen. Don einer Marktlage kann heute nicht mehr gesprochen werden, da durch den Krieg im Weinhandel eine Notmarktlage geschaffen wurde. Der Stcatsamvalt beantragte wegen vorsätzlicher Ausnützung der Notlage eine Geldstrafe von 10 000 Mark für joden der An- geklagten, ferner die Einziehung des übermäßigen Gewinns. Die Strafkammer kam zu einem kostenlosen Freispruch der bei- den Angeklagten. Wenn auch objektiv alles vorliege, was der volle Tatbestand des Weinwuchers ist. so führte der Vorsitzende in seiner Urteilsbegründung aus. der Wein als Gegenstand des täglichen Bedarfs anzusehen ist und die Preise erheblich zu hoch gewesen sind, so seien solche Preise nur durch den Krieg möglich und ab Oktober 1917 besttmmte Versteigerungen verboten sind, so wird in diesem Falle zu Gunsten der Angeklagten angenom- men. daß sie sich in einem entschuldbaren Irrtum befunden.

FC * Wiesbaden, 25. Sept. Weil er sich in der Wohnung eine§ Kunstmalers mit zwei anderen Arbeitskollegen mehrere Gläser Gelee geholt hatte, wurde der Arbeiter Ferdinand Schmidt aus Nied in eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten genommen.

Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto H i r s ch e l, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. Heyner. Friedberg. Truck und Verlag derNeuen Tageszeitung". A- G.. Kriedberg i. §. j