Ihrer, hatten es gezähmt, das Zauberroß. Wallenstein glaubte nicht, pi, :oä heroische Element sich dem Bürgervolke lange bequemen würde.
i65 erreichen kann keine. Ja: eine jede spürt einmal ihre Grenzen. |ie mutz sich darein finden mit stiller Beherrschung. Es mutz ihr । sein, die Idee, die des Einsatzes wert war, weitergetragen zy t. Auch wenn ungelöste Fragen und Dunkelheiten ihren letzten, n säst den Stempel des Erliegens auf drück en — sie lassen sich den- Lj nicht beugen. Eine stolze Melancholie ist die seelische Verfassung j(r infamen Helden Ricarda Huchs. Ja, nach dem Gesetz eines Ver- iiiiiisses, dem die Dichterin nicht anklagend, sondern stumm verehrend Miibersteht, gehen auch gerade Persönlichkeiten, die auffallend vvr- fe eilten, jener Einsamkeit entgegen.
Jjt ihrem Buche „Der große Krieg in Deutschland" heißt es: „Als j( üserltchen unter Wallenstein in Verfolgung des Feindes an die E|t von Jütland kamen, sahen sie in der Ferne die dänischen Schiff«, 1 !)n unerreichbar entführten. Solche Rosse, die auf dem Wasser Eiji könnten, möchte er auch haben, sagte Wallenstein zu Arnim, der
ihm ritt, worauf dieser erwiderte, ja, ohne sie hätten sie die Sn bis auf den letzten Mann niedergemacht, oder sie hätten in len$raben springen und ersaufen müssen. Wallenstein blieb am Strande in) l (irrte auf das unzugängliche Element, das, vor feinen Füßen aus- Men, ihn durch sein Dasein unterjochte. Es wurmte ihn, daß das Wrtier seinen schäumenden Nacken dem geschlagenen Dänenkönige
und ihn, Wallenstein, den Sieger, verhöhnte. Es tanzte vor ihm btibie Felsen, daß die aufspringenden Tropfen ihn bespritzten, über- ttsiljn mit dem Dampf seiner Nüstern, und sein jauchzendes Wiehern M ihm ins Gesicht, weil es wußte, daß er ihm keinen Zügel über« Mn konnte. Armselig, dachte Wallenstein, sei die Herrschaft der (Erbe; sie das Meer, das Könige mache! Was für ein Bettlerfürst war im inne der Kaiser deutscher Nation: ein Bauer auf einem verfchuldc- hjofe, der niemals Geld in Hand hatte, eine alte, verschrumpfte |<ic4ie! Macht hatten nur die, denen das Meer gehörte. Sie, die
-st,da war ein anderer, der es lockte und auf den es horchen mochte, ir inger, rascher König, der Schwede Gustav Adolf. Schweden war Ito ]u arm und zu klein; er phantasierte, das wußte Wallenstein, von !i" großen Bunde aller nordischen Mächte gegen Spanien und Oester- lUJn diesem Bunde würde keine aufrichtige Freundschaft fein; denn Adolf wollte nicht ein Gleicher unter andern, sondern er wollte II ierr fein, Herr des Meeres, Herr der Erde. Zwischen ihm und IIMnen, wenn sie sich auch als nachbarliche Freunde gebärdeten, war |"ptauen und Eifersucht, ebenso zwischen ihm und den Staaten. Sie eile: alle Nebenbuhler um das Meer; es müsse viel Blut fließen, to Wallenstein, bevor die Hochzeit mit dieser Amazone gefeiert fcti»." Das Weltendrama, in das hier der einsam seherische Wallen- kh Lücke tut, geht um die Einigung artnaher Völker unter straffster Mntg; aber er sieht es als ein Drama, das nicht zu Ende gespielt iie:l i kann, gleichwie die Fluten bis in ferne Jahrhunderte ans Ufer ■Rit.
|| krdringlich nutzt Ricarda Huch die Natur als Sinnbild. Ihr ge- IpWr Freiheitsheld Confalonieri (in der Gruppe der Romane, die im Ringen um die Einigung Italiens im 19. Jahrhundert han- Ipl. „fühlte sich", fo heißt es im Ausklang feines Lebensbuches, „dem W<3u nahe, als daß man hätte sagen können, er sehnte ihn herbei, lisbitte nichts Bitteres mehr für ihn, zu denken, daß er auf diesem Mimose liegen würde, durch kein Zeichen von den Gebeinen namen- IVerbrecher unterschieden. Vielmehr kam ihm dieser Garten, den t seinem Fenster aus sehen konnte, wie seine Heimat vor. Er sah tipfel einer Schwarzpappel, der sich wie eine Bergeskuppe wölbte, en einer Akazie, der zu ihrer Blütezeit weich wie eine bläulich Wolke über der moosigen Mauer schwebte. Unter diesen Bäumen nbeite der Tod, der unbekannt« Vertraut«, mit dem er die Herr- dieses dunklen Felsens teilte und der aus ihn wartete, gelassen W'ter niedrigen Mauer über die Ebene hinausblickend und üb«r die ■Äni-e Zeit."
H tenfalonieris letzte Tage, sein Abschied von seiner politischen Idee, ”’e «r ihn hinaus leben wird, feine Trauer um die Lebensgenossin, ’Hs harte Dasein ihm schon nahm bevor der Tod sie ihm vollends Mg — all das wird mit einer in ihrer Zurückhaltung unnachahm- tw zuchtvollen Schwermut geschildert. Und obwohl die Art und Weise, Jr'lhr andere Vorkämpfer für eine neue Gröhe Italiens, Garibaldi, Mkr Lebensbühne abgeht, weit temperamentvoller auftchwingt, fo M ioch auch st« unter den Schicksals-Erkenntnissen: Kommen wird s i 's der Tag ... und: möge aus unserer Asche ein Rächer erstehen!
i fcr Wandel schafft Gerechtigkeit. „Garibaldi", so schreibt Ricarda : 1 blieb still mit dem Begriff des unvermeidlichen Schicksals, das 'T mb Rom bereitet war, stehen. Da die Höhe, die die Stadt be- ?. We, in der Hand des Feindes war, wußte er, daß nichts sie retten iund es war ihm zumute, als stände er nicht vor den Mauern Publit, um |je jU verteidigen, sondern vor dem Grabe Roms und j« für immer Abschied. Was nun kommen mußte, sah er klar, als I J?? 65 schon geschehen: Kampf und Blutvergießen und Sterben der T!r'tm Männer, Wehklage des Volkes, endlich das Unterliegen. Bis- ?Trb;ltc er nie anders gerechnet, als daß er, wie oft auch ausgehalten, I®.'ecr' -las sich zu siegen gewöhnt hatte, gegen Oesterreich führen, 1'31 a und Mailand befreien würde; nun wußte er auf einmal, datz '4« 1 würde fliehen müssen, ein Heimatloser, mit Weib und Kind, Teiler auf dem Meere." t _
. j1' unendliche Folg« der Gefchehnifse in der Richtung aus das Imh6 Siel entspricht bet Denkungsart der Romantiker, jener Künstlcr- ^Ä»chkeiten in der ersten Hälste des 19. Jahrhunderts, deren Werten iJ Werten, deren Lebensumstände und Lebensansichten Ricarda Huch n Jn rn mit Recht viel gelesenen Buch, ihrer Art gemäß, wissen,chaft- c f 'd dichterisch gleich fein und förderlich nachging. Die schlichte, starke aber, die sie, auch in Not und Sturz, bei ihren Helden findet, e * wie ich eingangs sagte aus ihrer eigenen nach innen gekehrten ^Betrachtung.
Heroische Landschaft.
Von Ricarda Huch.
Aus unsichtbarer Urne schwillt
Der Strom unendlich in der Eb'ne blaues Reich
Kein Busch, der ihn verhüllt,
Kein Brückenband faßt ihn zufammen, Stark flieht er, unaufhaltsam, lautlos weich. Vielleicht, dah Rosse schnaubend ihn durchschwammen Einst in der Schlacht Verzweiflungsdrang;
Daß Blätter von den Eschen, die dort stehn,
Mit herbstlich wildem Klang
Wie von Trompeten
Nach drüben wehn.
Nun seh ich Götter feurig ihn betreten,
Drei: Mittag, Tod und Ruhm;
Schicksal im Sinn,
Von einer breiten Fahne rot umrauscht.
Wohin? Wohin?
Zu ferner Völker Rauch und Heiligtum?
Zu eines Helden Gruft?
Die Seele lauscht —
Vorüber; noch ein Klirren in der Luft.
MenschenDmd Schicksale aus dem Risorgimento.
Von Ricarda Huch*.
Uns Lebende zieht Sehnsucht zu den Toten; hinweg von den Zahllosen, die uns umbrängen, die uns die warme Hand entgegenstrecken, in deren Augen wir lesen können, gehen wir einsamere Weg« und beschwören die Gewesenen, die uns nicht Red« stehen. Wie Helden auf einer nächtlichen, vom Sturm umraufchten Bühne sehen wir sie mit flatternden Gewändern, mit starken Gebärden die Geschichte ihres Lebens spielen und werden nicht müde, den tragischen und süßen Worten zu lauschen, die aus tiefer Vergangenheit abgeriffen zu uns auftönen. Auch wenn wir Entfetzen und Abscheu empfinden, verläßt uns ein ehrfürchtiger Schauer vor den geistigen Wesen nicht ganz, di« sich jenseits unserer Sinnlichkeit vollendet haben. Wie Halbgötter und Dämonen umgeben sie uns, von uns angerufen als Lehrer, als Beschützer, als Bürgen, unser« Kämpfe mit uns kämpfend, ihr goldenes Blut, das nie versiegend«, immer von neuem vergießend.
Lebendiges Fleisch und Blut erregt unsere Sinne zu sehr in Leidenschaft, Ekel, Widerspruch; auch ist es uns zu nahe, so daß wir es im ganzen nicht überblicken können, während wir das einzelne zu groß, zu deutlich sehen. Die Namen der Toten, um di« her noch jene Kraft glänzt, die sie lebend ausstrahlten, sind wie flammende Siegel auf Geheimnissen und reizen uns übermächtig, sie zu durchdringen. Sie sind die Sternbilder, die den Himmel bedecken, Hieroglyphen, durch deren einzelne Leuchtpunkte wir silbern« Linien ziehen, um sie zu schönen Gestalten zu verbinden. Es ist eine Glorie für ein Land, wenn sich viele dieser unsterblichen Zeichen darüber wölben.
Das italienische Risorgimento ist eine Fundgrube an tatenreichen Menschen und auffallenden Begebenheiten, wie für die meisten Völker ihr« Wanderungen und Eroberungskriege in entlegener Vorzeit, wie etwa für Nordamerika die Geschichte der ersten Ansiedlungen und der Verdrängung der Indianer. Der lange Kampf in der bunt zusammengesetzten Halbinsel des Apennins hatte Entwicklungsabschnitte, di« untereinander von verschiedensten Charakter waren. Als die Idee des freien und unabhängigen Italiens ein gewisses Alter und eine gewisse Kraft erlangt hatte, ergriff sie die Menge durch allgemeine Triebe: Auflehnung gegen die durch bi« ersten Empörungen veranlaßten Vergewaltigungen, ^Rache, Begeisterung, Unternehmungslust, oder durch di« Einsicht, daß dies die Wege der Zukunft seien; schließlich ist es etwas Selbstverständliches, dah auch Durchschnittsmenschen von einer Idee mitgcriffen wurden, die, im Kampfe erstarkend, das Uebergewicht erlangt hatte.
Etwas anderes ist es, wenn eine Idee noch neu ist, erst unbestimmte Umriffe hat, Gefahr damit verbunden ist, ihr anzuhängen, und unsicherer Ruhm, ja wenn sogar der zu erreichende Zweck nur undeutlich vorschwebt. Während der Herrschaft Napoleons .hatten die verschiedenen Gebiete Italiens einen gewissen Grad von Selbstgefühl erreicht, sei es auch nur insofern, als eine große Bewegung sie durchflutet hatte, und Bewegung, Leben und Kraft bedeutet und Ideen erzeugt. Es war nicht fo, daß das Volk einmütig, nach nationaler Einheit und nach Freiheit verlangt hätte; aber die Gebildeten waren unwilliger als früher, den Druck veralteter und fremdartiger Einrichtungen zu ertragen, und empfindlicher als früher gegen die Schmach der Fremdherrschaft. Beim Sturze Napoleons hatte in der Lombardei dessen Stiefsohn, der Vize- konig Eugen Beauharnais, eine Anzahl von Anhängern, die mit ihm eine Art von Selbständigkeit zu gewinnen hofften; die Konfervativen und andere, denen der Despotismus der Franzosenherrschaft unleidlich
* Wir veröffentlichen hier als ein wesentliches Zeugnis für die Geschichtsauftastung der Dichterin und für ihre Art, die Geschichte zu betrachten, die Einleitung zu ihrem Buch „Menschen u n d S ch i ck- fale aus dem Risorgiment o", das wie die meisten Schriften Ricarda Huchs im Insel-Verlag zu Leipzig erfchienen ist. „Risorgimento" - „Wiederauserstehung" bezeichnete sich nach dem Titel einer damals in Turin erscheinenden Zeitung die italienische Einheitsund Freiheitsbewegung in der ersten Hälft« des vorigen Jahrhunderts.


