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im Petroleumgebiete des Chacos. S)ier kämpft ame ri konisches Geld auf feiten Boliviens gegen englisches Geld auf feiten Para­guays. Diese Tatsachen werden auch durch noch so viele Dementis nicht aus der Welt geleugnet wer­den können.

Der Völkerbund protestiert aufs Heftigste gegen den Krieg und entsandte sogar eine Kommission ms strittige Gebiet, die wohl riesige Kosten verursachte, jedoch auch nicht das Geringste leistete. Zur alei- chen Zeit aber verkauften Waffenfabriten derjenigen Länder, die mit im Völkerbund sitzen, an die Kriegsführenden im Chacogebiet Waffen über Waffen. Der Völkerbund hattevergessen", daß sich durch ein radikales Verbot der Waffenausfuhr nach Bolivien und Paraguay der Kriegsbrand viel schneller und siche­rer austreten lassen würde als durch Kommissio­nen. Aber auf eine solche Art und Weise der Be­endigung des Kriegs würden den Waffenfabriken in Frankreich und in der Tschechoslowakei, in Amerika und England Riesengewinne entgangen fein . . .

Ein Ende des Krieges ist vorläufig noch nicht ab­zusehen, wenn nicht in einem der beiden Länder eine Revolution dazwischen kommt. Im ersten Jahre des Krieges gelang es den Bolivianern in einer großzügig angelegten und mit Tanks, Flammenwerfern und Flugzeugen gut durchgeführ­ten Offensive erhebliche Erfolge zu erzielen, an deren Auswertung sie jedoch durch die einsetzende Regenzeit verhindert wurden. Nach der Regen­zeit setzte dann der Gegenstoß der Paraguayer ein, die sich in der Zwischenzeit gründlich erholt und mit englischem Gelbe, das Oelmagnaten reichlich her- gaoen, aufs Beste ausgerüstet hatten.

In der letzten Zeit hat sich immer mehr der Wert der Bombenflugzeuge herausge- stellt, mit denen Bolivien eindrucksvolle Erfolge er­zielen konnte. Durch die Bombardierung zahlreicher hinter der paraguayischen Front gelegenen Städte hat es den Nachschub von Munition und Lebens- mitteln aufs empfindlichste gestört und als Neben­wirkung eine weitgehende Demoralisierung der pa­raguayischen Truppen hervorgerufen, die nicht die Möglichkeit in Händen haben, sich gegen diesen furchtbaren Luftfeind zu wehren, denn Flugzeug- abwehrgesckütze besitzen die Paraguayer noch nicht. Unter diesem Gesichtswinkel erscheint auch die Drohung Paraguays verständlich, als Repressalie bolivianische Gefangene erschießen zu wollen, falls Bolivien mit der Bombardierung fortfahren sollte.

Wenn nun der nordamerikanische Staatssekretär Cordell Hüll Weisung an den amerikanischen Ge­sandten in Paraguay gegeben hat, schleunigste (Er­hebungen anzustellen, was es mit dieser Bombar- bierungoffener" paraguayischer Städte und mit der Drohung Paraguays aus sich hat, so entbehrt dieser Auftrag nicht einer tragikomischen Note, denn Nordamerika war es ja, das an Bolivien die Bombenflugzeuge lieferte, mit denen es jetzt paraguayische Städte bombardiert! Bolivien stellt sich auf den Standpunkt, daß es sich keineswegs umoffene" Städte gehandelt habe, denn jedes noch so kleine Nest hinter der Front der Paraguayer sei im wahrsten Sinne des Wortes Garnisonstadt geworden, das zur Beher­bergung der Reserven und als Stützpunkte für Lebensrnittel und Munitionsnachschub dient. Soll­ten die Paraguayer tatsächlich bolivianische Ge­fangene erschießen, so würde Bolivien die Haupt­stadt Paraguays, Asuncion, mit Bomben be­legen.

Im übrigen sieht es ganz so aus, als ob Para­guay tatsächlich geneigt sei, die Kriegsregeln des Völkerrechts nicht mehr respektieren zu wollen, denn es hat angekündigt, in Zukunft an der Front Giftgase zu verwenden, falls Bolivien fortfah­ren sollte, paraguayische Ortschaften mit Flugzeugen 0U bombardieren. Es ist nicht abzusehen, was solch ein Vorgehen für Folgen haben könnte, wenn bann seinerseits Bolivien zur Verwendung mit Giftgas gefüllter Luftbomben schreiten und damit z. B. Asuncion belegen würde. Für uns Deutsche jedoch ist diese Wendung der Dinge ein weiteres Zeichen, unbedingt und unter allen Umständen an der Forderung nach einem ausgedehnten und zu­verlässig funktionierenden Luftschutz für unser Vaterland festzuhalten, das ja in einem noch viel stärkeren Maße der Gefahr von Luftangriffen aus­

gesetzt ist, als diese südamerikanischen Staaten, bei denen die Kriegsfliegerei noch in den Kinderschuhen steckt.

Trotz der hie und da auftauchenden optimistifchen Nachrichten über den Leticiakonflikt zwi­schen Columbien und Peru, ist die Lage als unverändert ernst zu betrachten, zumal die in Rio tagende Konferenz noch immer keine Ergebnisse zeitigte. Am 23. Juni schon läuft das Mandat der Völkerbundskommission über das strittige Gebiet ab und Columbien besteht darauf, daß die Kom­mission die Regierung des Gebietes an Vertreter

Columbiens abgibt, was andererseits Peru nicht zulassen will. Es ist begreiflich, daß sich unter sol­chen Umständen sowohl in Peru, als auch in Co­lumbien starke Beunruhigung breit macht und beide Länder sich darauf vorbereiten, allen Eventualitäten begegnen zu können. Wie beim Chacokonflikt haben auch hier die Völkerbündler absolut keine Beden­ken, die beiden Streitenden mit Waffen gegen klingende Münze zu beliefern! Sie bemühen sich sogar noch, Japan und Nordamerika als Lieferanten auszuschalten, um alleine den Rahm" abschöpfen zu können'

Der Siedlerlönig und seine ZüOOüü Kolonisten.

Oie Urbarmachungen Friedrichs des Großen.

Don Frank Leberecht.

Oie Gchule von Küstrin.

Ms derbegnadigte" Deserteur Friedrich am 7. November 1730 zu Küstrin den Eid unbedingten Gehorsams abgelegt hatte, durfte er einen hell­grauen Arbeitsrock anziehen und war nun der OberftleutnantFriederi ch", Auskultator in der Kgl. Domänenkämmer, mit einem Platz am unteren Ende des Tisches, mit einer Arbeitszeit von sieben Stunden, mit einer peinlich genauen Tages­einteilung. Auch feine Lektüre war ihm oorgeschrie- ben, erbauliche Bücher und die Aufzeichnungen des Markgrafen von Küstrin, dessen verbienltlickes Wir­ken der Landwirtschaft gegolten hatte.

Für den Oberstleutnant Friedrich war es eine harte Schule. Der Zorn des Vaters grollte noch hin­ein durch bissige Ermahnungen, der möge sich dar­um bekümmern, wie der Bauer die Groschen zum Ta­ler verdiene, damit auch er das Geld zu behandeln verstehe. Auch solle er erlernen, Anschläge von Grund und Boden zu machen. Nachdem der prinz- liche Auskultator ein Jahr lang über den Akten der Domänenfammer zugebracht hatte, durfte er sich gelegentlich außerhalb der Stadt aufhalten. Doch auch dorthin reichten des Königs Einzelbefehle. Friedrich hatte jetzt die richtige Art der Feldbestel­lung und der Viehzucht zu erlernen. Bei diesen Lehrwanderungen kam der Prinz auch in jene Lände­reien, deren Jahreserträgnisse durch die Melio­rationen Friedrich Wilhelms um das Zehnfache gesteigert worden waren. Der Eindruck dieser Besich­tigung auf den Sohn war nachhaltig. Dies also war königliche Ausgabe!

Es ist oft berichtet worden, wie der Kronprinz in Küstrin jene alten Erbrechtsverträge mit Liegnitz, Brieg und Wohlau studiert habe, die ihn dann später ermutigten, seine Hand auf Schlesien zu legen. Selten nur wird daran ge­dacht, daß sich Friedrich in demselben Küstrin die Kenntnisse erwarb, wie eine Provinz ohne Schwert­streich zu erobern sei. Wäre nicht dem Kronprinzen jene harte und gründliche Schule von Küstrin be- schieden gewesen, woher hätte der König den Maß­stab genommen, fein großes Siedlungswerk durchzu­führen?

Gand und (Sumpf.

Im Havelländischen Luch hatte Friedrich Wilhelm 15 000 Morgen Neuland gewonnen und ein Mustergut mit dem stolzen Königshorst angelegt. Friedrich setzte die Meliorationen seines Vaters ohne Zögern fort. Im Zusammenhang da­mit wurde schon 1743 der Plauer Kanal voll­endet, der eine kürzere Verbindung zwischen Havel und Elbe schuf. 1746 bereits konnte man im Finow-Kanal aus der Havel in die Oder ge­langen. Und als dann 1775 der Bromberger Kanal gebaut war, war mit dem friderizianifchen Kanalsystem ein Pfeiler des Kolonifationswerkes geschaffen.

Dieses Werk vollendete sich in wohldurchdachtem Plan. Urbarmachungen, Kanalbauten, Ansiedlungen eingewanderter Kolonisten, Verbesserungen des Bo­dens und seiner Bearbeitung, all dies hängt inner­lich zusammen und ist von einander nicht zu tren­nen. Denn nur ein Ziel kennt die innere Koloni­sation Friedrichs des Großen: aus einem unfrucht­baren menschenleeren Land ein blühendes König­

reich zu machen. Sand und Sumpf, das waren die Hauptstücke des märkischen Landes. Sand nahm meist die, Hälfte, oft gar zwei Drittel des Bodens ein, auch^in den östlichen Provinzen machte er noch bis zu einem Drittel aus. Der Rest wiederum war großen Teils unfruchtbar und unzugänglich als Moor und Sumpf, bruchartige Landstriche ohne Wasserabzug, wo kein Pflug seine Furche zog, wo nur durch trüben Morast einige harte und saure Gräser stachen; Gegenden, in denen man nur arm­selige Fischer und Jäger traf; in denen alle Meilen einmal eine magere Kuh am Rande eines schwan­kenden Moors graste, in denen der schlimmste Feind Preußens sein Unwesen trieb: die planlose Bar­barei.

Vierzig Dörfer im Oderbruch.

Ihr gegenüber hat Friedrich keinen Augenblick der Muße gekannt. Nach kleineren Meliorationen im Nordwesten der Mark machte er sich 1746 an das gewaltige Unternehmen der Eindeichung der Oder. Als er es 1753 als gelungen bezeichnen darf, kann er auf einen Kampf mit zahllosen Schwie­rigkeiten zurückblicken. Die Kabinettsorder, die er zuweilen täglich an die Leiter des Werkes aussandte, bezeugen die zähe Energie des Siedlerkönigs. Da liegt sich die eine Domänenkammer mit der anderen in den Haaren, da bekommen die Deicharbeiter zu wenig Lohn, da wollen die alten Anwohner sich nicht zu neuen Berufen bequemen, ja, sie weigern sich sogar, ihre Kähne zum Erdefahren zur Ver­fügung zu stellen, da bleiben die wöchentlichen Arbeitsrapporte und die angeforbeten Rechnungen aus, da bleiben die Fortschritte der Arbeiten hinter den gesetzten Terminen zurück. Und in alle diese Hemmnisse und Beschwerlichkeiten fährt wie ein Blitz die jeweilige Gegenmaßnahme des Königs, fährt fein Lob und fein Tadel hinein. Endlich wer­den die Deiche fertig, 11 Meilen lang; die Oder hat ein neues Bett; die Trockenlegung der Brüche durch Gräben kann beginnen. Für taufende von Bauernfamilien ist hier Raum geschaffen, vierzig Dörfer entstehen aus dem fruchtbaren Neuland.

Plane und Menschen.

So war es auch mit dem Warthe-Bruch. Doch wäre dieses noch viel schwierigere Werk gar nicht erst angefangen worden, hätte nicht Friedrich Siedlungsberater, Brenkenhoff, einen Kostenan­schlag gemacht, der um ein Viertel niedriger war als der des Wasserbaufachmannes. Doch Brenken­hoff ersetzte fehlende theoretische und praktische Kenntnisse der Landeskultur durch ein hohes Maß von Begeisterung und Kühnheit. Sein mutiger Plan bewog Friedrich schließlich, die Urbarmachung des Warthebruchs tm Dezember 1766 in Angriff zu nehmen. Mit manchen Fehlschlägen und Hindernissen die Brenkenhoffs genialer Plan übersehen hatte, wurde auch dieses Werk, das Über 100 000 Mor­gen guten Bodens schuf, der Vollendung entgegen­geführt. 'Schon 1768 und 1771 rufen königliche Er­lasse zur Besiedlung auf, denen besonders aus Anhalt, Mecklenburg, aber auch aus Polen Folge geleistet wurde. In zwanzig Fahren entstanden hier 90 Kolonien.

Auch als 1772 Westpreußen und der Netze- d i ft r i f t zu Preußen kamen, nahm Friedrich die neuen Provinzen erst dadurch richtig in Besitz, daß

Wanderung in deutscher Landschaft.

Don Josef Ponten.

Zwei Burschen, Christian Heinsberg und Johann Wetzel, zogen von Bingen 1 über Hunsrück und Eifel durch die schöne | deutsche Heimat, in der Absicht auszuwandern.

Ferne, Ferne, Ferne ah! Die junge Nase riecht sie, wie Hunde an den Kleidern der zugereisten Män ner das Dasein ihrer Brüder fern hinter dem Ge­birge riechen wo sind sie? Nicht hier! Und sie stehen und schauen das blaue Gebirge an . . .

D blaue Gebirge! Was habt ihr schon ange- richtet! O Landschaften mit dem Ruf der Fernen! In blauen Zauber gehüllt steht ihr da, anwesend, aber ihr scheint es nicht wahrhaben zu wollen. Und während alles andere daliegt in deutlichem Licht, anwesend, aber so wie das, nach dessen Gegenwart niemand fragt, scheint ihr da zu sein nur kraft des Gebetes, der Ahnung, des Traums, und ihr scheint nur zu schweben. Als könntet ihr die Fracht eurer Masse davontragen, wenn es euch gelüftete, und an Herzen und Köpfeti, an Sinn und Vernunft der Menschen mitnehmen, was euch beliebte. O Zau­ber aus Stein! O Landschaft, die blaue Berge be­schauen!

lieber der hessischen Landschaft stand der Don- narsberg. Blau stand er am Abend im Westen i ober Süden. Oftmals hatte ihn der Knabe Christian ' gesehen, wenn er im Geisenheimer Berg streunte i vis gegen den Niederwald. Blaue Berge sind1 Schicksal, Christian! . . .

lieber die Höhen des Hunsrück wanderten die beiden Burschen nach Nordwesten. So wie sie den Rhein, die Völkerstraße, und die von Menschen wimmelnde Nahe verlassen hatten, war es einsam geworden, grün und wälderdunkel, nachdem es unten braun und sonnenhell gewesen war, auch einen Rock kühler war es als zwischen den wein- kochenden Talwänden. Aber sie marschierten, von Einsamkeit und Morgenfrische unangefochten, in die Welt und ihr Leven hinein, die nun endlich ihr? eigenen, die gewählten, sein würden, nachdem man viel Jahre die Beine unter Vaters Tisch ge­steckt hatte. Wie würden sie aussehen, die neue Welt und das eigene Leben?

Die Burschen waren glücklich wie die jungen Hunde; vom Herrn auf die Wanderung mitgenom­men, legen sie hin und her rennend die Wegstrecke zwei- und dreimal zurück. O Morgen und Tag, o Weiße und Welt!

Johann Wetzel hatte nur den einen Gedanken: weit fort. Er ging schnell und hielt sich auf der testen Straße. Christian Heinsberg aber liebte Das Gehen an sich und suchte den Feldweg auf, wo man auf weicher Erde ein Spürchen im Schreiten wiegte. Darüber entstand Zank.

An einer Scherenkreuzung im Walde gab es noch am selben Tag einen neuen. Das ist selten anders unter Wandergenossen. Die Sonne war hinter ein­tönigem, trockenem Grau verschwunden. Wetzel hatte angeblich einen Sinn für Richtung im Körper, demnach mühten sie sich links halten. Er behauptete, die Himmelsgegenden zu fühlen. Man solle es mit den Sternen halten, meinte er; Leute behaupteten, die seien mächtig über uns; da sie was dran . . . Heinsberg, der größere von beiden, ging mit leicht gesenktem Kopfe, er sah die Erde an. Er behauptete, sie röche . . .

Darüber lachte Johann, und Christian lachte über den Sternenaberglauben. Zeitweise gingen sie ge­trennt, Johann am linken, Christian am rechten Straßensaum. Man schwieg ein paar Stunden. Aber abends versöhnte man sich.

Am anderen Tag, der kühl und bedeckt war, wehte der Wind stark von Westen, das Vieh weidete nach Osten, die bequafteten Schwänze kehrten, vom Luft­gang geworfen, den Rindern die Flanken. Als es den Tieren an den empfindsamen, entblößten Kör­perteilen kalt wurde, taten sie sich nieder, es war ohnedies Zeit zum ersten Wiederkäuen. Die gut bekleideten Schafe aber blieben auf ihren munte­ren, Dünnen Beinen. Wie ein härener Teppich schob sich die geschlossene Masse, dumpf rupfend mit dem Winde über die Weide. Als der Teppich, ein wenig sich hebend, die unfruchtbare Straße querte, war das beinerne Trippeln von tausend Füßchen zu hören. Dann rutschte das graue Fell über die andere Straßenkante auf die andere grüne Weide, und der Wind traute in der Schafswolle, die hell im schmutzigen (Brau aufleuchtete, wie wenn im Luftzug eine Pappel die weißen Unterseiten der Blätter zeigt.

Christian sah das, es bereitete ihm Vergnügen. Johann schritt ein wenig verbissen daher, er fragte nad) einer Weile Christian nach seiner Meinung, wann sie wohl in Rotterdam ankämen.

Meinetwegen gar nicht", sagte Christian, um Johann zu reizen Herrgott, er mußte ihn rei» jcn, warum redete der Denn so blöD? Johann ichaute kalt erstaunt auf unD zu Christian hinüber. Da milderte dieser ab und rief:Was gibt es denn Schöneres als Laufen?"

ßaufen? 3d) fahr lieber."Ist ja gar nicht wahr! Warft ja sonst mit einem Holländer den Rhein hinuntergefahren!"

Na, Dann ist's nicht wahr", lachte Johann, war Dem Genossen Dankbar, unb Die Verstimmung war verflogen. Sie schwatzten Den größten Teil des Restes des Tages miteinander, und wenn der eine es einmal vorzog, zu schweigen, so ärgerte der andere sich nicht Daran.

Als sie am Tage darauf, aus einem Walde plötz­lich heraustretend, in ein lichtes tiefes. Tal schauten, das göttliche Moseltal; als sie einen Hang hinunter, auf Dem Die vom Schuh angerührten braunen unD schwarzen Steinschiefer tlingenD ihnen voranstürz­ten, auf Dem Maßliebchen unD Löwenzahn im noch nicht gejäteten Wingert blühten, in Die Talau kamen, Die warm war vom Sonnenwiberschein an Den Felsen, von Häusern, in Denen Die HerDe brannten, von schnaufenDen unD fäuenDen RinDern, Die auf Dem Grasstreif am Flusse nieDergetan lagen, mächtigen Fleischkörpern, warm von Menschen in Zimmern unD Gärten, auf Bänken sitzenb unD in Holzschuhen schlurfenD, warm von MäDchen ins- besonDere (meinte Christian zu fühlen). Deren lich­tes Haar Die Sonne leuchten machte, wenn sie unter einer mit Der HanD gehaltenen Holzlast Darüber- gehenD, aus starr gehaltenem Kopf einen steifen Blick nad) ihm fanDten unD eine Wolke von köst­lichem Dunst mit sich entführten, Da empfanD Christian für eine StunDe Heimweh, man mußte es gestehen, einen Anhauch von Haus- unD Men­schenzauber, ein Spürchen von Versuchung Der Seß­haftigkeit.

Vorbei, vorbei war sie, als sie über Den silber­nen Fluß hinüber Die anDere Talseite hinauf wie- Der in Den RanD- unD Kran zwo ID Des Tales gestie­gen unD Flußrauschen unD Lebensgeräusch, Kinber- lärm unD Hunbegebell hinter unD unter ihnen ver­hallt waren unD neue, kühl überwebte Hochebenen sich vor ihnen ausbreiteten. Johann hatte Den Tal­zauber schneller besiegt als Christian. Gewiß, sie waren verwanDt im Sinn unD gleiche Burschen, aber ihre Seelen waren Doch gar verschieben.

Zwei Menschen vertragen sich gut miteinanDer, weil sie beiDe Aepfel Den Birnen vorziehen, mögen sie Der eine blonD, Der anDere schwarz, Der runD unD jener mager fein. Im WiDerstreit Der Un­wägbarkeiten Drücken sich oft Ur-Unverträglichkeiten aus.

So marschierten sie Tage um Tage, beDecfte und Helle, über die gerodeten Hochebenen. Leer lagen sie da, vom Winde leise Durchblasen, söllerhast, un­bewohnt.

Wie Kamine von unten herausgekommen, stan­den schwarze Vulkane im Lande, erkaltet und alt. Still, tot und sozusagen uneigentlich war die Welt. Am Rande des Blickkreises stieg da und dort Rauch in den oberen Raum, die Reichs- und Bischofsstädte

er sie in weitblickender Art kultivieren und koloni­sieren ließ, wie er es zuvor mit dem eroberten Schlesien gehalten hatte. Schon ein Jahr nach der Besitznahme konnte er Voltaire berichten:Ich habe die Sklaverei abgeschafft; einen Kanal eröffnet. Der Die Weichsel, Brahe, Netze, Warthe, ODer, Elbe, oerbinDet; StäDte wieDer aufgebaut, Die seit Der Pest 1709 zerstört gewesen; zwanzig Meilen Moräste trocken gelegt ..." Ein Augenmerk rich­tete FrieDrich gerade in dieser Gegend Darauf,Den polnischen Mann zu Deutscher LanDesart zu bringen", unD Die Einwohner Des Landes mit Deutschen zumelieren". So holte er denn in diese Gebiete, wo seit 1550 eingewanderte Mennoniten aus Holland siedelten, nun Schwaben, Danziger, Rheinländer, Sachsen, Hessen usw. wobei also Ko­lonisierung und (Bermanifierung Hand in Hand gingen.

300000 Kolonisten.

In der Reaierungszeit seiner drei Vorgänger be­lief sich die Anzahl der eingewanderten Per­sonen samt ihren Nachkommen auf etwa 600 000, wähxend allein in den 46 Regierungsjahren Fried­richs 300 000 Siedler ins Land strömten. Nicht nur ihre Zahl galt Dabei etwa, fonDern vor allem ihre Den lanDesüblichen überlegenen Kenntnisse in Der BoDenbearbeitung unD -Verbesse­rung. UnD hierauf kam es FrieDrich ganz befon» Ders an. Der Vergrößerung Der Anbaufläche sollte immer eine Steigerung Des Bobenertra- g e s folgen. Die peinlich genaue Anweisungen an seine Provinzialbeamten bezeugen Den Ernst des Königs, Die Kultur Der preußischen LanDwirtschafi zu heben. Ja, er scheute nicht Davor zurück, gewinn- versprechenDe Sämereien selbst zu probieren, um sie Dann Dem LanDe empfehlen zu können, wie Denn geraDe FrieDrichs Interesse am Detail niemals er­lahmt unD eine faliDe (BrunDlage für feine ins Weite gehenDen Sieblungspläne schäft.

Gesamtplan unD Detailkenntnis stehen bei FrieD­rich in steter Wechselwirkung. Der allgemeine Melio- rationsplan, Den er für Die Urbarmachung aller Flugsanbstellen aufstellen ließ, roirD ergänzt Durch Die Detaillierten Berichte, Die er zu seinen Revuen in Taschenformat bei sich führte. UnD auf Diesen Besichtigungsreisen, Da Der sechsspännige Reisewagen Durch morastige LanDstraßen torkelte, spürte er immer wieDer von neuem fanDige unD sumpfige Stellen auf, Deren Besiedlung er befahl Unserem GeDächtnis ist jene schone Begebenheit überliefert, wo Der alte König von Den Ställenschen Bergen herab Durch ein Fernrohr Die trockengelegten Rhinbrüche überschaut, unD Den Helfern am Werk gerührt Dankt, wie er Dann aber Da unD Dort noch Stücke entDecft, Die auch urbar gemacht wer­ben können unD auf Denen abermals Hunderte von Bauernfamilien angefieDelt roerDen sollen. UnD man sieht Dann Den Königs Der neue Anweisungen hinter­lassen hat, seinen Wagen besteigen unD langsam Davonfahren, immer wachsam, immer auf Dem Zuge, um (Eroberungen von Der Barbarei zu ma­chen, vor seinem Geiste Das BilD neuer Länder, Die Dem Sumpf unD SanD abgerungen unD befieDelt roerDen von einem starken, gefanDen unD freien Geschlecht bäuerlicher Menschen, jenes BilD, in Dem Preußentum unD Gemeinsinn auf einmalige Art vereinigt sind.

BeieinerGesteinssprengungverunglückt

][ Marburg, 29. Mai. In die hiesige Klinik wurde ein Arbeiter aus Steinperf (Kreis Bieden­kopf) eingeliefert, der infolge eines zu früh los­gegangenen Sprengschusses im dortigen Steinbruch schwere Verletzungen an Kopf und Armen davongetragen hat.

Autostraße auf den Melibokus.

Bensheim, 30. Mai. (LPD.) Die Fahrstraße auf den 515 Meter hohen Melibokus, Die höchste Erhebung Der Bergstraße, ist jetzt fertiggestellt. Sie beginnt im Hochstädter Tal, führt in Die Senke zwi­schen Auerbacher Schloß und Melibokus unD von Da Durch prächtigen Hochwald bis zum turmgekrönten Gipfel.

Köln und Aachen, Trier und Koblenz zeichneten dunkel ihren Ort an auf der blauen Karte des Him­mels. Weiße massige Wolken zogen von Westen nach Osten, bei aller phantastischen Spielfreude ihrer Gestalt Wesen von kühler Unpersönlichkeit. Ein weißes Volk zog auf seinem Wetterweg dahin. Das Getriebe am Himmel machte das Land in einer eigentümlichen Weise stumm, demütig und fast nicht anwesend. Die Erde lag ba himmelsge- roanbt und schien zu bitten, von ihr absehen zu wollen.

Neue Bildnis-Zeichnungen von Goethe.

Don Goethe waren bisher Porträtzeichnungen hauptsächlich aus der vorweimarischen Zeit bekannt. Diese etwa zwanzig Blätter sind gewiß nur ein be­scheidener Rest von den Bildnis-Studien des jun­gen Genies und rechtfertigen noch nicht ganz die gewaltigen Lob.sprüche, die die Zeitgenossen seiner Porträtkunst gejpenbet haben. Aus ben zehn Wei­marer Jahren vor ber italienischen Reise waren bisher nur einige Blätter bekannt; es waren seine letzten Versuche auf biefem Gebiet, benn ber Goethe ber reifen Manneszeit unb bes Alters hat sich nie mehr im Porträt-Zeichnen versucht. Wie ber Direk­tor bes Weimarer Goethe-Museum Professor Hans Wahl in ber LeipzigerJllustrirten Zeitung" mit­teilt, find jetzt bei einer neuen Ueberprüfung ber Bestäube bes Goetheschen Nachlasses zahlreiche' neue Bilbnis-Stubien als Werke Goethes erkannt und zeitlich genau bestimmt worben. Sie zeigen, daß Goethe als Dorträtzeichner in seiner Weimarer ZeU bebeutenoe Fortschritte gemacht unb Hervor- ragenberes geschaffen hat, als man nach ben lite­rarischen Quellen erwarten bürste. Einige wieder- gegebene Blätter lassen ihn als Meister im Fest­halten bes impressionistischen Einbrucks erscheinen, so wenn er am 19. Juli 1777 bie schone, auch von ihm geliebte Sängerin unb Schauspielerin Corona Schröter im Hut mit zarten Strichen darstellt, wie sie, bie Augen vor Der morgenDlichen Sommer­sonne schließenb, sich Dem vollen Lichte hingibt. Nicht minDer köstlich sinD Die StuDien von schlafen- Den Reisegefährten, Die mit weichem Stift in Der gelösten Haltung währenD bes Schlummers festge­halten finb. In einem Frauenkopf aus ber Zeit um 1780 barf man wohl bas Profil ber Charlotte Stein erkennen, in einer anbern Stubie Das Bild­nis der Madame Probst, die Die schone Corona als AnstanDsDame begleitete. (Eine Studie kenn­zeichnet trefflich denUrfreunD" Goethes K n e - bei, in Reitstiefeln mit Der geliebten Tabakspfeife auf einem hölzernen Sessel sitzend.