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Mm nie durch Liebe Leid gejchnh.

Roman von C o u r i h S. M a h l e r.

46) Nachdruck verboten.

Die alte Dame seufzte tief auf.

Lieber Gott da werde rch wohl die Segel streichen müs­sen. Denken Sie mein Erschrecken nicht falsch, lieber Freund, Ihr Neffe rst mir ein lieber, sympathischer Mensch. Ich kenne ihn ja fast so gut wie meine eigenen Kinder. Aber wie diese beiden übermütigen Springinefelde eine vernünftige Ehe schlie­ßen scllen, das möchte ich wissen!"

Sorgen Sie sich darum nicht. Trotz seines Uebermutes ist Joachim nicht leichtsinnig, und er ist ein ehrlicher, anständiger Charakter, Ursula aber wird mit der Zeit eine ganz patente kleine Frau werden, die Herz und Mund, wie bisher, immer auf dem rechten Fleck haben wird. Jung gefielt. hat niemand gereut. Also lassen Sie Ihr Bedenken fallen und bereiten Sie sich auf das Amt einer Schwiegermutter vor."

In diesem Augenblick trat Hans Ullrich ein. Er kehrte heim von einem Ritt über die Felder, wo die Ernte rn vollem Gang war. Seine Mutter streckte ihm die Hand entgegen.

..Hans Ullrich, höre zu, was mir soeben Graf Rudolf er­öffnet hat," sagte sie erregt und erzählte ihrem Sohn, was sie serben vernommen hatte.

Hans Ullrich war aber durchaus nicht erstaunt oder er. schrecken Er legte den Arm um die Schulter seiner Mutter und lächelte.

Das habe ich kommen sehen, liebe Mamma. Es überrascht mich nicht."

Kannst du dir denn Ursula als Braut als Frau vor­stellen?"

Die Liebe wirkt Wunder. Mamma. Ursula hat sich in der letzten Zeit ganz auffallend verändert. Das hat nur die Liebe verwirkt."

Freilich verändert schien sie mir auch. Aber ich schrieb das dem wohltätigem Einfluß zu, den Fräulein Hellmut auf sie ausüöt."

Ein wenig wird auch Fräulein Hellmut dazu getan haben. Aber den Haupteinfluß wird wohl Joachim ausgeübt haben, liebe Mamma."

Ach. mein Gott, das kommt mir doch so überraschend."

Hans Ullrich streichelte ihre Hand.

Wirst dich drein fügen müssen, Mamma. Wenn die Kin- der flügge werden» fliegen sie davon."

Tie alte Dame seufzte.

Ein paar Jahre hätte ich mein Urfelchen doch gern noch bei mir behalten Aber nicht an mich will ich denken. Wenn meine Kinder nur glücklich werden, dann füge ich mich rn alles."

Hans Ullrich sah sinnend vor sich hin. Er dachte an Ehrista Hellmut. Ohne sie gab es für ihn kein Glück auf der Welt, das wußte er.

Und seufzend gedachte er der großen Hindernisse, die zwi­

schen ihm und der Geliebte» standen. Seine Hoffimwg, den Herzog seinem Wunsch geneigt zu mache«, war nicht sehr groß. Hatte sich doch der hohe Her« auch fügen müssen, <tts ihm die Tradition die Gattin bestimmt. Würde er geneigt sein, ihm zu helfen und würde es allein in seinen Händen liegen? Wie oft hatte er ihm gesagt, als er noch Erbprinz war:

Der Fürst eines Landes ist der unfreieste Mann tm gan­zen Staat. Er ist der Sklave seines Volkes."

Aber versuchen wollte es Hans Ullrich doch, und sobald alle Erntearteiten getan waren, wollte er tu die Residenz fahren und den Herzog um eine Audienz bitten.

Unversucht wollte er jedenfalls nichts lassen. Seine Liebe zu Christa erfüllte mehr und mehr sein ganzes Sein. Er wußte, daß er nur in ihrem Besitz ein volles, rechtes Glück finden würde.

Ohne Christa erschien ihm das Leben schal und sonnenlos

Wraf Joachim und Ursula waren sttll neben einander her. gegangen. Sie schlugen wohl den Weg zum Obstgarten ein, ka­men auch zu den Erdbeerrabatten, ober sie beachteten sie beide nicht und gingen in Gedanken verloren weiter, bis sie den Park erreichten.

Ursula achtete gar nicht auf den Weg und merkte nicht, daß sie Graf Joachim immer tiefer in den Park hineinführte. Als sie aber eine Stelle erreicht hatten, die ringsum von dichtem Gebüsch umgeben war, blieb er plötzlich stehen und verttat ihr den Weg.

Cie find heute wieder so still, wie neulich, als ich in Frankenau war. Fräulein Ursula. Und sie hatten mir doch ver­sprochen. recht vergnügt zu sein."

Sie war zusammengezuckt und sah ihn cm, wie aus einem Traum erwachend.

..War ich denn still?"

Ja sehr. Sie haben, seit wir das Haus verlassen haben, noch kein Wort mit mir gesprochen. Ich kenne Sie gar nicht wieder. Sonst waren Sie immer so vergnügt. Jetzt sind Sie traurig. Sie haben sogar Tränen in den Augen."

Ursula schluckte tapfer ihre heimliche Herzensnot hinunter.

Ach, Unsinn wie soll ich denn zu Tränen kommen? Die Sonne blendet nur."

Er sah ihr in die Augen.

Es find doch Tränen und ich sehe es nicht zum ersten­mal. Neulich im Birkenheimer Park da haben Sie auch heimlich geweint und eine Ihrer Tränen ttage ich auf mei­nem Herzen." Ihr mädchenhafter Stolz wollte nicht unter- liegen."

Sie reden heute wirklich dummes Zeug, Graf Joachim."

Er zog seine Brieftasche hervor und nahm den Jasmin- Zweig heraus. Er war schon sehr vertrocknet.

Da sehen Sie, Fräulein Ursula, auf dieses Zwelglein fiel neulich eine Träne aus Ihren Augen. Die habe ich mir eingefangen und ttage sie nun als Talisman auf meinem Her­

zen. Sagen Sie cs mir, Ursula, warum haben Sie auch heute wieder Tränen in den Augen?"

Sie biß die Zähne zusammen und wischte hastig über bi#

Augen

"Was wollen Sie nur, ich habe nicht geweint."

Er faßte ihre Hand.

Doch, Sie haben es getan. Wissen Sie. was ich mir ge­lobt habe, als ich dies Zweiglein auf meinem Herzen barg?"

Sie strich sich das ttause Blondhaar aus der Stirn und wischte dabei wieder hastig und verstohlen über die Augen.

Was denn?" ftagte sie, zornig über ihre eigene Schwäche.

Ich habe mir gelobt, daß ich in Zukunfi alles tun will, was in meiner Macht steht, um Ihnen jeden Schmerz zu er- sparen."

Cie richtete sich plötzlich kampfbereit auf.

Ich finde. Sie benehmen sich mir gegenüber sehr seltsam. Was gehen Sie meine Tränen an! Bitte, kümmern Sie sich doch lieber um oie junge Dame, die Sie heiraten wollen."

Fa doch, das tue ich ja. Ich wollte mich eben weiter über dies Thema verbreiten."

Sie wandte sich hasttg ab und wurde sehr bleich.

Es interessiert mich gar nicht, dies Thema. Lassen Sie uns weltergehen," sagte sie mit zitternden Lippen, aber schein, bar ruhig. t

Verweilen Sie nur noch wenig« Minuten, ich bitte Sie darum, llebcrmorgen reise ich ab, und ich habe mir zugeschwo- ren, daß ich es nicht tun werde, ohne die Dame, die ich liebe, um ihr Jawort gebeten zu haben."

Sie war leichenblaß und stampfte vor Zorn mit dem Fuß auf.

Ich mag das nicht hören, verschonen Sie mich damit!" rief sie außer sich.

Das war wieder die ungebärdige Ursula, wie er sie früher gekannt hatte.

Er faßte plötzlich ihre Här^

Urselchen lieber, süßer Trotzkopf du mußt es aber doch hören, daß ich dich lieb habe, von ganzem Herzen lieb, und daß ich nicht von hier gehen werde, bist du mir versprochen hast, meine kleine Frau zu werden."

Sie stand wie erstarrt und sah ihn fassungslos an.

«Ich ich soll Ihre Frau werden?" stieß sie hervor.

Ja doch, Urselchen, du allein. Dich Hab ich lieb und eigentlich ift es Unsinn, daß ich so viele Worte mache. Ich wollte dich nur erst einmal allein haben. Bisher war leider immer jemand in der Nähe, wenn ich dir sagen wollte, wie es in mir aussieht. Aber daß du mich lieb hast. Urselchen. so lieb, wie ich dich, das weiß ich. Ja so arrogant bin ich. daß ich gar nicht daran zweifle. Und nun sage es mir schnell, daß du meine Frau werden willst denn ausgesprochen muß es doch einmal werden, nicht wahr, Urselchen?"

Fortsetzung folgt.

Kelranntmachung

Laut Verfügung des stellv- Generalkommandos vom 15. Roo- 1917 war bis zum 31. Mai d. "s. das Dach- und Blitzableiter- kupfer und -Platin abzuliefern.

Bis jetzt ist dieser Verfügung nur teilweise entsprochen worden und fordere ich daher alle rück­ständigen Hausbesitzer auf, un­bedingt pätestens bis zum 31. Juli d. Is., alles noch m ihrem Be­sitze befindliche Dach, und Blttz- ableiterkupfer und.Platin bei der tteiattfammelstelle,Stad!. ba ramt, Haagstratze Nr. 16, werktäglich von 8 bis 10 Uhr vormittags abzuliefern.

Nach die>em Termine wird Slra anzeige erhoben und außer­dem die zwangsweise Einziehung arf Ko len der Säumigen herbei- gejuhrl.

Friedberg, den 28. Juni 1918.

Der Bürgermeister.

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Fr.edberg, den 1. Juli 1918.

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