Beilage zur „Neuen Tageszeitung
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Samstag, den 13. April 1iN8
j 11. Zalsrgany.
KntgsMchi iibkr die 8. Krikksanikihk.
Text: Eo. Markus Kap. 12, V. 41—44.
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„Viele Reiche legten viel ein", io lesen wir in unserem Evangelium. Das hat Jesus banffr'u cm.- könnt. Daß diese Neichen reichlich gaben, wenn es gai . Die Vhi ibrer Volksgenossen zu lindern oder für Schmuck und Ausbau des Tempels ihre Beisteuer zu entrichten. Ich weiß nicht, wie es kommt, dag man die Zeitgenoffen Jesu zu niedrig einschätzt. Mag ihre Frömmig- feit fast durchweg nur äußerer Firnis gewesen sein, es waren doch Menschen mit einer glühenden Vaterlandsliebe, bereit, fiir das Wohl ihres Volkes die größten Opfer zu bringen. Und was sie für religiöse Zwecke gaben, ist erstaunlich. Denken wir doch nur an das. was der Pharisäer im Tempel sagte: „Ich gebe den Zehnten von allem, das ich habe." Und er stand wahrlich nicht allein
Viele Reilhe legten viel ein. Wenn iric unsere 7. Kriegsanleihe überblicken, dann können wir mit gutem Gewissen unfern Reichen dieses Lob auch spenden. Wie wäre es sonst möglich gewesen, diese vielen, vielen Milliarden zusammenzubringen, ohne diese gewaltigen Zeichnungen der Reichen. Und was uns über den bisherigen Erfolg der 8. Kriegsanleihe bekannt ist, berechtigt uns zu den größten Erwartungen. Viele Reiche legten schon viel ein. Wenn wir diese großen Beträge anstaunen, regt sich in uns gar kern Neid über die Großkapitalisten — in der Friedenszeit ist gar mancher beneidet worden —. nein, mir freuen uns. daß sie soviel Geld in den Händen haben und ihnen die Möglichleit geg'eben ist, nicht nur Zehn- und Hunderttausende. sondern auch Millionen zu zeichnen.
Sie tun gut daran, daß sie kommen rmd zeichnen. Sie sichern dadurch ihr Vermögen, daß sie auf diese Weise auch nrilbelfen, den Sieg zu erringen. Wer sein Geld dem Staate leibt, dankt zugleich den Millionen tapferer Krieger für das Große und Nuhnwolle, das sie geleistet und erreicht haben.
Drum herbei, ihr Reichen, legt viel ein! Ihr seid es dem Vaterland? schuldig, und Millionen danken es euch.
II.
„Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein tfrt; die machen einen Heller." Gott hatte sie mit irdischen Gätern zwar nicht gesegnet, ihr aber größere Schätze geschenkt: ein dankbares, zufriedenes Herz und eine opferbereite Hand. Das Wenige, das sie hatte, gab sie gern. Als sie am Opferstock vorüberging, dachte sie nicht: Was sollen meine Heller unter diesen Gold- und Silberstücken? Nein, was sie übrig hatte, legte sie ein. Und nie hat Jesus ihre Gabe gewertet! Seitdem steht diese arme Witwe da als leuchtendes Vorbild für alle Zeiten.
Die achte Kriegsanleihe ist aufgelegt. Willst du, der du nicht über Tausende verfügst, vorübergehen und denken: Mas sollen meine 10b oder 50 oder 20 Mark unter den Millionen? Sie bedeuten ja nichts! Ich sage, sie haben einen großen Wert. Viel Wenig geben ein Viel. Unsere 8. Kriegsanleihe soll mkthelfen, uns den Frieden zu bringen. Wer wollte da zurückstchen? Wollen wir nicht einmütig unseren Feinden zeigen: Ihr könnt uns nicht besiegen! Der großariiae Erfolg unserer 8. Kriegsanleihe soll unseren Feinden die Erkenntnis einhämmern: Die Deutschen sind auch auf.finanziell-wirtschaftlichem Gebiete nicht zu besiegen. Sie müssen dann Frieden schließen.
Die Friedensglocken werden läuten. Unsere tapferen Krieger kehren heim. Wh. reichen einander die Hände. Ihre Hände haben draußen blutige Arbeit getan: und unsere Hände sind
Graue Gefahren.
Roman aus der Gegenwart von M. Gontard. Schuck.
"4 t Nachdruck verboten-
-Nein ja- — sie zögerte einen Augenblick — „ja, Archre, :ch bin zu einem Entschluß gekommen. Laß mich mit der ganzen Geschichte zusneden. Ich will nichtZ damit -u tim haben. Du läßt Dir nicht raten, läßt Dich nicht adelten, gut! Verlange aber auch nicht, daß ich Dir helfen soll! Sei zufrieden, wenn ich es Alfreds Vater nicht sage."
„Ich danke Dir für Deine schwesterliche Liebe. Ich habe eZ mir gedacht. Auch ich bin zu einem Entschluß gekommen und geb die ganze Geschichte auf. Ich konnte mir denken, daß Du mir nicht helfen würdest, und allein die Sache zn unternehmen, erscheint mir doch zu gewagt." Er beobachtete due Schwester unter halb geschloffenen Lidern hervor.
,£>, Archibald, wie gut von Dir! Wie bin ich froh! Wozu willst Du Dich auch diesen Gefahren aussetzen?"
-Er antwortete nicht sogleich. Mit seinem Stock zeichnete er Bilder in den nassen Sand.
„Die Gefahren würden mich nicht abhalten, wenn ich wüßte, daß ich Erfolg hätte. Aber ohne Deine Hilfe geht es lucht. Also bleib' ich lieber. Dafür nmßt Du aber an einem der nächsten Tage mit nur zur Stadt fahren. Ich brauche allerlei Zeug, Wäsche und ähnliches. Man kommt sich schließlich wie ein Lump vor. Und es ist sowieso besser, ich habe alles, falls ich hier fort muß."
„Aber gern, Archiek Wann Du willst. Ich mache dann auch gleich einige Einkäufe für mich."
„Gut! Tann können wir \a schon übermorgen fahren, ^ange Zeit, um Einkäufe zu machen, wird mir wohl nicht mehr bleiben."
Helen warf ihm einer: forschenden Mick zu. „Sonnabend?" fragte sie zögernd.
, ."Sonnabend? Ach ja, jiberrnorgen ist Sonnabend. Ja,
rch denke, da paßt es ain besten."
daheim auch nicht müßig gewesen. Sie regten sich bei treuer Arbeit, sie falteten sich beim andächtigen Gebet; sie haben aber a u ch H r i eg s a n l e i he gezeichnet.
Drum herbei! Es ist noch Zeit. Ihr Reichen, legt viel ein! Und ihr anderen, zeichnet nach Kräften! Die Lebenden, die Toten fodern Anerkennung ihrer Tat. Das Vaterland erwartet, daß ihr eure Pflicht tut. Amen!
Pfarrer Z a tz m a n n.
«KM
Der Urquell treibender Kraft, machtvoll und ausschlaggebend. Um Lrotzes ?u erringen, wirkt er bestimmend auf die Gestaltung der Dinge und erreicht allen Widerständen zum Lrotz selbst scheinbar unerreichbare 3iele, Ze schwerer das Werk.^imso fester der Wille. Wer im Willen nachiätzt, unterliegt. Die Ltunde fordert von uns gerade fetzt wieder zwingenden Willen, auch dis achte Kriegs-Anleihe soll ihn erweisen^.
Der „größte Anarchist Europas".
Während des Fürsten Lichvowskys eigenen Landsleuten erst langsam das Licht darüber aufgebt, reicher Ruchlosigkeit ein Botschafter aus der Bethmannzeit fähig ist. ist man drüben, am englischen Schauplatz der Lichnowsky'schen Geniestreiche, längst dabei, den Vorgang zu britischen Zwecken zu „frultisizieren". Lord Lansdowne sieht jetzt den Beweis als geliefert an, daß im Jabre 1914 in Deutschland eine „finstere Verschwörung" zur Erzwingung des Krieges um jeden Preis bestanden habe, eine Feststellung, welche den intelligenteren Mitgliedern des Oberhauses ein Angurenlächeln entlockt haben mag. Denn diese neue Enthüllung der vollkommenen Reinheit und Friedlichkeit des BrUsngewiffens paßte vortrefflich zu dem Gegenstand, der das hohe Haus der Lords gerade beschäftigte: man war wieder einmal dabei, den berühmten „Bund der Nalronen" mit ausfüh- rsnden Gewalten zur Knebelung frivoler' Friedensstörer ft la Germany, zur zwanqsmäßigen Durchführung der Abrüstung usw zu gründen. Der Reuteilche Bericht aber von diesem* „großen Tage" erweckt den Eindruck, als habe die edeln Lords doch bereits eine Ahnung davon ergriffen, daß es leicht zu spat werden könne, wenn sie sich mit dem wohlausgeklügelten Vundesproblöm
Archibald sah so harmlos und gleichgültig aus, daß Helens eben erwachter Argwohn wieder einschlief.
„Gut, also Sonnabend!- Wir nehmen meinen kleinen Wagen, den ich vorn Papa habe. Er ist ohnedies lange nicht heraus gekommen."
„Natürlich nehmen wir Deinen Wagen. Darauf habe ich auch stark gerechnet. Ich bin noch nicht ein einziges Mal darin gefahren. Der Baron kann uns ja auch keinen geben. Er hat seinen an die Militärverwaltung abgeliefert."-
Helen stand an der großen Treppe nnd wartete auf Archibald.
Langsam streifte sie die FahrhandsHuhe über. Sie hatte die Absicht, nach langer Zeit wieder einnral selbst zu fahren.
Jetzt kain Archibald die Treppe hennrter. Es ging doch noch ziemlich schwerfällig mit ihm. Das rechte Bein schleifte er stark nach.
„Der dumme Jmrge!" dackcke Helen bei sich. „Er soll zufrieden sein, wenn er hier noch in Ruhe sitzen kann. Was bin ich froh, daß er den Gedanken mit der Flucht anfgegeben hat."
Der Wagenführer stand am Wagenschlag und wartete auf die Gescliwister.
Helen ließ Archibald ernsteigen und wandte sich bann an den noch am Wagenschlag stehenden Führer. „Ich komme zu Ihnen. Berger! Ich wÜl mal eine Strecke selbst fahren. Ich hab's lange nicht getan."
„Warum läßt Du Berger nicht zu Helen? Wenn Du selbst lenken willst, können wir auch allein fahren. J
„Es ist so lästig in der Stadt, Archie! Es ist bester, er kommt mit."
Archibald murmelte etwas vor sich hin. aber Helen hörte nicht mehr darauf. Sie saß bereits am Steuer.
Das Wetter war sckwn. Der nahende Frühling lag in der Lust. Die Sonne schien bereits kräftig genug, um ihre vergoldeten Strahlen in alle Winkel zu senden. Die Bäume
allen Teilen der bewohnten Erde nicht etwas beeilten! Denn der Feind steht vor der Türe und macht Miene, zu dem entscheidenden Hauptschlage auszuholen. Nachher, nach einer Niederlage könnten die Voraussetzungen vielleicht fehlen, die Völker von der überlegenen und uneigennützigen Sittlichkeit der englischen Politik zu überzeugen und sie unter das von tnternatio- naler Moral triefende Joch der Briten zu zwingen. Jnfolge- deffen legte Lord Landsdowne auch auf jenes pazifistische Phantom weit weniger Wert, als auf die brennenden, ach so! bren- nenden Schmerzen des Tages, beschwor die amerikanische Hilfe zwecks Vermehrung des wirtschaftlichen Druckes herbe' und fand sich endlich dahin zurecht, daß man Deutschland erst besiegen müsse, ebe man es zum Objekt der Erziehung der Erziehung des „Bundes der Völker" machen könne: Deutschland sei in der Ver. gangenheit immer der große Anarchist Europas gewesen und habe immer seine eigenen Ziele verfolgt. Es habe stets den Gedanken friedlicher Erörterung verspottet. Wenn man Deutschland in das Geschirr einer Organisation dieser Art spannen könnte, so würde man dadurch eher als durch jedes andere denkbare Mittel den preußischen Militarismus los werden.
Soll man diese neueste Formel, die in einer beinahe geistreichen Art Militarismus und Anarchismus identifiziert, heute noch ernstlicher Widerlegung würdigen? Doch es läßt sich kurz machen. Zwei namhafte Britcnsiimmen aus der Zeit, da England noch nüchterner dachte: Der Engländer Seely hat gesagt: „Das Maß von Freiheit in den Staaten muß normalerweise umgekehrt proportional sein dem militärisch-politischen Druck, der auf ihren Grenzen lastet." Und Lloyd George, keinem geringeren, verdanken wir diese glänzende Rechtfertigung > ‘ reg „Militarismus": „Deutschlands Armee ist eins Leb^n" g nicht nur für das Bestehen des Deutschen Reiches. st h
für die Existenznwgttchkeit der deutschen Nation als Deutschland von anderen Rationen umgeben ist. d? sich ein beinahe gleich starkes Heer wie das deutsche rend mir der Ansicht sind, daß der Schutz unserer 1 Ueberlegenheitsstandart von CO v. H. für England! gegenüber der deutschen erfordert, vergessen wir. da"
Zu Lande einen solchen Sicherheitsstandart nicht e'>. M - er Frankreich allein besitzt nnd dazu kommt noch die Drohun von der russischen Grenze her." 7
So Lloyd George im „Daily Ehronicle" am 5?- 1914, als- man in England noch nüchtern dachte. Aber Lord Landsdowne wird sich auch durch Lloyd George nicht die onar chistische Furcht austreiben lasten. Dazu sind andere Mittel nötig. Weit aus holt schon das Schwert Hindenburgs. um mit dem preußischen „Militarismus" — Ordnung in der Welt zu schaffen!
AchWihMle Grlld'lsjöiidü"^
Bei der Medereroberung von Vapaume hat sich eine Abscheulichkeit herausgestellt, welche in diesem Augenblicke, wo sich die englischen Heuchler über die deutsche Beschießung der Festung Paris entrüstet gebärden, dem Urteil jedes Menschen unterbreitet werden soll, in dessen Herzen noch ein Funken von A.b'ung vor der Heiligkett der Grabesruhe glimmt. Auf dem Fr-^hn von Bapaume hatte das 14. Refervekorps seinen beim Vormärsche gefallenen Helden ein würdig schönes Denkmal gesetzt: einen einfachen hohen Stein mit schlichten Worten, die nur besagten, daß das 14. Restroekorps dieses Denkmal seinen gefallenen Kameraden widme. Kein Ausdruck der Ruhmredigkeit in Inschrift oder Schmuck konnte das Auge des Feindes beleidigen.
am Straßenrand waren voll saftiger Triebe utib reckten verlangend ihre noch rmbelcncbten Aeste dem segenspendenden Gestirn entgegen.
Helens Wangen röteten sich in der frtftfwm Luft. Lebhaft wandte sie sich halb zu dem Bruder um und rief: . Es wird Frühling, Archie, riechst Du es?"
„Ich rieche es. Natürlich, — Aber ich rieche noch etwas anderes," murmelte er leise.
In der Stadt besuchten die GesckAvister zuerst ein Herrenwäschegeschäft. Archibald hatte sehr große Bedürfnisse. „Man ist ja überhaupt kaum noch Mensch.in diesen Kriegswochen," sagte er.
„Nun fahren wir erst zu Renner, ich muß mir dort verschiedene Kleinigkeiten besorgen. Bon da gehen wir erst zum Kaffeetrinken. Kommst Du mit zu Renner, Archie?"
xNe. Kind! In die Damengeschäfte gehe ich nicht gern rein. Ich bleib solange im Wagen sitzen und nehme liche Pakete in Einpfang, die Du einkausst."
„Auch gut! Ich bleibe auch nicht lange. Ich werde mich möglichst beeilen." —
Als Helen hinter den mächtigen Flügeltüren bix* schwanden war, sab sich Archibald um.
„Sagen Sie, Berger, ist hier in der Nahe eine Apotheke?"
„Jawohl, Herr Douglas, dort drüben an der Ecke." das ist gut! Ich Hab' unterwegs scheußliches Zahnweh bekommen, und es wird von ° mute zu Minute schlimmer. Wären Sie wobl so gut ' w holten mir ein Mittel? Es gibt ja massenhaft solcher C uchen."
Archibald Douglas konnte sehr liebenswürdig sein.
„Sehr gern, Herr Douglas," antlvortete der Wagenführer.
Archibald reichte ihm ein Geldstück :md Berger schritt eilig quer über den Platz.
Fortsetzung folfil.


