Wriil rm töirifj
Nomon von Courthß-Mahler.
Nachdruck verboten.
von Birkenheim, ich stand Frau von Platen schr nahe so nahe, daß sie kein Geheimnis vor mir hatte. Und ich weiß, daß sie Ihnen einst hat sehr wehe tun müssen."
Der alte Herr sank in seinen Sessel zurück und ließ seine Augen reicht von Christa.
fic hat mir wehe getan — sehr wehe — wie nie vorher und nachher ein Mensch."
„Aber das hat sie nie gewollt. Man hat ihr noch viel weher getan."
Er strich sich über die Stirn.
„Kind — was wissen Sie davon?"
Ein blaffes Lächeln flog über ihr Gesicht.
„Mehr — viel mehr, als Sie denken, mehr, als Sie selbst wissen." -
Er schüttelte fassungslos den Kopf.
„Das ist seltsam, schr seltsam. Und — wenn ich Sie an- si'he — da ist mir plötzlich, als wollte sich mir ein Helles Licht in die Seele drängen. Was ist das? Ich tappe im Dunkeln und sehe doch dies Licht. Mir ist, als hätte Sie Graf Steinau nicht absichtslos hierher gebracht."
Sie hatte das Buch hingelegt und verschlang die Hände in treuer Erregung. Aber ihre Augen sahen ihn bittend, beschwörend an.
„Was Sie auch denken mögen, Herr von Virkenheim, ich stehe Sie an, ziehen Sie keine voreiligen Schlüsse. Glauben Sie nichts Schliinmes von mir — von Graf Steinau. Ich will Ihnen gestehen, daß ich nicht zufällig nach Virkenheim kam, sondern in der festen Absicht, eine Mission zu erfüllen. Der Wille einer Sterbenden hat mich hierher geführt."
„Der Wille einer Sterbenden?" fragte er heiser.
Sie neigte das Haupt.
»Ja. Ich hätte Ihnen das längst gesagt, ich habe es Ihnen Mcht gern ,o lange verheimlicht. Aber ich batte so große Sorge, doß ich Sie damit aufregen könnte, und daß Ihnen die Aufregung schaden würde. Die Sorge hat mir aber Graf Steinau genommen. Und nun bitte ich Sie herzlich und inständig, mir zu gestatten, daß ich meine Mission erfülle."
Er ließ seine Augen nicht von ihrem blassen, erregten Ee-
ficht.
..Was ist das für eine Mission?"
Sie sah ihn mit ihren schönen Augen flehend an.
. Ich habe den Auftrag. Ihnen Aufzeichnungen von Maria von Platen zu übergeben und sie sicher in Ihre Hände zu legem Da ich aber weiß, daß Sie ein Augenleiden haben, und dies umfangreiche StrtftftÜck nicht selber lesen können, bitte ich Sie. mtr zu gestatten, daß ich es Ihnen vorlese. Es darf kein fremdes Auge auf diesen Aufzeichnungen ruhen. Niemand soll der Inhalt kennen lernen, als Sie. Ich selbst kenne den Inhalt genau und deshalb sollen — müssen Eie mtt gestatten, daß ich ^zhnen das Schriftstück vorlese."
Mit einem seltsam forschenden Blick sah er sie an. '
„Sagen Sie mir offen — nähmen Sie nur, um diese Mist sicn zu erfüllen, die Stellung als Vorleserin bei mir an?"
Vetr.: Dre Fleischversorgung fürs
die Bevölkerung der Stadt Friedberg. |
KekanntmachirnK
Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Verlauf von Rind- und Kalbfleisch sowie Wurst für diese Woche am Frei- tag. den 12. Juli 1918, nachmit. tags von 1-6 Uhr. in den sämtlichen hiesigen Metzgerläden stattfindet.
Die Verkaufszeit ist genau einzuhalten.
Schweinefleisch gelangt nicht zur Ausgabe.
Snedberg, den 10. Juli 1918 Der Bürgermeister.
2. V.: Damm.
Bekanntmachung
Die Stadt Friedberg beabsichtigt einen kräftigen, sprungfähigen
Faselochsen
16—18 Monate alt, anzulaufen.
Schriftliche Angebote werden bis zum 16. ds. Mts. an den Unterzeichneten erbeten.
Friedbera, den 8. Juli 1918. Der Bürgermeister.
2. V.: Dam m.
Kekanntmachnng.
Wir bringen erster Tage
frische grüne Erbsen
durch die hiesigen Gemüsehändler zum Verkauf.
Anmeldungen nehmen wir unter Vorlage der Lebensmittelkarte aus unserem Geschäftszimmer Freitag nachmittag von 3 bis 4 Uhr nur für den Bezirk II. Nr. 501—1000 entgegen. 9
Für die Nummern 1001 aufwärts des Bezirks ,» werden die Bestellungen Samstag vormittag von 3 bis ö Uhr entgegen genommen. ' ö a b
Friedberg, den 10t Juli 1918.
Der stellvertretende Bürgermeister
(städt. Lebensmiltei-Ausichuß)
- _ 2. A.: Langsdorf.
*Unt> - I«m 6t* AmMWM «fimi 06f
Hann noch Ar« EMlung fcef mir behalten?*
..Ich bitte Sie. mir die Beantwortung dkHSk FrckM Mt W? lassen, bis ich Ihnen das Schriftstück vvrgolese» habe. Darf Uh es -Ihnen bringen?" £ ~ ; j L
Er nickte. ^ __ . W w LI
"Tun Sie das — FrFulein Seftnmt'*
Sr betonte diesen Namen gang seltsam.
Christa entfernte sich rasch. Sie eilte auf Hr Zimmer Und nahm aus der Kafette. die sie am Tage ihrer Ankunft in ihren Schreibtisch eingeschlossen hatte, ein Schriftstück. Das barg fie in ihrem Kleide. Und es war gut. daß sie es getan hatte, denn in der Halle begegnete ihr Karla.
„Nun, Fräulein Hellmul — ich denke, Sie losen Onkel vor?"
„Ja, Baronesse, jetzt gleich. Ich hatte nur mein Taschentuch vergessen."
Damit gab sich Baroneß Karla zufrieden.
Christa betrat das Arbeitszimmer wieder. Herr von Birke nhe im faß. den Kopf in die Hand gestützt, am Schreibttsch. Christas Worte hatten ihn sehr erregt. Er blickte auf das Bild hernieder, als müsse er in Maria von Platens Antlitz lesen, was er jetzt erfahren sollte, lieber Christa HeN.nuts Persönlichkeit machte er sich eigene Gedanken.
Christa trat an seine Seite und legte das Schriftstück vor ihn hin. Es war versiegelt. Er sah darauf nieder und los die Aufschrift:
„An meinen Vetter, Heinz von Virkenheim. Nach meinem Tode in seine eigenen Hände zu legen. Maria von Platen."
Er seufzte tief auf, löste das Siegel und reichte Christa das Schriftstück.
„Bitte — lesen Sie."
Christa entfaltete den engbeschriebenen Dogen. Sie nahm in ihrem Sessel Platz und begann zu lesen:
Mein lieber Heinz! Wenn ich vor meinem Ende noch einen heißen Wunsch habe, so ist es der. daß du diese Aufzeichnungen eines Tages erhalten wirst und daß Dir das, was ich zu beichten habe, die Bitterkeit aus der Seele löst, die sich darin ausgespeichert hat gegen die Frau, die Dir einst die Treue brach.
Du hegst wahrscheinlich noch heute einen tiefen Groll gegen mich. Vergebens habe ich wieder und wieder an Dich geschrieben. Du ließest meine Briefe uneröffnet zurückgehen uird ver- iveigerteft die Annahme."
Hier fuhr Herr von Birkenheim auf.
^ „Halt? Das ist nicht wahr! Ich muß Sie unterbrechen, ^ch habe nie einen Brief von Maria von Platen bekommen, fert sie Virkenheim verließ." stieß er erregt hervor.
„Das hat Frau von Platen noch vor ihrem Tode erfahren, Herr von Virkenheim, und am Schluß ihrn Aufzeichnungen wird sie noch selbst darauf zurückkommen. Darf ich forlfahren?"
„Ich bitte darum. Entschuldigen Sie, daß ich Cie unter, brach. Ich werde mich jetzt bis zum Schluß aller Einwendungen enthalten und Sie ungestört bis zum Ende lesen lassen — was ich auch erfahren werde/
Christa fuhr fort:
. und verweigerten die Annahme. Nur meinen letzten Brief hast Du wohl an genommen, denn er kam nicht zurück. Ich
Adresse von anderer Zand schreibe^ «m Dich"zu'bestttst> MV», den Brief zu lesen. Da ich auch darauf keine Antwort vo» Dtk bekam, wußte ich, daß Du mir unversöhnlich grolltest.
Und doch ist mir, als durfte ich nicht sterben, bis ich mir atka von der Seele geredet habe, was mich bedrückt feit de» Tay. da ich Deine Braut wurde.
Deshalb schreibe ich dies alles nieder, als eine Lebens- Seichte. Ich weiß, daß ich bald sterben muß, und wünsche sehn- Nchst, daß Du wenigstens nach meinem Tode erfährst, was uns eigentlich getrennt hat In meinem letzten Brief bat ich Dicht mir zu gestatten, daß ich Dir alles sagen durfte. Dir gabst mir die Erlaubnis nicht, schwiegst unerbittlich. Aber der Toten wirst Du gestatten, sich zu rechtfertigen, und ihr wirst Du glauben, dast sie, angesichts des Todes, die lautere Wahrheit spricht.
So wahr ich auf ein friedliches Ende hoffe, so wahr ist jede- Wort, das ich hier mederfchreibe. Ich schwöre es Dir bei dem! Höchsten, was mir noch auf Erden geblieben ist, bei dem Wohk und Glück meines einzigen Kindes.
Und nun laß Dir berichten, wie alles kam und wie ich von Dir getrennt wurde. Laß es Dir sagen, Heinz — ich habe in meinem ganzen Leben nur einen einzigen Mann geliebt — mit der ganzen Inbrunst meiner Seele, mit allem, was in mir war — und dieser Mann warst Du — Du allein."
Hier fuhr Herr von Virkenheim doch wieder empor, akH wollte er eine heftige Einwendung machen. Aber er bezwang sich und sank in seinen Sessel zusammen.
„Wetter!" stieß er heiser hervor.
Christa hatte ausgeblickt in sein verstöttes Gesicht. Nun fuhr fie fort:
„Wenn ich zu Lebzeiten Deiner Ellern eingeladen war nach Birkenheim, als Backfisch noch, da freute ich mich immer unsag^ bar — weil ich Dich sehen konnte, und mit Dir zusammen seist durfte. Es lag nicht in meiner Art, Dir das zu zeigen und auch Du warft still und zurückhaltend. So verschloß ich mein Empfinden fest in meiner Brust und ließ es nie heraus.
Als meine Eltern starben, bald nach den Deinen, blieb mir, wie Du weißt, nur meine Freistelle im Sttift. und ich mußte sie antreten. Tante Anna war inzwischen zu Dir nach Birken- hoftn gekommen, um Dir den Haushalt zu führen. Sie lud mich, ein, im Sommer einige Woche» in Virkenheim zu verbringen. Zugleich ttaf auch unsere Kusine Helene mtt ihrer Mutter ein*
Tante Anna mochte weder Helene noch ihre Mutter leiden. Zu mtt aber war sie sehr lieb und gut. Und in ihrer Seele' reifte dann wohl der Plan, zwischen Dir und mir eine Verbiß düng hrrbeizuführen. Sie machte mir ziemlich, deutliche Anspielungen, daß fie es gern sehe, wenn ich Deine Frau würde, und ich mochte nicht leiden, daß sich Helene so aufdringlich bei Dir einschmeichle. Wenn diese auch immer an Deinem Arm hinge, so machtest Du Dir doch ganz sicher nichts aus ihr.
Ich nahm das alles sehr verlegen auf. Daß Helene viel t» Deiner Gesellschaft war, merkte ich wohl — und es tat mir weh, daß Du mehr mit ihr als mtt mir zusammen warst. Gern glaubte ich Tante, daß daran nur Helene schuld sek. und daß Du Dir ihre Gesellschaft mir gefallen ließest, um nicht unhöflich sein zu müssen. Man glaubt so gern, was man wünscht. TantV Anna behauptete, mit Helene würdest Du nur unglücklich wen den, und es sei meine Pflicht, das zu verhindern
Fortsetzung folgt.
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Kekanntmachnng.
yi'ää)]itn Freitag, den 12. ds. Mts., vormittags von 8—10 Ufer verkaufen wir in der alten Post '
Kopfsalat.
Es werden abgegeben:
1« Haupt zu 80 Pfg. oder 5 Haupt zu 10 Pfg. Friedbcrg, den 10. Juli 1918.
Der stellvettretende Bürgermeister
(städt. Lebensmittel-Ausschuß)
. _ 2. A.: Langsdorf.
B»llmN»f.
Die Gemeinde Södel beabsichtigt einen sprungfähigen, 16 Monate alten Simmentaler Faselbnllen anzukaufen. Besitzer solcher Tiere wollen dieses bei Unterzeichneter Stelle anmelden.
Södel, den 10. Juli 1918. Erogh. Bürgermeisterei t _2. V.: Hensel.
Ankauf eines Faselochsen.
Die Gemeinde Bönstadt beab- kchtigt einen jungen Faselochsen Im Atter von 16—18 Monaten »nzukaufen. Besitzer solcher Tiere lverden gebeten, sich bei unterzeich- »eter Stelle zu melden.
«Snftadt, den 9. Juli 1918.
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Unsere Kasse bleibt von jetzt ab an den
Samstag- Nachmittagen geschloffen.
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Friedberg, den 10. Juli 1918.
_ Der Vorstand
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4Ä^"iÄ nad,mit, ° a5 2Vl ^ Gasthaus Tagesordnung!
1. Rechenschaftsbericht für 1917.
2. Voranschlag für 1918.
3. Wahl des Vorstandes.
4. Verschiedenes.
lichst^einge^den^* unb ^ rcuni)e Vereins sind hierzu freund- t^chzell, den 8. Juli 1918. Stall.
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