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Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. ftans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der An- zeiaen: Theodor Kümmel. 2)21. IV. 34: 11200. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. G-, sämtlich in Gießen.

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sei der Kern einer mächtigen und zukunftsreichen europäischen Organisation.

. Der polnische Außenminister erklärte der Presse: Mit Genugtuung könne er sagen, daß die polnisch- rumänische Freundschaft keineswegs durch den wechselnden Laut der Ereignisse berührt worden sei. In einem Augenblick, in dem die internatio­nalen Beziehungen so wechselnd seien und s o leicht getrübt würden, gebe ihm sein Besuch Gelegenheit, seiner ganz besonderen An­hänglichkeit an Rumänien Ausdruck zu geben.

Die Vereinigten Staaten lassen 80 Großbombenflugzeuge bauen.

Washington, 9. Mai (DNB.) Das Kriegs­ministerium hat mit der Durchführung des großen amerikanischen Luftrüstungsvrogramms begonnen und zunächst die Lieferung von 80 Bomben-Grohflug^euaen mit fol­genden Mindestleistungen ausgeschrieben: 200 Stun­denmeilen mit Volladung in 10 000 Fuß Flughöhe, Flugradius 6 Stunden, Steigfähigkeit mit voller La­dung auf 10000Fuß inzehnMinuten,Steighöhe20000 Fuß (vollbeladen) Bombengewicht etwa 3 Tonnen. Beamte des Ministeriums erklärten jedoch, daß sie in Wirklichkeit eine um 50 v. H. höhere Leistung erwarten.

Kunst und Wissenschaft.

Oie -14. Schachpartie remis.

Die am Mittwoch in München begonnene 14. Schachpartie im Weltmeisterschaftskampf wurde am Donnerstag zu Ende geführt. Bogo - l j u b o w konnte durch ein feines Springermanöver ausgleichen und sogar seine Position wesentlich ver­bessern. Wäre es ihm möalich gewesen, den Damen­austausch zu erzwingen, so hätte er gute Gewinn­aussichten gehabt. So vermochte aber Dr. A l j e ch i n dauernd den feindlichen König zu beunruhigen, und die Partie mußte im 54. Zuae durch Zugwieder­holung remis gegeben werden.

Im Bürgerbräukeller fand ein M a s s e n s i m u l- t a n s p i e l der beiden Meister statt, die an je

50 Brettern kämpften. Der Abend war überaus stark besucht. Als erster hatte Weltmeister A l j e ch i n seine Partien erledigt. Er gewann 34 Partien, gab 12 remis und verlor 4. Bogoljub ow, der 35 Minuten mehr benötigte, gewann 40 Partien, gab 8 remis und wurde nur von drei Gegnern über­wältigt. Seine 51. Partie spielte er gegen die Gattin des Weltmeisters.

Vorher hatten Dr. A v j e ch i n und Frau sowie Frau Bogoljubow einer Einladung des Reichs­justizkommissars Dr. Frank Folge geleistet. Sie waren zu Gast im Landhause des Ministers in Fischerbausen am Schliersee. (Bogoljubow ließ sich entschuldigen, da er sich nickt wohlfühlte.) Kultus­minister S ch e m m war ebenfalls anwesend; die beiden Minister, eifrige Anhänger des königlichen Spiels, unterhielten sich mit ihren Besuchern aufs Beste.

Erste Erfolge der deutschen Himalaja-Expedition.

Die deutsche Himalaja-Exveüition hat auf dem Wege über Kaschmir nach Deutschland einen neuen Kabelbericht über ihre ersten E r - folge gesandt. Der Aufbruch, heißt es in diesem Bericht nach Mitteilung des drahtlosen Dienstes, zu dem 3600 Meter hohen Tragbalpaß, den die deutsche Himalaja-Expedition zunächst zu über­winden hatte, erfolgte bei herrlichem Wetter. Dann setzte starker Regen und Hagel ein. Trotzdem wurde der Paßübergang erkämpft. Man erreichte Koragbal jenseits der Paßhöhe völlig durchnäßt, aber wohl­behalten mit allen 500 Trägern und sämtlichen Lasten. Dann wurde bei trübem Wetter der Weiter­marsch nach Gurais angetreten, wo neue Träger angeworben werden mußten. Für den nächsten Paß, der überwunden werden muß, den 4000 Meter hohen Burzilpaß, besteht Neuschneegefahr. An Stelle des leider erkrankten Expeditionsteil­nehmers Heinz Baumei st er wird der Sport- wart der Reichsbahn-Turn- und Sportvereine Hans Hieronymus aus Altona an der Expedition" teilnehmen und zwar als Kommandant des Haupt­lagers. Hieronymus ist in Indien gelandet und stößt jetzt unter der Führung des um die Expedi­tion sehr verdienten deutschen Konsuls in Bombay Dr. Kapp, möglichst schnell zu feinen Kameraden.

Oer Brief des Herrn Knox.

Aahmngsvemehrung durch Morkullur.

Oer elektrische Pflug schafft Ackerland für Gemüseanbau.

Seit mehr als 25 Jahren weiß man, daß auch Moore und Sümpfe für die landwirtschaftliche Kultur nutzbar gemacht werden können. Torf ist bekanntlich ein sehr wertvolles Brennmaterial. Die besten wirtschaftlichen Erträge liefert es, wenn in dem Moorbezirk selbst ein Torf-Kraft­werk errichtet wird, aus dem dann der ganze Um­kreis mit Elektrizität beliefert werden kann. Die größten deutschen Moore liegen in O st f r i e s - land, und hier hat die Moorkultur auch die größ­ten Eriolae gezeitigt. Auf weiten Strecken, auf denen früher nichts als Sumpf und Moor zu sehen war, hat der elektrische Pflug Ackerland ge­schaffen, auf dem Getreide und andere Nahrungs- mittel in erstaunlich großen Mengen angebaut wer­den.

Der elektrische Strom, der hier zum wichtigsten Kulturfaktor geworden ist, wird von dem großen ElektrizitätswerkN o r d w e st d e u t s ch e Kraft­werke A G." erzeugt, deren Aktienmehrheit im Besitz des preußischen Staates ist. Es versorgt nicht nur die ostfriesische Landwirtschaft, sondern auch die Städte Emden und Wilhelmshaven sowie das benachbarte nördliche Oldenburg mit elektrischer Kraft. Sei acht Jahren wird es ausschließlich mit Torffeuerung betrieben, denn Tors ist in den ausgedehnten Hochmooren in großen Menaen vorhanden. Es braucht nur durch Bagger gefördert, getrocknet und nach dem nahen Kraftwerk geschafft zu werden. Auf diese Weise werden die Transportkosten niedrig gehalten, und der elektrische Strom kann billiger erzeugt werden als mit der Kohle, die erst von weither herangeholt werden müßte.

Die erstaunlichsten Ergebnisse auf dem Gebiete jber Bodenkultur durck Elektrizität zeigen aber die großen Gewächshausanlagen. In dem letzten Geschäftsbericht der Nordweftdeutfchen Kraft­werke kann man lesen, daß bereits eine Fläche von rnöhr als 32 000 qm unter Glas gebracht ist und zur Gewinnung von Gemüse ausgenützt wird. Da ich diese Kultur als durchaus wirtschaftlich erwiesen )at, sind bis Ende 1933 noch weitere Gewächshäuser I errichtet worden, die nunmehr eine Fläche von fast 45000 qm bedecken. Der elektrische Strom,!

mit dem die Gewächshäuser geheizt werden, ermög­licht hier die Erzeugung ausgezeichneter Gemüse, die den deutschen Markt nach und nach von Der holländischen Einfuhr unabhängig machen sollen.

Der Gedanke, solche Gewächshäuser zu errichten, entstand, als der aus dem gewonnenen Torf er­zeugte elektrische Strom nicht mehr restlos abgesetzt werden konnte. Wenn das Kraftwerk und der große der Torfgewinnung dienende Apparat wirtschaftlich arbeiten sollten, muhte ihre Produktionsfähiakeit voll ausgenutzt werden. Zu diesem Zweck entschloß man sich dazu, dem Kraftwerk nach holländischem Vorbilde eigene Gewächshausanlagen anzugliedern. Dünger und Komposterde müssen freilich aus der Ferne in großen Schiffsladungen herbeigeführt werden. Trotzdem hat sich die Ausnützung des elek­trischen Stromes für den Betrieb von Gewächs­häusern gut bewährt. Die Erde, die hier nicht mehr gebraucht wird, weil die Gemüsekultur immer neue Komposterde erfordert, leistet zur Verbesserung der Weiden und Oeblandflächen gute Dienste und Hilst das Moorgebiet mehr und mehr in wertvolles Kulturland umwandeln.

In den Treibhäusern der Nordwestdeutschen Kraftwerke werden vor allem Gurken und Tomaten, aber auch andere Gemüse und Früchte gezogen. Alljährlich werden bereits eine Million Gurken und 600 000 Pfund Tomaten geerntet. Für die Versorgung Deutschlands mit Frühgemüse spielen diese Treibhäuser auf den ostfriesischen Mooren bereits eine nicht unbedeutende Rolle. Eine erhslüiche Anzahl von Menschen, darunter auch viÄe ungelernte Kräfte, finden hier jahraus, jahr­ein Beschäftigung und Brot, teils bei der Torf­gewinnung, teils in den Kraftwerken, vor allem aber bei der Treibhausarbeit. Das Produkt ihrer Arbeit ist wertvollste menschliche Nahrung. Man hat berechnet, daß der Boden in den elektrisch be- heizten Treibhäusern wertmäßig zweihundertmal so viel trägt wie guter Freilandboden. Bedenkt man aber, daß das Urmaterial, das alle diese Werte heroovbringt, die früher für wertlos gehaltenen Hochmoore find, so erkennt man erst, wie unge­heure Leistungen Technik und menschliche Arbeit hier vollbracht haben.

Wer schützt das deutsche Volk au der Saar vor den landesverrüterischen Unruhestiftern?

Herr Knox, der vom Völkerbundsrat mit der Leitung der Saarregierung beauftragt ist, hat an diesen Auftraggeber einen Bries geschrieben, der gleichzeitia der Oeffentlichkeit übergeben worden ist. Ist das schon auffällig, jo ist es der Inhalt noch viel mehr, zumal dieser Inhalt von einem sehr umsich­tig geleiteten Feldzug in der französischen Presse ausgebeutet wird. Herr Knox hält einenHand- st reich im Saar gebiet für möglich, weshalb er die Ausstellung einer internationa­len Polizei für unbedingt notwendig hält. Die französische Presse aber schlägt die Hände über den Kopf zusammen, ruft nach dem Dölkerbundsrat, um die Sicherheit und die Aufrechterhaltung der Orb- nuna im Saargebiet zu fordern.

Als vor vierzehn Jahren die Volksabstim­mung in Oberfchlesien vorbereitet wurde, war die französische Presse roegen der Freiheit und der Sicherheit der Abstimmung nicht besorgt, ob­schon das Abstimmungsgebiet selbst durch die Schuld der französischen Truppen zu einem einzigen Kriegsgebiet geworden war. Als während des Ruhreinbruchs, der für ewige Zeiten auch ein Bruch des Völkerrechts sein und bleiben wird, litauische Freischärler widerrechtlich in das Memelgebiet einbrachen, war die französische Presse, leider aber auch die öffentliche Meinung in den anderen Ländern nicht erschüttert.

Weil Herr Knox versichert, daß im Saargebiet ein Handstreich bevorstehen könnte, deshalb ruft die französische Presse die Völker Europas auf! Der Zweck Der Uebung ist deutlich zu erkennen. Es droht kein Hano st reich, aber es soll ein Zustand geschaffen werden, daß sich Unruhen viel­leicht entwickeln können. Herr Knox hat in dieser Hinsicht schon ziemlich vorgearbeitet, denn er hat nicht nur Landesverräter, die aus kriminellen Grün­den über die Grenze gegangen sind, in einflußreiche Stellungen der Saarverwaltung berufen, er führt die Verwaltung auch so, als ob nicht etwa d i e Landesverräter, sondern die Saar­deutschen soweit sie zur Abstimmung berechtigt sind, unerwünschte Ausländer wären.

Stellen wir uns nur einmal vor, daß in Elsaß- Lothringen eine Volksabstimmung über_ die staatsrechtliche Zugehörigkeit vor der Tür stünde.

Auch hier wäre der Völkerbundsrat als Treuhänder eingesetzt, um diesen Auftrag durch Einsetzung eines Engländers als Leiter der Regierung zu erfüllen. Dieser Engländer aber machte sich ein Vergnügen daraus, die wichtigsten Verwaltungsstellen mit Leu­ten zu besetzen, die zu den Helfershelfern S t a v i s k y s gehörten. Gewiß würde sich die elsaß- lothringische Bevölkerung mit Recht dagegen auf­lehnen, daß in die Verwaltung des Landes Sub­jekte übelster Art eingereiht würden. Die französi­sche Presse würde wohl auch nicht ruhig bleiben, wenn es zum Schutz der Stavisky-Leute zur Errichtung einer internationalen Polizei käme. Sicher würde die Abberufung eines so wenig geeigneten Leiters der Regierung gefordert werden, zumal eine solche Abberufung auch das einzige Mittel wäre, um die Ruhe und Ordnung unbedingt wieder herzustellen.

Die Ruhe und Ordnung ist von der Saarbevöl- kerung sicher zu keiner Zeit gestört worden, denn bre Saarbevölkerung will nicht nur mit über­wältigender Mehrheit sich zum Dritten Reich be­kennen, sie will auch im Gleichschritt der Ord­nung ein Zeugnis für ihr gutes Recht, für ihren Willen zur Freiheit und Unabhängigkeit oblegen. Bisher war es doch immer jo, daß die Feuerwehr gerufen wurde, um einen Brand zu loschen, nicht aber um bi e Brandstifter z u schützen. Herr Knox will die Brandstifter, will die Landesverräter geschützt wissen, obschon es seine Pflicht wäre, alles aus dem Lande zu ent­fernen, was geeignet ist, überhaupt erst Gegen- sätze und Unruhe heroorzurufen.

Die französische Presse täte besser daran, die Heuchelei nicht allzu dick aufzutragen, sondern der Saavbevölkerung mitzuteilen, was in Wahrheit die Pläne Frankreichs mit dem Saargebiet und mit dem Saarvolk sind. Die Pläne Frankreichs sind die Pläne der französischen Schwerindustrie, für die einzig und allein der wohlfeile Bezug der Saar­kohle in Frage kommt. Jede andere Jndustrie- aber Wirtschaftsgruppe im Saargebiet ist für Frankreich ein unlauterer Wettbewerb, so baß vor allem die Arbeiter und Angestellten der Eisen­industrie im Saargebiet mit dauernder Arbeits­losigkeit zu rechnen haben werden.

Aus aller Wett.

sie wollen und schminken ihre Lippen nicht mehr. Außerdem stellen sich täglich von draußen neue Typen ein, die alle eher häßlich als ansprechend zu nennen sind. Was ist los in Hollywood? Nur das, was einmal kommen mußte: man ist der vie­len Magazin-Schönheit überdrüssig geworden, man hat sie sich übergesehen, die glatten Puppengesichter, die Kulleraugen und die süßen Frätzchen. Holly­wood schreit nach Charakterköpfchen, man sucht häßliche, aber talentierte Schauspielerinnen. Nun, nach dem Andrang in den letzten Tagen werden die Filmdirektoren ihren Bedarf bald gedeckt haben. Dann wird Amerika von einer Welle von Häß­lichkeit überschwemmt werden, man wird in eigen­willigen, charaktervollen Physiognomien schwelgen und sie sich nach kurzer oder längerer Zeit gleich- falls übersehen. Dann kommt das süße Mädel, der niedliche Frechdachs, das bildhübsche Garnichts wie­der zu Ehren, und bann fängt es wieder von vorne an.

Hochzeit des Danziger Gauleiters Forster in Berlin.

In Berlin fand, wie die NSK. meldet, die Trauupg des Danziger Gauleiters SS.-Grup­penführers Wert Forster mit Fräulein Gertrud Deetz aus Danzig-Langfuhr statt. Der Führer hatte es sich nicht nehmen lassen, bei seinem ver­dienten Gauleiter, einem der ältesten Mitkämpfer der nationalsozialistischen Bewegung, Trauzeuge zu sein. Zweiter Trauzeuge war der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß. Die Hochzeit fand in der Wohnung des Führers mit Rücksicht auf das schwere Bergwerksunglück in einfachster und würdi­ger Form statt.

Dekan Heyn (Wiesbaden) f.

Im 77. Lebensjahr verstarb in Wiesbaden der langjährige frühere Vorsitzende des Westerwald- Vereins, Dekan Heyn. Er war auf dem ganzen Westerwald bekannt und man nannte ihn wohl den getreuen Ekkehard des Westerwaldes. 43 Jahre fei­nes arbeitsreichen Lebens verbrachte er in Marien­berg, wo er als Pfarrer und später als Dekan wirkte. Er hat acht Auflagen des Westerwald- f ü h r e r s herausgebracht. Den Westerwälder Schauinsland, die Zeitschrift des Westerwaldver- eins, leitete er 16 Jahre lang. Sein grundlegendes WerkDer Westerwald und feine Bewohner" war die erste zusammenfassende Darstellung des Wester» waldes. Der Wefterwaldverein ernannte ihn zu sei­nem Ehrenvorsitzenden. An der Stätte seines lang­jährigen Wirkens, in Marienberg, wurde er be­graben.

Französisches Flugzeug in den Kanal gestürzt.

Vor 60 Jahren feine Geburtstagsfeier.

Wie wir hören, hat die chinesische Regierung an- georbnet, daß mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage Chinas Geburtstage erst mit sechzig Jahren gefeiert werden dürfen. Diese Verordnung bedeutet einen harten Schlag gegen die uralte, geheiligte Fa- milientrabition in China. Die Geburtstage der Ahnen und die der Lebenden wurden mit gleich großem Pomp, nach feftgelegtem Ritus gefeiert. Um die großen Gelbkosten aufzubringen, versetzten viele Familien chr Hab unb Gut und hungerten sich lieber durch, als baß sie ihren alten Sitten untreu wur­den. Dieser Uebertreibung tritt nun ber Staat ener­gisch entgegen; wer nicht sechzig Jahre alt ist, barf in Zukunft seinen Geburtstag nicht mehr festlich be­gehen. Natürlich hat die Regierung von ihrem Standpunkt aus recht; es ist aber sehr zu bezweifeln, ob sie die starren, Jahrtausende alten Lebensformen des chinesischen Volkes mit einem Gesetz abändern kann.

©er geheimnisvolle Mord in der Silberfuchsfarm.

Der Mord an der Verwandten des französischen Abgeordneten Henriot in ber Silberfuchszuchtfarm bei Lorieckt scheint noch mehr Geheimnisse zu ber­gen, als man anfänglich annahm. So wird jetzt bekannt, baß Herr H e n r i o t, ber Gatte ber Er- morbeten, vor einem Monat eine Lebens v e r - i ch e r u n g in Höhe von 800 000 Franken f u r eine Frau abschloß, bie ausbrücklich eine 3e« timmung enthielt, wonach gewaltsamer Tod als Versicherungsfall gelten sollte, tfrau Henriot hat ihren künftigen Mann, den sie im Sep­tember vorigen Jahres heiratete, durch ein Zei­tungsinserat kennen gelernt. Sie soll ihm 185 000 Franken Mitgift mitgebracht hoben, die in den Betrieb der. Silberfuchszuchtsarm

hinein gesteckt worden seien. Frau Henriot litt an zwei Gebrechen. Infolge eines Falles als Kind war sie linkshändig geworden unb hatte eine Kropf- operation durchwachen müssen, als deren lieber- bleibsel ein Sprachfehler zurückblieb. Anderer­seits war auch Herr Henriot wegen Ner­venüberreizung vom Militärdienst dispensiert rooroen. Der Karabiner, mit dem die fünf tödlichen Schüsse abgegeben worden sind, gehörte Herrn Henriot. Es handelt sich um ein ziem­lich selten vorkommendes Modell, dessen Hand­habung nicht jedem möglich ist. Die Un» tersuchungsdehörden zwei fein daher daran, daß sich einLanb st reicher zur Durchführung seiner Tat einer im Hause befindlichen ihm nicht bekannten Jagdwaffe bedient haben sollte. Das Dienstmädchen des Ehepaares Henriot sagte im übrigen aus, daß die Eheleute Henriot in bestem Einverneh­men gelebt hätten. Sie habe nur einmal unvermit­telt Frau Henriot getroffen, als sie ganz ohne Grund einen Revolverschuß aus dem Fenster abgab.

Hollywood schreit nach Lharakterköpsen.

In Hollywood ist bekanntlich jedes Tippfräulein, jede Verkäuferin unb jede Reinmachefrau bilb- hübsch, von ben Filmstars gar nicht zu reden. Alle, alle sind sie in ber Hoffnung auf ein Engagement in die Filmstadt gekommen unb müssen nun, zu- rückgewiesen, ihr Leben in anberen Berufen fristen. Aber immer noch wirb bas Lärvchen weiter gepflegt, denn es könne ja einmal geschehen, baß ein Film- gewaltiger auf ber Straße aufmerksam wirb. Es muß aber eine schon ein ganz apartes Aussehen haben, um aus der Menge ber zahllosen Schön­heiten hervorzustechen. Welch ein anberer Anblick jetzt in biefen Tagen! Da stehen bie Hübschen vor bem Spiegel und machen sich gewaltsam häßlich. Sie vernachlässigen in erschrckender Weise ihr Make-up, sie lassen ihre Augenbrauen wachsen wie

Sechs Insassen tot

Das französische Verkehrsflugzeug, das am Mitt­woch um 11.15 Uhr von Le Bourget nach London gestartet ist, ist auf ber Höhe von Bouloane i n ben Kanal gestürzt. An Bord befanden sich sechs Personen, nämlich ber Führer, der Funker, ein englischer Stewarb sowie drei Fahrgäste, von denen zwei Franzosen und der dritte ein Schweizer sein sollen. Am Mittwochnachmittag wurde auf ber Höhe von Boulogne inmitten des Kanals das Wrack eines Flugzeuges gesichtet, bas end­gültig als bas des vermißten Flugzeuges festgestellt werben konnte. Man nimmt an, bah bie Insassen ums Leben gekommen finb. Das Flugzeug hatte bereits am Mittwochnachmittag einen 808- Ruf ausgesandt, ber von bem Londoner Flugplatz Croydon aufgefangen worden war. Man glaubt, daß bie französische Maschine in dichten Nebel ge­raten war. Die Leichen der Verunglückten konnten bisher nicht gefunden werden.

Neuer Weltrekord in Tauchen.

Der Taucher Guido Martinelli aus Dia- reggio hat bei seinen, von einem italienischen Schiff unternommenen Versuchen, die Zinnladung eines im Weltkrieg am Kap Bon in Tunesien gesunkenen britischen Schiffes zu bergen, eine Tauchtiefe von 250 Meter erreicht unb bamit einen neuen Weltrekord aufgestellt. Der bisherige Rekord war um etwa 100 Meter niedriger. Die neue Höchst- leistung wurde bei Versuchen erzielt, bie mit einem neuen Tauchapparat vorgenommen wurden.

Schwere Unfälle bei einem Rennen in Frankreich.

Währenb des Militär-Hinbernisrennens in Abb6- Dille haben sich mehrere Unfälle ereignet. Der Hauptmann Botsreau-Bonneterre vom 71. Artillerieregiment unb ber Leutnant b e C a - st ries vom 11. Kürassier-Regiment, bekannte

französische Reiter, stürzten unb blieben befin- nungslos liegen, so daß sie mit Tragbahren ins Krankenhaus geschafft werben mußten. Der Haupt­mann Botäreau-Bonneterre erlitt einen Bruch der Wirbelsäule; sein Zustand ist besorgniserregend. Leutnant be Castries ist leichter verletzt. Anschließend fand ein Hindernisrennen für Unteroffiziere statt, wobei ein Wachtmeister schwer stürzte und beim Aufstehen noch einen Schlag von einem vorbei- galoppierenden Pferd erhielt, der ihm ebenfalls einen Bruch der Wirbelsäule verursachte.

Todesurleil im wordprozeh Bollenbach.

In ber Nacht zum Himmelfahrtstag fällte das Schwurgericht Zweibrücken kurz vor Mitternacht gegen den 33 Jahre alten Angeklagten Robert Bollenbach aus Pirmasens ein Todes­urteil. Die Verhandlung hatte zweieinhalb Tage in Anspruch genommen. Sie ergab, daß der An­geklagte nach wohlvorbereitetem Plan den Werk­meister Seiner aus Pirmasens durch mehrere Revolverschusse getötet hatte. Mit der Frau des Erschossenen hatte ber Angeklagte unerlaubte Be­ziehungen gehabt. Die Ehefrau war im Lauf der Verhandlung wegen Verdachts der Meineidsver­leitung vorübergehend in Haft genommen worden, später, aber wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Plädoyers dauerten fast fünf Stunden. Der Angeklagte nahm das Todesurteil ohne besondere Erregung auf. Sein Bruder Richard Bollenbach hatte sich in ber gleichen <5adje einer Meineids» d e r I e i t u n a schuldig gemacht und erhielt des­wegen ein Jahr drei Monate Zuchthaus.

Gegen japanische Siedler in Brasilien.

In ber Stabt Tiete bei Sao Paulo ist es zu einem blutigen Kampf zwischen ben eingesesse­nen Brasilianern unb japanischen Kolonisten gekommen. Der Vater eines ver­führten japanischen Mädchens hatte einen Bra­silianer erschossen. Daraufhin griffen bie brasilianischen Bauern bie japanische Siedlung an unb verjagten bie Kolonisten. Fünf von ihnen würben erschlagen, 16 erlitten schwere Ver­letzungen.

Schwere Stürme über Schweben. Fünf lote.

Am Donnerstag tobte ein schwerer Sturm über Schweben. Im Mälar-See ertranken fünf Per­sonen.

Wettervoraussage.

Der hohe Druck hat sich weiter behauptet unb wirb sich auch in ben nächsten Tagen durchsetzen. Unter seinem Einfluß bleibt bas Wetter meist heiter unb trocken, stellenweise bürsten sich in ben Morgenstunden Nebelbildungen einstellen. Die Tem­peraturen werden durch Ein- unb Ausstrahlung be» timmt, so baß es tagsüber heiß wirb unb nachts roieber stärkere Abkühlung stattfindet.

Aussichten für Samstag: Stellenweise Frühnebel, sonst meist heiter, tagsüber sehr warm, trocken.

Aussichten für Sonntag: Fortdauer ber Schönwetterlage.

Lufttemperaturen am 10. Mai: mittags 20,8 Grad Celsius, abends 16,2 Grad; am 11. Mai: morgens 15,8 Grad. Maximum 21,4 Grab, Mini­mum 8,2 Grad. Evdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 10. Mai: abends 16 Grad; am 11. Mai: mor­gens 13,8 Grab Celsius. Sonnenscheinbauer acht Stunden.