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Oie Träumende.
Von Ruth Schaumann.
Da unser Schlaf zusammenglitt Wie eines Falters Zwillingsslügel, Kam Traum als S>irte über Hügel Und nahm mich an der Rechten mit,
weit er schritt.
sah ich Firnen unter Schnee, wuchs ein Tal empor aus Matten. Mond und schwarzer Felsen Schatten
die verdüstert dahintergekommen waren, daß hier zwei den dreisten Einfall hegten, ein gewichtiges Ehpaket mitzunehmen. Verdrießlich auch für die einzige Bedienerin! Verliebte sind Menschen mit hungrigem Magen und solchen, die einen ganzen Tag hart gearbeitet haben, ohnehin ein Dorn im Auge.
Aber dann hatten sie ihr Souper doch beisammen und zogen strahlend zur Autobus-Haltestelle. „Drei Stationen nur, fauler Kerl!" murrte Mo-
________1 ein Schlaraffenland."
Nachher belagerten sie inmitten einer Schar eßlüstern ihre Auswahl Treffender den delikaten Vorrat an Schinkenbröten, Salaten und gebratenem Fifch. „Was willst du haben, klitzekleines Ding?" erkundigte sich Jürgen und stellte entzückt fest, daß Monika gerade mit den Augen über bie hohe Glaswand des Büfetts sehen konnte.
„Alles, was du dir kaufst", sagte sie prompt. Völlig sinnlos und ohne Tqstem erwarb er Gutscheine, mürrisch beobachtet von den Umstehenden,
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Saß ich am Rand von einem See In Tau und Klee.
Fern schritt der Hirt, ich sah ihm nach. Da brach ein Hirsch aus Haselzweigen, An meine Knie das Haupt zu neigen, Bis ich ihm alle Zeit versprach.
Da ward ich wach —
Und deine Stimme sang: mein Eigen.
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.......„e er verschmitzt. Gut nur daß Monika den Mit- fohrenden ihren Rücken zugekehrt hielt. Denn soeben verkündete dieser
Anwandlung. „So verwüstest du unser Ver- es und schmunzelte schadenfroh. „Ziemlich keß,
schrecklich übermütige und deswegen hinreißend zutunliche Jürgen nach allen Seiten, daß er sich mit seiner lieben Frau auf der Hochzeitsreise befände. „Man sieht's doch, wie? Flitterwochen, jawohl!" Da müffe man fürs erste noch beide Augen zudrllcken. Nicht mal ein einfaches Abendbrot könne sie rüsten, die junge Ehefrau. Aber das würde schon noch werden. Und mit der Erziehung beginne ein kluger Mann immer später!
Unter allgemeiner Anteilnahme einer erheiterten Gesellschaft half er Monika zärtlich aus dem Wagen.
„Manchmal bist du wirklich unerträglich" sagte sie, beinahe böse. Er lief, plötzlich sehr ernst, neben ihr her. „Und du bist hartherzig!^' Alle sorgenvollen Jagdhundfalten, die ihr so viel Spaß bereiteten, waren auf seiner Stirn, „Monika — warum willst du das nicht? Bin ich denn so ein schlechter Kerl? Wenn du immer bei mir wärst, würde ich dich bestimmt nicht mehr mit Eifersucht quälen ..."
Sie unterbrach ihn, heftiger als sie eigentlich wollte. „Ach du!" Ungläubig schüttelte sie den Kopf. „Noch viel eifersüchtiger würdest du sein. Ich kenne dich doch! An die Kette legen willst du mich — hast du wenigstens gesagt! Wenn ich einmal fünf Minuten nicht zu Hause bin, dann gibt es schreckliche Szenen. Und die ertrage ich nicht. Ich will überhaupt nicht heiraten. Ich will —"
„Berühmt willst du werden. Ich weiß." Das Paket schwankte so bedrohlich, daß sie es ihm wortlos aus der Hand nahm. Er merkte es nicht einmal. „Was ist das für ein Leben, das wir haben, Monika? Immer wieder trennt man sich, wenn man beisammen bleiben möchte. Da gibt es. keine Ruhe, keine Harmonie. Zwischendurch ist man so viel allein und zerbricht sich den Kopf, was du nun tust. Und dann erzählen einem die anderen, daß sie dich gesehen haben — mit einem deiner geschniegelten Fatzken. Ja: alles nur gute Kameraden! Ich glaube es auch. Aber sie machen mich rasend. Ich will das Recht haben, sie dir alle zu verbieten. Ich bin eben altmodisch, dickschädlig, spießig — nenne es, wie du willst. Aber ich will dich ganz für mich haben."
Sie schloß die Haustür auf. Er konnte nicht sehen, daß sie den Tränen nahe war. „Sei jetzt um Himmels willen nicht wieder bockig, Jürgen!" Monikas tiefe Stimme bettelte. „Komm, sei vernünftig! Da ist soviel geschehen in diesen paar Tagen."
Plötzlich hatte er das Gefühl, als ob eine finstere Glocke sich unaufhaltbar über ihn senke, um Luft und Licht für immer abzuschließen. Etwas sehr Schlimmes, das spürte er schmerzhaft deutlich, kam auf ihn zu. „Sag es nur gleich. Ich ertrage es nicht, auf die Folter gespannt zu werden!"
Monika knipste die Dielenbeleuchtung an und verschwand in der winzigen Küche. Von dorther kam ihre Stimme sehr Matt. „Die Costa ist krank geworden. Der Intendant will mich an ihrer Stelle mit nach Italien nehmen ... ein wunderbares Gastspiel, Jürgen! Bis nach Südamerika geht die Route. Ueberall erstklassige Theater. Und so eine tolle Gage. Ueberhaupt: bas ist endlich, endlich ein Sprungbrett! Ich komme hier aus den jämmerlichen Anfängerrollen heraus. Niemand .würde den ersten Pagen aus „Tannhäuser" für eine Hauptrolle verpflichten — aber die Solistin einer solchen Tornee findet offene Türen. Ach, Jürgen! Und wenn ich etwa; erreicht habe, heirate ich dich." Sie meinte es ehrlich. Er mußte das fühlen. Sie liebte ihn doch. Er machte es ihr nur so schwer...
„Dann pfeif ich drauf!" Jagte er grob. „Ich verzichte daraus, der Mann meiner Frau zu [ein, das merk dir. Ich will dich für mich haben — nicht für die anderen. Und wenn dir nur ein kleines bißchen an mir liegt, Monika, dann weißt du jetzt, was du zu tun haft. Falls dir dein Beruf und das Geld und der Ruhm wichtiger sind als ich — gut! Ich werde mich damit abfinden müssen. Und dann werde ich es auch können. Beides zusammen geht nämlich nicht."
So hatte er nie zuvor mit ihr gesprochen. Das war nicht mehr der große, trotzige Junge, in den sie sich einmal verliebt hatte, weil er so prachtvoll aussah. Das war ein Mann, der genau wußte, was er wollte. Und dem mußte man sich fügen. Oder man hatte ihn verloren. In diesen fünf Tagen, da sie zornig über ihn war, bereit, ihn zu vergessen und nur noch für den Beruf da zu sein, war es nahezu einfach erschienen, in Zukunft ohne Jürgen leben zu müssen. Doch nun, unmittelbar und erbarmungslos von ihm selber vor die endgültige Entscheidung gestellt, war das Einfache plötzlich eine untragbare Bürde. Wenn man sich mit diesem Gefühl herumschleppte, bann konnte einem ganz sicher kein Ruhm der Welt zufrieden werden lassen.
„Ich hätte dich nicht Wiedersehen dürfen!" Sie rettete sich in einen harten, lieblosen Tonfall. Sie wollte ihn auch nicht länger anschauen, sonst stürzte sie ihm einfach um den Hals. So finster und unzulänglich stand er da und starrte sie aus den hellen Augen unglücklich an. „Also — lebe wohl!"
Er antwortete nicht. Sie hielt den Kopf gesenkt, hörte nur, wie er die Klinke herunterdrückte. Dann fiel die Tür ins Schloß. Cs war sehr still in der kleinen Wohnung. Nie zuvor hatte die Uhr so rücksichtslos gelärmt.
Eigentlich hatte Jürgen sich betrinken wollen. Doch das taten Schwächlinge, wenn sie mit einer Sache nicht fertig wurden. Und es mußte nun leicht sein, mit dieser Frau, die ganz zu Unrecht einen so romantischen Namen trug, fertig zu werden. Das war überhaupt keine Frau. Das war ein abstoßendes Retortenprodukt, zusammengesetzt aus Ehrgeiz, Egoismus, Gesühlskälte und Berechnung.
Schönster Taa mit Monika.
Erzählung von Edith Zubert.
Fünf Tage waren nun vergangen, seit Jürgen und Monika diesen schlimmen Krach miteinander gehabt hatten. Fünf endlos lange Tage, die sch träge und ohne Inhalt dahinschleppten. Und alle Gedanken kreisten Niermüdlich um Monita .. Doch wenn man schon die Hand nach dem Telephon ausgestreckt hatte, dann waren wieder diese bitterbösen, end- «Liltigen Worte im Ohr: „Nun habe ich aber genug 1 Ein für allemal: lebe wohl!"
Ach Monika, warum hat ein Gott es gewollt, daß Liebe und Eiferst cht so erbarmungslos verschwistert das Herz anfallen? Glück und Verzauberung qualvoll verbunden mit Höllenpein und Leid! Unerträglich auf bie Dauer schien es. Am untragbarsten aber war das Ende. Wenn man nicht zum Teufel gehen wollte, dann mußte etwas geschehen!
Da war die oertraute Nummer plötzlich doch zusammengestellt. Jnner- hald weniger Sekunden erlebte man alle Phasen einer aschgrauen Furcht Wenn sie etwa nicht daheim war — ausgegangen mit irgendeinem dieser hergelaufenen Affen — lieber Himmel! Monika — viel zu anziehend war le eben, viel zu reizend. Was konnte sie schließlich dafür, daß sie den anderen auch gefiel!
Und dann kostete es alle Neroenkrast, sich zu melden, als die dunkle Stimme im Hörer war.
„Monika!" sagte er, atemlos vor Sehnsucht und Liebe. „Es geht nicht anders: ich muß dich sehen ..."
„Ja —" Ihre Stimme war ganz verwischt. Hellhörig, wie ein zärtliches Herz macht, fühlte er, daß sie zögerte. Und gleich sprang ihn diese [dllimme Eifersucht wieder an, daß er sich bezwingen mußte, nicht auf btr Stelle grob und verletzend zu werden.
„Bitte!" Nun flehte er wie ein bummer Junge und verachtete sich dafür. „Du mußt Zeit haben, Moni! Du mußt einfach!"
„Ja —* sagte sie noch einmal, hilflos und überrumpelt. „Wann tonn?"
„Gleich natürlich!" Erleichtert redete er übermütig drauflos: „Wir tun «ach alles, was du willst, Siebes. Und ich bin sehr friedlich mit dir. Kein enziges böses Wort, ich verspreche es. Und kein bißchen Eifersucht. Ich ple dich ab, ja?"
Monikas Stimme war immer noch bedrückend fremd. Sie klang wie hinter Glas, „Gut, Jürgen! In zehn Minuten warte ich vor der Tür."
So schnell war man selten über die Straße getrabt. Alle hübschen, skmmer-bunten Frauen sollten einem heute gestohlen bleiben! Sie waren nur beachtenswert, so lange Monika gut war. Aber Monika war keineswegs gut. Das hatte man wohl gemerkt. Deswegen war auf dieser Welt itn Augenblick nichts wichtiger, als sie zurückzugewinnen.
Da stand sie tatsächlich schon unter der Haustür. In Hut und Mantel. „Du willst weggehen?" fragte er und konnte feine große Enttäuschung doch nicht ganz verbergen. Man mußte schließlich miteinander reden. Wo tonnte man bas besser als bei ihr, in diesem stimmungsvollen Raum. Ueberall in den Lokalen aber saßen gräßlich gleichgültige Menschen und
gte, M starten durch Neugierde.
je, cb(I „Wir wollen etroäs zum Abendessen eintaufen!" Sie sah an ihm vor- „.. hi. Ihre Augen hatten einen seltsamem unbeteiligten Ausdruck. „Du hast t hob«« doch immer so Hunger! Und ich besitze nur einen Wurstzipfel."
mit b# „Sicher hast du in all diesen Tagen kein vernünftiges Essen gehabt!" jben <«" Itiatt er, ganz durcheinander in seiner Besorgtheit. „Bestimmt: du bist Jt, d«i schon wieder dünner, Moni! Ganz schmal und blaß siehst du aus —" Sie lächelte traurig. „Ich hatte gar keinen Appetit", sagte sie leise.
.s’g dt"I Er nahm sie um die Schultern und lärmte schuldbewußt: „Da haben fein« wtr es! So ein dummes Mädchen! Keinen Appetit? Na, warte —" Und n feilt« t: zerrte sie eilig vorwärts. „Jetzt kaufen wir lauter prächtige Sachen ein —" Doch plötzlich blieb er wie vom Donner gerührt stehen. „Herr- g»H! Die Geschäfte sind ja längst zu. Was nun?"
Monika schmeichelte den Arm gegen feinen Mantel, vertraut und ver-
i fit. ________,
«irrend wie fönst. In den dunklen Äugen wartete die alte, hinterhältige i16 Lj Fröhlichkeit. „Komm nur, Dummkopf, bas Automaten-Büfett ist nach
Feierabend


