Uerfernt.
Roman von Anny Wothe.
37) Nachdruck verboten.
»Nicht doch, Mirena! Heute mutz es klar werden zwischen uns. Ich weih jetzt, datz du mich nie geliebt hast, denn sonst würdest du mich nicht so leicht aufgeben, wie du es tust, ich weiß aber auch, datz meine Liebe dir nie gehörte, datz es ein wilder Rausch der Sinne war, der mich in deine Arme führte, und daß ich immer nur eine geliebt, Aga, die Große, die Reine, und doch Verfemte!" . r(
Mirena lachte gellend auf. > v
»Das sieht ihr ähnlich, der Tugendsamen. Darum also spielte sie die Entrüstete, datz ich dich zu mir zog, weil sie deiner selbst begehrte."
„Schweige und schmähe Aga nicht. Ich habe sie seit Monaten nicht gesehen, aber wissen sollst du es, daß ich, weil ich ihr das Versprechen gegeben, dich nicht zu verlassen, bei dir auZ- hielt — aus Pflicht. Du selbst hast heute das Band zerschnitten, das uns anernanderfesselt. Jetzt, wo ich dir nichts mehr zu bieten habe, nicht mal einen Namen, um den sich Ruhmeskränze schlingen, da verläßt du mich wie die Ratte das sinkende Schiff. Ich aber danke dir dafür, Mirena, von Herzen, denn diese Stunde macht mich frei, frei von allen Fesseln, welche die Pflicht mir aufzwang."
Mirena drückte das lockige Haupt tief in den Sessel und ichlotz einen Moment die Augen.
Das war die Dichterliebe, die sie einst so heiß begehrte, die sie hoch hinauf zu den Sternen tragen sollte, und die verblaßt war wie die Rose am Wege.
Und merkwürdig, sie empfand nicht einmal Schmerz, datz der Mann, den sie noch vor kurzer Zeit mit all ihren Sinnen begehrte, von ihr ging. Es war ihr wie eine Erlösung. Der
Mann, dessen Namen man in den Zer Lurchen durch den Schmutz schleifte, der konnte ihr nichts sein, vielleicht nicht mal eine Erinnerung.
„Lebe wohl, Mirena," sagte Holger warm, ihr die Hand entgegenstreckend, „und verzeihe mir. Wir reifen ja alle durch Irrtum zur Wahrheit. Latz uns in Frieden scheiden, und wenn dir einmal im Leben so recht einsam istz so wundersam einsam, dann denke daran, datz in dem kleinen Heidedorf ein kleines Wesen lebt, das vergeblich nach seiner Mutter ruft."
Mirena nickte, aber sie sah nicht auf. Holger stand noch einige Minuten an der Tür. Mirena winkte schweigend mit der Hand. Da fielen die blassen Astern, die auf der weißen Pelzdecke lagen, zur Erde.
„Totenblume. Aster!" flüsterte Mirena, und ihr Blick irrte in die roten Flammen. Holger neigte noch einmal tief das Haupt, dann ging er. Die Tür fiel hinter ihm ins Schloß. Mirena hörte seine Schritte draußen auf dem Kieswege verhallen. Sie sah durch das Fenster zwischen den falben Büschen noch einmal seinen blonden Kopf auftauchen. Die Sonne durchbrach soeben siegreich das graue Gewölk und warf einen versöhnenden Schimmer über die herbstliche Welt.
Mirena stand auf Weit schleuderte sie die Pelßdecke zurück.
"Frei!" rief sie aus. beide Arme ausbreitend, „frei und allein!" Ein Schauer lief durch ihnen Körper. Der Winter kam.
»
Ein Telegramm? Wo kam das her? Mirena starrte darauf. Sie konnte die Buchstaben kaum lesen, so verworren erschien ibr die Schrift.
"Eerti lebensgefährlich erkrankt, kommen Sie sofort. Graf Verghausen ist im Süden. Frau von Hammersbach."
Der Ruf, das war der Ruf aus dem Heidedorf, von dem Holger gesprochen. Mirena schrie laut auf. Was war das?
Was krumpfte plötzlich ihr Herz zusammen? war ja wicdA das leise Weinen einer Kinderftimme, das fls verfolgt hattfs bis heute.
Das Weinen der kleinen Eerti, das sie nicht hören wollke in ihrem Freiheitsdrange, das übertönt wurde von ihrer Sucht nach Genuß, von ihrem Lechzen nach Liebe. Und nun klang das Weinen wieder, und es gellte in ihren Ohren. Was war alle Sünde der Welt gegen die mahnende Stimme in ihrer Brust, die unaufhörlich schrie, die sich nicht mehr übertönen ließ, jetzt, wo es zn spät war.
Wie in Fieberschauern schlugen Mirenas Zähne aneinander. Eiligst raffte sie einige Sachen zusammen. Sie mußte ja fort nach Verghausen, dahin, wo ein kleines Kind unaufhörlich nach seiner Mutter schrie!-
•
»Zu spät," sagte Frau von Hammersbach mit Tränen in den Augen, und öffnete die Tür zu dem großen Festsaal, in dem unter Blumen und Kränzen und brennenden Kerzen ein winziges Menschentindlein schlief, den, ewigen Lichte entgegen.
Mirena winkte matt mit der weißen Hand. Dann schloß sich die hohe Flügeltür hinter der schwarzen Gestalt.
Und Stunde auf Stunde verging. Mirena war noch immer bei ihrem toten Kinde, da hielt ein Reisewagen vor der Tür.
Graf Verghausen, die Spur tiefsten Leidens im Antlitz und Gestalt, wankte, auf den Arm Jeans gestützt, in die Halle. Er war Tag und Nacht gefahren, sein Ktnd noch einmal zu sehen, das er blühend und gesund verlassen und das ihm nun niemals wieder lächeln sollte, niemals!
Jürgen Berghausen preßte einen Augenblick den Kopf gegen die Wand, da öffnete sich langsam die Tür und eine bleiche Frauengestalt, von dunklem Flor umwallt, stand auf der Schwelle.
Fortsetzung folgt.
Kekarmimachrmg.
Wir hatten an ein Wiederseh'n geglaubt,
Doch die Kugel hat uns den Sohn und Bruder geraubt.
Und fragt man das Schicksal, warum, warum?
Es gibt keine Antwort und bleibt stumm.
Cs ward uns die tieftraurige, kaum zu fassende Mitteilung, datz unser heißgeliebter unvergeßlicher Sohn, Bruder, Schwager und Enkel
Unteroffizier
Friedrich Wskiv
Inhaber des Eisernen Kreuzes II. Klasse und der Hessischen Tapferkeitsmedaille
am 18. September an den Folgen einer am 6. Se^ tember erhaltenen schweren Verwundung in einem Feldlazarett sein junges Leben für's Vaterland laste, mußte.
Echzell, den 24. September 1918.
Heinrich «Sijriahou I!. n. Iran g-b. Schade Heinrich Chriskau I. nebst Familie
z. Zt.i. Felde
Heinrich Merner«. Familie, Betzdorf
(Großeltern), Dauernheim.
Bekanntmachung.
NSW,, Mittwoch, den 25. ds, Mts., verteilen wir in der alten Post
Zwiebeln.
Für jede auf der Lebensmittelkarte verzeichnete Person wird
1 Pfund zum Preise von 42 Pfennig
abgegeben. 3
Die Lebensmittelkarten find als Ausweis vorzuleaen. o Agabe erfolgt von &/ a bis 12 Uhr vormittags und von
Ll J» .".achlnittags in der Reihenfolge wie bei der Butter ausgabe. Gefäße sind mrtzubrrngen.
Friedberg, den 23. September 1918.
Der Bürgermeister.
I. V.: Dam m.
Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung des Vorsitzenden des Kommunalverbandes vom 16. September d. I (A-V-Vl Nr. 167) betreffend Regelung des Verbrauchs von Kartoffeln aus der Ernte 1918 bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß nachdem das Ernkellern des Bedarfs auch für dieses Jahr gestattet
Kartoffelbezugsscheine
in der Zeit vom 2b. September bis 1. November d. I. auf Zimmer Nr. 9 des Stadthauses ausgestellt werden und zwar an solche Verbraucher. denen dre erforderlichen Räume zur Verfügung stehen und der denen das Einkellern auch bisher üblich gewesen ist. Ein Recht auf Ausstellung eines Bezugs cheines besteht nicht. Die Behändi- gung von Bezugsscheinen wird insbesondere solchen Personen verweigert werden, die im abgelaufenen Emtefahr mit ihren Kartoffeln a?cht w.rtichaftlich umgegangen sind. Die auf Bezugsscheine beziehbare Menge beträgt unter Zugrundelegung einer Wochenkopfmenge von 7 Pfund im Höchstfälle 3,5 Zentner für die Person. Rach dem 1. November werden keine Bezugsscheine mehr ausgestellt.
für dis auf Bezugsscheins vom Erzeuger gelieferten Kartoffeln darf bei Lieferung frei Keller einfchl. Sackleihgebühr höchstens betragen. *
a) beim Bezug aus Friedberg oder Friedberg-Fauerbach oder von einem nicht mehr als 3 Klm. entfernten Orte
MB*, je Zenlner.
b) von Orten, die mehr als 3 Klm. entfernt sind, höchstens
je Zenlner.
Vei Lieferung der Kartoffeln von einem Lager des Kommunalverbandes, der städtischen Verkaufsstellen oder eines Händlers darf der Preis höchstens .'Hh. für den Zentner betragen. Werden die Kartoffeln ungesackt geliefert, dann hat sich der Zentneroreis um je 30 Pfg. zu ermäßigen.
Fciedberg den 23. September 1918.
Der Bürgermeister.
I. V.: Damm.
Kekanntmachnng.
Wir beabsichtigen auch in diesem Jahre wieder
Weißkraut
für den Winterbedarf zu beschaffen, und nehmen Auffräge unter
ör^ag, den, 27. d. M.. während . 1 »Ausgabe, und Samstag vormittags von 9 bis 11 Uhr rm Ge-chastszrmmsr des Lebensmittel-Ausschusses, entgegen. Frieoberg, den 23. September 1918.
Der Bürgermeister.
—______ 2. V.: Damm.
Bekanntmachung.
Kartoffeln
für den Winterbedarf zu besorgen.
% Zerson werden zur Einkellerung V/ 2 Zentner abgegeben. Dre Bezugsicherne werden von uns besorgt.
iänfil 6 ™ Don Mittwoch, den 25. ds. Mts. ab,
LuqÄ'.n-« l\ bl * 12 U ^ r ' im Geschäftszimmer des Lebensmittel- musfchusses entgegen genommen.
Die Lebensmittelkarte ist vorzulegen.
Friedberg, den 33, September 1918.
Der Bürgermeister. 2. V.: Damm '
BekaniUmachnng
2m Hinweis auf die Bekanntmachung des Komniunalverbandes Friedberg vom 19. September 1918 i. Amtsoerkündigungsblatt Nr. 187 bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß vom 1. Oktober lf. Js. ab eme wöchentliche Brotmenge von 2000 Gramm, anstatt bisher 1900 Gramm zur Ausgabe gelangt. Die laufende Brotkarte ist danach von genanntem Zeitpunkte ab wie folgt u beliefern : für die Alffchnitte von 700 Er.
Mehl = 1000 Er. Gebäck, für Ne Abschnitte von 400 Er.
Mehl = bOO Er. Gebäck, für die Abschnitte von 150 Er.
Mehl — je 200 Gr. Gebäck. Der Brotpreis beträgt vom 1-/10. ab 90 Pfg. der Preis für Brötchen bleibt unverändert. Friedberg, den 23. Sept. 1918. Der Bürgermeister 2. V.: Dam m.
Bekanntmachung
Von heute ab beträgt der Verkaufspreis für
Kartoffeln
in den hiesigen Abgabestellen, bei Abnahme bis zu
50 Pfund 9 Pfennig über 50 Pfund 8 Pfennig. Friedberg, den 23. Sept. 1918. Der Bürgermeister
_ I. V.: Damm.
Feldscheunen!
10.00 m br., 24,00 bis 36,00 m lang
12.00 24,00 „ 36,00 „ » 15.00.. .. 30,00 „ 42,00 _ ..
Bfflii
Mittwoch, den 25. September, abends 8 Uhr, wollen die Karl Ditlafch Eheleute und Johannes Schmidt ihre Grundstücke auf weitere 9 Jahre verpachten in der Wirtschaft von Friede. Billasch, Friedberg- Fauerbach.
^te immer mehr steigenden Löhne und Preise aller Hilfsmittel zwingen die Unterzeichneten Geschäfts, stellen, das Vezugsgeldfür ihre Zeitungen wieder um eine Kleinigkeit zu erhöhen.
Vom 1. Oktober dieses Jahres ab kosten der
„Oberhessische Anzeiger"
und die
„Neue Tageszeitung"
für Friedberg und bei den auswärtigen Vertreter,, Mk. 3.-für das Vierteljahr einschließlich Trägerlohn.
Für die Postbezieher stellt sich der Bezugspreis auf Mk. 2.70 für das Vierteljahr, wozu noch das Bestellgeld kommt.
Gkschiistsjtklle d» „Oberhessischcil Anzeiger" „Neve Tagesjclliiiig."
Verloren
ein fast neues
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von der Genossenschaft bis an das Offiziers - Gefangenenlager Friedberg.
Abzugeben gegen Belohnung in der Geschäftsstelle der „Reuen Tageszeitung".
wieder einseirolfen.
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Friedherg, Kaiserstrasse 27, N ähe des Rathauses.
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