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* Gießen, 16 Nov. Die Vaterlandspartti Ortsgruppe Gießen hielt Hestern Abend im großen Saale des „Hote Großherzog"' eine Mktgsiedersammlung ab, b:c sihr ^ut besucht war. Der Saal kannte die Geschienenen kaum fassen. Geh. Hofcat Professor Dr. Sieders als Vor sitzender'gab wichtigcMitteliungew Alle anderen Redner, und cs walen der«n nicht wenlgf, legten Wert darauf zu betonen, daß der. den bevorstehend?» Wahlen zur Nationalversammlung alle Bürger und alle bürgec lichen Wählerinnen don ihrem Wahlrecht Gebrauch machen müssen. Es ist weiter von allen Rednern wiederholt bervorgehoben worden, daß auch alle partilu- laristischen Wünsche zurücktreten müssen und das Be streben aller Bürgerlichen dahin gerichtet sein muß, daß Deutschland als ein ganzes Slaatsgebüde bestehen bleibt. Wir Deutsche haben seit dem Tage der Einigung von 1871 einen Ausstieg ohne gleichen erlebt, was nicht der Fall gewesen wäre, wenn das Einzelstaat, nwesen nach. 1871 fortbestanden hätte. Ob dieser vom Ausland uns beneidete'wirtschaftliche Ausstieg je wieder eint et n wird, ist sehr fraglich, w ’ Me Zustände, wie sie sitzt sind, nicht gründlich revidiert werden. Für ganz Deutschland. eine Monarchie und mit einem Kaiser an d-.r Spitze, das sei ihm — so sprach der Stadtverordnete Krumm es offen aus — viel lieber als solch ein Chaos, wie es jetzt über U'?s hercingebrochen ist. Augenbücküch \<i nichtc- zu ändern. Für die Nationalversammlung hör eilt Jede», der da will, daß Deutschland wtedev empor kommt, ule Deutscher zu handeln. Da auch die Frauen und Weib- iichen Personen über 2t Jahre nunmehr das Rech: haben zu wählen, so sei es äußerst wichtig auch diese rmt der Politik vertraut zu machen. — D^e Versammlung verlief sehr korrekt, obgleich auch Nichtmitglieder zu Worte kamen.
* Darmstadt» 13. Nov Heute erschien der Beauftragte des Frankfurter Arbeiter- und Soldatencats für Nachrichtenwesen, Reichstagsabgeordneter Wndel, mit dem Beauftragten d s Soldatenrats bei der Inspektion der Kriegsgefangenenlager d s 18. A.-K., Koch, im Kriegs gefangenenlager Dormstadt. Vor ungefähr 2000 fron- zösischin Kriegsges ngenen hielt Wendel auf französisch eine Ansprache, rn der er auf die Umwälzung o«iec V r- hältmffe in Deutschland hin wies, im Intel, esse der gemeinsamen Sache der Demokratte um freiwillige Em- ordnung in die für den Abtransport notwendig-, n Maßregeln bat und die Hoffnung aussprach, daß nach soviel durch die Schuld ihrer Machthaber vergossenem Ä!ut die beiden Nachbarvölker, künftig in guter Freundschaft leben würdn Er schloß die Ansprache mit den Ruf: Es lebe Deutschland! Es lebe Frankreich! Es lebe dir deuLsch-sranzösisctze Verständigung! Die .veisämmelten Krikgsgesarr./enen gaben wiederholt Zustimmungsäuße rangen von sich und spcnde^n in ihrer Meh'hrit dem Sprecher lebhaften Beifall.
* Mainz Die G' ppe ist gegenwärtig in ganz Nheinheffen un Abnehmen b.griff-n. Die Zahl der Todesfälle ist zu-ückg eg äugen und die K.Lnkheitsfäll werden seltener. Die Krankheit ist zwar -.och keines Wegs völlig überwunden, ab.'r der Höhepunkt ist 'sicher überschritten.
* FrarrkfnrL a M.» 11. Nov. Die Stadtver o.'dnctenfcakrion. der Fortschrittlichen Boi! Partei beacht bei d-r am Dieüstaglluttfindeud-n Stadtvttorduet-'nver sammlung soluendin dringlichen Antrag ein: Die Stadl Frankfurt a. M. noch erfüllt von der großen Urber ltrfemng des Jahres 1818, bittet die R ichscegierung. die versassurtzggedende Nationalversammlun; nach Frankfurt in die Paulskirche zu entbieten deren Piorttn sich vor allem au st den Abgeordneter Deutsch-Oesterreichs öffnen würden.
* Frankfurt, 12. Nov. In der letzter Nacht wmd von der Station Bebra gemeldet, daß sich ein, Anzahl bewaffneter Leute verschiedener Wagen bemächtigt habe, um nach Frankfurt zu fahren linD den Hauptbahnhof in ihre Gewalt zu bringen. Der Frankfurter Bohnhofskommandant traf sofort die nötigen Vorsichts Maßnahmen. Durch schleunige Heranziehung aller Wach Mannschaften wurde der Hauptbahnhof geräumt. Dreißig Minuten später wurde in der Einfahrt aus den an kommenden Wagen Schüsse abgegrb'.n, denen sofort bU Maschinengewehre antworteten. Nach wenigen Minuten hörte die Schießcrl'i,ouf. Die bewaff nte Bande hatte eiligst die Flucht ergriffen. Einige Personen wurden verletzt, doch sind die Verletzungen leicht. Man sieh! hieraus, daß alle Vorkehrungen getroffe n sind, um Raub und Plünderung zu verhüten.
* Höchst a. M Der Arbeiter und Soldatenrat hat von sämtlichen Bür.melfterömt n des Kreises Besitz ergriffen und deren Verwaltung übernommen. — Heute mittag fand hier eine Volkskuadgehunz für die sozialistische Republick statt. Auf Anordnung des Arbeiter und Soldatenrates wurde vorn letzten Montag an für die Beamten und Arber der Farbwerk ein Mittagstiscl mit der gleichen Speisenfolge eingesührt sod-ß eine Bevorzugung der Beamten, über die schon seit langem von der Atbcl!?rschast geklagt wurde, nunmehr in Fortfall kommt. Die gleiche Maßnahmen verfügte her A., und S.- Rat'auch in der Chemischen Fabrik Grießheim Elektron.
* Marburg. Auch die hiesige, Stadtverwaltung will die Schädigungen, w.lche der Krieg dem Handwerk zugefügt hot, l uSgleichrn helfen So wurde in der heutigen StaLtverordnetknsitzung eiste Anleihe von 300000 Mark beantragt, die dazu dienen soll, kctegsgcschädigttn Handwerkern und Gew ^betreibenden Darlehen zu 4 Prozent urrd V 'h Prozent Abtrag zu gcwäh en.
Was die Stadt b i der Zinszahlung zulegt, soll aus Mitteln der lieberfebüffc der Sparkasse beglichen werden. — Ferner w rde der Beitritt zur Siedelungs GesellschaK „HessischeHeimat" mit ein« m Kapital von 15000 Mark beschlossen.
* Fulda, 11 Nov. Heu1>hat sich ein Arbeiter- und Soldatencut gebildet, der süc Nutze und Ordnung, Schutz von Leben und Eigentum Sorge trägt. ^
* Arslserr Fürst Friedrich von Waldeck Pyrmont hat freiwillig auf die Regierung verzichtet.
* Kostet» 12 Nov. Wie der Alb iter und Soldaten- Rat rnitt !r, h bü sich neflc n von unlauteren Elementen angrsiist.t, tt» der ' Stadt vorüberg-h nd unliebsame Szenen ereignet. Osstzieren würd n Degen und Achselstücke heruntergerissen und ander, grobe Ungehöcigk-iten ouSgrsührt. Die Anstifter sind auf d r Stelle festgenommen . und wehrlos gemacht worden. Ruhe und Ordnung wu b n binnen ganz furjer Zeit wieder her- gestellt. Der Rat maecht erneut darauf aufmerksam, daß alle Verstöße gegen stine Ano -dnungen aufs schärfste bestraft werden. Wer Plünderungen begeht oder die Ruhe und Sicherheit gefährdet, wird dem Arbeiter- und Coldatenrot vorgffüh-t und, we-m er aus frischer Tat ertappt wurde, auf der Stelle standrechtlich erschossen.
*ch* Kevtin. Am 16. November vereinigte sich im Flugverbundhaus eine große Anzahl von Männer und Frauen verschiedener Berufe und errichtete den demokratischen Aotksbund. Zur Versammlung hatten ein-
geladen: P of ffor Karl Becker, Graf Berustorff. Ernst von Bursig, P'.ofessoc Alb.it Einstein, Professor Emil Fischer, Konrad Hönisch. Dr Hauptmann, Prosiffor Heinrich Henkner, Pcosiffor Friedrich Meinck', D. Friedrich Naumann. Walther Rathenast, Professor Schleich, von Lisman?, Adam St-werwald, Professor Ernst Tröltsch, Professor Alfred Weber. Der demokratische Volsbund will alle diejenigen samm ln, die den Wandel der Zeit anerkennen, an ein r neuen O dnung auf demokratischer Grundlage Mitarbeiten wollen und die unverzügliche Einberufung eine Nationalversammlung fordern.
Stadt-cimter.
Mittwoch, den 20. November, nachmittags 3 x / 2 Uhr: Drei alte Schachteln.
Freitag, den 22. November, abends 7 1 /* Uhr: Gin Frnstlingsspfer Schauspiel in 3 Akten von E. von
Kayserling.
Sonntag, den 24. .November (Totensonntag): Keine UorsteUnng
Verantwortlich: Albin Klein in Gießen.
In diesem Augenblick der Wehen, die Deutschlands Leib und Seele estchüttern, damit,, wie wir erhoffen, ein neues lebensstarkes Reich geboren wer e, dürfen alle, die für des Landes Schicksal eine Verantwortung in sich suhlen, N i
nicht einsam, vereinzelt abseits bleiben.
Wir halten nicht zu dem Zertrümmerten, sondern zu dem Werdenden. Wir stellen uns rückhulllos dem Volke, seinem Willen und seinen Vertretern zur Verfügung. Wir wollen nach besten Kräften, wo man uns braucht, der werdenden Gestaltung dienen. Wir wollen Mitwirken, daß die Wurzelndes geistigen und wirtschaftlichen Lebens im großen Wandel der Dinge, den wir gut heißen, nicht Schaden leiden, sondern neue Krafl gewinnen.
Emil Abderhalden, Fritz Andreas, Professor Vallod, Franz Vehrens, A. Veqerlein, Karl Becker.
Peter Behrens, Georg Bernhard, Graf Bernstorff, Moritz Bonn, Professor M. vorchardt,
E. von Jorsig, Robert Bosch, Heinrich Braun, Lujo Brentano, Richard Dehmei, Professor Deutzen, Felix Deutsche, Oberbürgermeister Dominicus, Aibert Einstein. Emil Mischer, Wilhelm Flügel, August Gaul, Johann Giesberts, Freiherr Heinrich von Gleichen, Paul Goldmann. Walter Goetz, Dr. Stefan Grotzmann, Dr. Guggenheimer, Wilhelm Gntsche, Fritz Haber, Dr. Hachenburg, Hermann Hahn, hamspohn, Professor harries, Ronrad Hönisch, Ernst Hardt, Karl Hauptmann, Gerhart Hauptmann, Professor hatschest, Professor heilfron, Felix heimann, Direktor Henrich, Professor herstner, Theodor Hause. Dr. höfele, Ernst Iaeckh, Professor James Israel,- Professor Jastrow, D^. Hans Jordan, Edwin Ratz. Maximilian Rempner, Oberstudienrat Rerschensteiner, Professor Kilian, Professor Rlingenberger, Albert Röster, Professor Rraus, Professor Friedrich Lenz, Max Liebermann, Paul Mamroth, Dr. Gustav Mayer, Friedrich Meinecke. Graf Metternich, Richard von Möllendors, Alexander Motzstowssti, Dr. August Müller, Hermann Mathusius, Friedrich Naumann, Ciiven Hermann Gncken, Franz Oppenheimer. Albert Osterried, Bruno Paul, Franz Pauli, Gustav Pauli, Theodor Plieninger, Walter Rathenau, Professor Rathger, Georg Reinste, Dr. Riezlrr. Lehrer Röhl, Franz Röhr, Heinrich Rubens, Rar! Ludwig Schleich, Oberbürgermeister Scholz, Alice Salomon, Dr. Walther Schotte, Professor Seeberg, von Siemens. Professor Zievers, Werner Ssmbark, Adam Stegerwald, Hugo Stinnes, Gtto Stollberg. Dr. Thimme, Ernst Tröltsch, von Tschudi, Ludwig Tuaillon, Dr. valentiner, Professor Werworn. Adolf wach, Alfred Weber. Fritz wicherd, Max wiesner, von winterfeld, Menstin Nathan Zuntz.
Auf dem Boden dieses Bekenntnisses ist der
D MskeMtrsehe Volkrbunö
errichtet worden.
Die erste Erklärung des Demokratischen Volksbunds lautet:
Wir trete o ein für unverzügliche Viuberufung der , Natronal-Bersammluug für Deuifchlüred ur.d Deutfch- Oesterreich auf Grund d^s allgemeine^, gleichgeheimen nnd direkten Wahlrechtes in der Forr der Bsrhältnis- wahl mir gleichem Recht für beide Ge sch achter.
Wir erwarten, daß eine Gesetzgebung, die in die Grundlagen unseres geistigen sozialen und wirtschaftlichen Aufbaues eingreift, nicht beginnt, bivvr die Nationalversammlung gesprochen hat. . .
Deutsche Männer und Frauen schließt Euch dem Demokratischen Bolksbnnd an.
Beitrittserklärungen sind zu richten an
Dr Frcmz Pauli, Flngverbaudhaus Berlin, Blumshof 17.


