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Slaven geschult, mit Boden und Klima Osteuropas ver­traut. nach Zahl und Wert eine unvergleichliche Bedeutung 5iic die deutsche Besudelung unseres neuen OstlandeS bil­det, eine Aufgabe, von deren Lösung die darcernde Siche­rung dieser Gebiete für uns abhängt! Es handelt sich weiter um das Absehen des Deutschen Reiches, das durch den Brüter Vertrag die Verpflichtung übernonrmen hat, darüber zu wachen, daß den deutsll^en Kolonisten Rußlands die unbehinderte Rückwanderung mit ihrer Habe und unter Entschädigung für ihren immobilen Besitz binnen zehn Jah- ren von den russischen Staatsbehörden gewährleistet wird. Daß ein durch Mordbrenner dezimiertes, in seinem Besitz geschädigtes Ansiedlertum bei solcher Behandlung Glauben und Vertrauen auf diesen Schutz und damit auch die Neig­ung zur Rückwanderung verlieren muß, ligt auf der Hand! E- handelt sich endlich um die allgemeine Sicherung der im Brester Vertrage getroffenen Bestimmungen. Sehen die bolschewistischen Sovjets, daß sie diese Bestimmungen an einer Stelle mißachten können, noch dazu an einer sol­chen, die unmittelbare Lebens- und Ehrenfragen des deut­schen Volkstums berührt, so werden sie daraus auch für- andere die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen wissen! Und für die Prüfung einer Angelegenheit von so weit- tragender Bedeutung findet der amtliche Vertreter des Deutschen Reiches mühsam zehn Minuten Zeit! Das ist um so unverständlicher, als Graf Mirbachs kostbare Zeit bei der Eigenart seiner Moskauer Stellung nicht einmal von dem in Anspruch genommen ist, was bisher unseren Diplomaten als die traditionell wichtigste Aufgabe erschien: die Vertretung der deutschen Interessen auf dem Parkett des Hofes und der Salons! Der Hauptausschuß des Deut­schen Neicbstags hat u. E. allen Anlaß, bei der Behandlung der auswärtigen Politik sich mit diesen zehn Minuten des Grafen Mirbach etwas ausgiebiger zu beschäftigen. Sie können geschichtliche Bedeutung gewinnen.

Los ln ZWantzMMislllion!

Hamburg, 15. Juni. 175 Reichstagsabgeordnete, Mit­glieder aller Fraktionen, sind auf Einladung führender Perjonlichksiteu aus Haniburgs Ueberseehandel und Groß- schiffahrt in Hamburg eingetroffen. Am Sonntag vor­mittag fand unter zahlreicher Beteuign 'g der Harnburgec Kuufleute eine Riefenversammlung im Konventgarten statt, bei der drei Herren zur Sache sprachen. Der erste stellte in einem von reichem Beifall begleiteten Vortrag die von vielen Kreisen gewünschte Mechanisierung des Han­dels nach dem Kriege dem Schalten der freien Persönlich­keit des freien Kaufmanns gegenüber. Der Redner rief unter demonstrativem Beifall der ganzen Versamrnlung: Die Fortführung der Kriegswirtschaft nach dem Kriege würde den Ruin des deutschen Handels bedeuten. Ueber- fpannt der Grundsatz der Mechanisierung nach dem Kriege, so wird allen Gesetzen zum Trotz ein* Flucht des Handels nach dem Auslande rüntreten und ein Elend sondergleichen in Deutschland die Folge sein, ein Elend, das alles in den Schatten stellt, was der Krieg gesehen." Der nächste Red­ner. ein Bankier, gab ein Bild der Dalutaschwankungen und erhielt lebhafte Zustimmung, als er sagte: ^Heute geben Leute den Ausschjag für die Maßregeln über unsere Valuta, die dieses Wort vor dem Kriege für einen Mäd­chennamen gehalten haben. Der dritte Redner Huldermann forderte ebenfalls volle Freiheit für den Kaufmann. Von einer tatsächlichen Selbstverwaltung der Wirtschaftskrise ist nicht mehr die Rede, alles werde bevormundet und selbstverständlich alles in Berlin konzentriert, als ob es andere Städte, die in Frage kommen könnten, nicht gäbe. Don Hamburg und Bremen weiß man in Berlin -nichts mehr. Die Negierung werde mehr Zutrauen zu der Ver­nunft menschlichen Handelns haben. Er schloß seine Rede mit dem aufsehenerregenden Worte, das die Versammlung der süddeutschen Handelskammern kürzlich geprägt hat: Los von der Berliner Organisation!" Minutenlanger Beifall der ganzen Versammlung, die sich erhoben hatte, folgte diesen Worten.

Auf dem gemeinsamen Abendessen hielt auch General­direktor B a l l i n eine Ansprache, der wir erfreulicherweise nur zustimmen können, auch er wünschte eine Befreiung aus den Fesseln der Zwangswirtschaft und betonte die Leistungen der deutschen Industrie, des Handels, der Schiffahrt und der Landwirtschaft, die ein Volk von 70 Millionen ernährt.

Es wäre zu wünschen, wenn sich die Herren Reichs- tagsaögeordneten diese Ausführungen zu Herzen nehmen und nicht Vorschläge, wie die des Abg. Dr. Roesicke, einfach kurzer Hand ablehnen würden. Zum mindesten wäre es doch angebrack: gewesen, wenn man in eine sachlichere Prü­fung der Frage eingegangen wäre, wie die Zwangswirt- schüft abzubauen wäre, die heute wie ein Alb auf der Land­wirtschaft, Handel und Industrie lastet.

Zum Leliknsmitlelmange! in Pordiiöhmu.

Die Deutschen in Böhmen haben eine Bewegung ins Leben gerufen, die einerseits die Versorgung der deutsch- böhmischen Gemeinden mit Lebensmitteln durch die deutsche Negierung und andererseits den Anschluß Nord­böhmens an das deritsck)e Wirtschaftsgebiet bezweckt. Wie jetzt von maßgebender Seite bekannt wird, ist die Beileg­ung durch die Stadt Schluckenau in Böhmen in Fluß ge­bracht worden. Ter Stadtrat von Schluckenau sandte am 4 . April ein Telegramm an den Deutsck)en Kaiser folgen­den Wortlauts:Die deutsche Stadt Schluckenair in

Nordböhmen ist seit einer Woche ohne Brot und ohne Mehl. Nanrens der gut deutsch gesinnten Bevölkerung, die unse­ren Verbündeten in treuer Pflichterfüllung huldigt, bittet

der Stadtrat Ew. Majestät mn dringende Abhilfe durch Zuweisung ausgiebiger Mehlmengen oder Ersatz durch Kar­toffeln, weil nur dadurch eine Katastrophe vermieden und das DurchhaUeu der armen Einwohnerschaft ermöglicht wird."

Das Telegramm ist aber von der österreichischen Re­gierung angehalten und beschlagnahmt worden. Darauf hat das Ministerium des Innern das Disziplinarverfahren gegen den Stadtrat von Schluckenau eröffnet und ein Schreiben an ihn gerichtet, worin er aufgefordert wird, sich zu rechtfertigen.

Der Stadtrat behauptet, daß kein eigentlicher Mangel an Nahrungsmitteln herrsche, daß es nur an der hinläng­lichen Organisation fehle und daß man bei den Tschechen genügend Lebensmitteln, freilich zu den höchsten Preisen, bekommen könne. Vertreter der nordböhmischen Städte bereisen gegenwärtig die deutschen Grenzgemeinden, um von ihnen weitere Lebensmittel zu erhalten.

Glgff WerlchliWiMn M einer Eilikanssgejellichast.

Bei der Einkaufsgcsellschaft Rhein-Mosel in Köln sind einer Nachricht zufolge außerordentlich große Unter­schlagungen entdeckt worden. Bei der Gesellschaft, die mit einem Stammkapital von 500 000 Mark arbeitet und die von den Kommunalverbänden der Regierungsbezirke Aachen, Koblenz, Köln und Trier gegründet worden ist, scheinen sehr verworrene Zustände zu herrschen. Der Haupt­schuldige ist ein Angestellter der Gesellschaft. Er hat durch den Verkauf großer Posten von Waren an Private 100 000 Mark unterschlagen. Außerdem verschvand ein ganzer Wag­gon Käse im Werte von 60 000 Mark. Durch das Ver­derben großer Mengen von Waren erstand der Gesellsllxfft ein Schaden, der hunderttausende Mark beträgt. In einem Falle wurden 700 Tönnchen marinierte Fische in den Rhein geworfen. Massenhaft wurde Marmelade vernillstet. Be­sonders große Warenverluste waren in iener Zeit zu ver­zeichnen, als die Lebensmittelversorgung schwierig war. Für verdorbene Frischsische hatte die Stadt Bonn allein einen Schaden von 80 000 Mark.

Städtische Klagen.

Als ein Zeichen beginnenden Verständnisses.ist es zu betrachten, daß die Stimmen der Vernunft öfters in den großstädtischen Zeitungen laut werden. Was Jahrzehnte Wirtschaftspolitik nicht vermocht haben, das hat unsere Zwanoswirtsckaft geschaffen, indem sie den Konsumenten die Augen geöffnet hat, wohin wir mit allem Sozialismus treiben. So lesen wir in den gestrigenFranks. Nach­richten":

Da schreibt uns ein Landwirt: Wollen Sie wissen,

weshalb die Stadt Frankfurt an ihren Einstellkühen Hun- dcrttausende verliert, ohne einen vernünftigen Effekt er­reicht zu haben und höchstwahrscheinlich das total verfehlte System der Einstellkühe noch länger beibehalten hätte, wenn dieFranks. Nachr." dieses System nicht unbarncher- zig beleuchtet hätte: weil die Milcherzeugung durch die zu niedrigen Milchpreise immer mehr eingeschränkt wird. Die Milchwirtschaft ist heute für die Landwirtschaft direkte Ver­tu stwirtscba ft Solange.das nicht eingesehen wird, darbt die auf Milch angewiesene Bevölkerung. Höhere Milch- Preise, so sehr sie auch die städtischen Verbraucher belasten müßten, hätten reichliches Angebot zur Folge.

Don andrer Seite hören wir, daß im Hinblick auf die bevorstehenden fleischlosen Wochen die Politik der Vieh- bandelsverbände an der mangelbaften Fleischversorgung direkt schuld ist: Die Viehhandelsverbände sind in der

Lage, auf Kosten der Viehzüchter und der Verbraucher eine unter den heutigen Verhältnissen höchst verwerfliche Ueber- schußwittsckaft zu treiben. Weshalb? Weil die richtige Mästung des Viehs es handelt sich keineswegs um die angeblich fehlenden Futtermittel bei den Zlbnahmeprei- sen der Viebhandelsverbände unrnöglich gemacht wird. Und andererseits wird dem Publikum für viel zu hohe Preise ein absolut minderwertiges, völlig fettloses Fleisch nebst Knocken verkauft. Zu welchem Zweck sammeln die Vieh- handelsverbände große Kapitalien an? Erklärt mir Gras Oerindur . . .!

Eine andere Zuschrift: Was Sie über die Ferkelpreise (Rückgang derselben. D. Red.) schreiben, ist richtig. Aber der Grnrw, weshalb die Bauern keine Schweine mehr" fett machen, liegt nicht an dem fehlenden Futter, sondern an den Preisen. An der lächerlich schlechten Vergütung. Ich kenne Bauern, die für ihr fettgemachtes Schwein von der fassenden Behörde" noch nickst soviel bekamen, wie sie in den teuren Zeiten für das Ferkel angelegt hatten. Der Bevölkerung fehlt das Schweinefleisch vollständig, dagegen handelt der Schleichverkehr mit Fleisch und weshalb? Weil er höhere Preise anlegt und bekommt.

Wcinnmcher.

Zn einem Non ölet (Es riecht nicht)' übersckriebenen Artikel desTägl. Anz." nimmt der Verfasser in scharfer Weise Stellung gegen die bei der Weinversteigerung der Gr. Weinbandoinäne erzielten unglaublich hohen Preise. Er weist u. a. darauf hin, daß diese unsinnige Preistreiberei beim Weine auch vom Staate als wirtschaftlich ungesund anerkannt worden und durch Verbot der Händler Weinver- steigerungen entgegenzuwirken versucht. Er berührt ferner die Frage ob das Oberlandesgericht nicht auch hier wegen übermäßiger Preissteigerung eine Verurteilung eintreten lassen könne, da der Wein jedenfalls doch auch ein Gegen­

stand des täglichen Bedarfs sei. Durch die von der Regte-, rrmg erfolgt« Ablehnung des Antrags Henrich-Raab'betr. die Abgabe von Domänenwein an unbemittelte Kranke er­halte dies Vorkommnis einen sehr bitteren Nachgeschmack. Der nach rheinhefsischen Blättern stark verbreiteteBodenbesitz- Wechsel von Weinbergen vollziehe sich ouf Grund der jetzigen unsinnigen Weinpreise. Dadurch werde ein Rück­schlag nicht ausbleiben. Man hatte den Gütcrwechsel unter­binden und ein geregeltes Pachtverhältnis einrichten müssen. Der Nofftand der Winzer werde nach dem Kriege bald ein­treten und der Schrei nach Staatshilfe erfolgen. Von den privaten, wie den staatlichen Reingewinnen hätten, ähnlich wie man es bei den erhöhten Forsteinnahmen vorschlug, zwangsweise Rücklagen gemacht werden müssen, die später wieder den Zwecken des Weinbaues, der Erforschung und Bekämpfung der Rebschädlinge zu Nutz hätten kommen können.

Die hessische Weinversteigerung werde man kein Nichmesblatt des hessischen Staates nennen können. Der Hessische Staat marschiere an der Spitze des Weinwuchers in Gesellschaft jener Glücksritter und Spekulanten die du widerliche Begleiterscheinung dieses Krieges sind, von dem Standpunkt jenes römischen KaisersNon ölet". Dem gegenüber stand der alte ehrenhafte Standpunkt, der Staat kann keine unanständigen Geschäfte machen. Diese Ver­steigerung werde aber als unanständig empfunden. Das allgemeine Urteil laute aber: Der Staat gehe den Kriegs­wucherern mit gutem Beispiel voran.

Erhöhung der Getrcidepresie.

Der Bundesrat veröffentlicht die neuen Preise für Ge« trejde. Danach wird für einen Doppelzentner Weizen und Korn 3.50 Mark und für Hecker und Gerste 3 Mark mehr bezahlt. Wir bringen die diesbezügliche Verordnung in Wortlaut.

Ockstadt. Bernhard Krebs im Grenadier Regt. 7 wurde zum Gefreiten befördert.

Dorheim. Musketier Gustav Eifert, zur Zeit schwer verwundet im Hilfslazarett zu Zeitz, erhielt die Hessische Tapferkeitsmedaille.

Bruchenbrücken. August Pabst, Sohn des Land­wirts Heinrich Pabst, erhielt die Hess. Tapferkeitsmedaille: das Eiserne Kreuz besitzt er schon.

Ans der Heimat.

D«r Regen. Abermals hat der Himmel etwas seine Schleusen geöffnet und dein dürftigen Lande von seinem Segen gespendet. Leider, leider nur zu wenig. Genau wie vor allst Tagen ist es kein Regen der herunter ttäufelt, sondern esniwwelt" nur so. Die Ackererde ist kaum einen Zentimeter tief feucht, so daß es, wenn es dabei bleibt, wenig nutzen wjrd. Hoffen wir, daß noch mehr Regen fällt.

Dorheim. (Ludendorfs-Spende.) Die am ver­gangenen Sonntag für die Ludendorff-Spende im hiesigen Orte vorgenommene Haussammlung ergab den stattlichen Betrag von 809,15 Mark.

Aus Hessen-Rassau.

FC. Flörsheim ,16. Juni. In der hiesigen Gemeinde ist es in letzter Zeit wiederholt vcrgekom neu, daß auf den Butterkarten Radierungen vorgenommen wurden. Für die Folge werden solche Vergehen der StaatSanwalffänft sofort angezeigt und die Einziehung der Butterkarte bean­tragt werden.

FC. Wetzlar, 14. Juni. Im hiesigen Kreise wurden insgesamt 20 Landwirte in 12 Ortschaften gerichtlich mit Geldstrafen von 1000 Mark bis 50 Marck in einer Gesamthöhe von 3430 Mark bestraft, wegen Verheimlichung von Brot­getreide. Ueberschreitung der Höchstpreise, Verweigerung der Vutterabgabe, heimliche Schlachtungen usw.

CC. Limburg, 16. Juni. Der letzte Hesstsche-Luvwigs. bahner vom Zugpersonal, der Eisenbahnzugführer Josef Busalt dahier, tritt im Laufe dieses Sommers in den Ruhestand. Während seiner langjährigen Dienstzeit hat der bewährte Be­amte mehr als dreieinhalb Millionen Kilometer durchfahren.

FC. Aus dem Rheingau, 16. Juni. Im Rhein ertrank in der Nähe von Erbach der 10jährige Gastwirtssohn Wilh. Weimar von dort.

FC. Aus dem Kreis St. Goarshausen, 16. Juni. Die Blüte der Frühkartoffeln hat hier begonnen. Das ist früher, als allgemein üblich Hiernach zu urteilen dürfte man be­reits in der ersten Julihälfte mit dein Beginn der Früh- ' kartoffelernte heuer rechnen.

FC. Runkel, 16. Juni. Die hiesige Stadwerwaltung hat beschlossen, in der Stadtkirche zum Gcdäcktnis der ge­fallenen evangelischen Gemeindeglieder Gedenktafeln ans- hängen zu lassen.

Kirchliche Nachrichten.

Gottesdien st in der Stadtkirche.

Mittwoch 19. Juni, abends 8^ Uhr: KriegSandachk.

Herr Direktor Scho e l l.

Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto H i r s ch e l, Friedberg-, silr den Anzeigenteil: R- H e y n e r. Fiiedberg. Druck und Verlag derNeuen Tageszeitung", A- G., Friedberg i. H.