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25000 Hirnverletzte werden betreut.
Amtswaltertagung der NSKOV., Gruppe hirnverlehter Krieger.
Don der Nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung e. 23., Gruppe birnoerletzter Krieger, Abteilung Hessen, geht uns folgender Bericht zu:
In Frankfurt a. M. fand dieser Tage im Volks- bildungshsim eine stark besuchte Tagung der Amtswalter der Gruppe hirnoerletzter Krieger, Abteilung Hessen, in der NS.-Kriedsopferoersorgung e. L. statt, die mit einem Kameradschaftsabend eingeleitet wurde.
Vormittags versammelten sich die Obmänner aus etwa 30 Ortsgruppen und Stützpunkten der Abteilung Hessen zu der ersten Amtswaltertagung zum Zwecke der Entgegennahme von Richtlinien in der Betreuung und Erfassung der hirnoerletzten Kameraden, die mit einem Schlußwort des Abteilungsleiters Pg. Rohner beendet war.
Rach einer Pause eröffnete Abteilungsleiter Pg. Rohner die Haupttagung mit einem kurzen Grußwort, worauf der Reichsführer der Gruppe hirnverletzter Krieger Rudolf Schüßler (München) daraus hinwies, daß der Führer es als feine vor- nehmste Ausgabe betrachte, die Arbeitslosen unterzubringen. Darum habe auch bisher das neue 23er« forgungsgesetz noch nicht herausgebracht werden können. Der Redner schilderte die Gründung des Vereins der Hirnverletzten und die Entwicklung des Bundes, dessen Anfänge bis in das Jahr 1915 zu- rückreichen, wo auf Anordnung von Hindenburg die Hirnverletzten zum ersten Male in besonderen Stationen in den Lazaretten untergebracht wurden. Der Bund hatte mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen. Trotzdem gelang >ihrn
die Schaffung von Helmen, von denen es heute drei gibt, in F r a n k f u r t am Main, Bonn und München. In den Heimen erhalten die Betreuten klinische Behandlung. Mit deü Krankenkassen ist ein Abkommen getroffen worden, daß diese ihre Hirnverletzten zur Behandlung in Zukunft nur in die Heime einweifen, so daß diese nicht mehr, wie es häufig geschehen ist, in Irrenanstalten untergebracht werden.
Von den 25 000 hirnverlehlen, die wir in Deutschland haben, sind bereits 18 000 in der Organisation erfaßt. Aufgabe der Amtswalter wird es fein, auch den Rest zu erfassen.
Die 'schweren Aufgaben der Frauen der Hirnverleh- ten würdigte der Redner besonders herzlich und betonte, daß sie genau wie die Hirnverletzten selbst dringend der Erholung bedürfen, weil sie m besondere Schwierigkeiten bei der Betreuung und Pflege der Hirnoerletzten haben.
Einen kurzen, sehr instruktiven Vortrag über das Thema:
Der Arzt in der Hirnverlehtenfürsorge hielt der Chefarzt des Hirnverletztenheimes, Frankfurt a. M., Dr. med. Fritz Kalberlah. Er fchil- derte, wie die Aerzte durch den Weltkrieg mit seinen zahlreichen Kopfverletzungen vor ganz neue Aufgaben gestellt wurden. Während in den früheren Kriegen fast jede Kopfverletzung tödlich verlief, gelang es diesmal der Kunst der Aerzte, nicht weniger als 30 000 Krieger zu retten. Lagen im Kriege Die Aufgaben der Aerzte in erster Linie auf chirurgischem Gebiet, galt es vornehmlich Operationen auch in den tieferen Gehirnpartien vorzunehmen, so sind heute die Aufgaben der Aerzte ganz andere geworden; sie bestehen in erster Linie darin, die Defekte, die durch Die Verletzung hervorgerufen wurden, zu beseitigen. Dann haben sie dafür zu sorgen, daß für die Hirnverletzten eine entsprechende Arbeit gefunden wird. Sie ermüden bekanntlich schneller als andere Arbeitskräfte, altern früher und bekommen leider oft Krämpfe. Die Behandlung in den Heimen ist unbedingt nötig. Zur Festsetzung
der Rente gehört der Hirnverletzte in sein Heim, denn nur hier wird er sich so geben, wie er ist.
Eine Unterbringung in Krankenhäusern ober Nervenheilanstalten ist unter allen Umständen zu vermeiden.
Den jungen Aerzten muß Gelegenheit gegeben wer- öen, sich in den Heimen heranzubilden, weil sie sonst nirgends Gelegenheit haben, Erfahrungen auf die- fern Gebiet zu sammeln.
Bezirksobmann Ziegler, überbrachte die Grüße des Gauamtes und betonte, daß das Band der Freundschaft heute stärker als je geknüpft sei und das in echt nationalsozialistischem Geist die Zu- sammenarbeit mit den Behörden erfolge.
Unter den großen deutschen Industrien, deren Rohstoffe in der Hauptsache oder weit überwiegend aus Dem AuslanDe importiert roerDen müssen, spielt Die Tabakherstellung eine wichtige Rolle. AllerDings wird von der deutschen Tabakindustrie keineswegs ausschließlich ausländischer Tabak verarbeitet.
Namentlich die Zigarrenindustrie hat in den letzten Iahren in steigendem Maße auch deutschen Tabak verwendet. Sie hat im Rechnungsjahr 1932/33 insgesamt 3,6 Millionen Kilogramm inländischen und 12,8 Millionen Kilogramm ausländischen Tabaks verbraucht. Wie man aus diesen Zahlen ersieht, überwiegen die Auslands- labake zwar beträchtlich; aber der Verbrauch von deutschem Tabak, der den Landwirten bestimmter deutscher Bezirke Beschäftigung und Einkommen schafft, ist keineswegs unbedeutend.
Bei der Rauchtabakherstellung, die freilich gegenüber der Zigarren- und Zigarettenfabrikation immer mehr in Den Hintergrund tritt, ist Der Anteil Deutschen Tabaks an Dem Rohstoffoerbrauch sogar noch größer als bei der Zigarrenherstellung. Hier sind in dem gleichen Rechnungsjahr 5,1 Millionen Kilogramm deutschen und nur rund 4 Millionen
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Der Leiter des Dersorgunasamtes Frankfurt, Oberregierungsrat Feldern, sprach für das Der. sorgungsamt Frankfurt und das Hauptoersoraungs- amt in Kassel. Die Eingliederung in die Arbeit werde stets in engstem Einvernehmen mit den Stellen erfolgen, die die Hirnverletzten betreuen. San» desinspektor Arnold überbrachte die Grüße des Landeshauptmannes. Mit einem kurzen Schluß- wort und einem „Sieg-Heil!" auf den Führer und Reichskanzler schloß Pg. Rohner die Versammlung, die in dem Gesang des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes ausklang.
Die hirnverlehlen Krieger wollen sich melden!
Sämtliche durch unmittelbare Gewalteinwirkung auf das Gehirn zu Schaden gekommene Krieger, die bisher noch keinen Fragebogen für Hirnoerletzte ausgefüllt haben, werden hiermit nochmals aufgefordert, sich bei der Ortsgruppe Gießen der NSKOV. Gruppe hirnverletzter Krieger, Ortsgruppenobmann Pg. Lehrer Müller, Lollar, Daubringer Straße 29 in ihrem eigenen Interesse zu melden.
Kilogramm ausländischen Tabaks verarbeitet worden. Dagegen ist der Verbrauch der Zigarettenindustrie an Auslandstabak sehr groß. Diese hat in Dem Rechnungsjahr 1932/33 nur 50 000 Kilogramm Deutschen, Dagegen nicht weniger als 19,5 Millionen Kilogramm auslänDischen Tabaks verarbeitet. Vom nationalwirtschaftlichen StanDpunkt unb vom StanD- punkt sparsamster Devisenbewirtschaftung aus arbeitet also Die RauchtabakinDustrie am günstigsten, die ZigaretteninDustrie am ungünstigsten. Der große Verbrauch importierten auslänDischen Tabaks Durch Die hochentwickelte Deutsche Zigarettenindustrie stellt eine bedeutende Belastung der deutschen Devisen- bilanz dar. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß es in steigendem Maße gelungen ist, ausländischen Zigarettentabak im Wege des Tausch- ober Korn- pensationsgeschäft (3.23. aus Bulgarien) hereinzu- nehmen und auf diese Weise den ausländischen Rohstoff der Zigarettenindustrie ohne Inanspruchnahme der Devisen zu beschaffen.
Der Gesamlbedarf der deutschen Tabakindustrle an ausländischem Rohlabak betrug im Rechnungsjahr 1931/32 rund 753 Millionen Kilogramm, im Rechnungsjahr 1932/33 rund 773 Millionen Kilogramm. In der gleichen Zeit stieg der Verbrauch an inländischem Rohlabak von 19,7 auf 20 Millionen Kilogramm.
Im großen und ganzen läßt sich feststellen, daß Der Verbrauch an auslänDischern Tabak abnimmt, Der an Deutschem Tabak zunimmt. Wertmäßig ist die Verminderung des Importbedarfs natürlich noch viel größer. Während Deutschland im Jahre 1930 noch 259 Millionen Mark für die Tabakeinfuhr verausgabte, betrug der Wert der Tabakeinfuhr im Jahre 1933 nur noch 120 Millionen Mark. Das beruht freilich nicht allein auf dem starken Preisrückgänge des Tabaks. Außerdem mußte nämlich Die deutsche TabakinDustrie mit Rücksicht auf Die Schwächung Der Kaufkraft Der Konsumenten mehr unD mehr Dazu übergehen, billigere Tabaksorten zu be- Ziehen. Aber auch hier ist wohl jetzt Der Tiefpunkt erreicht. Einerseits beginnen Die Tabakpreise wieDer ZU steigen, anderseits ist es nicht möglich, noch geringwertigere Tabakqualitäten zu verarbeiten. Der Bedarf an Devisen zur Deckung des deutschen Tabakbedarfs ist also immer noch sehr bedeutend. Das Wiederansteigen Der Massenkaufkraft, die eine Folge der deutschen Wirtschaftsbelebung ist, führt naturgemäß auch zu einer Zunahme des Verbrauchs von Tabakwaren und damit auch von ausländischem Rohtabak. Zu den Aufgaben Der deutschen Devisensparwirtschaft gehört es daher auch, den Verbrauch ausländischen Tabaks nach Möglich- keit niedrig zu halten, soweit der Bedarf nicht auf
Deutschlands Versorgung mit Tabak.
Don unserem vollswirtschastlichen Mitarbeiter.
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dem Wege von Tausch- und Kompensationsgeschäften ohne Inanspruchnahme von Devisen befriedigt werden kann.
Man darf aber auch nicht unberücksichtigt lassen, daß die deutsche Tabakindustrie einen Teil ihrer Erzeugnisse exportiert und dadurch Devisen erwirbt
Im Iahre 1933 betrug der Wert der aus-
gesührten Zigarren 2 Millionen Mark, der der
ausgeführten Zigaretten rund 1 Million Mark.
Anderseits werden freilich auch fertige Zigarren, Zigaretten und Rauchtabake nach Deutschland eingeführt. Der Wert dieser Einfuhr betrug im Jahre
Deutscher Volksgenosse!
Deine Iugend erwartet Dich am „Tag der 100 000“ am 1. und 2. September in Frankfurt a. M.
1933 insgesamt 10,8 Millionen Mark. Rur der Export von Zigarren ist größer als der Import, wäh- renb Zigaretten und Rauchtabak in erheblich größeren Mengen importiert als exportiert werden. Trotzdem bleibt die Tatsache bestehen, daß ein kleiner Teil des nach Deutschland eingeführten Roh- tabaks in Gestalt von Zigarren, Zigaretten und Rauchtabak wieder ausgeführt wird.
Rundfunkprogramm.
Samstag, 11. August.
5.50 Uhr: Gymnastik. 6.15: Gymnastik II. 6.40: Fruhmeldungen. 6.55: Frühkonzert. 8.15 bis 8.35: Gymnastik. 10: Nachrichten. 11.50: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Saardienst. Nachrichten. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.20: Mlttagskonzert II. 13.50: Nachrichten. 14: Mittags- fordert III. 14.30: Wochenend! 15.10: Lernt mor- fen! 15.40: Quer durch die Wirtschaft. Berichte und Gespräche. 16: Nachmittagskonzert. 18: Stimme der Grenze. 18.20: Wochenschau. 18.35: Stegreifsen- öung. 19: Sehnsucht nach der Heimat. Eine Hörfolge. 20: Nachrichten. 20.05: Saarländische Um- schau. 20.15: Die Hochantenne. 22.20: Nachrichten. 22.30: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.40: Bericht von Den Frauenweltspielen. 1 bis 2: Tanzmusik.
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Roman von Gert Roihberg.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 11. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Doris Feller brachte diese ungeheuerliche Lüge, ohne zu stocken, über ihre Lippen.
Richard Feller aber dachte: Doris erzählt mir ja alles. Dann war es also nur Die Furcht, Daß er mir etwas erzählen könnte? Dann ist Doris Doch unschulDig?! —
„Doris, hast Du jetzt Die Wahrheit gesprochen in bezug auf Farnhorst?"
„Ja! Es ist mir schwer genug gefallen, dir meines Vaters Vergehen zu beichten. Aber du mußtest alles wissen. Damit Du weißt, daß ich an allem unschuldig bin."
Noch einmal flammte sein Verdacht auf. Warum war Doris daheim geblieben? $atte sie sich wirklich krank gefühlt?
Die Frau kam näher, schmiegte Den blonDen Kopf an ihn, sagte leise:
„Jag ihn fort, und alles ist gut!"
Da nahm er sie in feine Arme. Küßte sie wie tafenö.
,^Ich glaube dir!"
Die Tatsache, daß Farnhorst Doris von früher her kannte und doch geschwiegen hatte, das rechtfertigte nun auch alles andere. Und diesem Menschen hatte er rückhaltlos vertraut!
War Denn so etwas nur möglich, daß man sich so in einem Menschen täuschen konnte?
Feller sagte seiner Frau, daß er längst über ihren Vater orientiert gewesen sei. Aber es freue ihn, daß sie ihm nun auch noch alles wortgetreu erzählt hätte. •
Doris Feller ließ sich küssen, küßte wieder und dachte doch dabei: Nun sehe ich Farnhorst nicht mehr wieder — nun nicht mehr! —
Nach einer Stunde verließ Feller feine Frau.
Ihm war elend zumute. Todelend. Er wußte nicht mehr, was gut und nicht gut war. Er fühlte nur ganz deutlich in dieser Minute, daß er an dieser Frau zugrunde ging, weil er ihr verfallen war!
*
Daheim in feiner Wohnung saß Farnhorst und wartete! Wartete auf eine Sacke, die so schnell und hastig und spielerisch kam, uno Die doch bestimmt ein Menschenleben kostete.
Er würde es sein!
Denn er wußte schon jetzt, daß er nicht treffen wollte!
Nicht wollte!
Mochte dieser Zweikampf ausgetragen werden, mit welchen Waffen, er wollte — er würde Den
anDeren nicht verwunden! Noch viel weniger dachte er daran, dessen Leben zu nehmen.
Ihn sollte es treffen! Ihn selber! Denn um ihn meinte niemand. Aber Richard Feller hatte noch seine Eltern!
' Die Stunden schlichen bleiern dahin. Draußen war eine naßkalte Luft, Die gleichzeitig aber Doch Das WerDen Der jungen Natur fühlen ließ.
WerDen und Vernichtung! Stets war beides eng miteinander verbunden. Müde ließ Fritz Farnhorst den Kopf sinken.
Wie ekelhaft doch das Leben war! Wenn andere Menschen es einem zur Qual machten!
Doris Feller!
Sie war daran schuld, daß zwei Männer, die einander immer hoch geachtet hatten, nun wie zwei Todfeinde einander gegenüberstanden! Aber Die Frau war es nicht wert, daß zwei Männer mit- einander kämpften um ihretwillen. Darum sollte es eine Komödie bleiben, weil der eine gar nicht daran dachte, um dieser Frau willen den alten Eltern Richard Fellers weh zu tun!
Diese Stille ringsum war marternd und doch zugleich unendlich wohltuend.
Langsam erhob sich Fritz Farnhorst. Er ging zum Fenster, sah hinaus. Stand lange, lange! Sah zu den großen Steinbrüchen hinüber, Deren ungeheure Ausdehnung in den letzten Monaten ihm die Lebensfreude gewesen war. Die Gedanken wanderten weiter. Suchten eine wunderschöne Frau. Das Herz zuckte schmerzhaft in letzter Entsagung. Dann richtete sich Doktor Farnhorst hoch auf.
Letzten Endes bedeutete Doris Fellers Lüge doch noch eine gute Tat, weil sie Befreiung aus aller Qual brachte!
Doris war allein. Ihr Mann war noch einmal dringend fort! Wenn sie geahnt hätte, daß er feine beiden Freunde in feiner Heimatstadt, Doktor Zasch- witz und Paul Verland, aufsuchte!
Daß er mit Fritz Farnhorst em Duell haben würde!
Ruhelos schritt sie hin und her. War sich ihrer Gemeinheit gegen Farnhorst vollkommen bewußt und konnte doch nichts mehr ändern, selbst wenn sie geahnt hätte, um was es ging.
Sie hatte gelogen, um ihr Leben zu retten!
In feiger Angst um ihr eigenes Leben hatte sie das von zwei wertvollen Mannern aufs Spiel 9<?2(ber sie badjte gar nicht an fo etwas. Farnhorst war entlassen! Das genügte chrem Manns doch!
Auf fDenf 3uruf Doris Fellers trat Marie herein. Aber sie war diesmal nicht Demuttg-untermürfig. Sie war auch zum Ausgana angezogen.
Marie, was ist denn? Und wo wollen Sie hin? Ich wüßte nicht, daß ich Ihnen Urlaub gegeben hätte", sagte Doris hochfahrend, weil Die kecke Haltung ihrer Vertrauten sie reizte.
Marie Katfchek fagte:
-,Jch weiß, was für Lügen Sie erfunden haben, um Ihren Mann zu versöhnen. Und ich will Schweigegeld! Zehntausend Mark! Ich bleibe nicht langer hier. Mir paßt es hier nicht mehr. Wenn ich das Geld habe, sehen Sie mich nicht mehr wieder."
„Erpressung? Ich kann Sie Der Polizei über- geben."
"Nein! Das können Sie nicht. Ich besitze Den Brief, worin Sie so freunDlich Herrn Doktor Farnhorst zum Tee baten mit Dem Hinweis, Daß auch Die Mutter unseres gnäDigen Herrn anwesend sei. Sie wollten ein Liebesabenteuer. Was geht's mich an? Wenn ich das Geld bekomme, gehen mich Die Verhältnisse im Hause Feller nichts mehr an."
Doris Feller schwieg.
Schwieg, weil sie schweigen mußte! Weil sie diese Mitwisserin nicht reizen Durfte!
UnD — sie mußte ihr Das Geld geben!
Aber sie hatte kein GelD. RicharD verwaltete ihr Vermögen, unD was sie an KleiDern unD sonstigem Luxus brauchte. Das gab er ihr von feinem eigenen Gelds. Wo sollte sie jetzt diese verlangten Zehntausend hernehmen?
Ein Gedanke jagte den anderen. Keiner war brauchbar, und dort an der Tür stand bas Mädchen und sah mit bösen, mitleidlosen Augen zu ihr herüber.
Da--!
Doris dachte an die Lohngelder, die im Arbeitszimmer Richards im Geldschrank lagen.
Ohne ein Wort ging sie hinüber, schloß sorgfältig die Tür hinter sich ab. Vor diesem Geschöpf mußte man sich in acht nehmen. Sehr in acht nehmen!
Und sie hatte diesem Mädchen vertraut! Hatte sich ihm ganz und gar in die Hände gegeben.
Das Geld mußte sie dieser gefährlichen Person geben! Aber bann war sie sie ja los für alle Zeiten.
Und Doris Feller entnahm dem Geldschrank ein Bündel Scheine. Rasch ging sie bann zurück. Warf bas Geld auf den Tisch, wandte sich ab.
Vielleicht hätte sie diese verächtliche Pose weg- lassen sollen. Marie Katschek wurde dadurch aufs höchste gereizt. Aber sie sagte nichts. Sie nahm das Geld und ging!
Aber sie wußte schon in dieser Minute, daß sie mit dieser Frau noch lange nicht fertig war!
Doris aber atmete tief auf. Nun war alles in Ordnung!
Alles!
Beinah hätte diese kleine, dumme Affäre sie Stellung unb sicheren Hasen gekostet.
Sie hatte geglaubt, Farnhorst zu lieben! Unb nun wußte sie boch, baß es nur Trotz unb Eigenwillen gewesen waren. Sie hatte ihn haben wollen. Sie wollte ihren Willen burchsetzen! Unb je mehr sie einsehen mußte, daß gerade dieser Wunsch sich nicht erfüllen würde, desto heftiger hatte sie auf der Erfüllung dieses ihres Wunsches bestanden.
Farnhorst war stellungslos!
In heutiger Zeit stellungslos! Damit geschah ihm ganz recht. Damit hatte er gleich seine Strafe.
Doris Feller ging zu ihrem Schmuckkasten. Sie wollte doch gleich einmal aussuchen, was neu gefaßt werden sollte. Und nun wollte sie ja auch mit Nichard verreisen. Jetzt bestimmt! Dazu mußte sie diesen wertvollen Schmuck, den er ihr einmal geschenkt und der ihr nicht gefiel, umarbeiten lassen. Und neue Toiletten mußte sie auch noch kommen lassen.
Nach einer Stunde, während sie in dem Kasten gewühlt wie ein Kind, bas sich an bunten Steinen freut, erhob sie sich unb trat ans Fenster. Draußen gingen zwei Frauen vorüber. Alt, gebückt! Unb auf dem krummen Rücken trugen sie eine schwere Last. Gesammeltes Holz! Drüben im Walde waren sie gewesen.
Doris Feller blickte auf die beiden alten Frauen, unb buchte: Weshalb hat Richard es nicht schon längst verboten, daß diese Leute hier so dicht an der Villa vorübergehen? Welch ein häßlicher Anblick das ist! —
Ohne Mitleid blickte Doris hinunter. Es wäre chr nicht eingefallen, zwischen diesen armen Frauen und sich Vergleiche zu ziehen. Zu bedenken, wie gut sie es gegen diese Frauen hatte.
Mißmutig blickte sie noch eine ganze Weile hinter ihnen her.
Der Schnee war fort. Es regnete fein, und die Wege wiesen jene graue, klebrige Beschaffenheit auf, die keinen Menschen lockt, hinauszugehen, wenn er nicht muß.
Doris ging ins Zimmer zurück, setzte sich in ihren Schaukelstuhl und langte nach ihren geliebten, starken, türkischen Zigaretten.
*
Fritz Farnhorst hatte auch in diesen grauen, trüben Regentag hinausaesehen. Unb ihn lockte es, hinauszugehen. Es war ja gleich, was er tat. Was er anfing. Er mußte warten! Unb wenn er nur eine halbe Minute braußen herumlief — eine kleine Erleichterung mürbe es sicherlich bebeuten, benn eine bleierne Mübigkeit bemächtigte sich feiner.
Er zog sich ben Regenmantel an, ging ohne Hut bavon.
Draußen lief er ben schmalen Weg nach ber Walbecke zu. Unb dabei dachte er: Wenn man doch nur so in alle Unendlichkeit hinauslausen konnte! Immer weiter, weiter unb an nichts mehr zu denken brauchte! —
Zwischen Wald und dem kleinen Steinbruch stand eine kleine Hütte. Ein Schuppen war es eigentlich. Die Arbeiter hatten früher Dort wahrscheinlich ihre Geräte eingestellt. Jetzt wurde in dem kleinen Bruch nicht mehr gearbeitet. Nun waren alle Arbeiter Drüben in ben großen Brüchen beschäftigt.
1 Fortsetzung folgt.)


