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Ir. U8 Erstes Blatt

Donnerstag, 24. Mai (934

184. Jahrgang

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Erscheint täglich, außer Ä Ä Annahme von Anzeigen

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jrantfurt am Main 11686 Druck und Verlag: Vrühl'sche UniverfitStr Vuch- und Stchtöruderei R. tange in Gießen. Zchristlettung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7 Mengenabschlüsse Staffel ö

Sbergewinnung auf der ganzen Erde gewaltig

gkreigert al 2,5 S flfcr K f

wurde, so daß sie von nicht viel mehr

Millionen Kilogramm im Jahre 1880 auf

: r 5 Millionen Kilogramm um 1890 anwuchs.

ssmr die Union ist das Schicksal des Silberberg- 0125 schon mit Rücksicht darauf, daß erhebliche Ka- itdien darin angelegt sind, nicht gleichgültig. Das : Die wichtigste Erklärung dafür, daß Präsident a.sevelt von Beginn seiner Präsidentschaft an io Mitteln und Wegen gesucht hat, um den Sil- r»reis zu heben. Diese Hebung soll zunächst ein- i erreichen, daß die Silbergewinnung wieder ii.it, was aber nur möglich ist, wenn das Silber »«"nationale Preise erzielt, die seine Gewinnung chr en. Daß die Erhebung des Silbers zum Range s Währungsmetalls eine Preis st eigerung ^eiführen kann, ist an und für sich wahrschein- h aber nicht unbedingt sicher. Diese Sicherheit ii$ nur zu erreichen, wenn es dem Präsidenten ilcinge, das Silber international als Wäh- inzsmetall wieder einzusetzen. Die Aussichten da- iiffind nicht groß. Seit dem Kriege ist auch bte f: hrung gemacht worden, daß die Metalldeckuna ir .eine Wahrung zwar gut und nützlich ist, daß e< Quch gewiß nicht schadet, über einen großen Vavßhort zu verfügen, aber die Sicherheit der Wäh- rm:i an sich ist dadurch nicht bedingt.

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Hoofeeelte Silberbolschafi.

An sich bildet die Botschaft des Präsidenten R-osevelt über die neue Silberpolitik keine lieber« rc'chung. Es handelt sich ja nicht nur darum, durch irihrungstechnische Maßnahmen aller Art die Mrtschaftspolitik des Präsidenten zu unterstützen, sondern auch darum, den zusammenaebrochenen E: Iberbergbau der Union zu stützen oder weder aufzurichten. Wenn auch die Union schon ft: zwölf Jahren nicht mehr das Land ist, das die äiößte Silbergewinnung der Erde aufzeiat, ein Ahm, den es Jahrhunderte unumstritten für sich tr Anspruch nehmen konnte, so steht es als Silber- Imib noch immer an zweiter Stelle. Seit bin achtziger Jahren bes vorigen Jahrhunberts icrug bie Silbergewinnung ber Union zwei Mil- li-^ien Kilogramm im Jahresburchschnitt, was über dl, Krieg hinaus beibehalten würbe, benn noch 23 konnte die Union 2,2 Millionen Kilogramm E ber auf den Markt werfen. Wie schwer die E derkrise eingewirkt hat, geht daraus hervor, daß bii Union 1932 die Silbergewinnung auf 770 000 Kvgramm eingeschränkt hat.

Jöon einer Silberkrise kann nicht nur seit dem St ege, sondern muß schon seit vierJahr- z «h n t e n geredet werden. Es war in den acht- zi:?r Jahren des vorigen Jahrhunderts, als die

lnß ein großer Goldhort, daß sogar die Derfu- mi über ein Drittel des gesamten Goldvorrates k (Erbe nicht verhinbern kann, baß ein großer E:a:it von einer Wirtschaftskrise ohnegleichen heim- aisrcht wirb, bas hat vor allem bie Union fllvst erleben müssen. Roosevelt will benn auch kch vorsichtig vorgehen, benn er schlägt vor, zu- . Ni Hst nur ein Viertel Silber tn bie Jairungsberfe einzufügen, so daß nach wie vor di-i .iertel Golb ben Rest der Wahrungsbecke bilben nrikn. Der Zweck ber Hebung ist offenbar, ber Eltergeroinnung in ber Union roieber einen ange» »s men Preis zu sichern, gleichzeitig aber auch Ibrjorge zu treffen, daß selbst nach einerBefestt- . fai:: des Dollars die Selbstkosten der Wirtschaft in M lUnion durch währungstechnische Maßnahmen tife'itt werden. Das soll die Wiederzulassung des 1 Elt ?rs als Währungsmetall erreichen, woran sich nihs ändert dadurch, daß der Silberpreis auf 50 6n je Unze festgesetzt wird. Zu diesem Preis kauft tot Staat Silber auf; aber er kann zu diesem Preis ' unbegrenzte Mengen aufhäufen, wenn die ge- Mtch bestimmte Silberdeckung erreicht ist. Die Ö-schr liegt also darin, daß sehr viel Silber a,' dem Markt schwimmt, denn die Berg- ir:>2 werden kein Bedenken tragen, die Silberge- titiurig zu steigern, um die Verluste von Jahr- Bhden einigermaßen wieder hereinzubringen. Aber

I Jeweilig ging in den folgenden Jahren diese Saigerung darüber hinaus, um schon 1913 über 8 Millionen Kilogramm zu erreichen, bis schließlich dis Jahr 19 2 9 mit 7,6 Millionen Kilogramm bie höchste Gewinnung brachte. Daß diese Stigerung nicht ohne Rückwirkung auf den Silberpreis bleiben konnte, leuchtet ein, trogbem ber Rana als Ebelmetall, den das Silber bi- vor wenigen Jahren behaupten konnte, an sich sch? n dazu beitrug, ein allzu starkes Abgleiten zu veihindem. Roch um die Jahrhundertwende lag der HSiEberpreis zeitweilig bei 90 Mark für das Kilo­gramm, um nach dem Kriege zunächst auf 75 Mark obnigleiten, bis Anfang 1933 mit 32 Mark für das Kilogramm der Tiefstand erreicht wurde.

Ivie Silberleute in der Union sind aber nicht ohne Tiiftuß, insbesondere in der Demokratischen Pirtei, denn die Staaten, in denen die Silber- bkigwerke liegen, haben feit jeher zu den Hoch- I buigen der Demokraten gehört. Das Silber ist tat« siällich schon einmal die Losung bei einer H «i ä s i d e n t e n w a h l gewesen; denn 1896 hat- ben die Demokraten William I. Bryan mit der Plittform aufgestellt, das Silber auf den Thron Zllcheben, d. h. als Währungsmetall zu- V tulasfen. Bilden nämlich Gold und Silber die Mlalldeckung bei der Notenbank, so bedeutet das ^misch bie Doppelwährung. Die Voraus- ctung bafür ist, daß Gold und Silber in einem eien Wertverhältn i s stehen müssen, denn ;s geht nicht an, daß das eine oder andere Wäh- 'iiiZsmetall heftig im Preise schwankt. Diesen 'döroanfungen ist dos Gold nicht ausgesetzt, denn ei« Wertbeständigkeit ist nicht etwa dadurch be- in;it, daß es als Währungsmetall weitaus bevor- uc: wird, sondern vor allem dadurch, daß die l'cchsrage größer ist als das An- e»ot.

Die Kleine Lnlenle und die französisch-russischen paklpläne.

P a r i s , 24. Mai. (DNB.-Funkspruch.) Während bisher alle französischen Zeitungen leugneten, daß die Begegnung Barthous mit dem S o w j e t v o l k s k o m m i s s a r Litwinow in Genf der Vorbereitung eines Bündnisses zwischen den beiden Ländern diente, schreibt die Ere Nouvelle" in einem Leitartikel offenherzig, es sei für niemanden ein Geheimnis, daß Rußland mit Frankreich und der Klei­nen Entente einen gegenseitigen Beistands­pakt abschließen wolle. Damit ein solcher Pakt die internationale Sicherheit verstärke, sei es wün­schenswert, daß der Völkerbund, der ein Auf­sichtsrecht über alle derartigen Abkommen besitze, vorher die Sowjetunion als Mitglied a u f n e h m e.

Daily Telaraph" schreibt, wenn der Sowjetplan eines europäischen Paktes gegenseitigen Beistandes Annahme fände, dann würden sich die Schwierig­keiten und Gefahren des Locarnopaktes durch ihn noch mehr vergrößern und es würden sich Fälle vervielfachen, in denen Frankreich das Recht beanspruchen könnte, das entmilitarisierte Rhe.inlandgebiet zu besetzen, um Deutschland anzugreifen. Als der Locarnopakt abgeschlossen wurde, sei Frankreich bereits verpflichtet gewesen, Polen, die Tschechoslowakei, Südslawien und Ru­mänien zu unterstützen. Zu diesen Verbündeten würde durch den neuen Pakt noch Sowjetruß - land hinzukommen. Ueberdies würde, wenn die Sowjetformel der automatischen Fest- stellung des Angreifers in den neuen Pakt eingefügt werden würde, die Autorität des Dölkerbundsrates ernstlich geschwächt werden, denn seine Mitglieder hätten die Formel der Feststellung des Angreifers nicht einstim­mig gebilligt. Auch würde entsprechend der Sowjetformel die Entscheidung des Dölkerbunds­rates von einer anderen Körperschaft, nämlich d.e n Unterzeichnermächten des neuen Pak­tes, vorweg genommen werden. Es verlaute, daß diese besondere Seite des Sowjetplans bei der b r i t i s «h e n und italienischen Regierung in ihrer Eigenschaft als Garanten des Locarnopak­tes besondere Aufmerksamkeit finde.

Oiplomaienireffen in Genf.

Genf, 23. Mai. (DNB.) In Völkerbundskreisen rechnet man in ber nächsten Woche hier mit wichtigen internationalen Verhandlungen. Da die Einberufung des Hauptausschusses der A b r ü stungskonferenz gesichert erscheint, so werben alle an ber Abrüstungskonferenz beteiligten Staa­ten Gelegenheit haben, ihre persönliche Ansicht zu äußern. Sowjetrußland wird durch Litwinow vertreten sein. Die Außenminister ber Kleinen Entente, bie sich in Abrüstungsfragen bisher stets restlos für ben französischen Standpunkt ein­gesetzt haben, werden noch im Laufe dieser Woche in Genf erwartet. ,

Auch der türkische Außenminister Tewfik Rudschi Bey, der griechische Außenminister M a r i m o s und der neue bulgarische Außen­minister Bata l off werden im den nächsten Tagen hier erwartet. Man spricht von einem erweiter­

ten Balkanpakt, an dem Bulgarien te il nehmen soll. Angeblich sollen bestimmte Zugeständnisse an Bulgarien ins Auge gefaßt sein. Allerdings soll Griechenland noch Schwierigkeiten bereiten.

Falls der britische Ministerpräsident M a c b o - n a l b wirklich in Gens erscheinen wirb, würde ben Genfer Verhanblungen natürlich eine erhöhte Be­deutung zukommen. Die Saarfrage steht heute als gleichwertiges Problem neben ber Abrüstung.

London, 24. 2RaL (DNB.-Funkspruch.) Das konservative Unterhausmitglied Oberstleutnant Sir Arnold Wilson sprach in einem Rundfunkvor­trag über seine bei einem Besuch in Deutsch- l a nd erhaltenen Eindrücke, lleber Adolf Hitler, von dem er empfangen worden sei, sagte er, er per­sönlich glaube, daß Hitler und das deutsche Volk der Sache des Friedens aufrichtig er­geben feien, allerdings nicht auf kosten ihrer nationalen Selbstachtung, kein Staatsmann, den er je kennen gelernt habe, fei ihm als eine zielbewußtere und machtvollere Persönlichkeit erschienen. Es gebe im neuen Deutschland Dinge, die England gut tun würdezuprüfen,anzunehmenundeng-

Saarlouis, 24. Mai. (DNB.-Funkspruch.) Die Bevölkerung der Stadt Saarlouis hat einer Reisegesellschaft französischer Ausflügler in Stärke von etwa 40 Personen, die zum größten Teil aus Studenten bestand, in den Nachmittag­stunden des Mittwoch einen Empfang bereitet, der ihr wohl zweifellos noch länger in den Ohren Hin­gen wird. M i t zwei Autobussen der französischen Grubenverwaltung ka­men die Herrschaften auf dem Marktplatz an, wo ihnen der Reiseführer in französischer Sprache kurz die Geschichte der Stadt Saarlouis erläuterte. Seine Rede" gipfelte in der Feststellung:Saarlouis war, ist und bleibt französisch". Der ungewohnte Besuch hatte eine große Anzahl von Saarlouisern angelockt. Ein zufällig anwesender Student übersetzte die Worte des Franzosen, worauf die Bevölkerung die Reifegesellschaft über ihre deutsche Gesinnung keinen Augenblick in Zwei­fel ließ.

Die Franzosen begaben sich daraus in ein Re- staurant zum Mittagessen. Hunderte von Men-

Von ihrer gerechten, schnellen und vollständigen Lösung wird der Friede und bie Gesundung der Welt mit abhängen. Die neuen Verhandlungen über die noch ausstehenden Streitpunkte hinsichtlich der Saarabstimmung werben bekanntlich gleich­zeitig mit dem Zusammentritt ber Abrüstungskonfe­renz am 28. Mai beginnen mit dem Ziel, bis zur Ratstagung am 30. Mai eine neue Grundlage für die Beschlüsse bes Völkerbundsrates zu schaffen.

tische verhältnisfen anzupassen. Die Schärfe, mit ber die neue Rassenpolitik auf bie Sil­ben angeroenbcf werbe, bringe für einige Leute große Leiben mit sich, aber bies werbe nach seiner Ueberzeugung vorübergehen. Der Bürgerkrieg sei in Deutfchlanb baburch oermieben worben, bah bie kommuni st ischen Führer in Kon­zentrationslagern unlergebracht wor­ben seien. 3n Englanb sollten sich bie Anhänger von Sir Sfafforb Cripps (Sozialist) unb Sir Oswald Mosley (Faschist) bie Vorgänge in Deutfchlanb als Warnung bienen lassen. 50 Jahre mühten vergehen, bevor sich ein Urteil über bie Politik Hitlers bilben lasse. Er zweifle nicht baran, bah bas Urteil gün- st i g ausfallen werbe.

scheu hatten sich rasck vor dem Hause angesammelt. Eine Musikkapelle holte ihre Instrumente herbei und veranstaltete ein vaterländisches Platzkonzert. Als sie das Deutschlandlied, das Horst-Wessel-Lied und das Saarlied spielte, stimmte die Menge spontan in den Gesang der Hymnen ein. Inzwischen waren an sämtlichen Fenstern der umliegenden Häuser Hakenkreuz­fahnen und s ch warzweißro t e Fahnen in großer Zahl herausgehängt worden. Ein riesi­ges Schriftoand trug die Inschrift:D i e Saar bleibt d e u t s ch".

Diese unvorbereitete nationale Kundgebung der treudeutschen Saarlouiser muß den Franzosen ge­hörig den Appettt verdorben haben, denn sie ver­schwanden so rasch wie möglich in ihren Kraft­wagen in Richtung Fraulautern und bezogen schließlich Quartier auf der Grube Du­hamel. Bei der Abfahrt der Autobusse schmet­terte die Kapelle unter dem Grinsen der Bevölke­rung das Lied:Muß i denn, muß i denn zum Städtle hinaus".

Der Sache des Friedens ausrichiig ergeben."

Ein englischer Parlamentarier über seine Eindrücke vom neuen Deutschland und seinem Führer.

Saarlouis ist deutsch und bleibt deutsch.

Französische Ausflügler erfahren eine eindringliche Belehrung über die wahre Gesinnung der Saarländer.

die Wirkung nach außen ist eine wesentlich andere, denn die Union wird auch in Zukunft mit einem Währungsdumping arbeiten können.

Außenpolitische Probleme der Vereinigten Staaten.

Washington, 23. Mai. Präsident Roose­velt hat mit der Ausarbeitung der Kriegs­schuldenbotschaft begonnen, derentwegen die Botschafter verschiedener Schuldnerstaaten, darunter England, Frankreich und Polen, in den letzten Ta- gen beim Außenminister vorsprachen. Im Stadium einer ersten Prüfung befinden sich die Probleme, die mit der nächstjährigen Flottenkonferenz Zusammenhängen. Die Regierung steht auf dem Standpunkt, daß bas Washingtoner Flottenabkom­men nur ein Teil des Gebäudes war, das im Jahre 1922 zur Befriedung des Pazifiks errichtet wurde. Marineminister Swanson gab deutlich zu erkennen, daß Amerika vor die' Frage eines Aus- baues seiner Stützpunkte im Fernen Osten und in der Südsee gestellt werden würde, falls Japan auf einer Vergröße­rung seiner Kri-eg sflotte bestehen sollte. Die Tatsache, daß Präsident Roosevelt stets Verfechter einer starken Flotte war, deutet darauf hin, wie ernst man Japans Forderungen nach Müstungsgleichheit auffaßt. Dar­über, daß die FlMenkonferenz zu einer sehr ge­spannten politischen Lage führen wird, besteht auch im Staatsdepartement kein Zweifel, nur möchte man nicht von hier aus den Stein ins Rollen bringen.

Eine günstigere Stimmung herrscht hinsichtlich der Verhandlungen mit Lateinamerika und Kanada über die Silberpolitik. Die Regie­rung der Vereinigten Staaten nimmt zuversichtlich an, daß das Silberkaufgesetz in feiner letzthin eingebrachten milden Form vom Kongreß angenommen werden wird. Das Gesetz bringt weder eine Währungsinflation, noch schafft es ge­nauere Werteverhältnisse zwischen Silber und Gold, es führt und zwar in einer vom Präsidenten Roosevelt zu bestimmenden Zeit und Methode lediglich zur Erhöhung der Silberbarren­vorräte des Schatzamtes und zu einer ge­wissen Vermehrung des Umlaufes an Silberdollars. Die weitere Entwicklung hängt

von dem Ergebnis der Verhandlungen mit den sil­berbenutzenden und silberkontrollierenden fremden Ländern ab.

Nebenher laufen die Bemühungen um die Bei­legung des Gran-Chaco-Krieges, der durch Vorstöße der paraguaischen Truppen jetzt lie­ber bedenkliche Formen angenommen hat. In dem Bestreben nach Wahrung voller Neutralität hat Außenminister Hüll in Briefen an die Ausschußvor- sitzenden beider Häuser des Bundeskongresses erklärt, Bolivien sowohl wie Paraguay würden ihr blutiges Ringen um das Gebiet des Gran Chaco nur auf­geben, wenn bie Waffenzufuhr abge­schnürt werde. Gegen diese Absicht legte der bo­livianische Gesandte Einspruch ein. Er betonte, daß Bolivien sich stets bereit erklärt habe, eine j u - ristische Lösung des Streites anzuerkennen. Bolivien habe sogar dem Verlangen zugestimmt, den Streitfall dem Haager Gerichtshof zu unterbreiten.

Südwestafrika sott in die Südafrikanische Union einaegliederi werden. Die deutschen Abgeordneten Protestieren gegen den Bruch der Mandatsverfassung.

London, 23. Mai. (DNB.) Wie aus Windhuk gemeldet wird, hat die gesetzgebende Versammlung am Mittwoch einstimmig eine Entschließung ange­nommen, in der die Regierung der Südafrikanischen Union ersucht wird, bie Verfassung dahingehend ab- zuändern, daß Südwestafrika in die Ver­waltung als fünfte Provinz der Union einbezogen wird. Die deutschen Mitglieder der Versammlung nahmen an der Sitzung nicht teil. Sie hatten das Parlament bekannt­lich bei seiner Eröffnung am letzten Freitag ver­lassen und dadurch ihre vom Führer des Deutschen Bundes Dr. Schwietering angekündigte Absicht, aus dem Parlament auszutreten, durchgeführt. Die deutschen Mitglieder hatten vor ihrem Austritt am Freitag der Versammlung eine Denkschrift unter­breitet, in der erklärt wurde, daß eine Regie­rung nach dem Fuhrergrundsatz die einzige Lösung für bie augenblicklichen poli­

tischen Schwierigkeiten sei, unb baß die Einver­leibung des Gebietes in die Union als fünfte Pro­vinz nicht annehmbar fei.

Der Systemwechsel in Bulgarien.

Batanoff wird Außenminister im Kabinett Georgieff.

Sofia, 23. Mai. (DNB.) Der bulgarische Ge­sandte in Paris Kosta Batanoff hat das Amt des Außenministers im Kabinett Georgieff angenommen. In Anwesenheit des Kriegsminifters Generalmajor Z l a t e f f empfing Ministerpräsident Georgieff den Sofioter Berichterstatter des DNB., den er bat, die haltlosen Gerüchte zu wider­legen, die vielfach im Auslande im Zusammenhang

Kimon Georgieff, Bulgariens neuer Minister­präsident, der vom König mit der Bildung einer autoritären Regierung beauftragt wurde.

mit dem Systemwechsel in Bulgarien verbreitet worden seien. Die Nachricht, daß der König wie ein Gefangener im Schloß gehalten werde und nur die »hm von der Regierung oor- gelegten Verordnungen $u unterzeichnen habe, sei eine ebenso haltlose Erfindung wie die am Tage der Staatsumwalzung oerbreUeten Meldungen, wo-