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fand dagegen ist von der Verwaltung des britischen Weltreiches so gut wie ausgeschaltet.

Eine Ausspielung Böhmens, das heute vielleicht das reichste Kronland Oesterreich-Ungarns ist, gegen das gänzlich verarmte Irland ist also in gar keiner Beziehung gerechtfertigt.

Unter Feind im eigenen Fände.

Durch Zufall bekamen wir heute die Nr. 205 vom 3. Sep­tember derZwickauer Neuest. Nachrichten" in die Hände, die folgenden Aufsatz enthielt, den wir deshalb zum Abdruck bringen, weil er ganz unsere Ansicht wiedergibt'.

ImBerliner Lokal-Anzeiger" lesen wir: Bei nüchterner

Betrachtung der gesamten Kriegslage mit allen ihren Neben­erscheinungen ist es, an der Haltung der freundlichen Völker gemessen, höchst eigenartig, bei uns nicht überall Zuversicht und Selbstbewußtsein zu finden. Es wird sofort klar, weshalb die­ser Zustand eigenartig ist, wenn man der Vorstellung nachgeht, mehrere Millionen Engländer und Franzosen stünden zirka 100 Kilometer vor Berlin, also etwa bei Magdeburg. In welchem Etimmungsraufche sich unsere Feinde dann befänden, ist nicht schwer, auszudenken, wenn man ihre Zuversicht in den Sieg, ihre Zähigkeit und ihren Opfermut sieht, während die militä­rische Lage seit Jahr und Tag umgekehrt ist. Bei uns mutz also irgend etwas nicht stimmen, ein Etwas, desien Zusammenhang mit der uns günstigeren Kriegslage nicht unmittelbar sein kann. Und so ist es auch. Während unsere glänzenden Trup­pen seit nun über vier Jahren uns den äußeren Feind von den Grenzen halten, vermehrt sich unser Feind im eigenen Lande aus uns selbst heraus mit unheimlicher Fruchtbarkeit. Es ist der Vureaukratismus im schlechtesten Sinne des Wortes, mit i feiner Schablonisierung der Seele und des Gehirns, mit seinem j widerwärtigen Dünkel, der immer da am größten ist, wo die Leistung am fehlerhaftesten, am geringsten ist. Was wir da­von seit vier Jahren in steigendem Matze erleben, wird später unter dem Namen Kriegsbureaukratismus auf den schwarzen Blättern unserer Geschichte stehen.

Vor einigen Wochen war von einem fleißigen Manne er mutz Sinn für Satire haben oder auch ein Bureaukrät sein festgestellt worden, daß wir seit Kriegsbeginn mit über 38 000 Bestimmungen, Verfügungen und ähnlichem bedacht worden sind. (Wir glauben, daß die Zahl 38 000 zu gering gegriffen ist. Schriftlettung derNeuen Tagesztg.") Das spricht tat­sächlich Bände! Einem großen Verlage ist angeboten worden, diese 38 000 Bestimmungen gesammelt herauszugeben. Er hat das freundliche Anerbieten schon allein fn Anbetracht der Obst, ernte abgelehnt. ^Es stellte sich auch erfreulicherweise heraus, daß sich der Mann mit der famosen Verlagsidee in einer Irren­anstalt befand. Wir werden also diesem Kriegswerke nur spä­ter einmal im Museum für Völkerfeindschaft begegnen und schaudernd davor flüchten. Aber aus diesem unfaßbaren Zu­stande spricht doch eine sehr ernste Mahnung an unsere Behör­den. an die Väter dieses unbrauchbaren Wustes, der, mit weni­gen notwendigen Ausnahmen, die Wurzel unseres inneren Uebels ist. Die Wellfremdheit solcher Art des Regierens geht daraus hervor, daß auch der beste Eedächtniskünstler dieser Erde gar nicht die Gegenstände dieser Bestimmungen behalten, sie also auch gar nicht ausführen könnte. Was bleibt also dem gewöhn­lichen Sterblichen übrig, er kümmert sich durch; und das noch aus dem zweiten Grunde, weil nämlich trotz der Vermehrung der Lebensregeln um 38 000 Stück der Tag nur seine 24 Stunden behalten hat. Es ist gar nicht die Zeit vorhanden, ihnen nach­zugehen.

Soweit wäre die Sache in Ordnung. Die Kehrseite bilden aber die Organe, deren Zahl natürlich die Märchenziffer von 38 000 weit überschreitet, die berufen worden sind, oder sich be­rufen fühlen, die Bestimmungen zur Ausführung, zu bringen. Viele tun es. um ihre Existenzberechtigung nachzuweisen. Hier setzen der Vureaukratismus. die Schikane, der Dünkel ein. und zwar auch bei der Ausführung der wenigen tatsächlich notwen­digen Kriegsbestimmungen wie bei der Rationierung der Le­bensmittel. bei einem Teil des Bezugscheinwesens und anderem Die Kriegsbestimmungen haben es mit sich gebracht, daß eine Unzahl gar nicht dazu geeigneter Menschen sich als Vorgesetzte ihrer Mitbürger betrachten und aufspielen. In der Regel tre­ten die Männer und Frauen am hochmütigsten und schikanösesten auf. denen man auf Schritt und Tritt Nachweisen könnte, daß sie trotz jahrelanger Praxis ihre Aufgabe noch gar nicht begriffen haben. Zu diesem Nachweis kommt es indesien gar nicht, denn gerade die Untüchtigen und schon verstandesgemäß ihrer Auf­gabe nicht Gewachsenen treten als Vorgesetzte auf und verbie­ten dem unter ihrer Unfähigkeit leidenden Teil den Mund, ob­wohl gerade sie dazu berufen sind, den anderen zu helfen. Das ist ein trauriges Kapitel, dessen Einzelheiten wir heute, im Nah­men eines Artikels, nicht behandeln können, auf die wir aber zurückkommen werden.

Unsere Staatsbehörden sollten sich dessen klar darüber sein, daß diese Schikanen, die zur Vergiftung der allgemeinen Stim­mung führen, unterbunden werden müssen. Das sind Dinge, die in die MappeEilt" gehören Es ist zunächst zweierlei nötig. Einmal die Prüfung, wieviele der 38 000 Kriegsbestim- mu'.Len fortfallen können. Sagen wir einmal rund 37 900. Von dem so freimerdenden Personal könnte die zweite Forde­rung erfüllt werden, nämlich die ausführenden kleinen Beam­ten und Beamtinnen bei ihrem Verkehr mit dem Publikum unter schärfste Aufsicht zu stellen und jede Schikane rücksichtslos zu unterdrücken. Dabei käme für die Armee ganz automatisch ein schöner bonus heraus: von dem dann noch freibleibenden Dersmal könnte eine stattliche Armee aufgestellt werden. Sie könnte ihr Mütchen am Feinde kühlen, die Heimat würde von - Plagegeistern befreit, die Stimmung im Lande um 100 Prozent gehoben werden. Das wäre immerhin schon ein Erfolg.

Die 9. Kriegsanleihe.

I.

Berlin, 7. Sept. (WB4 Während unser unvergleichliches ö«er in zähem Ringen dem wilden Ansturm der Gegner tapfer

standhält und alle Durchdruchsversuche unter den schwersten feindlichen Verlusten zunichte macht, wird demnächst von neuem der Ruf der Reichsleitung zur Kriegsanleihe-Zeichnung ergehen, um weiter die Mittel aufzubringen, die das deutsche Volksheer in dem Verteidigungskampf um Heimat und Herd in feiner bis­herigen Schlagfertigkeit erhalten sollen. Kein Deutscher darf zögern, zur Erreichung dieses Zieles brizutragen. In der Kraft unseres Wirtschaftslebens, in der außerordentlichen Flüssigkeit des deutschen Geldmarktes sind die Vorbedingungen für einen guten Erfolg der Kriegsanleihe gegeben. Wenn jeder gegen­über dem Vaterlands feine Pflicht tut, wenn jeder sich vor Augen hält, daß die Kriegsanleihe-Zeichnung einen wesentlichen Bestandteil des Willens zum Durchhalten darstellt, der das deutsche Volk beseelt, dann wird auch die 9. Kriegsanleihe zu einer neuen, gewaltigen Großtat werden. Sie wird den Fein­den gegenüber Zeugnis ablegen von dem ungebrochenen Glau­ben an den Erfolg unserer guten Sache und damit zu einem weiteren Baustein des künftigen Friedenswerkes werden.

An den bewährten Zeichnungsbedingungen ist auch diesmal nichts geändert worden. Es werden fünfprozentige Schuldver­schreibungen zum Preise von 98 Mark für 100 Mark Nennwert ausgegeben. Bei Eintragung der Kriegsanleihe in das Schuld­buch mit Sperre bis 15. Oktober 1919 tritt eine Ermäßig­ung des Zeichnungspreises auf 97.80 Mark ein. Die Auslosung der Schatzanweisungen geschieht nach dem gleichen Plane und gleichzeitig mit den Schatzanmeisungen der letzten 3 Kriegsan­leihen; auch die Verlosungsbedingungen sind die gleichend Die Zeichnungsfrist läuft vom 23. September bis 23. Oktober. Die Zeichner können die gezeichneten Beträge vom 30. September an voll bezahlen Die Kriegsanleihe braucht indes zu diesem Ter­min nicht etwa voll bezahlt zu werden. Es steht den Zeichnern vielmhr frei, die Einzahlungen in 4 Raten zu leisten (30 Prozent am 6 November d. I., 20 Prozent am 3. Dezember d. I., 25 Prozent am 9 Januar n I., 25 Prozent am 6. Februar n. I.f. Der erste Zinsschein ist bei den Schuldverschreibungen am 1. Oktober 1919. bei den Schatzanweisungen am 1. Juli 1919 fällig. Auch diesmal können «lieber die älteren fünfprozentigen Schuld­verschreibungen und die Schatzap^veisungen der ersten, zweiten, vierten und fünften Kriegsanleihe in Schatzanweisungen der 9. Kriegsanleihe unter den bekannten Bedingungen umgetauscht werden

Uorir Felde

der Ehre.

Die Diebe hatten das Geld in der Scheune unter Heu versteckt, wo es noch vollzählig vorgefunden wurde.

FCJ. Gernsheim. 4. Sep. Die Mühle von Gebrüder Dofflcin dahier wurde wegen Unverläßlichkeit geschlossen. Dem Land­wirt Ph. Wunderle III. aus dem gleichen Grunde die Selbst. Versorgung entzogen.

Kirchliche Uachrichterr.

Evangelische Gemeinde.

15. Sonntag nach Trin., 8. September 1918. Gottesdien st in der (stadtkirche. Vormittags 9^4 Uhr: Herr Direktor Schoell. Mit« Wirkung dar Chorschule.

Abends 8% Uhr: Herr Pfarrer Ritter.

Gottesdien st in der Burgkirche. Vormittags 8 Uhr: Militärgottesdienst. Herr Pfarrer Ritter.

Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst. Herr Pfarrer Ritter.

Gottesdien st im Stadtteil Fauerbach. Vormittags 10 Uhr. Anschließend Katechismuslehre für die Jünglinge.

»

Katholische Gemeinde.

Sonntag, den 8. Sept. 1918. 16. Sonntag nach Pfingsten.

Beichtgelegenheit am Samstag von 5 Uhr an und Sonntags früh von 6 Uhr an. y 2 7 Uhr Frühmesse.

8 Uhr Militäraottesdienst (Singmesse mit Predigt). Gemeinsame hl. Komnnrnion der Frauen. y 2 10 Uhr Hochamt mit Predigt.

Nachmittags 2% Uhr Christenlehre und Herz-Maria- Bruderschafts-Andacht mit Segen.

Um 4 Uhr: Versammlung des Jünglingsvereins. Während der Woche; Um %7 und 7 Uhr hl. Messe. Freitag, abends 8 Uhr: Kri^gsandacht,

Nach dem Hochamt Ausgabe von Büchern aus der Bor- romäus-Vücherei.

Verantwortlich für den politischen und lokalen letl: Ctto Hirsche!. Friedberg; für den Anzeigenteil: N. Heyner. I riedberg. Truck und Verlag derNeuen Tageszeitung", AG.. Friedberg i H

Dorheim. Der Pionier T h u r r von hier wurde wegen tapferem Verhalten vor dem Feinde mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet. Die Hessische Tapfer­keitsmedaille besitzt er schon längere Zeit. Wir gratulieren!

Ans dev Ijcfmui.

Friedberg, 7. Sept. (Theater im Saalbau.) Wir wollen nicht verfehlen, unsere geehrten Leser beute nochmals auf den morgen, Sonntag, imSaalbau" stattfindenden Lust­spielabend hinzuweisen. Das gewählte Lustspiel versetzt mit seinem, so recht aus dem Leben gegriffenen heiteren Szenen die Zuschauer allerorts in die rosigste Laune und Fröhlichkeit herrscht von Anfang bis zu Ende. Auch das schöne MärchenspielKlein Däumling und der Menschenfresser" wird am Nachmittag gewiß unserer Jugend viel Freude bereiten.

Friedberg, 7. Sept. Bei der in dieser Woche abgchaltenen städtischen Apfelernteversteigerung wurden Preise erzielt, wie noch niemals. Die Steigerer, die in großer Anzahl erschienen waren, rissen sich förmlich um die Bäume, die bis auf 200 Mk. kamen. Der Zentner Aepfel stellt sich dergestalt auf 4050 Mk. auf dem Baum.

Friedberg oder Bad-Nauheim. Eine eigentümliche Ge­pflogenheit können wir auf dem Giebener Bahnhof bemerken. Wenn die Züge in der Richtung nach Friedberg abgerufen wer­den, geschieht dies, in der Form: Einsteigen in den Perfonen- (oder Schnell-) Zug in der Richtung Bad-Nauheim Frankfurt a. M. Soviel wir wissen, ist doch Gießen eine hessische Stadt und es müßte dort bekannt fern, daß Friedberg eine Kreisstadt ist. außerdem noch einmal so groß wie Bad-Nau­heim. und außerdein ein wichtiger Bahnkno;enpunkt ist. Es wäre also angebracht, auch Friedberg in dem Ausruf zu erwähnen. Weil aber in Vad-Rauh-im die bekannten Kurgäste, Fresser und Hamster verkehren, so sckzeint man in Gießen auf dem Bahn­hof Bad-Nauheim für wichtiger als Friedberg zu halten.

Utphe. 7. Sept. Gestern Nachmittag ging ein heftiges Ge­witter mit starken Niederschlägen, denen ein kurzer Hagelschauer voranging, über unsere Gegend. Im benachbarten Trais-Hor­loff schlug der Blitz in eine Pappel, die von oben bis unken zer­splittert wurde.

Utphe, 7. Sept. Um Mitte Juli brannte auf dem hiesigen Hofgut eine Feldscheuer nieder. Dabei fielen neben reichlichen Strobvorräten auch eine elektrische Drescheinrichtung benebst dem Motor dem Feuer zum Opfer. Aber rüstig ging der Pächter Hugo Iacobi an's Werk und binnen sechs Wochen erstand die Feldstheuer, die eine Fläche von einem halben Morgen bedeckt, aus der Asche, eine neue Dreschmaschine wurde angeschafft und seit einigen Tagen wird schon flott Weizen gedroschen. Für unsere Miesmacher sollte dieser Vorgang ein Beispiel sein, weil sie daraus die Stärke unserer deutschen Wirtschaftskraft ermes. sen können. Wenn es gelingt, eine derartige Anlage binnen we­niger Wochen fertig zu stellen, so können wir volles Vertrauen, zu unserer wirtschaftlichen Kraft h-rben.

Ilbeshausen. Die am 10. Sonntag nach Trinitatis dahier erhobene Kirchenkollekte für das Rote Kreuz betrug 60 Mark. Eine Hausfammlung für die Kolonialfpende betrug 83 Mk. 90 Pfennig.

FC. Aus der Pfalz, 4. Sept. Vor einiger Zeit wurden bei dem Rangiermeister Hery in Böhl 2850 Mark gestohlen. Als Diebe wurden zwei in einer Ludwigshafener Fabrik arbeitende russische. Kriegsgefangene ermittelt. Der eine hatte bei dem Bestohlenen längere Zeit landwirtschaftliche Arbeiten verrichtet.

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Die Keimfähigkeit wird nicht beeinträchtigt.

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H. Flascherdräger, Germania-Drogerie, Friedberg; Ernst Mörschel, Kolonial­waren, Friedberg ; Car! Baser, Kolonial­waren, Assenheim; Ludwig Schmidt, Drogerie, Butzbach; Eugssi Becher, Kolonialwaren, NiedersWöllstadt; Georg EcscÜJOM, Kolonialwaren, Vilbel.

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