Verfemt.
RomanvonNnnyWothe. r * ?
8) * Nachdruck verboten.
„Nein, nein," schrie ich verzweifelt, „es kann nicht fein, so ßtöüjan: kann er mich nicht betrogen haben, er soll es mir selbst sagen, Vater, das» du recht hast, Auge in Auge," und zu Nord- trrch tretend, flehte ich:
„Sprich die Wahrheit, Horst. Keine Luge in dieser Stunde — ich zahle Re mit meinem Leben."
Eine Weile sah er mir starr ins Auge, aber sein Blick hielt dem meinen nicht stand Zitternd knickte er zusammen.
„Hinaus!" Es war das einzige Wort, das ich fand.
Hochaufgerichtet stund ich in der dämm'rigen Stube — ich sah ihn noch langsam wie einen geschlagenen Hund sich durch die Türe winden, und mit einem haßerfüllten Blick mich streifen. —
Dann wurde es dunkel um mich und mit schwerem Fall fiel ich zu Boden.
„Arme, kleine Aga," sagte Holger, und es war, als läge eine besorgte Zärtlichkeit in seiner Stimme.
Agas Ohr fing den Klang der Stimme auf, aber ihr Auge haftete am Boden.
Langsam strich sie nrit der Hand das dunkellockige Haar von der weißen Stirne, das sich wuchtig darüber bäumte.
„Ich war lange krank darnach." fuhr sie fort. „Ein heftiges Nervenfieber hielt mich Monate lang in Banden, und als ich endlich langsam genas, da war. aus dem fr-ühlingsfeligen Dorf- kinde ein ernstes, stilles Wesen geworden, das nur noch eine Freundin hatte, die Arbeit und die Pflicht. Doch nein, etwas Hot mir Gott noch gelösten nach der schmachvollen Enttäuschung meiirer ersten Jugend, Hansi! Ihr das Leben leicht und fcbön zu machen, war eine große und herrliche Lebensarifgabe, und dann hatte ich meine Kunst und Sie, den treuesten aller Freunde, Holger. Konnb.'. ich da nicht mit dem Leben zufrieden fain?
Un*> nun kommen die Schatten der Vergangenheit. Wie oft schon hat Nordfirch vergebliche Versuche gemacht, mir zu begegnen, in alle Kreise zu kommen, in denen ich verkehre. — Jede Gelegenheit hat er benutzt, auch Haust in der Gesellschaft zu treffen. Und nun will er mir mein Liebstes nehmen? Er, der mir meine Jugend stahl, der Elende, dem ich vertraut, und der nichts dafür einzntanfchcn hatte als ein frivoles Lächeln."
„Sie lieben doch nicht etwa diesen Kerl noch immer, Aga? Das Gescheiteste wäre doch, ich schosse die Kanaille über den Haufen. Ich dächte, es dürfte nicht schwer werden, ihn an der Hand der kcstehenden Tatsachen etwas eingujchüchtern."
«^bn fürchte ich weniger als Haust, lieber Freund. Das Kind ist von einer Leidenschaftlichkeit, die mich erschreckt."
„Sperren Sie die Nanae ein."
„Das kann ich nicht. Gewalt bringt sie zur Raserei."
„So gehen Sie mit ihr auf Reisen."
„Ich habe auch schon daran gedacht, aber jetzt, wo ich gerade einen East habe, dem ich versprochen, ihn einige Zeit bet mir zu behalten, läßt e» sich schlecht tun."
„Zum Deibel nicht noch mal. Einen East, wer ist es
denn?"
„Gräfin Verghausen, die heute Macht angekommon ist."
„Dacht ich's doch. Also wirklich und wahrhaftig dem Herrn Gemahl ausgerückt? Das ist ja eine schöne Bescherung, mutz 'ne furchtbar verdrehte Schraube sein."
„Aber erlauben Sie, mein lieber Holger, das ist sie ganz und gar nicht. Im Ueb-rigen find Cie selbst nicht ganz ohne Schuld, daß sie Mann und Kind verläßt. Ja. Sie oder bester gesagt, Ihre Schriften, die ihr das gewissermaßen als eine moralische Verpflichtung auferlegen. Was sagen Sie mm, Holger?"
„Daß die Frauensleute alle verrückt find.**
„Guten Morgen."
Holger sah verstört um sich. Ja, sah er denn eine Vision da dicht vor sich?
Wie das gleißte und schimmerte im Mittagssonnenlicht, das rotbraune Haar um den feinen Kopf mit den blutroten Lippen und den schillernden, grünen Augen.
Gingen denn Nixen in weißen Schleiergewändern hier am hellen, lichten Tage um?
„Morgen." sagte er mit einem ungeschickten Bückling und starrte in das rosige Gesicht Mirenas, das sich lächelnd vor ihm neigte.
6. Kapitel.
„Eine besonders günstige Meinung scheinen Sie von der Frauenwelt nicht zu haben, mein Herr," sagte Mirena, strahlend in Holgers weitgeöffnete Augen blickend.
„Sttmmt, meine Gnädigste," nickte dieser, und zu Aga gewandt, fuhr er fort, „Vorstellung können Sie sich schenken, liebe Freurrdin, denn ich weiß auch ohne dies, daß ich meine geistreiche Korrespondentin, Gräfin Verghausen, vor mir sehe. Was glauben Sie wohl, wer ich bin."
„Holger Thoresen," ries Mirena aus und reichte dem blonden Riesen beide Hände, der erst die eine und dann die andere vorsichtig an seine Lippen fiihrte.
„Wie glücklich bin ich, Sie zu sehen." sagte Mirena und sah zu Theresen aus, so daß Aga unwillkürlich die Blicke zu Boden stickte.
Was flirrte alles in diesen merkwürdigen Frauenaugen durcheinander.
Co hatte Aga Mirena noch nie gesehen.
.,Hm," machte Holger und sah dann etwas ungläubig ln Mirenas Antlitz, das sich strahlend vor Begeisterung zu ihm empor hob. „Sie sollten nicht flunkern, Gräfin," sagte er dann, halb im Ernst, halb im Scherz. „Wie kann es Cie glücklich machen, mich zu sehen, wo ich doch, wie mir soeben meine und Ihre Freundin Aga mitteilt. nicht ganz schuldlos daran sei» soll, daß sich Ihr Schicksal in andere Bahnen drängt. Ich muß Ästchen, daß mich Agas Ausspruch vorhin erschreckt hat. und ich
hoffe sehr, daß Sie imstande sein werden, mich darüber zu beruhigen, denn ich mochte in keiner Weise irgendwie Ihre Schritte beeinflußt haben."
Mirena hatte sich nachlässig auf das römische Lager nieder- gekästen, mrd sie schob nun gleichmütig ein großes Seidenkisten nach dem anderen unter ihren aufgestützten weißen Arm. von dem das weiche Gewand lose zurückfiel.
Ein dmrkelglühender Blick trarf den kühnen Sprecher, der ihr gegenübersaß, während Aga an ihre Staffelcr getreten war und langsam den Pinsel über die Leinwand zog.
Holger fing Mirenas Blick auf. Was wollte diese Frau eigentlich von ihm? Er empfand ihre Gegenwart eigentlich recht unbequem, und doch war etwas in ihrer ganzen Erscheinung, das ihn reizte und fe sielte.
„Sie hätten nur für sich schreiben müssen, Herr Holgee Thoresen," sagte Mirena mit einem leisen, sarkasttschen Anslug in der Stimme, „und Sie hätten nicht Ihre Brandreden in dir weite Oeffentlichkeit schleudern dürfen, wenn Sie keinen Teil daran haben wollen, daß Ihre Worte hier und dorr zünden und zur Tat werden."
„Tat, gnädigste Gräfin? Was ist eine Tat? Glarrben Sie. daß es eine Tat ist. wenn jemand ohne irgend welche Ueber- legung, ohne jede innerliche Notwendigkeit das tut, was ein anderer Jemand geschrieben oder gesagt hat? Das ist noch lange keine Tat, sondern höchstens ein Nachaffungsspstem, das nir ausrotten müsten, ausrotten, sage ich Ihnen, Verehrteste. Namentlich bei den Weibern, da spukt allerlei so 'n Unsinn herum in Kopf und Herzen. Kommt nun da irgend wo ein Schriftsteller, der etwas schreibt, was ihnen in ihren Kram paßt, so verschanzen sie sich gleich hinter dem andern, der gesagt hat, was sie gern möchten. Ich aber sage, daß ein jeder selbst verantwortlich ist für seine Taten, und wenn hundert Schriftsteller ihm andere Weisheit predigen."
„Ich verstehe Sie wirklich nicht, mein lieber Herr Thoresen/ sagte Mirena mit kühler Ablehnung in Stimme und Haltung,
, weshalb Sie mir das alles erzählen. Wenn Sie anders denken, als wie Sie schreiben, so müsten Sie das eben mit sich ausmachen, wir können Sie nur nach Ihren Schriften beurteilen."
„Das bleibt Ihnen natürlich unbenommen. Gräfin." gab Holger mit einer ironischen Verbeugung zurück, „aber ich habe gebört, daß es Frauen geben soll, die so töricht sind, verzeihen Sie den harten Ausdruck, ihr Leben nach meinen Ansichten um. wandeln zu wollen."
Mirena sah ihn erschreckt an. Jetzt wurde der Mensch auch noch unverschämt.
„Lasten Sie. bitte, die Rotkäppchen au gen, Gräfin Berg' hausen — Fräulein Aga, bitte, hören Sie mal nicht zu — aber ich bin so erschreckt über die Wirkung, die meine bescheidenen Schriften ausgeübt haben sollen, daß ich wirklich nicht anders kann, selbst aus die Gefahr hin, imzart zu erscheinen, als Sie zu fragen: Sind meine Bücher wirklich daran Schuld daß Sie, Frau Gräfin, den Entschluß faßten, Mann und Kind zu ver« lasten?"
Fortsetzung folgt.
Betr.: Die Fleüchoer>orgunq für die Bevölkerung der Stadt Friedberg.
Keüanntmachmtg
Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Verlauf von Nind- und Kalbfleisch sowie Wurst für diese Woche am Freitag. den 16. August 1918, nachmittags von 1—6Übr. in den sämtlichen hiesigen Metzgerläden statt- ffndet.
Die Verkaufszeit ist genau einzuhalten.
Fnedberg, den 14. August 1918.
Der Bürgermeister.
2. V.: Dam m.
SUobiliarocrfteifieruna.
Freitag, de« 16. August, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier im Saale „Zur Wipdeck"
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1 Waschtisch. 2 Nach.schränke.
2 Kleiderschränke, 1 Pfeiler- schrank.1 Küchenschrankm.Glasaussatz. 2 Kommoden, 2 Sofas, 2 Tische, 1 Nähmaschine, Porzellan. 2 Oefen; ve sch. andere. Ferner 1 wenig gebr. Schlafzimmer.
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beeid. Taxator und Auktionator.
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gesucht. IIo<e2 Trapp, Friedberg.
A ^versteigere.
Durch den Unterzeichneten Notar werden Montag, den IS. August 1. ^9.. vorm.ttags 3 / 2 8U H in dem Rathaussaale in Astenheim dre in rn der Gemarkung Assenheim gelegenen
Grundstücke des verstorbenen Kammerdirektors Dr. Ernst Wilhelm Georg Geyger
um zweiten- und voraussichtlich letztenmal versteigert. Die Ver- steigerungsbedinqungen können bei mir eingesehen oder abschriftlich von mir bezogen werden.
Ariedberg. den 12. August 1918.
Der Erosth. Notar:
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