Vom Felde
Gambach. Fritz Müll von der Gambacher-Mühle. 19 Jahre alt, seit Mai 1917 im Westen bei einer Minen- Urerfer-Abteilung eines Jnfanterie-Regiments erhielt wegerl tapferem Verhalten bei Sturm im April am Kemmelberg und in der darauffolgenden Schlacht vom 10. bis 18. Mai, das eiserne Kreuz zweiter Klasse von S. Exz. General- Leutnant von Wichmann persönlich überreicht.
Wohnbach. Dem Fahrer Wolf, Sohn des Gemeinde- rechners Wolf, welcher bei einer Feldbäckereikolonne steht, wurde das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen.
WeckeSheim. Pionier Wilhelm Stefsan, der kürzlich mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet wurde, erhielt nun auch das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. Herzlichen Glückwunsch!
Ans der Heimat.
Das Oelschlagen. Der Abg. Dorsch hat verschiedene eilige uird dringende Anfragen betr. daS Oelfchlgaen an die zweite Kammer gerichtet. Er fragt zunäcW an, ob es der Regierung bekannt sei, daß es im Kreise Büdingen den Samenzüchtern verboten ist. ihren Samen außerhalb des Kreises schlagen zu lassen, sodaß der Samen in den drei kleinen Wassermühlen des Kreises geschlagen werden mutz. Hat der Kreisrat das R^cht hierzu und was soll mit dieser Maßnahme bezweckt werden? Ist es der Großh. Regierung bekannt, daß die Bürgernceistereien des Kreises Gießen zur Ausfüllung von umfangreichen Formularen über die Anbauflächen von Samenfrüchten ausgefordert werden, daß diese Maßnahme als Beleidigung angesehen wird und eine kaum zu bewältigende Arbeit verursacht. Ist diese Maßnahme wirklich notwendig und rechtlich zulässig? Ist es 'Großh. Negierung bekannt, daß im Kreise Büdingen die Samenzüchter nicht mehr als 45 Pfund Samen auf Oel schlagen dürfen während durch Reichsgesetz 60 Pfund zulässig sind? Hierdurch entsteht eine Empörung in allen Kreisen der Bevölkerung und die Erbitterung steigt dauernd. Was gedenkt Großh. Regierung hiergegen zu tun?
Obererleubach. Ein Zeichen der Zeit. Während hier sonst der Morgen Land durchschnittlich auf 1000 Mark, wenn es hoch gekommen ist auf 1100 Mark zu stehen kam. wurden bei einer neulichen Versteigerung von 10 Morgen Land im ersten Angebot 19 000 Mark, für den Morgen also 1900 Mark erzielt. Die Steigerer sind — Munitionsarbeiter!
Frankfurt a. M. Der Wasserhof in Oberrad, in dessen Räumen die Geflügelzuchtstation der Stadt Wiesbaden rmtergebracht ist. wurde durch einen Brand teilweise zerstört. Die Geflügelställe samt ihrem wertvollen Inhalt gingen dabei verloren. Der Schaden ist erheblich.
Griesheim a. M., 8. Juni. Der 16 jährige Sohn Gustav des hiesigen Fabrikdireklors Dr. Pistor ist beim Durchschwimmen des Mains am Freitag Abend ertrunken. Er war bekleidet mit grauer Hofe, grauer Joppe, weißem Hemd und Wickelgamaschen. Auf die Auffindung der Leiche ist eine Belohnung von 500 Mk. ausgesetzt.
sr. Hanau, 11. Juni. Die Mehl? und Brotgetreideschiebungen des Kreisbeamten Walther sind auch in der Sitzung des Kreistages des Landkreises Hanau zur Sprache gekommen. Auf eine Anfrage des Kreistagsabgeordneten Clauß. Ravolzhausen, teilte Landrat Frhr. Laur mit: Aus den soweit abgeschlossenen Ermittelungen läßt sich erkennen, daß eine Beteiligung des Landkreises in keiner Weise vorhanden ist, so sehr sie auch von Walther als vorliegend, be- hauptet wird. Selbst aus Billigkeitsgründen werde der Kreisausschuß Verpflichtungen dritten gegenüber aus diesen Geschäften grundsätzlich nicht anerkennen. Es handelt ffich um private Machenschaften eines Kreisbeamten, die dieser unter dem Deckmantel seiner Beamteneigenschaft ausgeführt bat. Bei den Fleisch- und Vieheinkäufen sei der Kreis nur informiert beteiligt als er die zur Bezahlung der Viehbe- stellnngen der Gemeinden erforderlichen Gelder vorgeschossen habe, er besitze nur das Interesse, seine Vorschüsse zurückzu- bekommen. aber nicht irgendwelche Gewinne, Provisionen etc. h^-auszuschlagen. Die Lehren, die dieser Fall gibt, sollen nicht ungehört und unberücksichtigt bleiben, so betonte der Landoat. Die Kontrollen und sonstigen Verwaltungsmaßnahmen würden verschärft und verdichtet werden, soweit dies irgend erforderlich erscheine.
Klein Auheim, 10. Juni. Am Mittwoch Morgen rasten die scheu gewordenen Pferde eines Militärfuhrwerks aus Hanau durch die Langstraße. Ein Fuhrmann der Brauerei Orschler in Hanau, welcher die Pferde aufbalten wollte, wurde umgerissen und unter den Wagen geschleudert. Er trug schwere Verletzungen davon.
Vom Maintal, 9. Juni. Die Heuernte ist setzt überall im Gange. Sie befriedigt unsere Landwirte durchweg. Wenn auch auf trockenem Wi«s>ngrunde ein zeitweilig ein- setzender Regen noch willkommen gewesen wäre, da er alsdann eine richtige Rekordernte gezeitigt hätte, so ist doch im allgemeinen eine gute Vollernte zu verzeichnen. Auf gutem Wiesengrunde fällt die Ernte sehr reich aus. Die herrschende heiße Witterung begünstigt sehr die rasche, gute Einbringung der Ernte. Tie Wiesenheuernte lieferte durchweg wahre Rekorderträge. Für den Zentner neues Kleeheu werden 9 Mark, für altes bis zu 18 Mark pro Zentner gezahlt. Das sind Preise die bisher nie erlebt wurden.
AuS Starkcnburg.
Offenback,, 10. Juni. Am Freitag abend logierten sich droi Leute in feldgrauer Uniform in ein hiesiges Hotel ein. Am folgenden Morgen machten sich dieselben schon früh
zeitig auf die Beine, um angeblich nach Hanau wetterzu- reisen. Dem Hotelier fiel es jedoch auf daß sie etwas in die von ihnen mitgebrachten Pappschachteln gepackt hatten, weshalb er diese an sich nahm, um den Inhalt nachzusehen. Es fanden sich Bettkolter und vier Paar Stiefel darin. Währenddem sprangen die Leute, da dre Heteltüre noch verschlossen war. durch die Fenster nach der Straße. Zweien von ihnen gelang es, auf diese Weise zu entkommen, während der dritte einem hinzugekommenen Schutzmann direkt in die Arme sprang. Der Festgenommene wurde der Militärbehörde zugeführt.
Offenbach, 9. Juni. Hier hatte jemand einen überflüssigen Schinken, den er zu Geld machen wollte. Ein Käufer wir bald gefunden. 10 Mark sollte das Pfund Schinken bringen. Der Käufer zahlte ein Angeld von 10 Mark, b.kam darauf den Schinken und sollte den Rest von 160 Mark umgehend senden. Da das Geld ausblieb, meldete sich der Schinkenverkäuser. ..Entweder meinen Schinken oder das Geld", so sagte er. Der Käufer war weder zu dem einen noch zu dem andern zu bewegen- Lächelnd erwiderte er: „Zeigen Sie mich doch bei der Staatsanwaltschait an. Sie bekommen mehr als ich. Denn Sie wißen doch, daß Sie für das Pfund Schinken nicht 10 Mark nehmen dürfen." Was blieb dem Verkäufer weiter übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen! So ein a 1) ist die Sache denn doch nicht. Mit dem Borgeben, 10 Mark zahlen zu wollen, macht sich der Mann der Barspiegelung falscher Ta sachen schuldig, die in Verbindung mit der zweisellos vorliegenden Absicht, sich einen „rechtswidrigen Vermögensvoneil" — Schinken zum Spottpreise — zu veOchassen, Betrug darstetlt.
Aus Hessen, 9. Juni. 2m Bahnhof Goldstein wurde am Samstag die zerstückelte Leiche eines etwa 31—45 jährigen Hilfsdsinstpsiichtigen aufgefunden. Ob ein Unfall vorliegt oder ob der Mann selbst den To) umer den Rädern der Eisenbahn g.sucht hat, konnte nicht sestgestellt werden-
Pfungstadt, 10. Juni. Zwischen Hahn und Eschollbrücken stürzte ein Flugzeug aus dem Flugzeugpark bei Griesheim und zwar aus einer Höhe von 1500 Meter ab. Der eine Insasse irar sofort tot, der andere sehr schwer verletzt.
Von der Bergstraße. Tie Kirschenernte ist z. Zt. besonders in Seeheim, Alsbach rffw. lebhaft im Gange. Besonders am Sonntag waren die Orte von Kirschenliebhabern geradezu überschwemmt, besonders weil Seeheim den Käufern nur 45 Pfennig für das Pfund abnimmt, während die benachbarten Komunalverbande 65 fordern. Freilich wird dieser Höchstpreis nicht immer eingehalten, was zum Teil auf die Käufer, zum Teil aber auch auf die Erzeuger selbst zurückzu führen ist. da das Pflücken der Frucht im Gegensatz zu deni Vorjahre bei voller Ernte, während in diesem Jahre nur ein Drittel Ernte besteht, viel schwieriger ist. Einer aus der Bergstraße kommenden Frau die 30 Pfd. Kirschen angeblich das Pfund zu 1 Mark gekauft hatte, wurden diese sämtlich heute in der Bahn auf der Fahrt nach Frankfurt beschlagnahmt.
Aus Htsten-Rassa^
Aus dem Kreise Höchst a. M. Die Tollwut wurde in Hockst a. M. bei einem frei umhergelaufenen Hunde festge- stellt. Für den Stadtbezirk Höchst a. M. (mit Unter lieder- bach Sindlingen, Zeilsheim), Nied, Sossenheim, Griesheim und Schwanheim wurde deshalb die Hundesperre angeordnet Es empfiehlt sich, daß die hiesigen Hundebesitzer auf ihre Hunde besonders achten.
Ans dem We'chnitztal, den 10. Juni. Unsere Landwirte sind eben vollauf mit der Heuernte beschäftigt. Diese fällt nach Menge und besonders nach Güte, vorzüglich aus. Das Hacken der Kartoffeln ist jo ziemlich beendigt und mit dem Häufeln hat man begonnen. Mit dem Setzen der Dickwurzeln ist man leider noch zurück, weil dem Boden die nötige Feuchtigkeit fehlt. Trotzdem man sich während der Herrernte nicht gerne Regenweiter wünscht, sehnt m n sich doch allgemein nach einem erquickenden und di rchgreifenden Regen, da sowohl unsere Sommerfrüchte, Gerste und Hafer, als auch alle - Hackfrüchte, besonders die Kartoffeln, des Regens sehr bedürfen.
Aus Rheinhessen.
Gxpioftonsunglück.
Mainz, 12 Juni. (WB) Heute nachmittag 12.45 Uhr fand in der Metallwarenfabrik von Busch eine Explosion statt, durch welche ein kleines Betriebsgebäude zerstört wurde Außer dem Materialschaden sind leider auch mehrere Menschenopfer zu beklagen. Bis jetzt sind festgestellt drei Tote und 50 bis 60 Verletzte, darunter etwa 10 Schwerverletzte. Von letzteren ist bisher einer seinen Wunden erlegen. Der Fortgang des Betriebes ist nicht gestört.
Mainz, 8. Im. Die hessischen Handelskammern verhandelten in ihrer gestrigen Sitzung über dre im Reichstag cingehrachten Anträge zur Besteuerung des Besitzes und gaben einstimmig die folgende Erklärung ab: „Der Hes
sische Handleskammertag erhebt die ernstesten Bedenken gegen die nach Zeitungsberichten von einer Mehrheit der Parteien des Reichstags beachsichtigten ttefen Eingriffe in das bisher in der Hauptsache den Einzelstäaten überlassene Gebiet der direkten Steuern. Die Besteuerung von Einkommen und Vermögen war schon bisher erheblich, sie wird aber durch den stark erhöhten Geldbedarf der Einzelstaaten künftig, zumal wegen des Mangels anderer Einnahmequelle», bis zum höchst zulässigen, mit dem Erwerbsbetrieb noch vereinbarlichcn Maß angespannt werden. Werden nunmehr noch von Reichswegen diese Steuerquellen stark in Anspruch genommen^ so ist zu befürchten, daß das 8ötrt-_
schaftsleben durch Unterbindung des notigen Kapitalzuflusses aufs schwerste geschädigt wird. Außerdem besteht gegen eine Reichseinkommensteuer noch das besondere Bedenken, daß eine auf den Steuergesetzen der Einzelstaaten aufgebaute Besteuerung ungleichmäßig in Bezug auf die Steuersätze und namentlich in Bezug auf die Veranlagung wirken und zu den größten Ungerechtigkeiten führen würde. Wenn daher ttotz der schweren Bedenken eine Einkommen- besteuerung durch das Reich kommen würde, so müßte unbe. dingt für eine einheitliche Veranlagung Sorge getragen werden."
Mainz, 9 Juni. Der bei der letzten Verbrecherjagd am Mittwoch Nachmittag festgenommene Sträiling Koppe.e ist im hiesigen Festungslazarett an den Folgen der Verwundung, die er sich selbst beibrachte gestorben. Koppele war, wie festgestellt wurde, aus dem Festungs- gesüngnis zu Rastatt entsprungen, wo er eine 11jährige Festungsstrase zu verbüßen hatte. Auf der Flucht lernte er den fahnenflüchtigen Bauer kennen, und beide begannen nun von neuem ihre Berbrecherlausbahn, bis sie hier ihr Schicksal erreichte. Bauer sieht jetzt seiner Bestrafung durch das Militärgericht entgegen.
FC. Wiesbaden, 11. Juni. „Hühner und Schtveine zu verkaufen, näheres bei Binzens Sckiä-e, Wellritzthal." Dieses Inserat prangte Mitte September in einer hiesigen Tageszeitung. Hierauf begab sich der Gerichtsvollzieher Lohnsdorfer von hier zu dem bis dahin unpfändbaren Arbeiter Schiche und frug denselben ob er Hühner zu verkaufen habe, was verneint wurde, da dieselben schon verkauft waren. „Haben sie Schweine?" dies wurde bejaht. Hierauf lies Schicht aus dem Stall die inserierten Sck)weine heraus- spazieren. Lohndorfer wollte seines Amtes nunmehr als Vollziehungsbeamter walten. Doch da kam er schön bei dem Schiche an. Zuerst bearbeitete er den langjährigen ruhigen Beamten mit den Händen, dann mit einem Stock und schließlich griff er zur Mistgabel und brachte hiermit dem am Boden liegenden Beamten erhebliche Stichwunden am ganzen Körper und am Gesicht bei. Schiche schickte sich eben an, dem um Hilfe rufendenManne die Mistgabel in denLeib zu stoßen als Hilfe heran kam, die den ganz rabiaten Schick)e kampf' unfähig machte, ehe das schlimmste geschehen. „Hött ich dich doch tot gestochen, du Lump, mir kann doch nichts passieren, denn ich bin geisteskrank", meinte noch Schiche, der sich außerdem noch in der gemeinsten Weise in Schimpfereien über den Beamten erging. Heute hatte sich Schiche vor den Schöffen dieserhalb zu verantworten. Diese erkannten auf eine Gefängnisstrafe von zehn Wochen wegen Widerstandes, gefährlicher Körperverletzung rmd Beleidigung. Dem Gerichtsvollzieher wurde Publrkattonsbefugnis erteitt.
Worms, 7. Juni. 2m städtischen Krankenhaus liegen zurzeit drei Buben von 9, 10 und 11 Jahren, die mit Granatzündern spielten, die aus dem Felde mitgebracht wurden. Die Zünder explodierten. Zwei Irin- gen haben den halben Daumen und halben Zeigefinger einer Hand verloren, der dritte dreieinhalb Finger der linken Hand. Es ist unglaublicher Leichtsinn, derartige Dinge aus dem Felde mitzubringen und gar in die Hände von Kindern gelangen zu lassen, oder, wie es in dem einen Fall geschehen ist, einen Zünder im Freien fortzuwersen. Ein Kind hat ihn gefunden und dabei die Hand nahezu ganz verloren.
Oppenheim, 7. Juni. Ein nachahmenswertes Mittel zur Hebung der Schweinezucht beabsichtigt die hiesige Kreisbehöroe anzuwenden. Ilm nämlich dem in Aussicht stehenden Mangel an schlachtreifen Schweinen für den kommenden Herbst und Winter vorzubeugen, will der Kreis mit Schweinehaltern und Züchtern unter sehr günstigen Bedingungen, die bei den Bürgermeistereien offen liegen, Schweinemastoerträge abschließen. Damit dürste vor allem erreicht werden, daß die wegen der hohen Ferkelpreise oft unterlassene Anschaffung von Jungtieren wesentlich erleichtert und vermehtt wird.
Hcrbstein, 10. Juni. (Frostschaden.) In der Nackck vom 6. und 7 Juni sind in den hiesigen Gärten sämtliche Gurken und Bohnen erfroren. Selbst die an besonders ungünstigen Stellen gepflanzten Kartoffeln haben infolge des Nachtfrostes Not gelitten.
g: Das Feldheer braucht 13 dringend Hafer, Heu 13 b und Stroh! 13
5 Landwirte ielst dem Heere. 13
Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!. Friedberg: für den Anzeigenteil: N. H e y n e r Friedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tageszeitung*
A G.. Friedberg i H
Worte der Anerkennung
werden uns oft über die Jnferations- erfolge ausgesprochen, die selbst mtt kleinen Anzeigen in der „Reuen Tageszeitung" erzielt werden. Wenn Sie irgend etwas anzubieten, zu verkaufen oder zu kaufen haben, fo be«
„ dienen Sie sich vorteilhaft unseres Blattes.


