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r. 8Ä.
Telephon Nr. 382.
Samstag, d
September 1918.
Telep hon
31. Jahrg.
Ne^e StelluRZeu bei St. Mihiel bezogen.
1?mNiede äemlede TZgeZdericdtt.
wtb. Großes Hauptquartier, 13. Scpt. 1918.
Westlicher Kriegsschauplatz:
Heeresgruppen Kronprinz Nupprecht und B o e h n.
Nahe der Küste und nordöstlich von Bixschoote führten wir kleinere Unternehmungen mit Eisolg durch. Zwischen Apeln und Armentieres scheiterten Etkundungs- Vorstöße des Feindes. Südwestlich von Fleurdaix schlugen wir einen Teilangriff, nordwestlich von Hulluch einen stärkeren Vorstoß der Engländer zurück. — Zwischen den von Arcas und Peconne auf Cambrai führenden Straßen setzte der Feind gestern früh unter starkem Feuerschutz seine Angriffe fort. Sie sind unter schweren Verlusten für den Feind gescheitert. Gut geleitetes Artilleriefeuer hatte an der erfolgreichen Abtmhc besonderen Anteil. Unsere Infanterie warf den Engländer, wo ec in unsere Linien eindrang, im Gegenstoß wieder zurück. Havrin- court blwb in Fstndcshand. Am Abend zwischen MoeuvreS und GouzcaucourterneutvorbrechendeAngriffedes Gegners wurden abgewusen.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Zwischen Ailette und Aisne war der Artillcrstkampf nur zeitweise gesteigert; kleinere Jnfinteriegefechte. In der Champagne brachten Stoßtrupps aus feindlichen Linien bei Le Mesnil Gefangene zurück.
Heeresgruppe Gollwitz.
Französin und Amerikaner griffen gestern im Bogen von St. Mihstl bei der Combos-Höhe und südiich sowie zwischen dcr'Eot-s-Lo rat/e u.d der Mosel an. In Ec- wartuog des Ariqnffes war die Räumung d's der beiderseitigen Umfassung aus<-esttztcn Bogens se.it Jahren >ns 8 efaßt und seit Tagest eingcleitet worden. Wir kämpften dr n Kampf vohec nicht bis zur Entscheidung durch und führten die beabsichtigte Bewegung aus. Der Feind konnte sie nicht tz-ndcrn. Franzosen, die auf den Höhen östlich der Maas vmsticßen, wurden abgrwiesen. Die Eombres-Höhe, die vorübergehend verloren ging, wurde von Landmehrt.upp'n wieder genommen. Südlich davon sicherten österreichisch-ungarische Regimenter in kräftiger Geger w hc im Verein mit den zwilchen Maas und Mose! kämpfenden Truppen den Rückzug der bci St. Mihicl stehenden Divisionen. — Zwischen der Cotes Lorraine und der Mose! gewann der feindliche Angriff aus Thiaucourt Boden. Reserven fingen den Stoß des Feindrs auf. Südwestlich von Thiaucomt und westlich der Mosel schlugen wir dm Feind ab. — Während der Nacht wurde die Räumung des Bogens vom Feinde ungestört beendet. Wir stehen .n neuen vorbereitcLen Linien.
Der Erste Gencralquartstcmeister: L u d e n d o r f f.
Berlin, 13. Sept., abends. An der Frort ruhiger Tag. Auch zwischen Maas und Mose! hat der Feind seine Angriffe bisher nicht erneuert.
Schloss U _
Es war 3 Uhr vorüber. Weit vorn wogte schon der Kampf, und immer noch war das Dorf D., das längst durchschrittene, nicht restlos in deutscher Hand: Im Schlosse saß noch ein Häuflein von den ganz Jähen. Wieviele mochten es sein? Es ließ sich nicht sagen, aber eines stand fest: alle Versuche der Infanterie, heranzu- kommenf wiesen sie mit wütendem Feuer aus einer ganzen Anzahl M.-G. ab, und die Straße sperrten sie vollkommen. Ja, zu Fuß lwnnte man die bestrichene Stelle umgehen; aber die Fahrzeuge, für die gabs keinen Ausweg, und sie mußten vor, es war höchste Zeit. Es galt also, schleunigst mit Artillerie einzugreifen. Direkter Schuß aus nächster Entfernung, das war die einzige Möglichkeit die da drinnen zur Uebergabe zu zwingen. Leutnant K., der Führer der 9. Batterie 2. Garde - Feldart. - Regts.,
der von seiner V.—Stelle die Lage überschauen konnte, ließ daher 1 Geschütz im Trabe vorziehen, und dem Geschick und kaltem Blut des Sergeanten Kalefendt gelang es auch, unbemerkt von Verteidiger bis auf 400 m heranzukommen und überraschend das Feuer zu eröffnen. Damit war die Sache entschieden. Denn wem die 1. F. H. aus nächster Nähe ins Gesicht brüllt und speit, der kann unmöglich noch weiter kämpfen, und würde er auch nicht getroffen. Trotzdem, als jetzt die Infanterie heranging, regten sich wieder einige M. G.. Aber rasch hatte der flinke Richtkanonier Meckel die Stellen entdeckt, wo die blassen Rauchfähnchen hervorquollen, und nun war jeder Schuß ein Treffer, Schlag auf Schlag sauste er nieder, Steine prasselten, Balken krachten und splitterten, Wehrufe tönten dazwischen; und dann wurde es still. Das Schloß war gesäubert; und wer war der Tollkühne, der hier auf verlorenen Posten solange todesmutig mit seiner Schar ausgehalten halte? Ein französischer Regiments - Kommandeur.
KrKg$winfd)ätHicDe$.
* KartoffeLverforsuug im Mirtschaftsfahr LS18/19. Die Bewirtschaftung soll auf dieselbe Grundlage gestellt werden wie im Vorjahre. Da der Ausfall der Ernte noch nicht zu übersehen ist, mußte vorerst an der Wochenkopfmenge für die versorgungsberechtigte Bevölkerung mit 7 Pfund wie im Vorjahre festgehalten werden. Die Saatgutbewirtschastung für das Jahr 1919 > wird durch Verordnung des Bundesrats geregelt. Die Vor- ! schriften sind im wesentlichen dieselben wie im Vorjahre. >
Mm KlM iistf tmt
* Der Mrsarrd von Frachtstückgrrl. Gttstückgnr nud beschleunigtem Gilstirckgnt wird vom 11. September ab deran eingcsiHl'äntt, d-iß eme Anzahl Güter j von der Beförderung ausgeschlossen ist. Näheres ist aus j der heutigen Bekanntmachung der Eiseybahndtrektton j zu ersehen.
* Gegen die Wohnungsnot. In sämtlichen Landgemeinden des Grvßherzogtums H ssen sind die Besitzer von leerstehenden, zu Wohnzwecken geeigneten Räumen aufgefprdert worden, die Räume bis 1. Oktob^: zu vermieten. Wird der Aufforderung nicht Folge gelet- ! stet, dann werden die Räume von der Kceisbehörde zu den Von ihr festzusetzcnden Mietpreisen vermietet.
Deutschlands Spende für Säuglings- und Klernkinderschutz. Eine überreiche Ernte hält seit mehr als vier Jahren der Tod unter den Besten unseres Volkes. Viel, unendlich viel haben wir verloren; aber eine neue > Generation wächst heran, die berufen ist, das Erbe der Väter zu hüten. In der letzten Friedenszeit, in der wir glaubten, einen Ueberfluß an Menschen zu haben, ließen wir alljährlich viele HundertLausende von Säuglingen : nd ! Kleinkindern zugrunde gehen. In Zukunft dürfen wir unter keinest Umständen mit unserem kostbarsten Gut so verschwenderisch umgehen. Jedes Kind, das gesund zur Welt kommt, muß, wenn irgend möglich am Leben erhalten und zu einem körperlich und geistig vollwertigen Menschen entwickelt werden. Dazu soll „Deutschlands Spende für Säuglings und Kinderschutz" helfen. Wie früher bereits in allen deutschen Bundesstaaten wird zu ihren Gunsten in den nächsten Wochen auch in Hessen eine Landes- samvilung 'stattfinden, deren Ergebnis ausschließlich für unsere Hessenkinder verwandt werden soll. Unsere Landes- fürstin hat sich an die Spitze des Unternehmens gestellt und wendet sich in dem in der gleichen Nummer dieses Blattes veröffentlichten Aufruf an alle Männer und Frauen unseres Landes. Möge ihr Ruf freudigen Widerhall finden.
* Kerne Entlassung dev Jahrgänge 1870/72. Auf eine Anfrage des Reichstagsabgeordneten Dr. Müller- Meiningen betreffend Entlassung der Jahrgänge 1870 bis 1872 wird milgeteilt, daß das Kriegsministerium von sei
nem wiederholt ausgedrückten Standpunkt nicht abweichen kann. Die auch nur teilweise Entlassung des Jahrgangs 1870 ist für absehbare Zeit unmöglich.
* Ans dem Usgclsvrrg. Auch hier müssen sich die Leute der einzelnen Dörfer durch Verschließen dec Türen oder entschiedenes Auftreten gegenüber den hamstcrnden Kucfremden. schützen, da keine Stunde vergeht, ohne daß ein an der Landstraße gelegenes Haus belästigt wird. In anderen Gegenden hat ein Gemeinderat eine Vergütung von 10 Mark demjenigen in Aussicht gestellt, der hamsternde P Ionen'betm Bist? ^Meister oder Gendarmen so anzeigt, daß sie strafrechtlich verfolgt werden können. Zur Nachahmung empfohlen.
* Frirdberg. Bei der. Speckverteilung, die in der vorigen Woche für die Einwohnerschaft des Kreises Frtedberg vor sich gehen sollte, fehlten etwa 20 Zentner Sp.ck Da die Stadt Friedberg bereits voll beliefert war, mußten sich die Landorte mit einer erheblich geringeren Menge, als ursprünglich in Aussicht genommen war bescheiden. Wo die fehlenden 20 Zentner Speck geblieben sind, konnte bisher nicht festgestellt werden.
Friedbrrg. Obwohl die diesjährige Obsternte nur lin Viertel der vorjährigen erbringt, überstieg ihr Erlös bet der jetzt erfolgten Versteigerung den 1917 er ganz erheblich. Dec Zudrang des Publikums zu den Versteigerungen war außerordenNtch stark; in entsprechenden Höhen bewegten sich die Angebote So erztelre em Schass- nastnbaum mehr als 200 Ma t.
* KüdLrrgen. Das hiesige Mathilden Hospital, eine Stiftung der 1867 verstorbenen Fürstin Mathilde zu Isenburg und Büdingen, feierte am 1. S'ptember sein bOjähriges Bestehen durch eine schlichte Fest.: im eigenen Hause und einem Festgottesdienst in der Stadtkirche.
* Metzlar. Das Amtsgericht verhängte über 29 Kreisinjassen, durchweg Händler und Landwirte, wegen Schwarzschlachtungen, Überschreitung tn Höchstpreise, Beisttteschaffung Leb ntzmitteln usw. Geldstrafen im Emzelfalle von 30 bis 600 Mk. ingesamt 2310 Mark.
Groß-SLeinfteiui. In der Bernhardtschcn Zigarrenfabrik wurde ein Einbruch verübt. Di-? Dnve drückten ern Fenster ein und ge langten foöami in den inneren Raum, wo sie zirka 8000 Zigarren entwendet Huben.
llermilcdm.
Wer gehört zu der? Winderberrrrttotterr. In Hamburg ist anläßlich der Kleidersammlung folgende Entscheidung getroffen worden: Als minderbemittelt gelten dort: Eine Person, wenn sie nicht mehr wie 3750 Mark jährlich Einkommen hat. Zwei Personen 5250 Mark zusammen. Drei Personen bis 6000 Mark. Jede weitere Person 750 Mark jährlich, so daß also ein Mann mit fünf Kindern bei 9000 Mark Einkommen noch als Minderbemittelter bezugsberechtigt für Reichskleidungsware gilt.
Mit dem Karten qnarrtttm kann man nicht arrskommen. Ein Dresdener Arzt schreibt: Wer nur von dem leben soll, was er auf die Lebensmittelkarten bekommt, der muß fast verhungern oder wenigstens die Arbeitskraft oder Arbeitsfrische verlieren. Ich bin als Arzt mit der Lebensführung weiter Kreise, hoher wie niederer, vertraut, aber ich kenne fast niemand, -der ohne Hamsterbeihilfen besteht. - Wenn man dies hö rt, könnte man glauben, daß jedermann erfolgreich zu Hamstern verstehe. Wohl mag jeder etwas beibringen, aber es ist vielfach nur eine Kleinigkeit. Und daraus ergibt sich, daß viele in der Tat hungern müssen. Man kann sagen was man will, das Essen heutzutage ist unzulänglich, es ist die Ursache vieler Krankheiten und vieler Todesfälle. Wer hat nicht genug von dem Elend?
Beiantwerr ich: Klein n Gießen.


