Ausgabe 
28.4.1917
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3
 
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usw.'. . . . Der nationalistische Wahnsinn hat in diesem .Kriege bereits mancherlei Ausschreitungen ge­zeitigt, aber zu einer Kraftleistung von dieser Voll­endung hatte er sich denn doch noch nicht aus- geschwungen.

Heute, nachdem die Engländer sich soeben rum dritten Male blutige Köpfe geholt haben, und die Franzosen sich anschicken, zum dritten Male ihren spär­lichen Nachwuchs ohne Aussicht auf Erfolg in Tod und Verderben zu senden, dürfte selbst rn Frankreich diese nette Rechnung zum mindesten alß unzeitgemäß empfunden werden.

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40 Prozent Getreide-

Preissteigerung.

Die Aufregung au den amerikanischen Getreidebörsen.

Die Auftegung an den amerikanischen Getreide- börsen am Sonnabend hat sich in Newyork und Chikago durch die AufwärtShewegung am Weizenmarkt fort­gesetzt. Go erreichte in Newyork der Preis für Wetzen den unerhörten Stand von 317 Cents für den Bushel gegen 307 am Vortage, gegen 214 am 26. März und gegen 191*4 Cents zu Anfang dieses Jahre?. Gegen die letzten Friedenspreise sind die Notierungen nicht viel mci *; :r als nm das Vierfache höher. »Be­merkenswert ist, daß diese ungewöhnliche Bewegung in allererster Linie die Preise für sofort lieferbare Waren ergriften hat. Beispielsweise verteuerten sich seit MonatSftist die Notierung für Maiweizen in Chi­kago um 84 Cents, während Septemberweizen, also Ware der neuen Ernte,nur" um 40 Cents steigen konnte. Das läßt den wahren Grund der Aufwärts­bewegung erkennen, und zwar ist man auch wegen der neuen Ernte sehr pessimistisch gestimmt, Aengstlicher ist man wegen der Frage, wie denn der Bedarf ge­deckt werden soll, solange die alte Ernte ausreichen muß, nachdem man nach England so ungewöhnlich auSgeführt hat.

* * *

Freund Roosevelt kommt.

Die Kriegstollheit hat über den nüchternen Sinn der sonst so kaltrechnenden Amerikaner gesiegt. Der tief im Herzen auch des friedlichsten Aankee-Geld- machers schlummernde Abenteurerdrang hat sich durch­gesetzt:

Die Wehrpflicht-Vorlage ist im amerikanischen Re- prusentantenhav.se mit 397 gegen 24 Stimmen ange­nommen worden, im Senat mit 81 gegen 8 Stimmen.

Der Senat nahm weiter mit 56 gegen 31 Stimmen ein Amendement, einen Zusatzbeschluß, an, das Roofe- velt zur Aufstellung von vier Divisionen Fnsanterie [ffir den Dienst in Frankreich ermächtigt.

* » *

Rur ein halbes Wollen.

Große Tragweite hat der Beschluß freilich bei nähe­rem Zusehen noch nicht. DaS angenommene amerika­nische Dienstpflichtgesetz ermächtigt Wilson, die regu­läre Armee und die Nationalgarde auf ihren Höchst­stand von 62 500 Freiwilligen zu erhöhen und weiter ourch Dienstpflicht eine halbe Million auszuheben. !Ta der Senat das Gesetz gegenüber der vom Reprä- sentantenhause angenommenen Fassung abgeändert hat, tverden beide .Häuser in einer Konferenz zusammen­treten, um sich zu einigen. Ter Unterschied zwischen >er vom Senat angenommenen Vorlage und der des Repräsentantenhauses besteht darin, daß der Senat das Dienstalter von 21 vis 27 Jahre festgesetzt, wäh­rend das Repräsentantenhaus 2l bis 40 Jahre an­genommen hat.

Friedensstimmrmg

im Schützengraben.

Die neue russische Regierung vertuscht dem Militär die Wahrheit.

Nach Einzelheiten, die in diplomatischen Kreisen über die Zustände bei den russischen Fronttruppen

vorlieaen, befestigt sich die Annahme immer _ mehr,

daß diese keine Lust mehr haben, den Krieg fortzu­setzen. Aus dem friedlichen Verkehr von Graben zu Graben ergab sich, daß die russischen Frontsoldaten

über die Borgänge in Rußland und namentlich in

Deutschland und Oesterreich-Ungarn äußerst mangel­haft oder gar nicht unterrichtet worden waren. -Lie wußten nichts von all den letzten Kundgebungen der Staats Leiter der Mittelmächte zur Herbeiführung eines , ehrenvollen Friedens und hatten daher kein richtiges

Achopev^' Urteil über die kriegshetzerische Tätigkeit der Bier­verbandsdiplomatie. Die Aufklärung darüber nehmen fie dankbar und ohne Mißtrauen entgegen und wollen nur den Begriff des ehrerwollen Frieoens genauer Um­rissen haben. Von irgendwelcher Kampflust oder Haß gegen die feindlichen Heere und Völker zagten sie keine Spur mehr. .

Dieweil macht sich die provisorische Regierung nach immer _

Hoffnung auf dir deutschen Streiks.

Anders der Arbeiter- und Soldatenausschuß Diese lnatzgebende Stelle des neuen Rußland hat mehrere Tage hindurch unter stärkster Bearbeitung durch die

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nach Petersburg gekommenen Vertreter der französi­schen und englischen Sozialisten gestanden, er ist aber

fest geblieben: M .

Die französische Presse erfahrt aus Petersburg, baß das Arbeiter- und Soldatenkomitee der französr- fchen sozialistischen Abordnung den Verzicht Frank­reichs auf Elsaß-Lothringen nahegelegt habe. Das Komitee richtete an die französischen Deputierten die .förmliche Anfrage:

Wenn Elsaß-Lothringen das einzige Hin­dernis für den Friedensschlutz darsteklt, könntet cmf die Lösung diese-r Krage bestehen?"

So nach und nach naht also auch für Rußland ^7** Augenblick, wo sich das Schicksal der Revolution- und Konfusionsregierung wird erkennen lassen.

*

Audaucrndc Unruhen in Kronstadt.

^>n dem großen Kriegshasen Kronstadt, dem Ein­gangstor der Petersburger Gewässer, herrschen noch immer Unruhen, die sogar zu Hinrichtungen geführt «{vH- un ^ oU deren Beschwichtigung der Sozialrft- Annister Krenski hinausfayren mutz. Die Untersu- chung schloß damit ab, daß der Staatsanwalt acht Offiziere freisprach und dem Volke sein Urteil be- kanur gab. DaS Volk war jedoch mit diesem Urteil nicht zufrieden, verurteilte den Staatsanwalt zur Hin­richtung und drohte ihn, auf Bajonetten zu spießen. Der Arbeiterrar mußte, um ihn zu retten, der Volks­töne erklären, daß der Staatsanwalt verhaftet werde. Glerchzeitig gelang es dem Pöbel, einige der freige­sprochenen Offiziere festzunehmen und sie zur Hin­richtung wegzuführen. KerenSki ist sofort nach Kron­stadt abgereift.

Republik Llkraina.

Zerfall des russischen Kolosses.

Tie Blätter der großen südwestdeutschen Stadt Kiew melden übereinstimmend:

Tie separatistische Bewegung in der Ukraine habe einen Umfang angenommen, der in Petersburg große Auftegung verursacht. Ter Nationalkonvrnt (!'.) der Ukraine hat einen Ausschuß gewählt, der als provi­sorische Regierung der Ukraine proklamiert wurde. Im Nattonalkonoent sind 33 politische Organisationen, Ab­ordnungen der Gebiete von beiden Ufern des Tnjepr sowie der Küstengebiete des Schwarzen Meeres ver­treten. Es wurde ein Entwurf des politischen Re- gterllngösystems der autvflomen Ukraine ausgearbeiter und ein Reichskanzler gewählt. An der Spitze des Kon­ventes steht der Lemberger Professor Harastewicz.

tuierende Versammlung nach Kiew berufen, die den Beschluß des Ökationalkonventes, die Ukraine zu einer freien Republik zu proklamieren, fttr rechtsgültig zu erklären hat. Der Stab der nationalen Miliz ('.!), der ganze Regimenter mit aktiven Generalen an der Spitze angehören, schlug seinen Sitz in der Kiewer Universität auf. Tie Bewegung ist besonders dadurch gekennzeichnet, daß sich selbst Russen, die unter dem alten Regime patriotische Gesinnung bettrndeten, vor­behaltlos der neuen Bewegung anschlossen.

Tie provisorische russische Regierung verhandelte mit dem Ausschuß des nationalen Konventes und versuchte, die Ukraine angesichts der drohenden deut­schen Gefahr von der Loslüsung vom russischen Gesamt- staat abzubringen, weil dadurch die russische Freiheit wieder in Frage gestellt sei. Sie erklärte dabei, das freie Rußland könne sich nur als Bundesrepublik er­halten! Vor dem Zusammentritt der konstituieren­den Versammlung könne jedoch nicht zu dem Umbau des Reiches in diesem Sinne geschritten werden. Die Ver­handlungen der provisorischen Regierung mit der Ukraine blieben ergebnislos. Die Verhältnisse haben sich vielmehr so zugespttzt, daß eine gewaltsame Entladung unvermeidlich scheint.

Allgemeine KriegSnachrichten.

Am 1. Mai: Friedenskundgebungen.

Das Petersburger Arbeiterblatt ..Rabvtschkaja Ga- zeta" schätzt die Zahl der au der Maifeier in Petersburg teilnehmenden Arbeiter auf rund 600 000. Es sei wahrscheinlich, daß sich auch andere Parteien als die sozialdemokrattsche an dieser Feier in irgend einer Form beteiligen werden. Tie Extremisten planen für diesen Tag große Kundgebungen im ganzen Reich. Sie wollen an diesem Tage eine machtvolle Temon- stration für die Beendigung des Krieges veranstalten. Die provisorische Regierung bittet und ermahnt die 9lrbeiterorganisationen, die Ruhe und Ordnung nicht zu stören.

Konscrenzvorbcreitnngcn iil Stockholm.

Im Parteizimmer der sozialdemokratischen Frak­tion des schwedischen Reichstags wurden lange Ver­handlungen über die Vorbereitungen zu dem bevorste­henden Friedenkongreß geführt. Tie holländischen Delegierten sehen außerordentlich hoffnungsvoll auf die Aussichten der Konferenz und sie erwarten, daß trotz aller entgegengesetzter Mitteilungen dennoch die französischen Delegierten sich einfinden werden.

* * *

Der KriegSsold für Italien.

Nach einer Meldung des ..Corriere della Sera" aus London beabsichtigt England, von den amerikani­schen Mlliarden monatlich 125 Millionen an Italien zu überweisen. Also: Krieg auf Lohn-AbschlagS- zahlung!

Brasilien will neutral bleiben.

Die Mißerfolge dergroßen Frsthjahröofteitsive tox Gegn^ machen offensichtlich Eindruck bei den

Neutralen Sie werden vorsichtiger und wissen zum Teil uidn mehr, was sie wollen. So die südameri­kanische Kaffee Republik Brasilien. Wie der schwer Kerrschen Tepeschenagentur aus Paris genrelder wird, har Brasilien in dem Streit zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten seine Neutralität erklärt.

England braucht Rekruten!

Nach dem schauerlichen Massenmorde, dessen sich England auf den flandrischen Kampfplätzen an seinem Volksnachrvuchse schuldig macht, darf man sich über den Ruf nach Rekruten, neuen Todesopfern nicht wun­dern. deir jetzt der RekrurierungSlord Derby ausstößt. Dieser bezeichnet es als notwendig, daß nationale Red­ner und Parlamentarier eine Kampagne in ganz Eng­land zugunsten der Rekrutierung von neue n Truppen unternehmen. Es herrsche starker Wider­stand gegen die beschlossene Vermehrung des Heeres, weil das Volk zu wenig Vertrauen zeige. Von den. Kolonien könne nichts erwartet werden, deshalb sei das Mutterland an der Reihe, die letzten notwendigen Opfer zu bringen, die den Steg vollenden müßten. Die Regierung überlegt augenblick lich sogar, ob der ArbeitSzwang für Frauen etngeführt werden könne, falls die Lage des Landes infolge des herrschenden Arbeitermangels dies erfordere.

Aus deni Ausdruckeletzte notwendige Opfer" geht wohl hervor, daß man in England weitere ernst-- hafte größere Opfer für die Dauer nicht mehr kür möglich hält.

Brotkarten üt Louvoiu

Der Londoner Korrespondent des Corriere della Sera drahtet, baß England in sechs Wochen Brotharten einzuführen beabsichtige. Die Maßnahme werde mit der durch die vermehrten Schiftsversenkurrgen entstau denen Frachtraumverminderung begründet.

Republikanische Störungen in den Balkauländer«.

Tie russische Revolution wirkt aus dem Balkan nach. Die neue Petersburger ZeittrugRußkaja Wolja" stellt das Vorhandensein einer starken republikant- schen Strömung in Montenegro, Serbien und Rumä­nien fest. Einflußreiche serbische und montenegrinische Politiker pflegten gegenwärtig Verhandlungen, die die­sen Strömungen zum Ziele verhelfen sollen. Geplant ist die Gründung einer serbisch«montonegrinische« Re­publik. Die in Frage kommenden Dynastien hätterr nicht die Mittel, einer derartigen Bewegung wirkungs­voll entgegenznarbeiten.

*

Kleine Kriegsnachrichlen.

" Die Londoner Börse bleibt vorläufig am Sonn­abend geschlossen, angeblich um den Mitgliedern und deren Angestellten Zeit für nationale Dienstleistungen zu geben.

" Daily Mail erfährt, daß demnächst die Brot­rationen für die Armee verkürzt werde.

Aus Mer Welt.

** Ei« Fug durch Lawine verschüttet. Der Sonntag

abend 5 Uhr von Landquart in Davos fällige Zug wurde beiin Davojer See von einer gewaltigen Lawine verschüttet. Bis jetzt sind acht To^e geborgen, darunter Emilie Jrtou aus Stuttgart.

Zu dem LawiireuullgUlck am Davoser See wird weiter berichtet, daß sich noch 40 Personen in den verschütteten Eisenbahnwagen befinden, die wohl sämtlich den Tod ge­funden haben. Eine Anzahl Feuerwehren der umliegenden Ortschaften und Hunderte internierte Deutsche arbeiten mit fieberhafter Anstrengung am NetiungSwerk.

Bei Gurtnellen an der Gotthardbahn sind wiederum drei Lawinen niedergegangcn.

** Wieder das Schießgewehr. Der zehnjährige Sohn des im Felde stehenden Telegraphenleirungs­aufsehers Schütt in Neustadt in Holst, wllrde von einem Spielkameraden beim Besichtigen eines Revolvers er­schossen. Die Kinder hatten die Waffe beim Alleinsein aus einer verschlossenen Kommode herausgenommen.

^ Folgen des früheren Bergbaues. In dem an der Gemeindegrenze von Riemke gelegenen Teile der Stadt Bochum, genannt Provize, lvurde ein heftiger Erdstoß gespürt. Schornsteine wurde umgerissen, in verschiedenen Häusern siel der Stuck von den Decken uno Dächer wurden beschädigt. Vom Tncw. i,ei evan­gelischen Kirche fiel ein Wetterhahn herab. Wahr­scheinlich ist ein verlassener unterirdischer Grubenbau zu Bruche gegangen.

Oesetzt die dorfteiche mit Karpfen!

* Bom Fischfang. Das Bild an den Zentral- :märkten für den Fischhandel in Cuxhaseu und Al­tona hat sich in den letzten Tagen wesentlich gebessert, ilnd der Ausfall der Heringszufuhr wird vitrch die steigende Zufuhr sonstiger frischer Seefische wieder wettgemacht. Tie Lieferungen von den dänischen Plätzen sind im Steigen. Der Versand nach den Jn- landplätzen dürfte mit dem Beginn des Monats Mai noch eine weitere Steigerunb erfahren. Auch von den Fischplätzen an der schleswrgschen Küste lang­ten reichliche Zufuhren an, und da auch die yeimische Fischerei jetzt voll zum Eingreifen kommen wird, dürfte die Fischversoraungsfrage in kurzer Zeit geregelt sein. Die Seeftscherflotte unserer beiden Hauptplätze, Fin­kenwärder, und Blankenese, stellt etwa 70 Kutter und Ewer; zu denen sich in der Kleinfischerei noch Alten- wärder mit 60 und die Küstenfischerei mit etwa 120 Fahrzeugen beteiligt. Im vorigen Jahr konnte kaum der dritte Teil dieser Flotte auf den Fang gesarrdt tverden.

*

Kleine Neuigkeiten.

" Bei einem im Hause Bergerstr. 72 in Frankfurt cnU standenen Zimmerbrand sind zwei kleine Kinder, die im Bett lagen, durch. Rauch erstickt.

* Berlin hat tm Monat April allein 12 Milli­onen für Kriegerfamilien aufgewendet.

* In Langfuhr hat sich eine 75jährige Frall, mit Sterbekleidern anaeran, in die Ostsee gestürzt, und Awar um Tage ihrer goldenen lKochzeit.