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die ihr unterstellten Formationen. Sie verbietet jegliche Angriffe, auch solche zur Verbesserung der eigenen Stellung. Sie ordnet an, daß alles der Verteidigung zu dienen hat. Die Reserven müssen geschont werden. Bis zum 1. Februar sollen in den eigenen Stellungen alle notwendigen Abwehrmahnahmen, Verstärkungen der Beobachtungsstände, Einbau von schweren Maschinengewehren, Ergänzung des Drahthindernisses und so weiter durchgesührt werden.

Die Kälte wird von Tag zu Tag unerträglicher. Es ist ein Winter, wie man ihn eit Menschengedenken in Deutschland und in ganz Westeuropa nicht gekannt hat. SDletertief dringt der Frost in die Erde Frankreichs. Jede Schanzarbeit erlahmt. Die unterernährten deutschen Soldaten können die ihnen auferlegte Arbeitslast nicht mehr bewältigen. In den ersten Februartagen setzt plötzlich, aber für kurze Zeit nur, ein unvorhergesehenes Tauwetter ein. In den Stellungen beiderseits der Ancre steigt das Wasser bis zur Brusthöhe. Grabenwände stürzen ein. Unterstände ersaufen. Die Truppe liegt eng zusammengepfercht in wenigen noch gangbaren Graben­stücken. Eine Verteidigung des ganzen Stellungssystems ist unter diesen Umständen ausgeschlossen. .

In der Gegend von Armentieres liegt die VI. Armee m Stellung. Auch dort sind die Gräben infolge des Tauwetters und der raschen Schnee- schmelze innerhalb von 48 Stunden völlig unbrauchbar geworden. Im eisigen Schmelzwasser harren die deutschen Posten aus bis zum Ende ihrer Kraft Dann werden auch hier rückwärttge Notstellungen bezogen. Bei all diesem Elend, bei all diesem Kampf gegen die Elemente behält der Feld­graue seine gesunde Laune. Die Truppe der VI. Armee bezeichnet sich selbst im grimmigen Scherz alsWasserkorps".

Sehr schlecht ergeht es auch den Deutschen am Vimy-Rucken. Auch dort erstickt alles im Schlamm und Wasser. Und bald setzt wiederum ein klirren­der Frost ein und läßt die herabgerutschten Schlammassen erstarren. Sie können nicht weggeräumt werden. Ein unhaltbarer Zustand! Dann schon lieber Kamps gegen Menschen, als dieses ohnmächtige Anstemmen gegen die unerbittliche Kälte. Gegen Menschen kann man sich wehren; die Natur aber bleibt unbedingt und immer siegreich.

Nein, es ist keine günstige Lage, in der sich die Heeresgruppe Kronprinz Ruprecht von Bayern befindet. Im zweiten tzebruardrittel hat die Trupp­sehr stark unter vermehrten feindlichen Feuerüberfällen zu leiden. Fast: jede Nacht stoßen die Gegner an irgendeiner Stelle des 270 Kilometer­langen Frontabschnittes mit mehr oder weniger starken Streifen vor, um die deutschen Linien abzutasten. Bei Le-Transloy gelang es den Eng­ländern bereits am 27. Januar, in 600 Meter Breite unsere vorderstem Linien zu besetzen. Wir hatten damals, da zu sehr mit dem Ausbau, rückwärtiger Verteidigungsanlagen beschäftigt, keine Gelegenheit, bie Scharte sofort wieder auszuwetzen.

Nun, im Februar, steigert sich die feindliche Artillerietat,gkeit ganz; unerträglich. Ihr Feuer gilt in der Hauptsache den deutschen Batterie-- stellungen und Anmarschwegen. Das helle, frostklare Winterwetter be­günstigt die Mitwirkung von Fliegern. Zwischen Serre und Ancre greifen: die Engländer verbissen an. Sie werden am 12. und 13. Februar mitt schweren Verlusten zurückgeschlagen. Einige Tage später, am 16. gebruar setzt der Gegner seine Angriffsziele bei Miraumont und bei Sailly-Sailliseu fort, gleichfalls ohne Erfolg. ,

Kein Zweifel, die Gegner beabsichtigen einen Großangriff aus Die deutsche Front. Das planmäßige Abtasten unserer Linien, das Einschießem vieler Batterien, das langsame Anpeilen und Zudecken unserer eigenem Geschützstellungen, dies alles zeigt der Heeresgruppe Kronprinz Ruprechl von Bayern, daß auf ihrem Abschnitt der Schwerpunkt kommender blutigen Ereignisse zu erwarten ist. Aber wann, wie und wo?

Während noch die Deutschen bei Sailly-Saillisel und Miraumont ihre durch heftiges Feuer und die Angriffe vom 16. Februar in Unordnung geratene Verteidigungsstellung wieder ordnen und neu ausbauen, bekomm» die Heeresgruppe Kenntnis von einer wichtigen Nachricht.

Der Fang auf Höhe 185.

Die deutsche Truppe nimmt die starke und ständig wachsende Töstgkeiti der Gegner nicht unbeachtet hin. An vielen Stellen der langen Fron» brechen immer wieder Patrouillen vor, bringen in die feindlichen Grabein und machen Gefangene. Das zur Untätigkeit verdammte deutsche Fronthee» macht seinem Tatendrang durch Teilunternehmen Luft. Der Feldgroua fühlt sich beengt zwischen bald gefrorenen, bald verschlammten Graben­wänden. Es treibt ihn hinaus, es muß etwas geschehen.

Streng genommen gehört die Champagne-Front nicht mehr zum schnitt, der vom Nivellefchen Angriffsplan bedroht ist. Aber auch dort sino die Franzosen rege tätig. Sie schanzen, sie minieren, sie schleppen Materien und Munitton herbei, besonders in der Gegend von Ripont, 9C?U. gesagt aufHöhe 185", einem hervorragend strategischen Punkt. In Die,« ödenLause-Champagne" scheint's nicht mehr recht geheuer zu sein Don hegt der Franzose bestimmte Absichten. Aber welche? Nun, das wird wo gleich sehen.

Beim Morgengrauen des 15. Februar 1917 schmettert deutsches -oe" nichtungsfeuer ausHöhe 185", und ehe sich die Grabenbesatzung vo Schrecken und von der Ueberraschung erholen kann, bricht die feldgrau« Infanterie schneidig vor. Sie kommt rasch vorwärts im steinhart gefrorene Niemandsland. Alle wasiergefüllten Trichter sind mit dicker Eiskruste über­zogen. Es ist zuerst ein fast müheloses Anstürmen gegen die franzosyaM Stellungen. Die Granaten aber, die bald rechts und links, vor unb pnw und zwischen den Deutschen niedergehen, haben fürchterliche Wirkun» Der glasharte Boden verdoppelt und verdreifacht die Sprengwirkung o Geschosse. Dennoch, die deutschen Staßttuppen kommen rasch voran, un­beirrt bahnen sie sich ihren Weg durch die Zusammenballungen vo Stacheldraht und zerschossenen spanischen Reitern. Jetzt beginnen die tt zösischen Maschinengewehre ihr Feuer. Aus allen Scharten. ^nter Brustwehr hervor tackt das Kleingewehrfeuer. Der Tanz der Sperrten granoten nimmt jetzt mit jeder Sekunde an Heftigkeit zu.

(Fortsetzung folgt.)

Die Offiziere staunen und möchten den Sprecher warnen, denn was der hier vorbringt, ist kein Thema für ein öffentliches Kaffeehaus mit internationalem Publikum. Sie blicken ihn scharf an, sie antworten nicht und tun verwundert. Er aber:Meine Herren, das pfeifen doch die Spatzen von den Dächern, die Schwarzen des Generals Mangin werden bald zu einer ganz großen Sache angesetzt. Mangin will doch in Laon seine Osterferien verleben, wenn nicht gar schon irgendwo am Rhein.

Die Offiziere sind empört. Einer geht hinaus, ruft die Kriminalpolizei. Ein Kommissar erscheint und bittet den neugierigen und geschwätzigen Zivilisten ganz unauffällig ins Nebenzimmer. Die beiden Generalstabs- Off?,!ffiei(cn9Sie sich bitte aus", sagt der Kommissar.Wie kommen Sie zu diesen unvorsichtigen Aeuherungen?" fragt einer der Stabsoffiziere. Der Zivilist weift sich aus. Er ist ein braver unbescholtener Bürger, völlig unverdächtig in jeder Beziehung, Ritter der Ehrenlegion. Was er gesagt hat, das ist doch allgemein bekannt. Kann man ihm daraus einen Strick drehen? Er kann aus dem Stegreif sofort zehn, zwanzig, hundert Men­schen nennen, die vielleicht noch mehr wissen als er. Und zu den General­stabsoffizieren gewandt:Aber meine Herren! Sind Sie allein [o fremb in Paris, daß Sie nicht wißen, was hier geredet wird? Sicher, in den Zeitungen steht das ja nicht, aber jeder Fronturlauber erzählt doch ganz offen hinter seinem Weinschoppen, daß es zwischen Reims und Soissons demnächst losgeht, und daß Nivelle und Mangin den strategischen Versuch von Verdun wiederholen werden."

Die beiden Offiziere sehen sich an. Das ist ja eine bodenlose Unvor­sichtigkeit, das ist, gelinde gesagt, eine Schweinerei. Was wird der fran­zösische Nachrichtendienst dazu sagen? Die Deutschen haben allen Grund, sich ins Fäustchen zu lachen, denn noch nie wurde eine Offensive so früh und so offen und so lächerlich freimütig wochenlang, ja monatelang vor ihrem Beginn durch Dummheit oder Klugtuerei verraten. Jawohl, weiter nichts als Großtuerei.

Aber wenn die beiden Generäle, Nivelle und Mangin, in der Klar­legung ihrer Pläne so großzügig sind und keineswegs an Geheimhaltung denken, wie sollen dann die Untergebenen den Ernst des Ganzen zu be­urteilen wissen? Kann man in diesem Falle von einem Regimentsschreiber verlangen, daß er seiner Frau oder feiner Liebsten daheim auf Urlaub ober feinen Freunben am Stammtisch bieje tolle und interessante Nachricht vorenthält?

Meine Herren! Ich verstehe schon", sagt ber Zivilist unb broht scherz­haft mit bem Finger.Diese Nachricht von ber bevorstehenben großen Offensive zwischen Reims unb Soissons ist weiter nichts als ein großer Bluff. Wißen Sie, meine Herren, ich war ja auch Solbat, heute bin ich zu alt, um nochmals an bie Front gehen zu können, aber ich weiß, baß man Nachrichten von biefer Tragweite nicht preisgibt. Wenn man aber eine solche Nachricht unters Volk bringt, wenn ganz Paris bavon weiß unb bie ganze Provinz sich schon jetzt barauf vorbereitet, Siegeskränze zu roinben, bann nenne- ich bas Ganze eine gerabezu geniale Irreführung. Di« Deutschen sollen natürlich erfahren, bah Nivelle unb Mangin an ben unb ben Punkten angreifen werben. Sie werben bort aufpaßen wie bie Schießhunde, die verdammten Boches, und siehe, währenddessen wirb Nivelle an ganz anberer Stelle feine Poilus zum Sturm antreten laßen haha, bas ist eine Kriegslist fonbergleichen! Jetzt verstehe ich Ihre Aufregung, meine Herren ----"

Der Zivilist wirb energisch verwarnt. Die Generalstabsoffiziere packen ihn bei seiner Staatsbürgerehre unb seiner Vaterlanbsliebe unb legen ihm bringend nahe, kein Wort mehr über diese Dinge verlauten zu laßen und jedem Schwätzer, wer er auch sei, energisch über den Mund zu fahren. Dann fahren sie sofort nach Beauvais, wo Nivelle sein Hauptquartier aufgeschlagen hat, 40 Kilometer nordwestlich von Chantilly. Sie laßen sich beim Generalstabschef melden und erzählen ihm ihre Beobachtungen in Paris, verheimlichen keineswegs, daß jedes Kind eigentlich schon den Nivelleschen Operationsplan in seinen großen Zügen kennt.

Diese Beschwerde der beiden Offiziere hat sofortigen Erfolg. Nivelle erläßt einen neuen Befehl, der jede außerdienstliche Erörterung über feine Anordnung und feine Taktik strengstens verbietet. Nicht genug! Die Ver­vielfältigung feiner Instruktionen vom 14. Januar wird unterbunden, die vorhandenen Exemplare aus dem Dienstverkehr gezogen. Nur die aller- notwendigsten Blätter bleiben bei der Truppe, dürfen aber unter keinen Umständen mit in die vorderste Linie genommen werden.

Wissen die Deutschen schon von diesem Angriff? Ist irgendeine Nach­richt über das feste Gefüge ber waffenstarrenden Linien durchgedrungen?

Die Heeresgruppe Kronprinz Ruprecht von Bayern rüstet die Verteidigung!

Während General Nivelle die Einzelheiten feines großen Angriffs- planes der gewaltigen Schlußschlacht dieses Weltkrieges ausarbeitet, richten sich die Deutschen zur Verteidigung ein. Der wahrscheinlichen Angrisss- front gegenüber, das heißt zwischen dem Wytschaete-Bogen und Reims, liegt aus deutscher Seite die Heeresgruppe Kronprinz Ruprecht von Bayern. Ihr Hauptquartier befindet sich in Cambrai, etwa im Mittel­punkt der gewaltigen Front und ziemlich dicht hinter der Kampflinie. Die ganze Ausdehnung dieses Frontabschnittes beträgt mehr als 270 Kilometer. Die schweren Kämpfe an der Somme hatten die Front etwas in ihrer Mitte eingebuchtet und der deutschen Verteidigung harte Verluste zu­gefügt. Nun ruht der 270 Kilometer lange Gürtel aus Feuer, Rauch und Explosionen, bas heißt, was man so hier ruhen nennen kann.

Die große Schlacht mit unübersehbarem Munitionsverbrauch ist vorbei, aber es gilt, sich jetzt auf neu« Angriffe gefaßt zu machen. Mit dem ersten Wiebererscheinen bes Frühlings, mit dem Längerwerben ber Tage, mit bem Verschwinden ber Nebel unb ber sibirischen Kälte dieses ungewöhnlich barten Winters werden bie Feinde angreifen. So rechnet man beim Stab ber Heeresgruppe.

Am 15. Januar 1917, einen Tag, nachdem General Nivelle feinen ttnungsfrvhen, ja begeisterten Armeebefehl herausgegeben hat, erläßt Heeresgruppe Kronprinz Ruprecht von Bayern eine Denkschrift an