Numme r 161 K t ^FrettaMdEN 12. Mt 1918 _ __11. Ja hrgang.
Die „Reue Tageoxeilurrg" erscheint jeden Werktag. Negelmätzige Beilagen „Dev Sauer aus Hessen", „Die Spinnftubs". Kerugspreia: Bei den PostanstalLen vierteljährlich Alk. 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld,' bei den Agenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 26 Pfg., lokale 20Pfg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme erhoben. Erfüllungsort Fttedberg. Schriftleituug und Verla« Friedberg (Hessen), Hanauerstrahe 12. Fernsprecher 48. Postscherk-Lonto Nr. 4859. Amt Frankfurt a. M.
Der Kurs bleibt der alte. — Feuertittigkeit und Teilangriffe im Westen. — Fünf amerikanische
Flugzeuge erbeutet. — 16500 Tonnen versenkt.
U Der deutsche Geueralstab meldet: —.
M. T. K. Großes garrptquartkev- -err
11. Juli. Amtlich.
Westlicher Kriegsschauplatz. 'Heeresgruppe Kronprinz R u p p r e ch t. Tagsüber mäßige Gefechtstätigkeit, die am Abend vielfach ruflebte. Nächtliche Erkundungskämpfe. Ein stärker-'- Vorstoß ! pes Feindes nordöstlich von Bethune wurde abgewiesen.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Lebhafte Feuertätigkeit zwischen Aisne und Marne. Erbeute Teilangriffe, die der Feind aus dem Walde von Villers- Cotterets heraus führte, drückten unsere Posten an den Savie- res-Ermrd zurück.
Von einem Geschwader von sechs amerikanischen Flugzeugen, die Coblenz angreifen wollten, fielen fünf in unsere Land. Die Besatzungen wurden gefangen genommen.
Der Erste Gencralqrmrttermeistcr: L u d e n d o r f f.
Abendliericht.
^ Berlin, IT. Füll, abends. '(WTB. NmUM Don Len Mampffronten nichts Neues.
Der österreichische Generalstak —- meldet: —-- r=
Wien, 11. Juli. Amtlich wird verlautbart: Auf dem Italienischen Kriegsschauplatz keine nennenswerte Ereignisse.
In Albanien haben sich unsere Truppen in einer neuen Widerstandslinie eingerichtet. Eine am Divoli-Tale vorfühlende französische Kompagnie wurde ab gewiesen.
Der Chef des Gencralstabes.
Der bulgarische Generalstab
meldet:
Cofta. 8 . Juli. (WB. Nichtamtlich.)' Ceneralstabsbericht. Mazedonische Front: Im Skumbital zerstreuten wir durch unser Neuer eine französische Erlundungsabteilung. Im Tschernabogen war die Kampftätigkeit auf beiden Seiten zeitweise heftiger. Unsere Angriffsaöteilungen drangen in feindliche Gräben bei dem Dorfe Makowo ein und brachten verschiedene Trophäen zurück. Oestlich des Dobropolje verjagten wir feindliche Angriffs- ableilungen, die sich unseren vorgeschobenen Posten zu nähern Versuchten. Südlich von Huma war das Artilleriefener auf bei. den Seiten mäßig. An der Strumamündung war die Artillerietätigkeit lebhafter.
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Sofia, 9. Juli. "(WB .Nichtamtlich.) Generalstabs- bericht.
An der mazedonischen Front drangen unsere Angriffs- truppen in feindliche Gräben nördlich von Bitolia und kehrten mit französischen Gefangenen zurück. JmCerna- bogen und westlich von Dobropolje war die Feuertättgkeit auf beiden Seiten zeitweise heftiger. In der Moglena- gegend zerstreuten wir durch Feuer eine feindliche Erkundungsabteilung. Im Vorgelände westlich von Serres beiderseitige lebhafte Erkundungstätigkeit.
16500 Touueu versenkt.
Berlin, 10. Juli. (WB. Amtlich )' Durch die Tätigkeit unserer Unterseeboote wurden im nördlichen Sperrgebiet um Eng. land neuerdings 16 500 Brt. feindlichen Handelsschiffsraumes vernichtet.
Der Chef des Admiralstabes der Marine.
Haag, '10. Juli. (WD.) Das Korrespondenzbüro erfährt, ^aß heute vormittag in Scheoeningen die Besatzung des holländischen Seglers „Frederika", der sich auf der Reise nach Le Havre befand und am 21. Juni von einem deutschen Unterseeboot in Drand geschossen worden war, gelandet wurde.
Die Kämpfe an der Westfront.
Berlin, 11. Juli. Die Erkundungstätigkeit war auf Seiten des Verbandes am 10. Juli besonders in Flandern und beiderseits der Somme lebhaft. Ueberall wurden seine Abteilungen abgewiesen. Südlich Dixmuiden nahmen die Deutschen einige Belgier gefangen. Ein früh im Nebel nach kurzem Feuerüberfall versuchter Vorstoß der Franzosen bei Nanteuil scheiterte. Im Elsaß brachte ein erfolgreiches Patrouillenunternehnien südwestlich Diedolshausen den Deutschen Gefangene ein. Das Fernfeuer ihrer schweren Geschütze lag mit erkanntem Erfolg wiederum auf dem wichtigen Compiögne und auf den Bergwerksanlagen von Noeux.
Fliegerangriff auf Gffeukurg.
Karlsruhe, 11. Juli. Amtlich wird gemeldet: Ein
heute erfolgter Angriff mehrerer feindlicher Flieger auf Offenburg, bei dem eine beschränkte Anzahl Bomben abgeworfen worden ist, hat einigen Sach- und Gebäudeschaden verursacht. Personen find nicht verletzt.
Der Puftchverjuch in Moskau.
Die Mörder Mirbachs.
Moskau, 9. Juli. Nach einer amtlichen Meldung der Petersburger Tel.-Agentur sprach der russische Sowjetkongreß mit einer Mehrheit von über zwei Dritteln die Zufriedenheit mit der ausländischen Politik der Sowjets der Volkskomnnssare aus, wodurch zugleich der Protest gegen eine Erneuerung des Krieges mit Deutschland zum Ausdruck gelangte. Der Putschversuch stützte sich auf 1000 aus Noworossijsk in Moskau eingetroffene Matrosen. Die Mörder Dttrbachs sind die Mitglieder der linken sozialrevo- lutionären Partei Anarejew und Blumkin. Die Aufständischen hatten eine Zeitlang die Post und den Telegraphen von Moskau besetzt und versuchten, auf telegraphischen: Wege einen Anfstand in Petersburg und Tula hervorzurufen, indem sie wunderlich Gerüchte über die Beziehungen der Sowjetregierung -zu den Deutschen verbreiteten. Der Aufstand wurde vollkonunen unterdriickt, und einige Hundert der noch am Leben gebliebenen Aufständischen wurden verhaftet. Die Meldung schließt: Auf dem Kongreß der Sowjets war die Aufstau ^Partei in der Minderzahl vertreten. Jedoch wäre die Sowjetregierung zweifellos gestürzt worden, falls es- möglich gewesen wäre, einen Erfolg zu erzielen.
„Dieder mit Mirbach!"
Wie die „Voss. Ztg." aus Stockholm meldet, veröffentlicht Brantings „Sozialdemokraten" eine Drahtung aus Petersburg über die Sitzung des Moskauer Sowjetkyngres- ses zwei Tage vor der Ermordung des Grafen Mirbach. Die Stimmung war schon damals so erregt, daß man tatsächlich das Schlimmste erwarten rnußte. Als der russische Abgeordnete für die Verhandlungen mit der Ukraine Alerandrow den Grafen Mirbach als Leiter der deutschen Imperialisten bezeichnete, antwortete stürmischer Beifall von den Bänken der Sozialrevolutionäre. Nach Schluß der Rede Alexandrows erschollen minutenlang Rufe „Nieder mit Mirbach", „Nieder mit Brest". Nur mit großer Mühe konnte die Ordnung wieder einigermaßen hergestellt werden. Zit weiteren stürmischen Szenen kam es, als die So- zialrevoluttonäre die sofortige Abschaffung der Todesstrafe verlangten. Als die Redner der Bolschewik! dagegen sprachen, kamen abermalige Rufe von sozialdenwratischer Seite „Henker", „Mirbachs Lakaien". Noch schlimmer ging es zu, als der Führer der linken Sozialrevoluttonäre Kamkow bei seinen Ausführungen über die Vorgänge in der Ukraine von der „unwürdigen Kanaille, die unsere ukrainischen Brüder abschoß" sprach. Legattonsrat Riezler saß während dieser Reden als Zuhörer in der Diplomatenloge. Die sozialrevolutionären Abgeordneten sprangen auf und mi- mitenlang brüllte es durch den Saal „Nieder mit diesen Mördem", „Nieder- mit Mirbach!"
Dn österreichische Gesandte in Moskau.
Zn der Absicht der österreichisch-ungarischen Regierung, den Gesandtenposten in Moskau in allernächster Zeit 31 t besetzen, verlautet, daß der k. u. k. Botschafter Gras For- gach für diesen Posten in Aussicht genommen ist.
Die Sinufeiuer-Kemeguttst.
Rotterdam, 10. Juli. Wie die „Morning Post" aus Jrland meldet, hat die Sinnfeiner-Bewegung in den letzten acht Tagen eine gefahrvolle Ausdehnung erfahren. Trotz aller Massenverhaftungen ist die Zahl der Festgenommenen inzwischen auf Tausende gestiegen und die Zahl der Ortsgruppen der Sinnfeiner vom 1. April bis 1. Juli von 602 auf 896 angewachsen. Die Angriffe auf englische Soldaten, besonders auf dem Lande, mehren sich.
Iie ErklmniM des RkiHslMzlm.
Berlin. 11. Juli. Im Hauptausschuß des Reichstages stand der Entwurf betreffend den 15 Milliarden-Kredit zur Beratung.
Einleitend erklärte Vizekanzler von Payer, der Reichskanzler werde seine Ausführungen zum Teil vertraulich geben.
Dn Reichskanzler Graf H e r t l i n g nahm dazu das Mort:
Meine Herren! Der Wechsel im Staatssekretariat bedeutet keinen Wechsel des polittschen Kurses. Die Politik des Deutschen Reiches führt allein verantwortlich der Reichskanzler. Der Staatssekretär des Auswärtigen hat die auswärttge Politik im Aufträge, im Einvernehmen und unter der Verantwortlichkeit des Reichskanzlers zu führen, ist von Anfang an Grundsatz des Deutschen Reiches gewesen. Dieser Grundsatz steht auch heute lest.
Meine Herren! An meinem politischen Standpuntt. wie ich ihn in meiner Rede am 28. November v. I. vor dem Plenum festgelegt habe, an diesen meinem Standpunkt sowohl bezüglich der inneren wie auch bezüglich der äußeren Polttik halte ich meinerseits vollkommen fest. Daran wird sich, solange ich an dieser Stelle stehe, nichts ändern.
Meine Herren! Bezüglich der inneren Politik habe ich die damals gegebenen Zusagen, soweit cs an meinem Willen lag. vollkommen eingelöst und werde dafiir eintreten, daß auch die weitere Ausführung der von mir gemachten Zusagen erfolgt und etwaige Hindernisse mit Energie überwunden werden. Darauf können die Herren sich verlassen. Was die auswärtige Politik betrifft, so habe ich meinen Standpunkt gleichfalls damals am 29. November v. I demarkiert. Ich habe den Herren gesagt: Ich stehe auf dem Standpunkt der kaiserlichen Antwort auf die Friedensnote des Papstes vom 1. August v. I. Die friederrsbereite Gesinnung, die diese Antwort beseelt hat, beseelt mich, aber ich habe hinzugefUgt. meine Herren, daß die friedensbereite Gesinnung nicht den Feinden einen Freibrief geben darf für unabsehbare Fortsetzung des Krieges. Meine Herren! Was haben wir nun aber erlebt? Während an unserer Bereitschaft, zu einem ehrenvollen Frieden die Hand zu reichen, seit einem Jahre gar nicht gezweiselt werden kann, haben wir bis in die letzten Tage hinein die aufreizenden Reden der feindlichen Staatsmänner gehört. Meine Herren, Herr Wilson will den Krieg bis zur Vernichtung und was Herr Bal- four gesagt hat, muß jedem Deutschen wirklich die Zornesröte ins Gesicht tteiben. Wir haben doch ein Gefühl für die Ehre unseres Vaterlandes. Wir können uns nicht öffentlich unausgesetzt auf diese Weise beschimpfen lassen und zwar steht hinter der Beschimpfung der Vernichtungswille. Solange dieser Vernichtungswille besteht, nreine Herren, müssen wir mit unserem treuen Volke ausharren. Ich bin auch überzeugt, ich weiß es. daß in den weitesten Kreisen unseres Volkes überall der ernste Wille besteht: Solange der Vermchtungswille der Feinde be
steht, müssen wir durchhalten mrd wir werden durchhalten iml Vertrauen auf unsere Truppen, im Vcrttauen auf unsere Heerführer und im Vettrauen cntf unser herrliches Volk, das diese schwere Zeit mit ihren großen Entbehrungen und fortgesetzter^ Opfern so wunderbar erträgt.
Der Reichskanzler betonte sodann, wenn sich trotz der seiiM- seligen Aeußevungen der feindlichen Staatsmänner irgendwO ernsthafte Neigungen für die Anbahnung des Friedens zeigen würden, da ml würde sich Deutschland ganz gewiß nicht ablehnend verhalten. Aber dkd Staatsmänner, die bisher geredet» hätten vor derartigen MögliOeiten öfters gewarnt. Dieser Standpunkt werde auch in der Obersten Heeresleitung seteM.


