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Minister, Reser deutsche Rückzug patzt gerade vorzüglich in meinen Pl«n. Gewiß, es werden durch die Verkürzung der Front einige deutsch« Di», sionen frei, oder vergessen Sie nicht, datz auf gleicher Frontbreite mtljr französische und britische Divisionen stehen als deutsche. Nehmen wir en, es werden durch die Frontverkürzung zehn deutsche Diviswnen gespart, so kann ich mit vollem Recht behaupten, datz wir selbst, zu gleicher Zeit, 17 bis 20 Divisionen einsparen und an anderer Stelle einsetzen töntwi. Gewiß, Hindenburg hindert mich, meinen Angriff auf der Linie Noyen- Chauny-Crozat-Kanal zu führen. Gut, ich werde diesen Punkt also nihj in meine Offensiv« einbeziehen, weil mir Hindenburg hier am linltn Flügel meiner Schlacht die Aufstellung durcheinandergebracht hat utti) mir ausweicht. Aber ich werde dafür meinen rechten Flügel in die Chan- pagne hinein verlängern, Unsere Schlacht wird stattfinden, und ter Durchbruch wird gelingen, daran kann auch Hindenburg nichts ändern."
„Aber wenn Sie nach rechts um die entsprechende Anzahl von Kilo- metern Ihre Angrifssfront verlängern, General, dann wird ja die H«h. fläche Craonne etwa im Mittelpunkt des Kampfes fein", sagt PainleiL
arbeiten, denn noch sind die notwendigen Munltionsmengen nicht ön- gesahren, ja, sie find noch nicht nial bereitgestellt.
Mannifaltige Schwierigkeiten müssen überwunden werden. Unseren U-Booten muh man Zeit lassen, größere Unternehmen durchzusühren, um in die westliche Materialversorgung eine Bresche zu schlagen. Ueberhaupt, im Februar 1917, ist die Linienführung unserer Front nicht gerade günstig Somit reift der Entschluß, zwischen Arras und Vailly in eine Sehnen- stellung zurückzugehen und die inzwischen stark ausgebaute Siegfriedstellung zu beziehen, unter Aufgabe der vielgewundenen Stellungen im Gelände der Sommeschlacht. Durchschnittlich wird der Rückzug 15 Kilometer in der Tiefe betragen. Dieses Rückzugsmanöver bekommt im Dienstverkehr den Verschleierungsnamen „Unternehmen Alberich".
Am 4. März 1917 wird „Alberich" befohlen. Mit sofortiger Wirkung treten die Sprengkommandos in Tätigkeit. Auf dem gewaltigen Frontabschnitt, der mehr als 150 Kilometer lang ist, werden die Gräben planmäßig zerstört, die Unterstände zur Sprengung fertig gemacht, alle Ber- teidigungsanlagen abgetragen und das noch brauchbare Material nach rückwärts befördert. Die noch bewohnten Dörfer muffen geräumt werden. In feiner größten Tiefe zwischen Roye und La Fsre, beträgt das Rückzugsgebiet 45 Kilometer. Dazwischen befinden sich zahlreiche Dörfer, Brücken und Straßen. Die Zivilisten werden sofort ins Hinterland gebracht mit ihrem notwendigen Hab und Gut. Diese Maßnahme schafft unerhörte Verbitterung, aber sie ist notwendig, Weichheit ist im Kriege nicht am Platze, wenn es um Sein oder Verderben geht. Wenige Tage nach dem Verlassen ihrer Dörfer schafft man die Zivilisten massenweise in Sonderzügen über die Schweiz nach Frankreich Sie erzählen dort von dieser neuen deutschen Maßnahme. Sie berichten, daß die deutschen Pioniere das ganze Land in ein totes Schußfeld verwandeln und keinen Stein auf dem andern lassen. Diese Maßnahme ist ebenso hart wie notwendig, denn unter keinen Umständen darf dem nachrückenden Gegner ein geeigneter Verteidigungspunkt überlassen bleiben.
Für den 16. März ist der deutsche Rückzug festgesetzt. Vorerst bleibt dieser Termin noch geheim. Nur wenige Eingeweihte wissen davon. An verschiedenen Punkten, in den größeren Städten und Ortschaften Noyon, Ham und Nesle, versammelt man die zurückgebliebenen Zivilisten, die wegen ihres hohen Alters oder wegen Krankheit und Gebrechlichkeit die Bahnfahrt zur Schweiz nicht hatten antreten können.
Es bedeutet für die deutsche Heeresleitung einen schweren Entschluß, die Front zurückzunehmen; denn wird der Feind nun nicht frohlocken? Wird das für General Nivelle nicht ein Triumph sein, eine neue Stärkung seines Durchbruchwillens.
Einerlei, es muß geschehen. Die deutsche Abwehrfront fühlt sich noch nicht stark genug. Man hat zuviel über die Gewalt der kommenden Riefenschlacht erfahren und will den Zeitpunkt ihres Beginns noch hinauszögern. ' Das deutsche Frontheer schafft sich Schußfeld zwischen Arras und Vailly. Und dieses Schußfeld ist eine einzige große Wüste, in der es für den nachrückenden Gegner nichts gibt und nichts geben darf. Hier werden die nachdringenden Engländer und Franzosen wochenlang arbeiten müssen, um ihren Nachschub zu sichern, um neue Stellungen auszuwerfen und die Kampfstellungen wieder zu beziehen.
Zu jeder Zeit kann der Rückzug auf die Siegfriedstellung beginnen. Sobald es dem Feind einfallen sollte, mit seiner Frühjahrsschlacht loszuschlagen, wird er auf leere deutsche Gräben stoßen, und sein Trommel- seuer wird nur ein unbewohntes totes Zwischengelände umpflügen.
Immer wieder, solange noch die Zerstörungsarbeiten in der vordersten deutschen Linie in Gang find, tasten die Franzosen mit starken Patrouillen vor, besonders bei Noyon. Von deutscher Seite wird nun absichtlich kein Geheimnis mehr um den bevorstehenden deutschen Rückzug gewoben. Man möchte vermeiden, daß der Gegner die Räumung eines großen Gebietes als einen bedeutenden Erfolg feiner eigenen Waffen ausbeutet und damit die öffentliche Meinung der Welt für sich gewinnt.
Am 16. März beginnt der Rückzug. Von jeder Batterie bleibt nur ein Geschütz und feuert wie immer, um die Bewegung zu verschleiern und den Feind am sofortigen Nachdrängen zu hindern. Im Laufe der Nacht zum 17. März verlassen die letzten deutschen Kompanien ihre Kampfstellungen. Nur einige verwegene Patrouillen bleiben zurück und schießen bald an dieser, bald an jener Stelle der Gräben ihre Leuchtkugeln ab, jagen hin und wieder einen Streifen aus dem leichten Maschinengewehr ins Niemandsland, hinüber zur französischen Stellung.
Währenddessen marschieren die Kameraden unverdrossen rückwärts der Siegfriedstellung zu. Erst am folgenden Tag bringen die Franzosen gegen die stumm gewordenen deutschen Stellungen vor und finden das Nest leer. Der französisch-britische Vormarsch zwischen Arras und Vailly beginnt. Jetzt könnte General Nivelle seinen Durchbruchsgedanken harte Wirklich- keit werden lassen. Jetzt könnte er seinen Kavalleriemassen Aufsitzen befehlen und sie aus die Verfolgung des abziehenden feldgrauen Gegners hetzen. Aber Nivelle traut der Sache nicht. Er kennt nicht den Umfang und die Tiefe des freiwilligen deutschen Rückzuges. Er weih auch, daß die Deutschen in eiserner Ordnung zurückgehen, nicht etwa gezwungen oder auf der Flucht vor seinen Soldaten, so wie es die Presse jauchzend dem französischen Volk und darüber hinaus der ganzen befreundeten und neutralen Welt mitteilt.
Am 19. März wird Painleve Kriegsminister. Seine erste Amtshandlung am 20. März ist ein Anruf im Großen Hauptguartier Nivelles. Painlevö fragt:
„Herr General, was halten Sie vom Rückzug des Feldmarschalls Hindenburg? Paßt diefe Bewegung in Ihren ausgezeichneten Kriegsplan, oder ist's eine Durchkreuzung Ihrer Pläne und Ihrer Aufstellung zur kommenden Schlacht?"
Und Nivelle, ganz jovial:
„Aber nicht doch, mein lieber Herr Minister, diesen Rückzug haben wir ja längst erwartet und vorousgesehen. Wenn es mir möglich gewesen wäre, Hindenburg einen Befehl zu erteilen, so hätte ich ihm das besohlen, as er jetzt tut, also diesen Rückzug. Sie sehen doch, mein lieber Herr
seiner gewinnenden, jungenhaften Stimme:
„Natürlich wird alles nur so sein, wenn wir den Angriff mit Sw talität und Geschwindigkeit durchführen. Ich habe immer wiederholl us sage es Ihnen auch heute, Herr Minister, Geschwindigkeit und BrutolM werden es machen. Auch auf meine Poilus werde ich keine Rücksicht H’ men können. Sie werden die drei ersten Tage und Nächte durchmarsHe ren müssen. Das heißt, ich könnte ihnen vielleicht unten in der Ebene, ® Rande des Flüßchens Serre, einige Stunden Ruhe gönnen, währe» meine Kavallerie die Verfolgung und Umzingelung deutscher Trupp» verbände Domimmt. Aber ich kenne meine Soldaten, Herr Minister. Ä weiß, daß sie gern auf die Ruhestunden am Ufer der Serre verzich A werden. Die Begeisterung und das Siegesbewuhtsein wird sie vorwäib tragen und alle Müdigkeit der langen Märsche vergessen machen.
Sie dürfen überzeugt fein, Herr Minister, jetzt haben wir das He! in der Hand. Wir diktieren auf dem Schlachtfeld, und Hindenburg w" das tun müssen, was wir ihm auserlegen---I
Der Kriegsminister hängt ein. Man hat ihm General Nivelle ® Phantasten, als Dichter und Optimisten geschildert. Aber was er nun p hören bekam, geht über alle bösen Erwartungen. Er ruft die Nie-kt unterstellten Generäle an und bittet sie um ihre unverblümte Meimutz Den General Franchet d'Efperey erreicht er beim schwierigen Aufbau » verlassenen deutschen Rückzugsgeländes. Dieser General verheimlicht neswegs die unerhörten Schwierigkeiten in feinem Abschnitt, entstammt durch den Rückzug der Deutschen. Hier wird wahrscheinlich eine Dffenff« in absehbarer Zeit nicht möglich fein. Die Taktik der Väter vom Untet1 nehmen „Alberich" hat hier schon ihre Wirkung gezeigt. 1
Der zweite Führer einer der Nivellescheu Durchbruchsarmeen, ©en®^ Micheler, äußert gleichfalls schwere Bedenken. Er glaubt nicht an schnellen Erfolg innerhalb weniger Stunden. Gewiß, nach feiner Ansit ist es durchaus möglich, im Laufe der Zeit die deutschen Divisionen nw- Norden abzudrängen und bis zur Stadt Laon zu gelangen, aber Durchbruch, so wie ihn Nivelle sieht, hält er für ausgeschlossen.
General Pötain, der seit einigen Tagen die rechte Flügelarmee fw ligt, rät überhaupt von der Offensive ab. Man muh, so sagt er, erst e» mal größere Streitkräfte ins Trentino schicken urtb in Frankreich >• dann zur Offensive schreiten, wenn es den Deutschen einfallen sollte,r» den im Osten langsam frei werd enden Divisionen hier anzugreisen.
Inzwischen ist die russische Front zusammengebrochen. Heber »» Zarenreich lodert die Revolutton. Im verschneiten Niemandsland, , P schen den Schützengräben, treffen sich Deutsche und Russen. Wenige r genügen jetzt zur Besetzung der langen Ostfront. Zahlreiche gut ausgeM. und kampferprobte Divisionen, denen der wilde Bewegungskrieg noch Blute liegt, werden frei für den westlichen Kriegsschauplatz. Deshalb ’ fürchtet Petain ein plötzliches Uebergewicht auf deutscher Seite. .
Nivelle steht einige Tage lang auf dem Spiel. Der Kriegsnim!^ überlegt... Soll er den Oberbefehlshaber bitten, feinen Posten zulegen, oder ihm Vorschlägen, auf die geplante Offensive zu verziaM" Soll er den größeren Truppenschub ins Trentino veranlaffen? @5 « schwere Entscheidungen für den jungen Kriegsminister. Gut, er t»in‘ den nächsten Tagen einen Kriegsrat einberufen. ,
Nivelle aber kümmert sich nicht um diese Dinge. Er weiß, da» ihm mißtraut. Und je mehr diese Erkenntnis in ihm wächst, Mt0 näckiger wird sein Wille, durchzuhalten und die beabfidjtigte Offenpor ihrer ganzen Wucht und ihrer ganzen Brutalität und Geschwinoi». durchzusühren. (Fortsetzung f<W>
Und nach einer Weile:
„Gerade diese Hochfläche macht mir Sorge, General, der Feind tat sie zu einer bedeutenden Festungsanlage ausgebaut. Mr wissen so $ui wie nichts von dieser Hochfläche, weil wir sie nicht einsehen können urj) überhaupt an dieser Stelle unsere Beobachtung sehr gehindert ist."
General Nivelle lacht siegesfroh:
„Herr Minister, die Hochfläche von Craonne macht mir kein Ko-?s. zerbrechen. Ich habe sie bereits in meiner Tasche, das wage ich zu le haupten. Es soll uns eine Kleinigkeit fein, sie gleich in der ersten Sturze der Schlacht einfach wegzuputzen, wie der Poilu sagen würde. Ich ir fürchte nur eins, daß auch hier der Gegner sich zurückziehen wird, bewor mir ihn richtig fassen können. Es wäre furchtbar, Herr Minister, roiiitf sich der Gegner nicht zum Kampf stellen. Das ist meine große Sorge. Äh hoffe doch, daß Hindenburg sich stellen wird. Je stärker feine Reserwn, ' dichter die Besatzung seiner Berteidigungsgräben, desto größer mir) „..fer Sieg sein. Einen Feind, der vor uns herflieht, können wir nur wlh verfolgen, aber einen Gegner, der sich uns stellt, dürfen wir niederwaiW, zertrampeln, zerstören, aufreiben. Es wird nichts von ihm übrigbkibn und unser Sieg wird glänzender fein, als wenn wir hinter einem flieh-» den Gegner in dessen Land eindringen würden."
Am andern Ende des Drahtes, im Kriegsminifterium zu Pmis, herrscht einige Sekunden Schweigen. Painleve ist überrascht von biej« ungeheuerlichen Optimismus. Er, der Zivilist, hat jetzt zu schweigen. 5t fühlt sich ganz klein und ganz demütig vor so viel militärischem Köni« und so viel Draufgängertum. Und nun meldet sich wieder Nivelle mit


