Kirnt nie doch Me Leid geschah
Roman von Courths-Mahler.
97 ) Nachdruck verboten.
Da trat Graf Rudolf in formeller Haltung an sie heran.
"Wie ist es gegangen in dieser Zeit, Fräulein Christa?" fragte er leise.
Sie wandte ihm ihr ernstes Gesicht zu. ^ J fr* ‘ L i „Gut — viel besser als ich dachte."
"Mein Freund Birkenheim Hai mir so viel lsebens- wertes über Sie gesagt. Er hat Sie entschieden ins Herz geschlossen."
„Das freut mich sehr, wie Sie sich deuten könnend „Ja, ja! Haben Sie schon etwas tun können, nm Ihre Mission einzuleiten?"
..Nein, noch nicht. Ich wollte mir erst das Vertrauen Herrn von Virkenheims erringen."
„Das ist wohl geschehen. Und ich hoffe, das; ich Ihnen nun ein wenig helfen kann. Hoffentlich kann ich einige Wochen hier bleiben."
„Ist das nicht bestimmt?" 3 ^ f \};
Er lächelte.
„Was ist bestimmt? Niemand kann wissen was ge^ schkeht. Es gibt sehr viele politische Differenzen, und ich kann jede Stunde abgerufen werden. Aber ich hoffe es nicht. Ich möchte so gern mal ein paar Wochen alle Politik vergessen. Also hoffentlich kann ich Ihnen ein wenig behilflich fein. Vielleicht kann ich meine diplomatischen Fähigkeiten auch einmal auf diesem rein privaten Gebiet betätigen."
„Ich nehme dankbar Ihre Hilfe an," sagte Christa warm und herzlich.
„Wann und wo kann ich Sie einmal allein sprechen? Wir haben doch wohl mancherlei zu erwägen."
„Nach Tisch, wenn von Virkenheim ruht, bin ich bei schönem Wetter immer im Park in dem kleinen offenen Pavillon."
„Gut, dort werde ich Sie morgen aufsuchen. Sieht man uns zusammen, so ist es eben ein Zufall gewesen, der uns zusammen führte. Doch still jetzt — die Baronin kommt auf uns zu."
Nach diesen Worten sprach Graf Steinau in formeller Weise einige nichtssagende Worte zu Christa, sich den Anschein gebend als bemerke er das Herannahen dar Baronin gar nicht.
Diese mischte sich nun ins Gespräch. Gleich darauf trat auch Herr von Birkenheim wieder ein. der auf einige Minuten von seinem Verwalter abgerufen worden war.
Er lies; sich neben Graf von Steinau in einen Sessel nieder, und die beiden alten Freunde plauderten angeregt eine Weile miteinander.
Bald darauf kamen die Frankenaner Herrschaften an.
Mit fast jugendlicher Lebhaftigkeit begrüßte -Graf Steinau Frau von Frankenau.
„Meine liebe verehrte gnädige Frau, ich freue mich, Sie wiederzusehen und hoffe auf einige genutzreichePlauderstündchen mit Ihnen."
„Daran soll es nicht fehlen, lieber Graf. Die Freude an unserem Wiedersehen ist gegenseitig. Diesmal find Sie Ihren
eunden recht' kange feM Ich grause, es ist efrt
Zahr her, fett wir uns zuletzt gesehen haben." erwiderte Frau Sabine herzlich. ^ w u *
Graf Steinau Überlegte. ^ ff _ ^
"Ja, es kann sogar etwas langer sein, meine verehrte Freun. din. Draußen in der Welt vergeht die Zeit so schnell, und man hat immer so viel vor^daß man kaum merkt, wie sie entschwindet."
Frau von Frankenau lächelte. '
„Nun, uns vergeht die Zeit hier auf dem Lands auch recht schnell." 7
„3<t, Hans Ullrich will feßhaff werden auf feiner Scholle und wird mir, wills Gott, bald eine Schwiegertochter ins Haus bringen."
„Dann will ich Ihnen wünschen, daß es eine nach Ihrem Geschmack ist."
,^Die Hauptsache ist, daß sie meinen Sohn glücklich macht, dann will ich mich schon mit ihr abfinden."
Lächelnd sah Graf Steinau in Frau von Frankenaus frisches Gesicht, das die grauen Haare Lügen strafte,
„Sie werden sicher einmal eine anbetungswürdige, Schwiegermutter." 7
Die alte Dame lachte.
„Wer weiß.' Den guten Willen dazu habe ich wohl, aber wer.kann für sich selbst bürgen?.'"
Inzwischen hatte sich Graf Joachim mit Hans Ullrich be- ^-ußt, und nun stand ihm Ursula gegenüber. Seit fast zwei Jahren hatte er sie nicht gesehen. Als er zum letztenmal in Pension ^ ^ 5tanfenau teilte Ursula in einer Genfer
Graf Joachim hatte Ursula noch in der Erinnerung als einen lang aufgeschossenen, sehr übermütigen und etwas kratzbürstigen Backfisch, der immer mit zerzausten Hängezöpfen herum- lref und wenig Anmut besaß. Nun stand sie ihm plötzlich als eine sehr reizende, elegant gekleidete junge Dame gegenüber.
Er sah sie an, als traue er seinen Tugen nicht.
Sie hatten früher gemeinsam manchen lustigen Streich aus- gefuhr. und standen abwechselnd auf einem veranügten Neckton und auf absolutem Kriegsfuß.
„Alle Wetter — darf ich meinen Augen trauen! Sind Sie
das wirklich. Fräulein Urselchen?"
Sie sah ihn halb lachend, halb verlegen an. ?"*i
„Natürlich bin ichs. Warum sollte ichs denn nicht fein?"
id) Sie ganz anders im Gedächtnis hatte — fast hatte ich Sie nicht erkannt. Sie sind ja - so erwachsen - eine richtige lunge Dame. O weh und ich hatte mich darauf gefreut mtt ^hnen zusammen die Obstbäume in Frankenau zu plündern mlTrr* v immet f ° man> W0 herrlichsten Früchte hingen.
rl ’ i! finbcn? 3u lolchen StreifjUgen flni> sie mm sicher nicht mehr zu haben."
Iö ^ te * ® in ***** wf und verwirrt war sie noch immer^ aber langsam gennnn sie doch ihre Sicherheit wieder.
• maC ba ? unbelangt, Graf Joachim, beim Obslstipitzen mn ich immer noch gern dabei."
„Wirklich?"
Schwester behauptet, baß nur gestohlenes Obst so rrchttg schmeckt, mrschte sich Hans Ullrich ins Gespräch.
— "®° *£ Eulern Ursula recht, der Meinung bis ich auch, ttauensnoll^i, *%***> * u verzagen und kann mich ver. 2?^ ^ ' mm ** U'ch gestoh.
Ursula nickte herzhaft. !
„Natürlich, ich bin immer dabei, Graf Joachim."
sah Ursula immer noch mit staunenden Blicken an. für ilti reizendes Geschöpf war aus dem unfertigen Back, fisch geworden! ü
„Warum sehen Sie mich nur so komisch an, Graf Joachim'"' W°ch ° s"1nd°' m 0e ® en etßenC B-kangenheit energisch z„;
„Komisch? Habe ich Sie komisch angesehen?"
„Ja. Als konnten Sie das Wunder nicht fassen, das, ich In. Mischen ein erwachsener Mensch geworden bin." ^
»JJ“ einem warmen Blick sah er ihr in ihre tiefblauen
sagte"e°'l!ise^ " ~ ^ es ni(%t *“&?<>«* Wunder." Das Blut schoß ihr jäh ins Gesicht.
In ihren Augen lag ein verwirrter, hilfloser Blick.
Ursula gefiel Graf Joachim immer mehr. Er fand sie sehr reizend. ' 1
Sie atmete tief auf. \
„Nun muß ich aber erst mal die anderen begrüßen," sagte sie hastig und lief davon. 19
gefallet *** ***' ^ 3Cuö * n Iö0 dn saunendes Wohl-
Sie begrüßte Herrn von Virkenheim und die Baronin und ihre Tochter. Dabei sah sie verstohlen nach ihm zurück, und als sie ln seinen leuchtenden Blick hinein sah, wurde sie wieder sehr rot und verlegen. Schnell wandte sie sich ab.
V! 3n J cinent ^zen regte sich ein seltsames Ge- fuhl Sollte die kleine Ursula, ohne daß er es geahnt hatte, mit besonderen Gefühlen seiner gedacht haben? Ihre holde Verwirrung, ihre scheuen Blicke, die sonst gar nicht in ihrer Art lagen — waren das nicht bedeutungsvolle Zeichen?
W “ 3U ** V" mt - Sic stand i«*t neben 2«»nwt OTi) SeatBWe diese in ihrer herzlich zutran. lichen Art, die bei allem Ungestüm ihr Wesen karakterisierte.
Neben Christas stolzer Schönheit kamen allerdings Ursulas !l 7 ^nlcht so recht zur Geltung. Und Graf Joachim halte entschieden für Christa etwas mehr empfunden, als für anders Franen. Aber trotzdem hatte er plötzlich das Gefühl, als wenn v-yrifta etwas an stch habe, was ihn abkublte. Ec hatte mit tümpfinden. als wäre es gar nicht fchr erstrebenswert, Ehristas Neigung für stch zu gewinnen.
„Sie Ist viel zu Nug und zu schön für mich," dachte er.
Tr hatte das Gefühl, als müsse er neben Christa eine rcch« unbedeutende Nolle spielen. Das würde ihn Niederdrücken. Neben der kleinen Ursula glaubte er sich eher behaupten z«
TÜL. L roflri,e ai,dl mit w"> ^rch dick und dünn gehen und nicht mitleldtg lächeln über seine Schwächen. Es wurde ihm sehr warm ums Herz.
Fortsetzung folgt. ^
Statt Karten.
Die Verlobung unserer Tochter Jlse mit dem Landwirt Herrn Richard Wendel, Leutnant der Reserve, zu Okarben, beehren wir uns anzuzeigen.
Pfarrer
Hermann Bernbeck und Frau Emilie geb. Rössing.
Okarben, Juni 1918.
Meine Verlobung mit Fräulein
Jlse Bernbeck
beehre ich mich anzuzeigen.
Richard Wendel
Okarben (Petershof), Juni 1918.
Betr.: Die Fleischverorgung für die Stadt Friedberg.
Kelranuimachnug
Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Verlauf non Rind- und Kalbfleisch sowie Wurst uir diese Woche am Freitag. den 21. Juni 1918, nachmtt- ta s von 1 — 6 Uhr in den sämtlich, n hiesigen Metzgerläden stattfindet.
Schweinefleisch gelangt nicht zur Ars abe.
Die Verkaufszeit ist genaicein- zuhatten.
«rrledberg, den 20. Juni 1918.
Der Bürgermeister.
2. V.: D a .n m.
Kekanntimrchnng.
2^886 -
Nächsten Samstag, den 22. ds. Mts., vormittags 9—1 Uhr onngen wrr in der alten Post durch die hiesigen Kolonialwaren' Händler «äse
zum Verlauf. Auf jeden Abschnitt „d" der Brotkarte wird
1 Käse bezgl. 50 Gramm zu 22 Pfennig verabfolgt. ^ ö
Friedber,, den 18. Juni 1918.
/ Der stello. Bürgermeister
(städt. Lebensmittel- us,chuß)
2. A.: Langsdorf.
Allen Freunden und Bekannten hiermit die schmerzliche Mit- t-Ilung daß es Gott gefallen hat. unseren lieben herzensgulen einzigen Sohn, Bruder und Neffen
Carl Friedrich Riedel
nach langem schweren Leiden, im hoffnungsvollen Alter von 20 Jahren heute morgen aus dieser Welt zu stch zu rufen.
Affenhelm, den 19. Juni 1918.
Im Namen der franernften Kiifldjorip:
SBill). Niedel, Eräfl. Hofgärtner.
' b'M» Tellnahm«
vielen ^Jahren^piakttsch^ältge" Lan->wir..chaf- erfahrener und sei.
GutsverWalter
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