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Verfemt.

5 )

Roman von AnnyWothe.

Nachdruck verboten

Nein," sagte Aga kalt, ..ich w, es, du bist immer eine -Egoistin gewesen

Warum?"

Mirena sagte es hart, mir blitzenden Aug-sir, dt?. Lberlör- pcr ein klein wenig «mporrichlcnd.

Aga zuckte die Achseln.Wir wellen uns nicht streiten, Mirena. Du weiset, daß ich den Schritt, den du getan hast, miß­billige, in jeder Weise mißbillige. Du flüchtest aber im Ber- > trauen aus unsere einstige Freundschaft in mein Haus und an mein Herz, und ich werde dir helfen, Io gut ich es vermag. Sage also, wgs du verlangst und rch werde dir antworten."

Ein Leuchten flackerte in Mirenas Augen auf, ein seltsam triumphierendes Leuchten, das sofort die langen, rotgoldig schimmernden Augenwimpern verschleierte. Aga hatte es aber doch bemerkt, und ein seltsamer Schmerz preßte ihr einen Augen­blick das Herz zusammen.

Ich will selbständig werden, Aga. selbständig wie du. Ich will frei von der Fessel sein, das Brot eines ungeliebten Man­nes essen zu müssen, ich will arbeiten, wie du, und so leben wie du, so frei, so stolz, so glücklich."

Ein bitteres Lächeln zuckte um Agas feingezeichneten Mund.

Du bist eine Törin, Mirena? Du kennst das Leben nicht und auch nickt die Steine, die auf dem Lebenswege einer Frau liegen, die sich frei gemacht hat, wie du."

Du meinst, die Gesellschaft wird mich ^ausstoßen, unsere Kreise werden mir verschlossen sein? Ach, wenn du wüßtest, wie ich sie hasse, diese -Gesellschaft mit dem zerrissenen Mantel der Moral, den sie anderen auszwinge,! möchte, welche zu stolz sind, solche elenden Fetzen zu tragen. Nein.' Aga, mit denr Augenblick, wo ick Berghausens Haus verließ, habe ich auch abgeschlosien mit der Gesellschaft ich will nichts von ihr, und sie soll auch mich lassen. Ich will gar nichts.

Du vergißt. Mirena, daß du ohne den Beifall, ohne die Huldigungen der Gesellschaft nicht leben kannst. Erinnerst du dich, wie du dazu kamst, Ber-ghausens Gattin zu werden?"

Wie ich dazu kam?" Mirena setzte die kleinen Füße, die goldgestickte rosa Schuhe schmückten, energisch auf den Boden. Das fragst du Aga? War es nicht dein,Vater, war es nicht meine eigene Mutter, die mich dazu zwangen.?"

Du irrest Mirena, mein Vater zwana dich nie, warst du doch der Sonnenschein seines Lebens als ich fortging, um mich auf eigene Füße zu stellen."

Micena schwieg. Ein weicher Glanz trat in ihre Augen und die weißen Hände fallend und sie nachdenklich um das empocaezogene Knie verschränkend, sagte sie sinnend:

Wie schön das war. als ich zu euch kam in das stille Dfarr- haus des Ne inen Dorfes in der märkischen Heide. Mamma war immer mit mir umbergereist, und dann dann war ich ihr. als ich immer erwachsener wurde, unbequem. Ich kam zu deinen Eltern in Pension. Deine Mutter war kränklich, von ihr habe ich nicht viel gehabt, aber dein Vater war mir ein gütiger Lehrer und Freund und du, Aga, verzeihe, aber du iv-arst mir fast wie eine zweite, nein, wie eine rechte Mutter.

Du aber welltest und konntest auch nicht cmshalten in der Enge des dörflichen Pfarrhauses. Weißt du noch, wie du fahre

lang joden Morgen, ehe der Tag anbrach, nach Berlin fuhrst, nur ein Stück Brot in der Tasche, um von den mühsam erspar­ten Pfennigen Malstiinden zu nehmen? Weißt du noch, wie du müde und abgehetzt heimkamst, wie sorgenschwer dich der Vater ansah, und wie ich alle meine kleinen Künste anwenden mußte, ihn froh zu machen, besonders als die Mutter starb, und dein Studieren dich der Heimat fern hielt? Hansi war noch so klein, die konnte dem Vater so wenög sein, ich aber war seine treue Gefährtin, und er hat mich doch ziehen lassen, als jener Mann kam, der mich zum Werbe begehrte, trotzdem zx diesen Mann kannte und wußte, welch ein trostloses Leben ich an seiner Seite führen würde."

Du vergißt, Mirena, daß du auf Wunsch deiner eigenen Mutter D^rghansens Gattin wurdest. Sie kannte dich, sie wußte, daß du gern gefeiert sein wolltest. Dich als die Gatttn eines reichen und vornehmen Mannes zu sehen, war für sie der Inbegriff aller Herrlichkeit und für dich, Mirena, damals auch.

Du wolltest dein Leben genießen, reich, verwöhnt, verhät­schelt seur, und das alles winkte dir an Derahaufens Seite. Ohne Bedenken nahmst du seine Hand und ohne Bedenken bist du jetzt von ihm gegangen, und das ist - verzeihe den harten Ausdruck eine Schmach!"

Eine Schmach!"'Mirena lachte hart auf.Weißt du, was eine Schmach ist? Wenn man uns, kaum dem Kindesalter ent­wachsen, in eine Ehe zwängt, wie es Tausenden geschieht. Glück­lich versorgt sollen wir elenden Geschöpfe an der Seite eines Mannes sein, den wir nicht lieben, oft kaum achten. Eine gute Partie, das ist der Inbegriff der Mädchenerziehung, und auf der Jagd nach dem Mairne gehen unsere heiligsten und höchsten Güter verloren. Glücklich diejenigen, die nie erwachen, welche die Ehe als eine von Gott eingesetzte Institution an- sehen, in der wir uns zurechtfiirden müssen, aber wehe denen, welche erkennen, daß sie mehr als eine willenlose Maschine sein wollen, eine Sklavin, von der Willkür und Laune eines Mannes abhängig, dessen. Herz, dessen Innenleben ihr fremde und der doch über sie und ihren Körper verfügt, als wäre sie ein Stück Ware. Mir ekelt vor der Ehe, sage ich dir, wie ich sie geführt, sie ist eine Schmach, eine Schande, und diese Schande will ich abwaschen durch ein Leben voll Arbeit ich will wie­der frei atmen können frei ohne Zwang!"

Aga hatte, das Haupt tief gesenkt, zugehört. Jetzt hob sie die schönen, großen, klaren Augen zu der Freundin voll auf und sagte ernst:

»Was du sagst, Mirena, hat viel Wahres, und doch gehst du auf Irrwegen. Wie nun, wenn du eine Schande für die andere eintauschst? Wenn du erkennst, daß alles umsonst war? Bist du so sicher, daß dein neuer Lebensweg nicht noch ganz andere Enttäuschungen bringt? Seitdem ich aufgehört habe, etwas vom Leben zu erwarten, ist es mir erst ein reiner Elücks- quell gewesen. Willst du nicht auch diesen stillen Weg gehen, Mirena?"

Nein, ich will nicht, ich weiß, was du damit meinst. Ich soll nach Berzhausen, ich soll mein Kind lieben und pflegen, ich soll glücklich sein, wenn es erst alle Zähne hat und erst das Ein­maleins kann. Ich soll Jürgen eine gehorsame und treue Frau sein, soll mit ihm über die Kornfelder gehen und die Ställe revidieren, ich soll mit ihm über Pferdezucht roden und Karten spielen und wenn es ihm behagt, soll ich mir auch noch seine Liebk osungen gefallen lassen, die er vielleicht irgend einer Dorf-

divne eben freudig dargebracht hat, nein, sage ich dir, lieber toß sein als dieses Elend, dieses Verhungern an Leib und Seele."

And dein Kind?"

Das Zeugnis meiner Schande, das Kind des ungeliebten Mannes, vor dem mir graut?"

Wie ist dir eigentlich diese Erkenntnis gekommen. Mi- rena?"

Das weiß ich nicht," sagte die junge Frau zögernd,sie kam auch nicht plötzlich, sondern nach und nach, zuerst wie ein Gedanke, nur ganz flüchtig, kaum geahnt und dann mit so schrecklicher Wucht, daß ich fast darunter zusammenbvach."

Aga sah mit innigem Blick in die schillernden Augen Mi- rcnas. Dann trat sie umrm Mitempfindens näher und ihre kühle Hand auf die heiße Stirn Mirenas legend, sagte sie:

Armes Ding? Mein Vater ging zu früh für dich von hin» nen, und ich ich war eine schlechte Führerin, weil ich selbst hinaus mußte ins Leben."

Dir ist es geglückt, Aga!"

"Unter schweren Opfern Du weißt selbst, wie ich ge. kämpft, gerungen habe, wie lange es gedauert hat, ehe meine Bilder überhaupt auf den Ausstellungen zugelassen wurden. Du weißt, welche Demütigungen, welche Abweisungen ich er­tragen mußte. wie ich darbte und hungerte, und ich eines Tages, im Tiergarten Zusammenbrechend. ohnmächtig in dieses Haus hier gebracht wurde, das nun mein eigen."

Ich weiß, die alte Dame, die dich zufällig fand und dich pflegte, wurde dir eine Gönner,n, sie ebnete dir die Wegs in die Oeffentlichkeit. sie machte dich, indem 'sie dir die Villa und ein kleines Kapital hinterließ, unabhängig vom täglichen Brot, erwerb. Aber der Mensch braucht mehr als das armselige Le* ben, um das er kämpft, ringt und erwirbt. Was bast du da* von?"

Viel, unendlich viel," sagte Aga glückselig lächelnd und legte die gefalteten Hände auf das braunlockige Haupt de« Freundin, über welches die Sonnenfunken wie glitzernde Schlangen huschten,ich habe treue Freunkde und das Kind, meine Hansi. Ach, Mirena, welch ein Gottesgeschenk ist so ein Kind, wie macht es uns des Lebens Last leichter tragen. -Als der Vater starb, und ich Hansi zu mir nehmen mußte, da wuht 4 ich zuerst auch nicht, was ich mit der Kleinen anfangen sollte oft war ich ungehalten, wenn sie mich bei meinen Studie-ir störte, oft sehnte ich mich allein zu sein. Als dann aber Hansi krank wurde und wochenlang im heftigen Fieber lag, und ich um sie sorgte und bangte, da erkannte ich erst, welch ein Schatz so ein junges Menschenkind ist. Für ein Kind zu leben, es M erziehen zu allem Guten und Schönen, es anzuhalten zur Ar­beit. es die Elückswcge zu führen, die man fiir sich selbst so früh erstrebt und doch nicht erreichen konnte, das ist mehr als Glüch Mirena, das ist Himmelssoli,;keit."

Du bist eine Phantastin. Aga. Du lebst für andere untz» g-ehst selbst leer aus."

Nur so kommt man dem Glücke näher."

Du irrst," sagte Mirena, und ein fast kindlich süßes LSchel« glitt um ihre Lippen,wir müssen unser eigenes ..Ich", unsere eigen« Individualität obenan setzen, nur dann sind wir glücks­fähig."

Ein Erschrecken huschte über Agas Züge.

Woher hast du den Ausspruch?"

Fortsetzung folgt.

Dame

b- wandert in Stenographie. Ma- .chinenschreiben unh-Buchhaltung, um baldigen Eintritt nach Bad- Nauheim gesucht.

Angeboie unte^ Beriüaung von Zeuanisabsch'itten und'Angabe derEebaltsansprüche erbeten unter Nr. 1812 an die Geschäf sstelle derNeuen Tageszeitung".

Suche auf 1. September 1918 einen ttch'i-ien

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hat ab ugeben

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_Großkarben, Burghof.

Dekan,»tmnchnng.

den Besti'mmungen^ Steisamis ÖTiebberg bringe ich die folgen­

der Reichsgetreideordnung für 1918

vom 29. Mai 1918 zur öffentlichen Kenntnis:

§ 76. Wer mit dem Beginne des 16. August 1918

Vorräte früherer Ernten

an Früchten oder an'Mehl aus Brotgetreide und Gerste, allein oder mit anderem Mehl gemischt, sowie an Schrot. Graupen, Grütze. Flocken, allem oder mit anderen Nahrungs- oder Futtermitteln ge- nuicht, ,n Gewahr,am hat, ist verpflichtet, sie dem Kommunaiverbande ~ t *3 ßn !?Q £ürts bis zum 20. August 1918, getrennt nach Arten und Eigentümern, anzuzeigen. Vorräte, die zu dieser Zeit unter­wegs sind. sind von dem Empfänger unverzüglich nach dem Empfange dem Kommunaiverbande anzuzeigen.

.Nach §78 sind mit Beginn des 16. August 1918 die ameiae- pfl.chilgen normte (§ 76 Absatz 1 und § 77 der Neichsgetreide- ordnungj sowie die in § 77 unter c erwähnten Vorräte für den Ksinmnnalv erb and beschlagnahmt, in dessen Bezirk sie sich befinden, ^orraie, die zu dieser Zett unterwegs sind, sind für den Kommunal­oerband beichlagnahmt, m dessen Bezirk sie nach beendigter Be- werden. Die Beschlagnahme erstreckt sich nicht auf Vorräte an Mehl und Schrot aus Getreide. die durch einen Kommunaloerband an Händler, Verarbeiter oder Verbraucher seines Beurts nach Maßgabe der für den Kommunaloerband bestehenden Bestimmungen über Verbrauchsregelung bereits abgegeben worden ' irU) '^ r c ö in gelten bie Vorschriften dieser Verordnung.

s giftet 10 wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr

und mit Geldstrafe brs zu oOOOO Mark oder mit einer dieser Strafen bestraft, wer die Anzeige nicht in der gesetzten Frist erstattet, oder wer wlsienittch unrrchttge oder unvollständige Angaben macht. <y w; J^* e Besitzer bezw. Empfänger der in § 76 angeführten

Fruch.e Mehlarien usw. haben diese Vorräte, soweit sie ie k £ uberste'.gen, nach dem Stand am 16. ds. Mts. bei mir unter Angabe der Eigentümer und nach Arten getrennt längstens bis zum ,: UI ;' II ' ! *- )18 linzuzergcn. ,Vergleiche auch Amtsverkündigungs- blatt Vir. v:G vom 2. August 1918).

-g den 5. August 1918.

Der Bürgermeister.

__ I. V.: Damm.

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