Ein Mrreichijchkg Krikggjchiss torpkdiert.
Wien, 12. Juni. (WB.) Vom Kriegsministeriwn der Marine Sektion wird mitgeteilt, daß Seiner Majestät Schiff l,.Szent Jstvan" bei einer Nachtfahrt in der Adria torpediert wurde und gesunken ist. Es werden der Linienschiffsleut- nant Mar de Rövid, der Maschinenbetriebsleiter Samitz, der Seekadett Anton Müller und etwa 80 Mannschaftspersonen vermißt. Der Seeaspirant Joseph von Serda ist tot. Der Nest der Besatzung ist gerettet.
Die U=6ootf an -er amrikailiichen KM.
Basel, 12. Juni. Die „Times" melden aus New Dorf, am Samstag und Sonntag wurden noch fünf Fahrzeuge als überfällig gemeldet. Man hofft, daß der Höhepunkt der Krisis jetzt überschritten sei. Der „Daily Chronicle" meldet, die allgemeine Sperre der nordamerikanischen Häfen, die um weitere acht Tage verlängert wurde, wird durch die Kriegsschiffe der Vereinigten Staaten und durch die militärischen Behörden durchgeführt.
Genf, 12. Juni. Der in Frankreich erwartete große amerikanische Dainpser „Pinar bei Nio" wurde letzten Mittwoch in amerikanischen Gewässern von einem deutschen U- Boot versenkt. Ob er Truppen an Bord hatte, wird nicht angegeben.
Amsterdam, 12. Juni. (WB.) Einem hiesigen Blatte zufolge erfährt die „Times" aus Washington, daß nach einer amtlichen Mitteilung des Marinedepartements alle Küsten- und Ozeansahrten unter seine Aussicht genommen worden sind, soweit es sich um die Feststellung der Routen und Fahrten innerhalb der Verteidigungszone und innerhalb der Häfen handelt.
Jetzt ist endgültig festgestellt worden, daß mehr als ein U-Boot in den atlantischen Gewässern operiert hat. Beinahe gleichzeitig werden Angriffe auf Virginia und Nantnckel gemeldet. Außerdem hat ein zurückgekehrtes Schiff viel südlicher ein Teleskop gesehen. Marinesekretär Daniels bestätigt, daß keine amerikanischen Schiffe zurückberufen werden sollen und daß die amerikanischen Flottenpläne nicht geändert worden sind.
Gin Protest der Iren.
London. 11. Juni. (WB.) Die ..Daily News" meldet: Tie Dublin-Corboration nahm einstimmig
eine Entschließung an, die gegen die „feige und unberechtigte Handlungsweise der britischen Regierung protestiert, bestehend in der Festnahme von 88 unserer Landsmänner und Frauen, die sich jetzt in den verschiedenen Strafanstalten Englands befinden." Die Entschließung protestiert ferner gegen die grausame und unmenschliche Behandlung, der diese unterworfen sind, indem ihnen versagt wird, in irgendwelcher Weise mit ihren Familien, Verwandten, und Freunden zu verkehren, von denen sich viele selbst noch in. Unkennt- -nis über den Auffenthalt der Gefangenen befinden.
Die dkiitich-kliglilche Gefangenen-Kanferkn;.
Haag, 11. Juni. (WB.) Die deutsch - englische Konferenz hat gestern Nachmittag im Treves-Saal ihre zweite Sitzung abgehalten. Es liegt nicht in der Absicht, regelmäßige Presseberichte über die Verhandlungen zu veröffentlichen, genau so wenig, wie dies 1917 in der ersten Konferenz dieser Art im Haag geschehen ist.
Schweden.
Stockholm, 10. Juni. (WB.) „Svenska Handelstidenden" teilt mit: Eine größere Anzahl schwedischer Firmen erhielt gestern die Mitteilung, daß zwischen England und Dänemark eine Verabredung getroffen worden sei, wonach alle auf Island befindliche Wolle England zugesichert wird. Diese Mitteilung eregte Bestürzung, weil die schwedischen Firmen bedeutende Wollpartien auf Island haben und die Eng- länder alle Wolle vom 9. Juni zum Preise von 4 Kronen das Kilogramm übernehmen sollen. Da der Selbstkostenpreis für die schwedischen, Firmen aber 6 Kronen beträgt, würde die Uebernahme einen bedeutenden Verlust für diese bedeuten Das Blatt fordert das schwedische Ministerium des Aeußern Lus, die Angelegenheit in die Hand zu nehmen, da hier ein Eingriff in die Gerechtsame des schwedischen Geschäftslebens Ju gefurchten sei.
Die Türkei und der Südkaukuzns.
Konstantinopel, 12. Juni. Den Blättern zufolge be- richtete der Justizminster Halil Bei aus Batum, daß die Verhandlungen mit den Delegierten des Südkaukasus beendet seien, und daß der Friede unterzeichnet worden sei.
Reichstag.
In der Neichstagssitzung vom 12. Juni war die Rede des Kriegsminister v. Stein bemerkenswert. Er führt aus:
Der sorgfältig vorbereitete Angriff des deutschen Krön- -rinzen gegen die französisch-englische Front am Chemin des Dames am 27. Mai hat zu einem großev Schlachterfolge geführt. Der Sieg des deutschen Kronprinzen wurde damit für die Entente mit die größte Niederlage des ganzen Feldzuges. Die Grundlage hierfür haben uns die gewaltigen Sck)läge geschaffen, mit denen das englische Heer in der „Großen Schlacht ' und in der Schlacht bei Armeutieres ge* schlagen wurde. Nur durch Einsatz der französischen Re
serven war es dem Feinde möglich, die zerrissene englische Front wieder zufammenzuflicken. Die zur Stützung des englischen Heeres festgelegten französischen Kräfte fehlten zur Schlacht am Chernin des Dames. Die an ihrer Stelle eingesetzten abgekämpften englischen Divisionen konnten der Wucht des deuffchen Angriffs nicht mehr widerstehen. In beispielloser Schnelligkeit, die selbst den Vormarsch auf dem italienischen Kriegsschauplatz übertraf, führte ein schneller Siegeslauf über die Aisne bis zur Marne.
Große Teile des französischen Heeres sind geschlagen; die sogenannte Fochsche Reserve-Armee besteht zur Zeit überhaupt nicht mehr. Neben den Verlusten an Menschen erlitt der Feind gewaltige Einbußen an Kriegsmaterial und Kriegsmitteln. Die hinter der geschlagenen ffanzösischen Armee im Operations- und Etappengebiet aufgestapelten unermeßlichen Bestände, die großen Munitionsmassen sind ebenso wie seinerzeit die riesenhaften Vorräte des englischen Heeres in unsere Hand gefallen. Auch die Entente beginnt die Schwere ihrer Niederlage einzusehen und einzugestehen. Schon machen sich Stimmen bei ihr laut, der Verrat Rußlands habe ihre schwere Niederlage verschuldet. Das ist der Dank gegen einen früheren Verbündeten, der sich für Eng- land verblutet hat. Nicht der Zerfall Rußlands hat die Niederlage der Entente verschuldet, sondern die Hilfe Rußlands, dessen Niederzwingung große Teile unserer Heeresmacht beansprucht hat, hat es der Entente überhaupt ermöglicht, uns militärisch bis -heute zu widerstehen. Tie Entente ist sich des Ernstes ihrer Lage bewußt. Offen gesteht sie das Zusammenschmelzen ihrer Verbände zu und vertröstet ihre Völker auf die errettende Hilfe Amerikas. Der Glaube an die amerikanische Hilfe wird dem französischen Volk systematisch eingeimpft. Er soll es zur weiteren Aufopferung und unnützem Blutvergießen ernporpeitschen. Zum ersten Mal sind amerikanische Truppen auch an der Kampffront er- Menen. Allerdings erst in dem Augenblick, als wir an der Marne unseren Vorwarsch eingestellt haben. Auch hier wurden sie, wie die französische Reserve, zu Gegenangriffen eingesetzt. Andere amerikanische Verbände stehen in ruhigen Frontabschnitten. Ihre Zahl und Stärke ist bisher weit hinter dem znri'ickgeblieben, was wir noch den von der Entente verbreiteten Nachrichten erwarten wußten. Auch Italien hat die Entente in geringem Umfang zum Kampf auf dem westlichen Kriegsschauplatz herangezogen.
Voll Bewunderung und voll Dankbarkeit blicken wir heute auf unsere unvergleichliche Armee. Fast vier Jahre erträgt ffc mit gleichbleibender Willensstärke und fester Zuversicht alle Gefahren und Entbehrungen. Der Angriffsgeist. der uns im Jahre 1914 in Feindesland geführt und der den Krieg im Osten entschieden, ist auch heute noch lebendig. Die Gefühle unbedingter lieberlegenheit über d-m Feind — des Einzelnen und der Gesamtheit —, das Ve. wußtsein der Kraft und das Vertrauen in ihre Führer wird die Armee auch weiterhin zum Siege ffihren. Noch ist der Feind zum Frieden nicht gewillt, noch hat das Schwert das Wort. Aber das Schwert ist scharf und mit voller Zuversicht sehen wir dem Ausgang des Ringens entgegen. Die Operationen in Finnland haben zur Befreiung des Landes geführt. Die Heldentaten unserer Trippen einem mehrfach überlegenen und stellenweise gut disziplinierten Feind gegenüber reihen sich würdig an die Taten unserer Truppen im Westen. Wir hoffen, in Finnland einen zuverlässigen Freund für die Zukunft zu finden. An der Ostgrenze der Ukraine sind die Verhandlungen zur Festsetzung der Demarkationslinie im Gange. An den Grenzen flackern örtliche Kämpfe mit den Banden von Zeit zu Zeit noch auf. Im Innern sind friedlicher Entwicklung die Wege geebnet. An der italienischen Front ist die Lage, abgesehen von örtlichen Kampfhandlungen, unverändert. Die mazedonische Front holt beträchtliche Teile der feindlichen Armee in Schach In Palästina sind erneute Angriffe der Engländer über den Jordan an der Tapferkeit deutscher und türkischer Truppen gescheitert. In Mesopotamien konnte der Engländer Anfangserfolge nicht behaupten. Im Kallkasus haben unsere türkischen Bundesgenossen die ihnen im Friedensvertrag mit Rußland zugesicherten Gebiete Batum, Ardahan und Kars besetzt.
Bei dem erneuten Angriff im Westen hat sich die Zahl der Gefangenen inzwischen auf über 70 000 erhöht. (Bravo!) Der Minister begründet dann kurz die erwähnten Gesetzentwürfe und betont, daß von der Ermäßigung der Strafe eine Erschütterung der Disziplin nicht zu befürchten sei.
Dag W!Me Wahlkreebnig l>n Deiihstagg- rrialmahl in Glk io tz-Fndlinitz.
In der Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Oppeln. 4—Gleiwitz—Lublintz am 6. Juni wurden bei 34 446 Wahlberechtigten 18 681 gültige Stimmen abgegeben. Es erhielten Rechtsanwalt Nehlert-Gleiwitz (Zentrum) 7006, Abgeordneter Korfanty-Berlin (Pole) 11672 Stimmen. Abge- ordneter Korfanty ist somit gewählt.
Danach hat der Abg. Korfanty doch die Stimmenziffer der Polen von 1911 nicht erreicht, sondern ist um etwa 1700 Sffmmen hinter ihr zurückgeblieben. Die vorläufige Meldung schrieb ihm über 13 000 Stimmen zu.
Uiidigang der ladjfildjrn SaMmokrasen.
Dem „Berliner Lokalanzeiger" wird aus Dresden berichtet: In der am Sonntag abgehaltenen Landesversammlung der sächsischen sozialdemokratischen Partei wurde mitgeteilt, daß die Mitgliederzahl von 117000 im Jahre 1914 auf 23000 im Jahre 1918 zurückgegangen sei. Etwa 70 000 Mitglieder seien im Heeresdienst und Organisattonen mit rund 62 000 Mitgliedern seien zn den unabhängigen Sozialisten übergegaugen, ^
Im preußischen Landtag
WIN»- gestern die B-mtung der Wahlrechtsvorlage beendet. Es gab wieder eme längere Debatte, in der sich das „Enfant des Hauses, der Abgeordnete Hoffmkmn un- lrebsam hervortat. Mit Recht sagte der konservative Aba Plchw«. daß durch Reden, wie sie d°r Freisinnig- Hoff und' Hosfmann hielten, der Krieg nur verlängert würde.
_ Der Rest des Wahlgesetzes wird hierauf mit unwesentlichen Aenderungen nach den Beschlüssen der dritten Lesune angenommen.
Ebenso wird das Gesetz über, die Herrenhausvorlage arr- genommen.
Der Kompromißantrag der Konservativen, Freikonservativen, Rechtsnationalliberalen und des Zentrums te- [agt: „Artikel 14 der Verfastungsurkunde lautet: Die nach der geltenden Rechtsordnng des Verhältnisses des Staates zur evangelischen und zur katholischen Kirche, auf Grund von Gewohnheitsrechten der Herkommen diesen Kirchen, ihren' Einrichtungen, ihren Verbänden, Gemeinden, Anstalten, Stiftungen. Geistlichen und Knchenbeamten zustehenden De-' fngnisse und Einkünfte werden gewährleistet." Ueber diesen j Antrag wird namentlich abgestimmt. DerAntrag wird mit. ! 315 Stimmen gegen 62 Stimmen der Linksnationollibmalen ^ er Forffchrittlichen Volkspartei und der Sozialdemokraten angenommen.
Ohne Debatte wird hierauf über den Kompromißantrag namentlich abgestimmt, nach dem für jede Verfassimos- änderung nicht, wie in der dritten Lesung beschlossen, eine Zweidrittel-Mehrheit notwendig sein soll, sondern sogar eine Dreiviertelmehrheit. Für den Antraa stimmen die Konservativen die Freikonservativen, die Rechtsnationalliberalen und ein Teil des Zentrums. Der Antrag wird mit 207 gegen 162 Stimmen bei 1 Stimmenthaltung angenommen.
Es folgt die Gesamtabstimmung über alle Gesetzentwürfe. Mit den Stimmen der Konservativen. Freikonser- tativen eines Teils des Zentrirms und der Rechtsnaffonal- liberalen werden hierauf in der Gesamtabstimmung die Gesetzentwürfe über die Wahlreform, das Herrenhaus und die Verfassung angenommen. -
D e Vkmöskntzvkrleüüng in Kessen.
Nach den von der Großh. Zentrale für Landesstatistik herausgegebenen Ergebnissen der Verteilung der Vermögen im Großherzogtum Hessen waren im Jahre 1917 im ganzen Großherzogtum 309 Millionäre mit zusammen 783 383 000 Mark zur Steuer veranlagten Vermögens vorhanden, d. f. 0,18 Prozent der Veranlagten überhaupt und 14.48 Prozent des gesamten veranlagten Vermögens, während es 1914 265 Millionäre (0,16 Prl^ent) mit 668 563 000 Mark (13 48 Prozent) gewesen sind. Die meisten Millionäre fallen auf die Provinz Starkenburg: 162 Veranlagte mit 371 974 000 Mark, dann folgt Rheinheffen, wo 86 Millionäre mit. 237 910 000 Mark Steuervermögen vorhanden waren, während in Oberhessen 61 Veranlagte 173 499 000 Mark besaßen Unter den fünf großen Städten steht Darmstadt als Millionärstadt an der Spitze; es hatten deren 65 mit 131 190 000 Mark, dann folgte Mainz, in dem 55 .Veranlagte 101 210 000 Mark zu versteuern hatten, während.Offenbach zwar einen Millionär weniger, d. h. 54 hatte, die aber zusammen 106 540 000 Mark versteuerten, so daß offenbar Offenbach eine Anzahl von reicheren Millionären wie Mainz hat. Worms hatte „nur" 18 Millionäre, die aber zusammen fast ebensoviel Vermögen versteuerten wie die 55 Mainzer, nämlich 100 950 000 Mark, was wohl vor allem aus das Konto des Freiherrn von Heyl zu buchen ist. Gießen hatte nur einen Millionär weniger wie Worms, aber seine 17 Millionäre hatten zusammen nur den dritten Teil des Wormser Millionärreichtums, nämlich 31889 000 Mark.
Unter den übrigen Vermögen sind die kleinsten — die von 3000 bis 15 000 Mark und die von 15 000 bis 30 000 Mark — im Jahre 1917 gegen 1914 zurückgegangen. Die 98 735 (oder 57.64 Prozent) Zensiten von 3000 bis 15 000 Mark auf "96 967 (oder 56,46 Prozent) und deren Gesamtvermögen von 682 598 000 Mark (= 13,37 Prozent) auf 672 598000 Mark (= 12,12 Prozent) In der Gruppe von 15 000 bis 30 000 Maick fiel die Zahl der Zensiten von 35 940 aiff 35 706 und deren Vermögen von 747 109000 auf 744 556 000 Mark. Die weiteren Gruppen weisen alle ein Steigen auf. Hieraus ergibt sich dann, daß in der IL Abteilung der Vermögenssteuer die Veranlagten von 137 020 (= 79,99 Prozent) auf 135 272 (=> <8 76 Prozent), desgleichen ihr Gesamtverrnögen von 1 931 456 000 Mark (= 37,82 Prozent) auf 1 931 381 000 Dtk. (= 35,71 Prozent) gefallen ist; dagegen ist in der I. Abteilung der Vermögenssteuer die Zahl der Zensiten seit 1914 von 34 278 (— 20 Prozent) auf 36 477 (— 21,24 Prozent) und ihr Vermögen von 3175 418 000 Mark (— 62,18 Prozent) auf 3 477 890 000 Mark (= 64,29 Prozent ge- stiegen.
Diese Zahlen, die wir der „Volksstimme" entnehmen, sind reckt bemerkenswert. Sie zeigen wieder einmal, was ja bekannt ist. daß durch den Krieg die großen Vermögen '.innrer mehr zünehmen. die kleineren und mittleren aber aufgesaugt werden. Aber noch etwas anderes beweist diese Zusammenstellung. Von den drei Provinzen Hessen ist nämlich Oberhessen die verhältnismäßig am reinsten landwirtschaftlich. In Oberhessen aber sind am wenigsten Millionäre nämlich 61 gegen 162 in Starkenburg und 86 in Rheinhesseu Rechnet man die 17 aus dein freisinnigen Gießen ab, dann, verbleiben noch 44. Es ist das wieder einmal der Beweis, daß in der Landwirtschaft mu allerwenigsten Millionen verdient werden.


